
1. Eckdaten
Titel: „Das Münster Kochbuch“ / „Münsters Weihnachtsküche“
Autoren: Lisa Nieschlag und Lars Wentrup
Verlag: Hölker Verlag
Erscheinungsjahre:
2024 (Kochbuch) /
2020 (Weihnachtsküche)
2. Inhalt und Konzept
Lisa Nieschlag und Lars Wentrup sind bekannt für ihre stimmungsvollen und atmosphärischen Kochbücher, die nicht nur Rezepte beinhalten. Durch kurze Texte und besonders durch ihre Fotos gelingt es ihnen hervorragend, Stimmungen und Lebensgefühl der Region oder des Themas, das sie bearbeiten, einzufangen. Ihre Bücher sind somit immer ein Erlebnis für die Sinne. „Das Münster Kochbuch“ und „Münsters Weihnachtsküche“ folgen diesem Ansatz und verbinden Kulinarik mit lokalen Impressionen.
• Beschreibung des Konzepts
Das Münster Kochbuch
Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an die westfälische Küche und die Stadt Münster. Es verbindet traditionelle Rezepte mit modernen Interpretationen und spiegelt die kulinarische Vielfalt der Region wider. Neben Rezepten bietet das Buch vor allen Dingen wunderschöne Fotos aus der Stadt Münster.
Münsters Weihnachtsküche
Das Weihnachtsbuch zeigt Münster in weihnachtlicher und winterlicher Stimmung und präsentiert festliche und traditionelle Rezepte. Die Fotos von Münster im Schnee und zur Weihnachtszeit vermitteln eine gemütliche Atmosphäre, die zur Adventszeit passt. Das Buch bietet Ideen für weihnachtliche und winterliche Menüs, Plätzchen und heiße Getränke. Eine fünfseitige Geschichte „Das Weihnussfest“, die natürlich in Münster spielt und mit viel Lokalkolorit angereichert ist, lädt zum Vorlesen für Kinder ein – im Mittelpunkt steht eine Eichhörnchen-Familie, die ein Familienmitglied verliert und wiederfindet.
Regionale und saisonale Zutaten stehen in beiden Büchern im Mittelpunkt. Es gibt eine Mischung aus herzhaften und süßen westfälischen Klassikern wie Töttchen, Struwen oder Pumpernickel-Gerichten sowie zeitgemäßen Kreationen und im Weihnachtskochbuch natürlich auch Plätzchen- und Stollenrezepte. Sie vermitteln damit Einblick in die westfälischen Spezialitäten der Region, konzentrieren sich auf die (zumindest den lokalen Lesern) bekanntesten Gerichte und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit oder ein breites Spektrum an westfälischen Küchenklassikern abzubilden.
• Struktur der Bücher
Das Münster Kochbuch
Der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt vier Kapitel an:
„Picknickzauber im grünen Münster“ mit allem, was man gut vorbereiten und mitnehmen kann (u.a. Nudelsalat mit Dicken Bohnen, Potthucke, Bauernstuten und Aufstriche, Stippmilch zum Nachtisch);
„Saisonales vom Wochenmarkt“ mit typischen regionalen Gemüsen wie Stielmus, Sellerie, Dicken Bohnen und Möhren;
„Durch Münsters gute Stube“ zeigt Klassiker der Speisekarten der Traditionslokale im Münsterland wie Töttchen, Blindhuhn, Pfefferpotthast, Struwen und Herrencreme;
„Junges Münster“ bietet dem Zeitgeschmack angepasste Rezepte wie eine Westfälische Käsetarte, Spitzkohl-Flammkuchen oder Grünkohlsalat mit Apfel und Ziegen-Feta, wobei auch hier immer die regionalen Zutaten im Mittelpunkt stehen.
Besonders gut gefällt mir, dass am Ende des Buches alle Rezepte komprimiert auf wenigen Seiten auf Englisch zu finden sind – das macht es auch zu einem tollen Geschenk für internationale Gäste.
Münsters Weihnachtsküche
Das Weihnachtskochbuch gliedert sich in nur zwei Kapitel: „Süß & köstlich“ und „Herzhaft & deftig“. In der süßen Rubrik finden sich Klassiker wie „Arme Ritter“, Stutenkerle, Eiserkuchen und Apfeltaschen, aber auch ein Rezept für Apfelglühwein und diverse Plätzchen.
Im herzhaften Teil sind westfälische Klassiker und traditionelle Gerichte wie Stielmus-Eintopf, Kartoffelsuppe mit Mettendchen und Schinken im Brotteig zu finden, aber auch neue Kreationen wie Spitzkohlauflauf mit Hackbällchen oder ein Wirsing-Kürbis-Eintopf.
Zwischen den beiden Kapitel ist die Weihnachtsgeschichte zu finden.
3. Zielgruppe
Münster ist inzwischen ein beliebtes touristisches Ziel und als große Universitätsstadt auch Anziehungspunkt für viele Menschen aus dem In- und Ausland. Auch die Weihnachtsmärkte ziehen in jedem Jahr zahlreiche Besucher an. Da sind diese beiden Bücher schöne Souvenirs oder auch Geschenkideen und für die Einwohner*innen oder Münsterländer*innen aus dem Umland schöne Sammlungen ihrer bekanntesten klassischen Rezepte. Sie sprechen damit sowohl Münsteraner*innen als auch Liebhaber*innen von regionaler Küche an und Menschen, die eine Verbindung zur Region Münster haben oder einfach die traditionsreiche deutsche Küche genießen möchten.
4. Rezepte und Vielfalt
Anzahl der Rezepte: 24 (Münster Kochbuch), 20 (Münsters Weihnachtsküche);
identisch in beiden Büchern sind vier Rezepte: Stielmus-Eintopf, Münsterländer Pillekauken, Pfefferpotthast und Eiserkuchen.
Das ist schade, gerade bei der geringen Anzahl der Rezepte. Wenn man auf die Münsterländer Speisekarten schaut, hätte man sicherlich noch weitere Gerichte finden können, wie z.B. Westfälisches Zwiebelfleisch, Westfälische Hochzeits- oder Biersuppe oder die Götterspeise auf westfälische Art.
Vielfalt der Gerichte
Entsprechend dem Konzept geht es in den Büchern nicht um eine umfassende Darstellung der westfälischen Küche und auch nicht um besondere Authentizität. Im Falle des Münsterländer Töttchens beispielsweise möchte man sagen: Gott sei Dank! Denn viele Zutaten (wie beim Töttchen z.B. Kopf und Innereien) essen wir heute nicht mehr oder nicht mehr in der Menge und somit sind die Rezepte alle angepasst und einfach von der Beschaffung der Zutaten und auch der Zubereitung gehalten. Das macht sie besonders alltagstauglich.
Originalität und Kreativität
Es gelingt den Autoren die Rezepte so anzupassen, dass auch Klassiker wieder dem Zeitgeschmack entsprechen und traditionell verwendete Gemüse und Zutaten frisch und neu kombiniert werden, wie z.B. beim Nudelsalat mit Dicken Bohnen, den klassischen Kroamstuten als Muffins serviert oder dem Pumpernickel im Weihnachtsgebäck (Gefüllte Pumpernickel-Schoko-Sterne).
5. Schwierigkeitsgrad
Alle Rezepte kommen mit wenigen und leicht erhältlichen Zutaten aus und sind leicht nachzukochen bzw. zu backen. Die Bücher wenden sich somit durchaus auch an Kochanfänger*innen.
6. Fotografie und Design
Bildqualität:
Die Bildqualität ist herausragend. Die Atmosphäre Münsters ist so vielfältig und lebendig eingefangen worden und die Szenen und Bildausschnitte so wunderbar gewählt, dass die Fotos aus beiden Büchern auch einen Bildband zu Münster entstammen könnten. Ganz großes Kompliment dafür: es geht einem wirklich ein Seufzer und ein „Hach!“ über die Lippen, wenn man Münster kennt und mag und diese Bilder sieht.
Die Foodfotografie ist ebenfalls wunderschön gelungen und setzt die Gerichte und das Gebäck und z.T. auch die Zutaten hervorragend in Szene.
Layout und Gestaltung:
Beide Bücher sind auch vom Layout her sehr übersichtlich und in ansprechender Optik gestaltet – insbesondere das Titelbild des „Münster Kochbuchs“ mit der graphischen Darstellung einer Marktszene auf dem Domplatz ist ein Eyecatcher auch durch die lebendige Farbgestaltung. „Münsters Weihnachtsküche“ im adventlichen Rot und Grün mit der „Leeze“, wie das Fahrrad im Münsterland heißt, auf dem Titel wirkt ebenfalls sehr einladend, das Buch in die Hand zu nehmen.
Die Rezepte sind in der Regel auf einer Doppelseite zu finden – eine Seite zeigt das Gericht, auf der anderen findet sich das Rezept nach Zutaten und Zubereitungsschritten klar unterteilt und somit sehr übersichtlich und leicht zu erfassen.
Nutzung der Bilder:
Die Fotos der Stadt vermitteln Münsteraner Flair und Lebensgefühl. Die Food-Fotos zeigen die fertigen Gerichte, Getränke und Gebäckstücke und setzen ebenfalls darauf Atmosphäre herzustellen. Alle Fotos präsentieren die Rezepte äußerst appetitlich im passenden Ambiente. Man bekommt also einen guten Eindruck wie das Ergebnis aussehen soll und möchte am liebsten gleich zugreifen.
7. Sprache und Anleitungen
Die Bücher zeichnen sich im Hinblick auf die Sprache durch eine Mischung aus Klarheit und persönlichem Ton aus, was sie charmant wirken lässt. Zu fast allen Rezepten finden sich ein oder zwei einleitende Sätze, die die Herkunft oder Besonderheiten des Gerichtes erklären. Die Autoren legen Wert darauf, sowohl Anfänger*innen als auch erfahrenen Hobbyköch*innen einen einfachen Zugang zu den Rezepten zu ermöglichen. Die Zubereitungsschritte werden hinreichend und so kurz wie möglich erläutert, was die Übersichtlichkeit erleichtert und in Kombination mit der verständlichen, zugänglichen Sprache und durchdachten Rezeptanleitungen zum Kochen und Backen motiviert.
8. Besonderheiten
Die Bücher sind mehr als Kochbücher – sie sind eine Hommage an Münster, ein visuelles und kulinarisches Erlebnis sowie ein inspirierender Begleiter für alle, die Freude an gutem Essen, schöner (Food)Fotografie und ein Faible für Münster haben. Lisa Nieschlag und Lars Wentrup vermitteln hier sehr authentisch Heimatliebe, Genuss und Kreativität auf eine Weise, die sowohl den Gaumen als auch das Herz anspricht.
9. Preis-Leistungs-Verhältnis
Preis der Bücher: jeweils 20 Euro
Wenn man das Gesamtwerk sieht und nicht nur die Anzahl der Rezepte in den Vordergrund stellt, dann ist der Preis für die Bücher in dieser Qualität sehr angemessen.
10. Gesamteindruck und Empfehlung
Die Bücher vermitteln einen Eindruck von Wärme, Heimatliebe und kulinarischem Genuss. Liebhaber*innen der westfälischen Küche kommen hier ebenso auf ihre Kosten wie Münster-Fans und Heimatverbundene. Dank der klaren Struktur und der vielfältigen Rezepte sind die Bücher ideal für alle, die gerne kochen und Neues ausprobieren und „Münsters Weihnachtsküche“ ist ein Muss für alle, die die Adventszeit lieben und nach Inspiration für westfälisch Festliches suchen. Die Bücher sind auch für diejenigen ideal, die Freude an hochwertig gestalteten Büchern haben – sie eignen sich damit perfekt als Geschenk oder für die eigene Sammlung.
12. Bewertung
• Gesamtbewertung: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Zielgruppe: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Rezepte und Vielfalt: 🥄🥄🥄🥄
• Schwierigkeitsgrad: 🥄 🥄
• Fotografie und Design: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Sprache und Anleitungen: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Besonderheiten: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Preis-Leistungs-Verhältnis: 🥄🥄🥄🥄🥄
12. Nachgekocht

(Münster Kochbuch, S. 43)
Einfach gut!

(Münster Kochbuch, S. 48; Münsters Weihnachtsküche, S. 60)
Ein Kartoffelpfannkuchen mit Schnittlauch und Pilzen… mmmmhhhmmm… 😋

(Münsters Weihnachtsküche, S. 59)
Die Hackbällchen werden aus Bratwurstbrät geformt und liegen auf einem Spitzkohl-Kartoffelbett. Hier war noch viel Käse – eigentlich sollten die Bällchen frei davon bleiben, aber 🧀 geht immer… ☺️

(Münster Kochbuch, S. 65 ; Münsters Weihnachtsküche, S. 66)
Hier leicht variiert, da ich noch Rote Bete zum Fleisch gegeben habe – schmeckt mir immer sehr gut.

(Münsters Weihnachtsküche, S. 10)
Recht aufwändig, aber lecker!

(Münsters Weihnachtsküche, S. 54)
Optisch nicht so ansprechend – mein Fehler… die Saure Sahne ist ausgeflockt, aber die Suppe schmeckte trotzdem sehr gut: mit Kartoffeln, Sellerie, Möhren und Lauch und frischem Majoran. Lecker! 🥔

Kartoffelklassiker mit Zwiebeln, Speck, Ei und Sahne