Michaela Fuchs – Finnland

1. Eckdaten

Titel:
Finnland – Das Kochbuch
Wohlfühlrezepte aus dem glücklichsten Land der Welt

Autorin: Michaela Fuchs

Verlag: Christian Verlag

Erscheinungsjahr: 2025

2. Inhalt und Konzept

• Beschreibung des Konzepts

„Finnland – Das Kochbuch“ ist eine atmosphärisch dichte Einladung, die Küche eines Landes kennenzulernen, das oft als zurückhaltend gilt – aber kulinarisch unglaublich viel zu bieten hat. Michaela Fuchs nimmt uns mit auf eine Reise durch die vier Jahreszeiten Finnlands, strukturiert das Buch bewusst saisonal und verbindet regionale Zutaten mit traditionellen Zubereitungsweisen. Ihr Ansatz ist dabei zutiefst naturverbunden: Von der Küste bis zum Polarkreis, vom Fisch über Wild bis zu Beeren und Brot zieht sich eine einfache, aber kraftvolle Küchenphilosophie durch das Buch: „Weniger ist mehr.“

Die Autorin greift dabei nicht nur auf Rezepte zurück, sondern erzählt mit jedem Kapitel auch eine Geschichte über Land, Menschen, Natur und Feste. Die Kombination aus klaren Rezepten, stimmungsvollen Fotografien und persönlichen Einblicken verleiht dem Buch seinen Charakter – es ist Kochbuch und kulturelles Porträt in einem.

• Besonderheiten des Buches

Was dieses Kochbuch besonders macht, ist seine stimmige Verbindung von Rezepten, Geschichten und kulturellem Kontext. Der saisonale Aufbau folgt dem Lauf des Jahres und spiegelt den tiefen Respekt der finnischen Küche für Natur, Rhythmus und Verfügbarkeit. Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind nicht nur Kapitelüberschriften, sondern erzählerische Leitlinien, entlang derer sich sowohl die Gerichte als auch die begleitenden Texte entfalten.

Neben den Rezepten finden sich stimmungsvolle Erzählungen, die typisch finnische Themen wie Mittsommer, Weihnachten im hohen Norden, die karelische Küche oder die kulinarischen Schätze Lapplands behandeln. Die Rezepte selbst sind vielfältig, dabei aber bodenständig und alltagstauglich. Klassiker wie Piroggen, Runeberg-Törtchen oder Rentiergeschnetzeltes stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie modern interpretierte Gerichte und kleine Alltagsfavoriten.

Ergänzt wird das Ganze durch eine atmosphärisch dichte Einleitung, in der die Autorin sowohl persönliche Eindrücke als auch fundierte Hintergrundinformationen zur Geschichte und den regionalen Besonderheiten der finnischen Küche liefert.

• Struktur des Buches

„Finnland – Das Kochbuch“ folgt einer klar gegliederten, dabei aber sehr atmosphärischen Struktur, die das Lesen ebenso angenehm macht wie das Nachkochen. Der Aufbau orientiert sich an einer Mischung aus Jahreszeitentaktung, kulturgeschichtlichen Einschüben und persönlichem Erzählen.

Einleitung

Nach einem kurzen Vorwort eröffnet die Autorin mit vier informativen Kapiteln zur finnischen Küche:

  • kulturelle Einflüsse aus Ost und West
  • regionale Besonderheiten vom Süden bis zum Polarkreis
  • typische Zutaten und deren Herkunft aus der Natur
  • sowie eine Einordnung der finnischen Küche zwischen Schlichtheit, Saisonalität und Naturverbundenheit.

Diese Einführung ist klug geschrieben, einladend, ohne belehrend zu wirken, und vermittelt echtes Verständnis für die Ursprünge dieser stillen, aber charakterstarken Landesküche.

VorratskammerDie finnische Küche von Grund auf verstehen

Unmittelbar vor den saisonalen Rezeptkapiteln steht ein kurzer, aber inhaltlich zentraler Abschnitt: die „Vorratskammer“. Dieses Kapitel bereitet auf mehr vor als das Kochen. Es erklärt, wie und womit in Finnland gekocht wird. Welche Gewürze werden verwendet? Welche Getreidesorten sind typisch? Welche Rolle spielen eingelegtes Gemüse, Säfte, Senf oder spezielle Öle? Hier wird deutlich: Es macht einen Unterschied, welche Sorte Pfeffer oder welches Öl man verwendet, wenn man einem Rezept wirklich gerecht werden will.

Die Autorin zeigt, wie stark Geschmack mit Verfügbarkeit, aber auch mit Tradition verbunden ist – und dass ein echtes Verständnis der finnischen Küche bei den Basics beginnt. Nicht zuletzt deshalb schließt dieses Kapitel mit einer Handvoll einfacher, aber typischer Vorratsrezepte ab, wie z.B. Preiselbeerkompott , finnischem Senf oder Salzgurken. Diese Vorratsrezepte dienen nicht nur der Vorbereitung, sondern vermitteln etwas sehr Fundamentales: den Vorrat als Ausdruck von Saisonalität, Pragmatismus und Geschmackstiefe.

Frühling – Die Zeit des Wartens

Der Frühling in Finnland ist keine Explosion von Farben und Düften wie in südlicheren Breiten – er ist ein langsames Erwachen, eine zähe, stille Rückkehr des Lichts. Und genau das macht ihn so besonders. Das Kapitel „März, April, Mai – das ist die Zeit des großen Wartens“ eröffnet den saisonalen Rezeptteil mit einer fein beobachteten Einleitung: Während im Süden die ersten Knospen sprießen, herrscht in Lappland oft noch bis in den Mai hinein tiefster Winter mit Temperaturen bis zu –40 °C. Doch das Licht kehrt zurück – erst schüchtern, dann kraftvoll, und mit ihm erwacht die Natur.

Die Autorin beschreibt, wie sich die Rückkehr des Frühlings in Finnland kulinarisch zeigt: mit ersten wilden Morcheln, zartem Rhabarber und dem Auftauen der Flüsse, die nun wieder Felchen, Hechte und Zander freigeben. Auch kulturell ist der Frühling fest verankert im finnischen Jahreslauf: Das Osterfest bringt eine Mischung aus christlichen und heidnischen Traditionen hervor, mit Mämmi, Pasha, Lammbraten und geräuchertem Fisch auf dem Tisch. Und wenn der 1. Mai – „Vappu“ – mit Hefegebäck und Sima (einem selbst gebrauten Maigetränk) gefeiert wird, dann ist der Frühling endgültig angekommen.

Die Auswahl an Rezepten in diesem Kapitel spiegelt genau diesen Übergang wider – von der winterlichen Herzhaftigkeit hin zu frischen, leichteren Aromen. Zu den Gerichten zählen u. a.:

•Rhabarbercreme

•Hechtfrikadellen mit Eiersauce

•Pasha – eine aus der russischen Küche übernommene Oster-Quarkspeise

•Karelische Piroggen mit Eibutter

•Dillfleisch,

•Lammkeule nach „Särä“-Art

•sowie typische Backwaren wie Hefegebäck, Quarkbällchen und Zimtschnecken. 

Die Frühlingseinleitung schafft es, nicht nur eine Jahreszeit zu beschreiben, sondern auch ein Gefühl zu vermitteln: das Gefühl von geduldigem Warten, zarten Anfängen und kulinarischem Heimatgefühl.

Das Frühjahrs-Kapitel wird nicht nur von Rezepten getragen, sondern auch von drei atmosphärisch dichten Erzähltexten, die tief in Kultur, Region und Alltag eintauchen. Diese eingestreuten Geschichten verleihen dem Kapitel eine zusätzliche Dimension und betten die Gerichte in einen lebendigen sozialen und kulturellen Kontext ein:

  1. „Ostern – Weidenkätzchen, Hexen & Hühner, die Nougateier legen“
    Diese Geschichte führt mitten hinein in die Frühjahrsbräuche Finnlands. Sie beginnt verspielt mit Kindern, die am Palmsonntag als „Hexen“ verkleidet von Haus zu Haus ziehen und verzierte Weidenzweige gegen Süßigkeiten tauschen. Doch der Text bleibt nicht bei der Folklore stehen: Er beschreibt auch die religiösen Aspekte des orthodox geprägten Osterfestes im Osten des Landes – inklusive Mitternachtsmesse, Osterlicht und traditioneller Speisen wie Mämmi, Pashax und Kulitsch. Besonders charmant ist die Schilderung der „echten Hühnereier“, gefüllt mit  Nougat und Schokolade, die in finnischen Osterkörbchen nicht fehlen dürfen.
  2. „Ostfinnland – Piroggen, Blinis und die karelische Küche“
    Diese Passage ist eine kleine Hommage an Kareliens kulturelles Erbe. Karelien gilt den Finnen als Ursprung – eine Region, deren Geschichte und Landschaft auch die finnische Küche entscheidend geprägt hat. Der Text verknüpft geopolitische Ereignisse, die häufigen Teilungen des Landstrichs durch Schweden und Russland mit der poetischen Kraft des Nationalepos „Kalevala“ und zeigt, wie sehr die Naturverbundenheit auch kulinarisch spürbar ist. Die Küche Ostfinnlands basiert auf dem, was Wälder, Seen und Felder hergeben: Fisch, Pilze, Beeren, Kräutern – und natürlich den berühmten Karelischen Piroggen und dem bekannten Fleischtopf.
  3. „Helsinkis Markthallen – kulinarische Schatzkammern“
    In dieser Erzählung steht das städtische, moderne Gesicht Finnlands im Mittelpunkt. Die Markthallen der Hauptstadt – allen voran die Vanha Kauppahalli und die Hietalahden Markthalle – werden als Orte beschrieben, an denen sich Tradition, Handwerk und moderne Foodkultur begegnen. Besonders hervorzuheben ist der Abschnitt zur Hakaniemen Kauppahalli, einem renovierten Jugendstilbau, in dem es von frischem Fisch, regionalem Käse und hippen Cafés nur so wimmelt. Das Restaurant „Kirsikka“ mit seinem Designanspruch und der Speisekarte zwischen Heimat und Moderne bildet den Höhepunkt dieser Erkundung.

Diese drei Geschichten sind klug im Kapitel Frühling verteilt und leisten mehr als bloße Hintergrundinformation: Sie tragen zur Gesamtatmosphäre bei, vermitteln Wissen ohne erhobenen Zeigefinger und verankern die Rezepte in gelebtem Alltag – gestern wie heute.

Sommer  – Das blühende Leben

Das Sommerkapitel trägt den poetischen Titel: „Juni, Juli, August – die Monate, in denen das Leben in Finnland blüht“ und genau dieses Aufblühen spürt man auf jeder Seite. Die Autorin beschreibt den finnischen Sommer als einen Rückzug ins einfache Leben – ins „Mökki“, das Sommerhaus, das für viele Finnen fest zum Jahreslauf gehört. Die Tage sind lang, oberhalb des Polarkreises sogar endlos hell, und die Natur zeigt sich verschwenderisch: Felchen, Dillkartoffeln, Beeren, frisches Brot, geräucherter Fisch – gegessen wird draußen, gekocht wird einfach.

Im Zentrum steht das Lebensgefühl des Sommers – und das bedeutet auch: Entschleunigung, Nähe zur Natur und gemeinsames Feiern. Gekocht wird, was Saison hat, gesammelt wird, was Wald und Wiese hergeben. Frisch gefangener Fisch wird über offenem Feuer gebraten oder als Suppe serviert, zerdrückte Blaubeeren mit Piimä (Sauermilch) vermischt – ein erfrischend einfaches Dessert.

Die Rezepte spiegeln diese Fülle und die Festkultur Finnlands im Sommer wider. Viele Gerichte sind von traditionellen Festen wie dem Mittsommerfest (Juhannus) geprägt. Typisch sind:

  • Silli – Eingelegte Heringe,
  • Malzbrot,
  • Gebratene Strömlingsfilets,
  • oder zum Nachtisch eine luftige Pavlova mit Beeren.

Daneben finden sich sommerliche Alltagsgerichte, die zeigen, wie reich das Angebot an regionalen Zutaten in dieser Jahreszeit ist. Besonders hervorzuheben sind:

  • Salat mit Blaubeerdressing
  • Gerollte Brottorte mit Krabbenfüllung
  • Sommersuppe mit Fischbällchen
  • Spinatpfannkuchen aus dem Ofen
  • Himbeertarte mit Schmandguss
  • Nudeln mit Pfifferlingen
  • und das typisch finnische Fast Food „Makkaraperunat“ – Wurst mit Pommes

Inhaltlich begleitet wird dieses Kapitel von drei erzählenden Einschüben, die das kulinarische Leben im finnischen Sommer aus verschiedenen Perspektiven beleuchten:

  1. „Mittsommer – Heringe, Schnaps und der längste Tag des Jahres“
    Eine Hommage an Juhannus – das wohl wichtigste Fest des Jahres, bei dem ganz Finnland aufs Land zieht, sich die Häuser mit Birken schmücken und das Feiern (inklusive Schnaps und Grill) rund um den hellsten Tag des Jahres zelebriert wird. Es geht um gemeinsames Essen, das Flechten von Blumenkränzen (eine bebilderte Anleitung, wie das geht, findet sich gleich passend dazu im Buch), das Entzünden des Johannisfeuers – und um die Kraft der Gemeinschaft.
  2. „Die kulinarischen Schätze der Natur für jedermann“
    Hier rückt die Autorin das „Jedermannsrecht“ ins Zentrum – das finnische Prinzip, das es erlaubt, in der Natur Beeren, Pilze und Kräuter zu sammeln, ganz unabhängig vom Grundbesitz. Es ist nicht nur ein rechtlicher Rahmen, sondern Ausdruck einer tiefen kulturellen Selbstverständlichkeit: Ernährung beginnt draußen, mit einem Körbchen in der Hand und dem Blick auf Preiselbeeren, Blaubeeren, Moltebeeren oder Pfifferlinge. Mit Rechten geht auch Verantwortung einher und so widmen sich eine Seite ausführlich dem, was man jedermann darf – und was eben auch nicht.  
  3. Einblicke in die einfache Sommerküche Finnlands
    In der Einleitung wie auch im Rezeptteil wird das Leben am Mökki zum erzählerischen roten Faden. Gekocht wird über offenem Feuer oder auf einfachen Herden, gegessen wird draußen, und auf den Tisch kommt, was die Natur hergibt. Diese enge Verbindung zwischen Landschaft, Saisonalität und Geschmack wird nicht nur behauptet, sondern durch die Rezeptauswahl und die Tonalität des Kapitels spürbar gemacht.

Herbst – Von Jägern und Sammlern

„September, Oktober, November – die liebste Jahreszeit für Jäger und Sammler“ – so lautet die Überschrift der Herbstsektion und sie bringt auf den Punkt, worum es geht: um das Ernten, das Jagen, das Sammeln – um die Rückkehr zu Herzhaftem, Kräftigem und Wärmendem. Die Einleitung zeichnet ein atmosphärisches Bild dieser Übergangszeit: Während in Lappland bereits die ersten Nachtfröste einsetzen und die Nordlichtsaison beginnt, färben sich die Wälder in Süd- und Mittelfinnland leuchtend rot, orange und gold – es ist Ruska, der finnische Indian Summer.

Die Autorin beschreibt, wie sich die Kulinarik dieser Jahreszeit auf das Wesentliche zurückzieht: Wurzelgemüse, Pilze, Kohl, Wild, Beeren. Es ist die große Zeit des Vorratsanlegens und des langsamen Kochens. Besonders eindrucksvoll wird die Bedeutung der Pilze herausgestellt – mit über 30 essbaren Sorten, von denen viele gesammelt, getrocknet, eingelegt oder eingekocht werden. Ebenso wichtig: die Jagdzeit, die in Finnland fast als „fünfte Jahreszeit“ verstanden wird. Vor allem Elch, aber auch Wildente, Schneehuhn und Bär haben Saison.

Die typischen Rezepte des Herbstes spiegeln genau diese kulinarische Fülle wider:

  • Brotkäse aus dem Ofen mit Moltebeeren
  • Wildente mit Johannisbeersauce
  • Rentier-Kebab im Fladenbrot
  • Risotto mit Pilzen und Blaubeeren
  • Karelischer Fleischtopf
  • Kohlauflauf
  • Kleine Roggenbrote
  • Preiselbeer-Biskuitrolle

Das Kapitel wird durch drei größere erzählende Einschübe ergänzt, die sich besonders intensiv dem Norden Finnlands widmen:

  1. „Von Rentierfleisch und den Nomaden des Nordens“
    Ein vielschichtiger Text über das Herzstück der samischen Kultur: das Rentier. Die Autorin beschreibt die Rentierzucht als Lebensgrundlage der Samen und thematisiert auch kritisch den Wandel dieser Tradition – etwa durch Klimaveränderungen, Tourismus und Flächenverlust. Kulinarisch geht es um Gerichte wie Poronkäristys (Rentiergeschnetzeltes), aber auch um moderne Streetfood-Interpretationen des Rentierfleisches.
  2. „Lappland – von der Wildnis auf den Teller“
    Dieser Abschnitt betont die besondere Jahreszeitengliederung der samischen Küche und die Rolle von Wald, Wasser und Wild im Norden Finnlands. Die Autorin beschreibt, wie stark das kulinarische Leben dort mit der Natur verwoben ist und wie die Jahreszeiten selbst zu Strukturgebern auf dem Teller werden.
  3. Kulinarische Reise durch Lapplands Restaurants
    In einer kleinen Serie stellt Michaela Fuchs vier Restaurants aus Lappland vor:
    • Restaurant Pallas im Pallas-Yllästunturi-Nationalpark, das nordische Küche mit internationalem Feinsinn verbindet
    • Restaurant Deatnu in Utsjoki, das auf regionale Traditionen und Zutaten wie Pulled Elch, Regenbogenforelle oder Rentier-Carpaccio setzt
    • Aanar in Inari, bekannt für seine samische Wildkräuterküche und mehrfach ausgezeichnet
    • Restaurant Hilltop in Iso-Syöte, das Rentiergerichte in moderner Form und mit Blick über die Fjälllandschaft serviert

Alle vier Portraits sind nicht bloß gastronomische Empfehlungen – sie zeigen, wie sehr Lapplands Küche vom Ort, von den Menschen und von der Natur geprägt ist.

Winter – Vom Zauber der dunklen Jahreszeit

„Dezember, Januar, Februar – die dunkelste Zeit des Jahres, doch voller Zauber.“ Mit dieser poetischen Überschrift beginnt das Winterkapitel – und trifft den Ton exakt: Der finnische Winter ist mehr als nur kalt und dunkel. Er ist ein Raum für Magie, für Rückzug, für Rituale und festliches Essen. Die Autorin entfaltet in der Einleitung ein Bild des Winters, das gleichermaßen von Naturphänomenen wie Nordlichtern, Polarnacht und Schneezauber geprägt ist wie von dörflicher Stille, Lichttraditionen und dem behutsamen Übergang in die festlichste Zeit des Jahres.

Was in diesem Kapitel besonders auffällt: Der Jahreszeitentakt geht hier Hand in Hand mit dem Festkalender. Ab dem 1. Advent beginnt die Pikkujoulu-Zeit – die „kleine Weihnacht“ mit Pfefferkuchen, Beerenglühwein und Vorfreude. Am 6. Dezember folgt der Unabhängigkeitstag, am 13. Dezember das Lucia-Fest mit Safrangebäck und dann, endlich, das Weihnachtsfest mit seinem Zentrum: dem Joulukinkku, dem Weihnachtsschinken.

Die Rezepte des Winterkapitels sind stark festtagsgeprägt, aber nicht nur:

•Süßes: Safrangebäck, Pfefferkuchen, Weihnachtstörtchen (Joulutortut), Runebergtörtchen, Beerenglühwein

•Herzhaftes: Joulukinkku (Weihnachtsschinken), Steckrüben- und Karottenauflauf, Wintersalat mit Roter Bete

•Fisch & Vorspeisen: Gebeizte Renke mit Sanddorn, Buchweizenblinis mit verschiedenen Belägen

Auch hier werden wieder mehrere erzählerische Einschübe in das Kapitel eingeflochten, die den Winter in seiner ganzen emotionalen und kulturellen Tiefe einfangen:

1.„Weihnachten im hohen Norden“ & „Der Zauber der Polarnacht“
Die Autorin beschreibt ihren persönlichen Rückzug ins Lappland zur Weihnachtszeit. Zwischen Schneestille, Nordlicht, nächtlicher Heimreise nach Kittilä und Weihnachtsbeleuchtung entsteht ein stimmungsvolles Bild von Weihnachten als Zeit des Innehaltens. Auch die Polarnacht wird thematisiert: als mystische Zeit der Farben, Stille und Reflexion.

2.„Die Vorbereitungen für das Fest“ & „Der Heiligabend – Weihnachtsfrieden und Weihnachtssauna“
Diese Texte geben Einblick in die Esskultur und die Rituale rund um Weihnachten in Finnland: von der frühzeitigen Vorbereitung der Gerichte über das Weihnachtsbuffet bis hin zur traditionellen Joulusauna, die Körper und Geist vor der Bescherung reinigen soll. Der „Weihnachtsfrieden“ am 24. Dezember ist ein kultureller Anker, der sogar offiziell vom Dom in Turku ausgerufen wird.

3.„Das Voileipäpöytä – ein Streifzug durch die finnische Küche“
Dieser Text beleuchtet das traditionelle Butterbrottisch-Buffet, das seinen festen Platz bei weihnachtlichen Feiern einnimmt. Kalte Speisen, Heringe, Salate, Fisch, Pasteten, Aufläufe – hier zeigt sich die finnische Buffetkultur als Essenz von Gemeinschaft und kulinarischer Vielfalt.

4.„Tertin Kartano – Genuss und Tradition in der Saimaa-Region“
Der letzte Einschub führt in das Gut Tertti – ein Herrenhaus mit eigener Vorratskammer, tief verwurzelt in der Region, das mit seinem Weihnachtsbuffet ein Highlight in der Vorweihnachtszeit bietet. Hier verschmelzen bäuerliche Tradition, Wildgerichte, Pilzkonserven und Gourmetküche zu einem Erlebnis zwischen Zeitreise und Festessen. Besonders charmant: Die Detailverliebtheit bis ins Eingemachte – im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach den vier ausführlich gestalteten Jahreszeitenkapiteln endet das Buch nicht einfach, sondern bietet im Anhang einige sehr nützliche Ergänzungen, die das Nachkochen erleichtern und das Verständnis für Zutaten und Zubereitung vertiefen.
Besonders hervorzuheben ist das Glossar. Es ist weit mehr als ein bloßes Nachschlagewerk – vielmehr ist es eine kleine kulinarische Landkarte, die Leser*innen dabei hilft, sich zwischen unbekannten Zutaten und typisch finnischen Begriffen zurechtzufinden. Und das auf sehr praktische Art:

  • So wird etwa erklärt, dass in Finnland Butter fast immer gesalzen ist – die Autorin hat deshalb bewusst auf ungesalzene Varianten umgestellt, um die Rezepte für die deutsche Alltagsküche anpassbar zu machen.
  • Auch der Hinweis auf Farinzucker, Bitterorangen, Fischrogen oder dunklen Sirup ist hilfreich – mitsamt konkreten Empfehlungen, wie diese Zutaten in Deutschland ersetzt werden können.
  • Begriffe wie „Puuro“ (Getreidebrei) oder die Vielfalt der Getreidekleien und -flocken werden so erklärt, dass man nicht nur Bescheid weiß, sondern gleich Lust bekommt, etwas auszuprobieren.

Das Glossar ist damit nicht nur ein Nachschlagewerk, sondern ein kulinarischer Brückenschlag zwischen finnischer Tradition und heimischer Küche – ideal für Leser*innen, die zum ersten Mal finnische Rezepte ausprobieren.

Ebenfalls enthalten ist ein alphabetisches Rezeptregister, das die Orientierung erleichtert, besonders wenn man gezielt nach einem bestimmten Gericht sucht. Praktisch, übersichtlich und nutzerfreundlich – so wie das ganze Buch aufgebaut ist.

3. Zielgruppe

„Finnland – Das Kochbuch“ richtet sich an alle, die Lust auf kulinarische Entdeckungsreisen abseits des Bekannten haben – sei es als Liebhaber*in nordischer Küche, als Reisefan mit Fernweh nach Seen, Wäldern und Polarlichtern oder als passionierte*r Hobbykoch oder -köchin mit Interesse an authentischer Länderküche.

Besonders angesprochen fühlen dürften sich:

  • Fans der skandinavischen Küche, die bereits mit Schweden, Dänemark oder Norwegen kulinarisch vertraut sind und nun die unbekanntere finnische Seite entdecken möchten.
  • Leser*innen, die Wert auf Saisonalität und naturverbundene Küche legen, denn das Buch gliedert sich konsequent nach den Jahreszeiten und folgt damit nicht nur dem Rhythmus der Natur, sondern auch der landestypischen Esskultur.
  • Reiseaffine Menschen, die sich für die Kulturgeschichte, Lebensart und Feste eines Landes interessieren – denn die vielen erzählenden Einschübe vermitteln weit mehr als nur Rezepte.
  • Kochbuchsammler*innen, die bibliophile, gut durchdachte Werke mit regionalem Tiefgang schätzen.

Auch für alle, die sich für besondere Zutaten oder traditionelle Konservierungsmethoden interessieren – etwa Räuchern oder Einlegen – bietet das Buch Anregungen. 

4. Rezepte und Vielfalt

• Anzahl der Rezepte: rund 60 Rezepte plus einige Grundrezepte in der „Vorratskammer“

• Vielfalt der Gerichte:
Die Rezeptauswahl ist ausgesprochen vielfältig – sowohl in Bezug auf die Zutaten als auch auf die Anlässe. Es finden sich:

  • klassische Alltagsgerichte wie Spinatpfannkuchen oder Sommersuppe mit Fischbällchen,
  • festliche Menüs wie das Weihnachtsbuffet mit Joulukinkku, Gemüseaufläufen und Beerenglühwein,
  • traditionelle Backwaren wie Mämmi, Runebergtörtchen oder Safrangebäck,
  • sowie besondere Spezialitäten wie Rentier-Kebab, gebratene Strömlingsfilets oder Sima.

Die Jahreszeitengestaltung sorgt zudem dafür, dass die Zutaten weitgehend saisonal sind – Beeren im Sommer, Steckrüben im Winter, Pilze und Wild im Herbst. Dabei werden sowohl herzhafte als auch süße Speisen berücksichtigt, ebenso (wenige) vegetarische und fischbasierte Varianten. Fleisch spielt vor allem im Herbst und Winter eine größere Rolle, etwa in Form von Wild oder Rentier, ist aber nie omnipräsent.

• Originalität und Kreativität:

Das Besondere an diesem Buch ist, dass es nicht auf originelle Neuinterpretationen setzt, sondern auf kulinarische Authentizität. Die Rezepte selbst sind meist schlicht und ehrlich – doch in ihrer Kombination mit den erzählenden Texten und kulturellen Kontexten gewinnen sie Tiefe und Bedeutung. Das Buch schöpft seine Originalität nicht aus Food-Design oder innovativer Fusion-Küche, sondern aus der Verbindung von Tradition, Jahreszeiten und nordischer Bodenständigkeit.

Besonders gelungen ist, wie festliche Anlässe und regionale Besonderheiten kulinarisch übersetzt werden – etwa in Form des Weihnachtsbuffets, der Mittsommergerichte oder der Rentierspezialitäten Lapplands.

5. Schwierigkeitsgrad

Die Rezepte in „Finnland – Das Kochbuch“ sind insgesamt gut machbar, auch für Kochanfänger*innen mit etwas Grundkenntnissen. Viele Gerichte basieren auf einfachen Zubereitungstechniken wie Dünsten, Backen oder Einlegen – Komplexität entsteht hier nicht durch aufwendige Technik, sondern eher durch die Zutaten oder die Planung.

Manche Gerichte – etwa Rentiergeschnetzeltes oder Gebeizte Renke – setzen allerdings eine gewisse Verfügbarkeit regional untypischer Zutaten voraus, was für Gelegenheitsköch*innen mit Supermarkt-Nähe zur Herausforderung werden kann. Doch: Die Autorin gibt im Glossar und teils auch in den Rezepten hilfreiche Hinweise zu Ersatzprodukten, sodass man oft ausweichen kann.

Die größte Herausforderung liegt nicht im „Wie“, sondern im „Woher“ – und manchmal auch im „Wann“.
Denn das Buch orientiert sich konsequent an saisonalen Zutaten – was einerseits wunderschön ist, andererseits aber auch bedeutet, dass manche Gerichte eben nicht ganzjährig nachkochbar sind. Das ist gewollt – und Teil des Konzepts.

Positiv fällt auf:

  • Die Zubereitungen sind klar beschrieben,
  • die Zutatenlisten übersichtlich gehalten,
  • und das zeitliche Maß der Rezepte liegt oft im Bereich von gut machbarer Alltagsküche – auch wenn viele Gerichte durch ihre Kulisse oder Tradition eine festliche Anmutung haben.

Fazit: Ein Kochbuch für alle, die sich ohne großen technischen Aufwand, aber mit Lust auf nordische Zutaten und kulturellen Tiefgang ans Werk machen möchten. Wer sich darauf einlässt, findet hier viele unkomplizierte Gerichte – oft mit großem Wohlfühlpotenzial.

6. Fotografie und Design

• Bildqualität:

Die Bildsprache in „Finnland – Das Kochbuch“ ist stimmungsvoll, hochwertig und klar komponiert. Michaela Fuchs ist nicht nur Autorin und Rezeptentwicklerin, sondern auch für die Fotografie verantwortlich – und das spürt man. Ihre Bilder erzählen Geschichten, fangen Atmosphären ein und schaffen einen visuellen Rahmen, der über das Kulinarische hinausgeht.

Besonders eindrucksvoll sind die vielen Landschafts- und Stimmungsfotos, die mit verschneiten Wäldern, Polarlichtern, Rentieren und stimmungsvollen Innenräumen fast schon Reiseführercharakter haben. Dazu kommen ansprechend inszenierte Foodfotos, die Gerichte mal aus der Vogelperspektive, mal auf Augenhöhe zeigen – immer gut komponiert, oft begleitet von Zutaten und nordischem Geschirr.

• Layout und Gestaltung:

Das Layout stammt von Helen Garner und überzeugt durch Klarheit, Struktur und Ruhe. Die Kapitel werden optisch voneinander getrennt – etwa durch farblich abgesetzte Einleitungsseiten –, während die Rezeptseiten in klassischem Schwarz-Weiß gehalten sind. Das sorgt für Orientierung und ein aufgeräumtes Gesamtbild.

Ein schöner gestalterischer Akzent: Alle Rezepte sind zweisprachig betitelt, also auf Deutsch und Finnisch. Und auch bei komplexeren Gerichten wird nicht gespart: Step-by-step-Fotos helfen bei der Zubereitung und nehmen mögliche Hemmschwellen.

• Nutzung der Bilder:

In der Regel ist jedem Rezept ein eigenes Bild zugeordnet – meist gegenüberliegend platziert. Damit ist die visuelle Führung sehr angenehm und orientiert sich am Lesefluss. Die Fotos unterstützen das Nachkochen, schaffen aber gleichzeitig Atmosphäre.

Neben den Rezeptbildern tragen vor allem die zahlreichen dokumentarischen Fotografien aus Finnland zur Gesamtwirkung des Buches bei: Sie machen Lust auf eine Reise in den Norden, vermitteln ein Gefühl von Weite, Stille, Licht und Lebensrhythmus – und spiegeln den kulturellen Kontext der Gerichte auf besonders einnehmende Weise.

Der Einband verdient ein eigenes Lob: Dominik Günzinger hat für die Umschlaggestaltung Illustrationen von Ekaterina Kapranova verwendet – das Ergebnis ist ein Cover, das nordisches Lebensgefühl mit gestalterischer Wärme verbindet. Der Kontrast aus dunklem Blau, leuchtendem Orange und Weiß wirkt nicht nur modern, sondern fast magisch – als würde der Winter selbst leuchten.

Fazit: Ein durchdachtes, bildstarkes Kochbuch mit Liebe zum Detail – visuell ebenso ein Genuss wie kulinarisch.

7. Sprache und Anleitungen

Die Sprache in „Finnland – Das Kochbuch“ ist klar, unaufgeregt und angenehm sachlich – dabei aber nie distanziert. Michaela Fuchs formuliert ihre Rezepte strukturiert, nachvollziehbar und freundlich, sodass sich auch Einsteiger*innen gut zurechtfinden. Die Zutatenlisten sind übersichtlich, die Zubereitungsschritte sind logisch aufgebaut, und in vielen Fällen gibt es kurze Einleitungen, die das Rezept in einen kulinarischen oder kulturellen Kontext setzen.

Ein zusätzlicher Pluspunkt: Für die Redaktion der Rezepte war Asta Machat zuständig – eine erfahrene Lektorin, was sich in der stimmigen Anleitungstiefe und Rezeptqualität durchaus bemerkbar macht. Alle bisher nachvollzogenen Rezepte waren konsistent und praxistauglich formuliert.

Trotzdem gibt es einen kleinen Kritikpunkt:
Viele wichtige Hinweise zu Zutaten – etwa zur Wahl des richtigen Sirups, zur gesalzenen Butter oder zu Ersatzprodukten – befinden sich nur in der Einleitung oder im Glossar, werden aber nicht direkt in den Rezepten aufgegriffen oder zumindest verlinkt. Wer das Buch von hinten nach vorne liest oder gezielt mit dem Kochen beginnt, könnte dadurch essenzielle Informationen übersehen.

Das ist nur ein kleines redaktionelles Manko, hat aber große Auswirkungen in der Praxis: Denn ohne diese Hinweise könnten manche Gerichte geschmacklich nicht so gelingen, wie eigentlich beabsichtigt. Ein knapper Verweis („siehe Glossar“) oder ein Kurzkommentar im Rezepttext hätte hier viel Orientierung geboten.

Fazit: Die sprachliche Ausarbeitung ist rundum gelungen, die Anleitungstexte sind durchdacht – und mit einem kleinen redaktionellen Feinschliff wäre die Anleitungskompetenz des Buches nahezu perfekt.

8. Besonderheiten

„Finnland – Das Kochbuch“ hebt sich auf angenehme Weise aus der Masse der Länderküchen-Kochbücher heraus – nicht durch kulinarische Effekthascherei, sondern durch Stimmigkeit, Tiefe und atmosphärisches Erzählen und den Mut, die authentische finnische Küche zu präsentieren.

Die größte Besonderheit liegt wohl in der Verbindung von Rezepten und Geschichten: Statt reinem Rezeptband erwartet Leser*innen ein liebevoll gestaltetes Lesekochbuch, das nicht nur die Küche eines Landes, sondern auch seine Jahreszeiten, Feste, Regionen und Traditionen erfahrbar macht. Die vielen eingestreuten Erzähltexte – von Helsinkis Markthallen bis zur Weihnachtsfeier im Herrenhaus Tertin Kartano – sind klug platziert und bringen Kontext und Gefühl auf den Teller.

Ein weiteres besonderes Merkmal ist die durchgängig saisonale Strukturierung. Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind hier nicht nur Kapitelüberschriften, sondern dramaturgische Linien – jede mit eigenem Farbklang, kulinarischer Tonalität und kulturellem Gehalt. Das vermittelt nicht nur Kochlust, sondern auch ein Gefühl für Lebensrhythmus und Naturbezug.

Auch das visuelle Konzept ist in sich geschlossen: Die Kombination aus eigener Fotografie, klarer Gestaltung und liebevoll illustriertem Cover ist selten in dieser Qualität. Dass Michaela Fuchs Texte, Rezepte und Bilder aus einer Hand verantwortet, verleiht dem Buch zusätzliche Kohärenz – es wirkt wie aus einem Guss.

Nicht zuletzt bietet das umfangreiche Glossar echten Mehrwert. Wer sich auf finnische Küche einlassen will, bekommt hier nicht nur Vokabeln, sondern alltagspraktische Hinweise, etwa zu Butter, Zuckerarten oder Fischprodukten. Zusammen mit der „Vorratskammer“ am Anfang des Buches ergibt sich ein solides Fundament, um die Rezepte wirklich stimmig umzusetzen.

Fazit: Ein Kochbuch, das viel mehr ist als eine Rezeptsammlung – nämlich eine Einladung, sich auf ein Land, ein Lebensgefühl und eine langsame, ehrliche Küche einzulassen.

9. Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis des Buches: 29,99 Euro
Damit liegt das Buch im oberen mittleren Segment aktueller Kochbuchveröffentlichungen. Angesichts der guten Ausstattung und des inhaltlichen Umfangs ist das jedoch mehr als angemessen – denn hier bekommt man kein beliebig zusammengestelltes Rezeptbuch, sondern ein stimmig durchkomponiertes Gesamtwerk. Das Buch ist gleichermaßen Kochbuch, Lesebuch und Kulturvermittler – und genau das macht es so wertvoll. Wer sich darauf einlässt, bekommt viel mehr als eine Sammlung finnischer Gerichte: nämlich ein Gefühl für das Land, für seine Rhythmen und für die Art zu essen, die dort tief verwurzelt ist.

Fazit: Ein fair kalkulierter Preis für ein Buch, das optisch, inhaltlich und atmosphärisch gelungen ist – besonders für Liebhaber*innen nordischer Küche und Kultur.

10. Gesamteindruck und Empfehlung

„Finnland – Das Kochbuch“ ist ein leises Buch – aber gerade darin liegt seine Stärke. Es schreit nicht nach Aufmerksamkeit, sondern lädt zum Verweilen ein. Wer es aufschlägt, bekommt nicht einfach Rezepte, sondern eine ganze Lebenshaltung serviert: naturverbunden, achtsam, schlicht – und dabei oft überraschend vielseitig.

Die große Qualität dieses Buches liegt in seiner Erzählkraft. Die Autorin verbindet Kulinarik mit Kultur, Tradition mit Alltag, Atmosphäre mit Anleitung. Ob Mittsommerfest, Weihnachtsbuffet oder spontane Mökki-Küche – alles wirkt authentisch, nie überinszeniert, sehr sachlich und doch stets liebevoll in Szene gesetzt.

Auch gestalterisch überzeugt das Buch auf ganzer Linie. Die Fotografie – ob Food, Landschaft oder Interieur – vermittelt echtes Finnlandgefühl. Die Layoutstruktur unterstützt den Lesefluss und ist gleichzeitig funktional beim Kochen. Besonders hervorzuheben ist auch der umfangreiche Anhang mit Glossar, der Anfänger*innen wie erfahrenen Kochbuchfans echten Mehrwert bietet.

Natürlich: Es ist kein Buch für kulinarischen Glamour. Aber wer sich auf die nordische Erzählweise einlässt, wird reich belohnt – mit Geschmack, Geschichten und dem Gefühl, kurz im finnischen Alltag mitgekocht zu haben.

Es ist eine Empfehlung für alle, die tiefer einsteigen möchten in die stille Schönheit der finnischen Küche. Für Fans von Länderküchen mit Substanz. Und für Menschen, die gerne mit dem Kochlöffel auch ein Stück Welt erkunden.

11. Bewertung

Gesamtbewertung: 🥄🥄🥄🥄🥄  

Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Zielgruppe: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Rezepte und Vielfalt: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Schwierigkeitsgrad: 🥄 🥄🥄
• Fotografie und Design: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Sprache und Anleitungen: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Besonderheiten: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Preis-Leistungs-Verhältnis: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄

12. Nachgekocht

Kesäsilli – Sommerheringe (S. 85)
Gemüse (Staudensellerie, Gurke, Radieschen, Möhren, rote Zwiebel), Kräuter (Dill und Schnittlauch(blüten)) und Matjes oder Bismarck-Hering werden in ein Glas geschichtet und mit einer Marinade aus Wasser, Weißessig, Zucker, Pfefferkörnern, Piment, Senfsaat und Lorbeer übergossen. Mindestens 24 Stunden soll es dann im Kühlschrank durchziehen – das Gemüse ist dann immer noch herrlich knackig, der Matjes zergeht auf der Zunge und alles ist wunderbar aromatisch. Tolles Rezept! Dazu gab es hier neue Kartoffeln; das oder ein Malzbrot (für das auch ein Rezept im Buch ist) empfiehlt die Autorin dazu. 
Valkosipulisillit  – Knoblauchheringe (S. 83) 
Ein Mittsommerrezept – klassisch, so wie wir es in Deutschlang auch kennen: mit Matjes, Mayonnaise und Joghurt und angeschwitzten Zwiebeln und Knoblauch. 
Zum Schluss noch etwas Schnittlauch dazu – einfach lecker. Hier zu neuen Pellkartöffelchen, aber auch auf dem Brot immer wieder gut. 👍
Tilliliha – Dillfleisch (S. 50) 
Megaköstlich und ganz einfach zuzubereiten, es braucht nur etwas Zeit. Das Fleisch wird mit kaltem Wasser aufgesetzt und darf ankochen, dann kommen Gewürze (schwarze Pfefferkörner, Piment, Lorbeer) dazu und Suppengemüse sowie ein Bund Dill. Alles darf so lange köcheln, bis das Fleisch zart ist. 
Dann wird aus der Fleischbrühe mit einer Mehlschwitze eine Sauce gemacht, die wiederum mit reichlich Dill gewürzt wird. Das kleingeschnittene Fleisch darf dann auch wieder dazu und abgeschmeckt wird mit etwas Essig und Zucker. Das war‘s schon und das Ergebnis schmeckt so gut! 
Man kann jede Fleischsorte nehmen und damit auch die Garzeit etwas verkürzen. Meine Mutter hat in den 70er Jahren häufiger Hähnchen in Dillsauce (nach einem Brigitte-Sammelrezept aus so einem kleinen orangefarbenen Ordner 😁) zubereitet – auch deswegen war es hier echtes Comfort Food, wie immer bei kulinarischen Kindheitserinnerungen. 
Kesäkeitto – Sommersuppe mit Fischbällchen (S.104)
Allerdings ohne Fischbällchen, aber mit der „traditionellen Lachseinlage“, die die Autorin im Rezept mit „zarten Fischklößchen“ aus hellem Fischfilet und Sahne ersetzt. Für die Suppe wird Fischfond mit Wasser, Piment und Lorbeer aufgekocht, hinein kommen Kartoffeln, Karotten, Frühlingszwiebel und Erbsen oder Zuckerschoten (hier letztere). 
Am Ende kommen noch reichlich Sahne und Dill hinein und der Fisch darf kurz gar ziehen. Serviert wird mit Roggenbrot und Butter. 
Einfach gut. 

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