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1. Eckdaten
Titel: Fusão – Außergewöhnliche Rezepte mit brasilianischem Flair (OT: Fusão -Untraditional Recipes Inspired by Brasil)
Autorin: Ixta Belfrage
Verlag: englische Ausgabe Ebury Press (hier besprochen; die deutsche Ausgabe erscheint im Juli 2026 im Christian Verlag.)
Erscheinungsjahr: 2025 (engl. Ausgabe), 2026 deutsche Ausgabe
2. Inhalt und Konzept
„Fusão“ ist ein zutiefst persönliches Kochbuch. Es erzählt von Herkunft, Identität und kulinarischer Verbindung – oder besser: Verschmelzung – zwischen Kulturen, Erinnerungen und Geschmäckern. Ixta Belfrage beschreibt nicht nur ihre brasilianisch-britischen Wurzeln, sondern geht mit diesem Buch auch dem Begriff fusão auf den Grund – Portugiesisch für „Fusion“, jedoch viel tiefgehender gemeint als nur die Kombination verschiedener Küchenstile.
Das Buch ist inspiriert von Belfrages Herkunft, von Migrationsgeschichten, von kulturellen Bruchstellen – und von einem DNA-Test, der sie tiefer in die eigenen Wurzeln blicken ließ. Sie erzählt offen, wie sie sich trotz zahlreicher Reisen nach Brasilien nie ganz zugehörig gefühlt hat, sich aber über das Kochen wieder mit ihren Wurzeln verbindet. „Fusão“ wird so zu einem persönlichen Brückenschlag – zwischen Kulturen, Generationen, Kontinenten. Im Zentrum steht die Frage: Wie kann Kochen ein Mittel sein, um sich selbst und seine Geschichte besser zu verstehen? Belfrage nähert sich dieser Frage mit Offenheit, Lust am Experiment – und dem Mut, traditionelle Strukturen bewusst zu hinterfragen.
Struktur des Buches
Das Buch ist klassisch in sechs große Abschnitte unterteilt:
- Einleitung und Zutaten (Introduction & Ingredients)
Hier beschreibt Ixta Belfrage ausführlich ihre Motivation, erzählt von ihrer Familiengeschichte, ihrer Verbindung zu Brasilien und ihrer kulinarischen Handschrift. Außerdem gibt es eine Zutatenübersicht mit Ersatzvorschlägen – sehr hilfreich für Leser*innen außerhalb Brasiliens,die nicht immer Zugang zu typisch brasilianischen Produkten haben. Auch ihre eigene Ernährungsweise – tendenziell glutenfrei, zuckerarm und gemüsebasiert – wird hier offen erklärt, ohne dogmatisch zu wirken.
- Geschmacksbomben (Flavour Bombs)
Dieser Abschnitt ist mehr als nur eine Rezeptsammlung – er ist ein kulinarisches Konzept. Ursprünglich entwickelt gemeinsam mit Yotam Ottolenghi für das Buch „Flavour“, prägt es bis heute Belfrages Kochstil: Im Mittelpunkt stehen aromatische Komponenten wie Pickles, Öle, Marinaden und Saucen, die Gerichten im Handumdrehen Tiefe und Charakter verleihen.
Diese Geschmacksexplosionen dienen nicht nur als geschmackliche Basis für viele Rezepte im Buch, sondern auch als Inspiration zum kreativen Weiterdenken. Belfrage macht deutlich: Ob man strikt nach Rezept kocht oder lieber freestyle – diese vorbereiteten Aromenbausteine funktionieren in beide Richtungen. Sie sind so gedacht, dass man sie im Kühlschrank griffbereit hat und unkompliziert in Alltagsgerichte integrieren kann.
Besonders spannend sind z. B. eine fruchtige Papaya- oder Mango-Marmelade, das nussig-scharfe Cashew-Kokosnuss-Chili-Öl, eine leuchtende „Goldene Vinaigrette“ aus Scotch Bonnet Chili, Tomate, Limette, Reisessig und Olivenöl (ideal zu Fisch, Austern oder gedämpftem Gemüse) sowie eine intensive Röstpaprika-Pimenta mit rauchiger Tiefe. Insgesamt enthält das Kapitel zwölf solcher Aromenrezepte – von mild bis feurig, von fruchtig bis umami.
Belfrage richtet sich explizit an unterschiedliche Kochtypen: an diejenigen, die sich gern exakt an Rezepte halten, ebenso wie an alle, die nur durchblättern, sich inspirieren lassen und eigene Wege gehen. Die Flavour Bombs bilden dabei eine Art aromatischen Werkzeugkasten – farbenfroh, wandelbar und voller Möglichkeiten.
- Gemüse (Vegetables)
Das Gemüsekapitel ist nicht nur das umfangreichste des Buches – mit stolzen 25 Rezepten – sondern auch das erzählerisch dichteste. Eingeteilt in vier atmosphärische Unterkapitel (Minas Gerais, Heloísa, Citrus, Music, Politics, Food) eröffnet es ein buntes Panorama aus Regionalität, persönlichen Begegnungen, kulturellen Geschichten und kulinarischer Kreativität.
Es beginnt mit einem Porträt von Minas Gerais, einem der kulinarisch vielfältigsten Bundesstaaten Brasiliens. Belfrage beschreibt seine Barockarchitektur, seine Rolle im Bergbau – und seine tief in der Geschichte verwurzelte Küche, die indigene, portugiesische und afrikanische Einflüsse vereint. Besonders eindrücklich ist der Text zur Pflanze ora-pro-nóbis, die als „Arme-Leute-Fleisch“ bekannt ist und deren symbolische Bedeutung sie fein herausarbeitet.
Noch näher wird es im Kapitel Heloísa, einer Hommage an eine Begegnung mit einer Gastgeberin in den Bergen um Ouro Preto. Hier wird Kochen zum Akt der Gastfreundschaft, der Erinnerung – und des Stolzes auf die eigene Herkunft. Es geht um Kräutergärten, Holzöfen, das Kochen von Papaya, das Ernten von Nelkenblättern, um warmes Willkommen und um ‘comida da roça‘ – herzhafte, ländliche Hausmannskost.
In Citrus geht es um die Vielfalt brasilianischer Limetten, deren Bedeutung in der Alltagsküche, und darum, wie subtil Aromatik über Sortenwahl gesteuert werden kann. Limetten statt Zitronen, limão cravo, limão taiti, lima da Pérsia – die Unterschiede und ihre Verwendung werden kenntnisreich erklärt. Wer sich für Zitrusfrüchte interessiert, wird dieses Kapitel lieben.
Den Abschluss bildet der wohl persönlichste Teil: Music, Politics, Food. Hier verwebt Belfrage persönliche Familiengeschichte mit politischen Umbrüchen – ihre Großeltern mussten ins Exil, ihre Eltern lernten sich in einem Haus für Geflüchtete in Mexiko kennen. Sie schlägt den Bogen von der Militärdiktatur zur Macht der Musik – und weiter zum Essen als Ausdruck von Identität und Widerstand. Samba wird zur Metapher für fusão, für kulturelle Resilienz – und die Playlist am Ende lädt ein, beim Kochen brasilianischer Gemüseküche in diese Welt einzutauchen.
Die Rezepte in diesem Kapitel sind ebenso vielfältig wie die erzählerischen Einschübe: Ein cremiges Angu, die brasilianische Variante von Polenta, wird mit gerösteten Austernpilzen und einer würzigen Tomatensauce serviert. Okra-Spieße mit Mango-Dressing sind ein Beispiel für ungewöhnliche, moderne Pairings. Ein Eintopf aus Papaya mit knusprigem Basilikum überrascht durch seine süß-herzhafte Aromatik. Besonders kreativ: Süßkartoffel-Gnocchi mit Auberginen-Ragout oder ein feines Kokos-Safran-Orzo mit geröstetem Kürbis. Auch gegrillte Kochbananen mit Chili-Honigbutter oder ein Maiskuchen mit karamellisierten Zwiebeln und grünem Chiliöl sind dabei – ebenso wie knackige Beilagen, Salate, Suppen und Dips.
Dieses Kapitel ist ein Fest für alle, die Gemüse lieben – und vielleicht auch für jene, die es noch lernen wollen. Es zeigt, wie viele Gesichter brasilianisch inspirierte Gemüseküche haben kann – und dass sie mit Tiefe, Emotion und Geschmack begeistert.
- Fisch und Meeresfrüchte (Seafood)
Das Kapitel rund um Fisch und Meeresfrüchte zählt mit 20 Rezepten nicht nur zu den gehaltvolleren im Buch, sondern ist auch erzählerisch ein echtes Highlight. Gleich vier erzählende Einschübe strukturieren dieses Kapitel: The Amazon and Kenrick, Azeite de Dendê, Silvio und Jorge Washington. Sie alle schlagen Brücken – zwischen Menschen, Regionen, Zutaten und Emotionen.
Es beginnt mit einer intensiven Reise durch den Amazonas: In The Amazon and Kenrick begleitet Belfrage den lokalen Guide Kenrick zu abgelegenen Fischerdörfern und in seine Heimat am Rio Negro. Dabei entsteht nicht nur ein lebendiges Porträt des Flusslebens, sondern auch eine tief empfundene Würdigung für das Wissen und die Gastfreundschaft der indigenen Bevölkerung. Fischarten wie tambaqui, piranha oder dourada werden hier nicht nur als Zutaten, sondern als kulturell verankerte Begleiter des Alltags vorgestellt.
Die Einschübe Azeite de Dendê und Silvio widmen sich intensiv dem roten Palmöl – einem zentralen Bestandteil afrobrasilianischer Küche. Während Belfrage im ersten Text dessen Geschichte von Westafrika bis Bahia nachzeichnet, besucht sie im zweiten den Palmöl-Produzenten Silvio, der sein dendê noch auf traditionelle Weise herstellt – mühsam und liebevoll, mit Ernten auf Palmen, Stampfen im Mörser und Garen über dem Holzfeuer. Es geht um Erinnerung, Handwerk und Stolz – und darum, wie Essen zur gelebten Geschichte wird.
In Jorge Washington wird das Kulinarische schließlich zur Bühne: Der gleichnamige Koch, Musiker und Kulturvermittler organisiert in Salvador regelmäßig afrobrasilianische „Culinária Musical“-Veranstaltungen, bei denen gekocht, gesungen, erzählt und gefeiert wird. Sein Signature-Dish, die Eintopf-Spezialität maxixada, steht exemplarisch für das Kapitel: ein Fusion-Gericht aus okraähnlichem maxixe (die Mexikanische Antillengurke), dendê, Kokosmilch, getrocknetem Fleisch und Krabben.
Die Rezepte in diesem Kapitel decken eine beeindruckende Bandbreite ab: Von einem Garnelen-Kürbis-Eintopf (Camarão na moranga) aus Ubatuba mit Kokosmilch, Scotch Bonnet Chilis und Limette bis hin zu Thunfisch mit Maniok in Ingwer-Tomaten-Limetten-Brühe. Es gibt feine Jakobsmuscheln roh mariniert mit Orange und Chili, gegrillten Fisch mit Mango-Curry-Butter, knusprige Maniok-Zwiebel-Garnelen-Bratlinge, und ofengebackene Pastéis de Forno – brasilianische Teigtaschen mit wunderbar knusprigem Teig und Thunfischfüllung.
Besonders typisch sind auch die vielen Zubereitungen mit Maniok, wie z. B. als Beilage oder in Suppen, sowie die immer wiederkehrenden Aromen von Limette, Chili und Kokosmilch. Und auch Omelette-Liebhaber*innen kommen auf ihre Kosten: etwa bei einem fluffigen Krabben-Kokos-Zucchini-Omelett. Ein Highlight ist auch der Moqueca Fish Burger – einer Neuinterpretation des brasilianischen Nationalgerichts mit Fischfilet, rauchiger Sauce aus Paprika, Chili, Knoblauch, Kokosmilch, Honig und Curry. Dazu gibt’s einen grünen Coleslaw mit Kewpie-Mayonnaise und Limette – Fusion pur.
Wer Fisch und Meeresfrüchte mag – ob leicht, üppig, scharf oder mild –, wird in diesem Kapitel reichlich fündig. Aber noch mehr als um Rezepte geht es hier um das Erzählen mit Aromen, das Eintauchen in Landschaften, Kulturen und persönliche Begegnungen.
- Fleisch (Meat)
Im Kapitel „Meat“ wird die titelgebende fusão besonders greifbar: Ixta Belfrage zeigt, wie stark Brasiliens Küche durch Einwanderung geprägt ist – und wie daraus eine ganz eigene kulinarische Identität entstanden ist. 17 Rezepte bilden das Rückgrat dieses Kapitels, ergänzt durch fünf spannende Einschübe: Middle Eastern Immigration, Cassava and Tucupi, Japanese Immigration, Italian Immigration sowie die zugehörigen Porträts, Orte und Anekdoten. Im Fokus steht die Verbindung von klassischen Fleischgerichten mit Zutaten und Techniken aus unterschiedlichen Herkunftsländern – vom Libanon über Japan bis nach Kalabrien. Das ergibt eine beeindruckende Bandbreite an Gerichten und Aromen.
Der Einschub Middle Eastern Immigration beleuchtet die lange Geschichte arabischer Communities in Brasilien – vor allem libanesischer, syrischer und palästinensischer Herkunft. Viele dieser Einflüsse haben sich in der Alltagsküche fest verankert, etwa mit sfiha, kibbeh oder chich barak. Belfrage erzählt, wie sie diese Gerichte in ihrer Kindheit als selbstverständlich erlebte – und heute bewusst mit brasilianischen Zutaten weiterdenkt.
Auch das Thema Maniok wird erneut aufgegriffen – diesmal in einem der eindrucksvollsten Einschübe: Cassava and Tucupi. Hier geht es um die Verarbeitung dieser robusten Knolle zur fermentierten Sauce tucupi – ein gelbes, säuerliches, intensiv schmeckendes Elixier aus der Amazonasregion. Belfrage besucht eine Produzent*innenfamilie, beschreibt die Herstellung detailliert – von der Fermentation bis zum Abkochen des giftigen Rohsafts – und würdigt die technische wie kulturelle Raffinesse dahinter.
Es folgen drei weitere Migrationskapitel, die jeweils eine eigene kulinarische Tradition aufgreifen:
- Japanese Immigration zeigt, wie stark japanische Einflüsse auf die Landwirtschaft und Ernährung in Brasilien wirkten – insbesondere bei Soja, Reis, Melonen und Tee, aber auch bei der Verbreitung von Sushi und Tempura in urbanen Regionen.
- Italian Immigration verweist auf die größte italienische Diaspora weltweit: über 30 Millionen Brasilianer*innen haben italienische Wurzeln. Pizza, Pasta und Fleischgerichte wie die beliebten Hackbällchen, hier mit Guave, Chili und Curry neu interpretiert, sind feste Bestandteile der Alltagsküche geworden. Besonders bemerkenswert: Die Hybridgerichte, etwa „frango com catupiry“ (Huhn mit cremigem brasilianischem Käse) auf Pizza oder Lasagne.
In den Rezepten selbst zeigt sich diese kulturelle Vielfalt auf genussvolle Weise: Ein Kokoshuhn mit gegrillter Okra steht neben gefüllten Mangoldröllchen, ein Lammtopf mit Ananas, geröstetem Maniok und Pimenta basiert auf thailändischer Aromatik. Besonders originell ist das Huhn in Roter-Bete-Sauce, das optisch wie geschmacklich überrascht.
Zu den Highlights zählt auch das rustikale Gericht Vacaatolada – wörtlich „die Kuh, die im Schlamm stecken geblieben ist“ – ein intensiver Rinderrippeneintopf mit Maniok, Chili, Tomate und Gewürzen. Daneben finden sich Varianten für Schnelle Steaks mit Chili-Kaffee-Butter, Ente in goldener Tomatenbrühe oder ein Süßkartoffelauflauf mit Rinderhack, Joghurt und Parmesan, der mit einer kräftigen Umami-Paste abgeschmeckt wird.
Auch Innereien spielen eine Rolle: z. B. Hühnerlebern mit Annato Chili, Paprika und Kaffeebutter – ein „nose to tail“-Gericht, das dem Respekt vor dem Tier Ausdruck verleiht.
Das Kapitel „Meat“ erzählt auf sehr eindrückliche Weise, wie facettenreich brasilianische Fleischküche sein kann – und wie tief sie verwoben ist mit den Geschichten von Migration, Anpassung und kulinarischer Neugier. Dabei ist kein Gericht bloßes Traditionszitat, sondern immer neu interpretiert – mit spielerischer Ernsthaftigkeit und großem Respekt für Zutaten, Geschichte und Genuss.
- Süßes (Sweet)
Das Kapitel „Sweet“ ist ein einziger Liebesbrief an Erinnerungen, Geschmäcker und familiäre Geborgenheit. Schon der kurze Einschub Memories of Family and Food schlägt den passenden Ton an: Ixta Belfrage erzählt von den Küchen ihrer Großeltern und Urgroßeltern – von Crêpes mit frischer Tomatensauce, Avocado-Desserts mit gezuckerter Kondensmilch, Bananenreis mit Zimt und Vanille, und dem Duft von süßen Fruchtmarmeladen, die die ganze Nachbarschaft erfüllten. Man spürt beim Lesen, dass Süßspeisen hier nicht einfach Rezepte sind, sondern emotionale Ankerpunkte.
Diese emotionale Tiefe spiegelt sich auch in den 19 Rezepten wider, von denen drei dem Thema Getränke gewidmet sind. Die Auswahl reicht von erfrischend-leicht bis zu üppig-dekadent – und ist immer durchdrungen von tropischen Aromen, brasilianischen Zutaten und überraschenden Aromakombinationen.
Beispielhafte Rezepte aus dem Kapitel:
- Sorbet & Granita: Guave-Zimt-Erdbeer-Limette, eine Papaya-Limetten-Chili-Granita – frisch, fruchtig, feurig.
- Cremig & üppig: Eine Eiscreme aus gerösteter Banane mit einer intensiven Chocolate-Fudge-Sauce, ein cremiger Kokosmilch-Reispudding mit Guaven-Erdbeer-Marmelade.
- Warme Klassiker: Kochbananen-Puffer mit einer warmen Schoko-Karamell-Sauce, ein Maiskuchen mit karamellisierter Kokosnuss, Zimtsahne und Guava-Marmelade.
- Torten & Kuchen: Eine Ananas-Tarte, ein Papaya-Schoko-Kuchen mit Zitrus-Honig-Glasur, eine Passionsfrucht-Mousse mit weißer Schokolade und Zimt-Kakao-Crunch.
- Getränke: Eine Basilikum-Nelken-Limonade, ein fruchtig-scharfer Guave-Erdbeer-Caipirinha mit schwarzem Pfeffer, sowie ein würziger Rooibos-Mandarinen-Mate-Tee.
Wie in den anderen Kapiteln steht auch hier das Erzählerische im Vordergrund – Erinnerungen an Kindheit, Familienfeiern, Großmütter und Nachbarschaften machen diese süßen Gerichte nicht nur genussvoll, sondern auch tief verwurzelt. Es sind Rezepte mit Seele – farbenfroh, voller Textur, tropischer Fülle und emotionaler Resonanz.
Am Ende folgen das Register (alphabetisch ist dort alles erfasst: Namen, Orte, Rezepttitel und Zutaten) und die Danksagung, die ein persönliches Highlight darstellt: voll von Respekt und Liebe für Familie, Freunde und Wegbegleiter*innen.
Besonderheiten
Was „Fusão“ besonders macht, ist nicht nur der kulinarische Inhalt, sondern auch die Haltung dahinter: respektvoll, neugierig, verspielt – und voller Lust am Erzählen. Es ist kein traditionelles Brasilien-Kochbuch, sondern ein mutiger, persönlicher Streifzug durch eine Küche, die geprägt ist von Migration, Erinnerung und immer neuen Einflüssen. Ein Kochbuch, das nicht festschreibt, sondern inspiriert.
Fast jedes Unterkapitel ist nach realen Menschen oder kulturellen Themen benannt – das verleiht dem Buch eine starke emotionale und biografische Tiefe. Statt eines sachlich-neutralen Aufbaus stehen persönliche Begegnungen, Orte und familiäre Prägungen im Vordergrund. Dadurch wird jedes Kapitel zu einer kleinen erzählerischen Reise.
Inhaltlich bewegt sich „Fusão“ irgendwo zwischen Rezeptsammlung und kulinarischem Memoir. Ixta Belfrage schöpft aus einer Vielzahl kultureller Einflüsse – indigene, afrikanische, portugiesische, arabische, japanische und italienische Komponenten fließen in ihre Küche ein. Die daraus entstehenden Gerichte sind geprägt von ungewöhnlichen Kombinationen, kreativen Adaptionen und einem liebevollen Blick auf Zutaten, Menschen und Geschichten.
Besonders gelungen ist das Konzept der „Flavour Bombs“ – ein aromatischer Baukasten aus Ölen, Pickles, Marinaden und Saucen, der sich durch das gesamte Buch zieht. Viele Hauptgerichte basieren auf diesen vorbereiteten Geschmacksträgern, was die Kochpraxis nicht nur erleichtert, sondern auch zur eigenen Kreativität anregt.
Ein weiterer Pluspunkt: Zugänglichkeit und Flexibilität. Viele der typisch brasilianischen Zutaten, die in Europa schwer zu bekommen sind, werden durch kluge Alternativen ersetzt. Zudem berücksichtigt das Buch ganz selbstverständlich verschiedene Ernährungsbedürfnisse: Zahlreiche Rezepte sind glutenfrei, milchfrei oder vegan – nicht aus Prinzip, sondern weil es zu Belfrages persönlicher Geschichte passt. Ihre Offenheit gegenüber alternativen Zutaten macht das Buch auch für Menschen mit Unverträglichkeiten besonders attraktiv.
3. Zielgruppe
„Fusão“ richtet sich an alle, die beim Kochen nicht nur Zutaten, sondern Geschichten, Identität und Aromenvielfalt miteinander verbinden wollen. Es ist kein klassisches Brasilien-Kochbuch – und genau das macht es so spannend für eine Zielgruppe, die mehr sucht als nur Rezepte zum Nachkochen.
Das Buch ist ideal für:
•neugierige Foodies, die Lust auf eine Küche haben, die kulturelle Einflüsse nicht bloß nebeneinanderstellt, sondern miteinander verschmelzen lässt – sei es italienisch, japanisch, arabisch, afrikanisch oder brasilianisch.
•erfahrene Hobbyköch*innen, die Spaß daran haben, neue Geschmackskombinationen auszuprobieren und flexibel mit Zutaten umzugehen (z. B. durch die „Flavour Bombs“).
•Leser*innen mit Interesse an Migration, kultureller Identität und Erzählküche, denn viele Kapitel sind fast schon literarisch oder essayistisch aufgebaut – etwa die Einschübe zu Immigration, zu Maniok, oder zu familiären Erinnerungen im Dessertteil.
•Menschen mit besonderen Ernährungsbedürfnissen: Viele Rezepte sind milchfrei, glutenfrei oder vegan, oft aus biografischen Gründen – und stets mit pragmatischen Alternativen versehen.
•Fans von Ottolenghi & Co.: Wer Bücher wie „Flavour“, „Plenty More“ oder Werke von Tara Wigley und Sami Tamimi mag, wird sich hier sofort zuhause fühlen – mit dem Unterschied, dass Ixta Belfrage in „Fusão“ noch viel persönlicher, freier und mutiger erzählt.
Nicht geeignet ist das Buch für Einsteiger*innen, die auf klassische Alltagsrezepte oder Schritt-für-Schritt-Küchenbasics hoffen. „Fusão“ verlangt ein bisschen Eigeninitiative, Offenheit – und die Bereitschaft, sich auf Ungewohntes einzulassen. Kurz gesagt: „Fusão“ ist gemacht für alle, die Aromen nicht nur schmecken, sondern spüren wollen. Für alle, die sich beim Kochen fragen: Woher kommt dieses Gericht eigentlich? Welche Geschichte steckt dahinter? Und wie kann ich es mir zu eigen machen?
4. Rezepte und Vielfalt
Anzahl der Rezepte
Insgesamt enthält „Fusão“ über 100 Rezepte, verteilt auf sechs Hauptkapitel: von aromatischen Grundlagen („Flavour Bombs“) über Gemüse-, Fisch- und Fleischgerichte bis hin zu Dessert und Getränken. Fast jedes Rezept ist eingebettet in eine persönliche Geschichte, eine Erinnerung oder eine kulturelle Verflechtung.
Vielfalt der Rezepte
Die Rezeptauswahl ist so vielschichtig wie Ixta Belfrages biografischer Hintergrund: Es gibt Fischrezepte mit Azeite de Dendê, aromatisch aufgeladene Lammgerichte, Gemüsegerichte mit japanischen, italienischen oder arabischen Einflüssen, Nachspeisen mit Passionsfrucht und Guave, pikante Grundsaucen – und immer wieder überraschende Kombinationen. Besonders auffällig: die Bandbreite der verwendeten Zutaten und Zubereitungen – von geröstetem Maniok bis zu Guaven-Karamell oder Pimenta-Öl. Selbst klassische brasilianische Gerichte wie Moqueca oder Vaca atolada werden neu interpretiert.
Originalität und Kreativität
„Fusão“ ist randvoll mit kreativen Ideen – ob es nun die „Flavour Bombs“ sind, die als aromatische Bausteine quer durchs Buch Verwendung finden, oder Rezepte wie Papaya-Schokoladenkuchen mit Zitrus-Honig-Glasur, Huhn in Rote-Bete-Sauce, Cashew-Kokos-Chili-Öl, gefüllte Mangoldrollen, Lamm mit Ananas oder geröstete Bananeneiscreme mit Chocolate-Fudge-Sauce.
Über ein Drittel der Rezepte sind vegetarisch oder sogar vegan – darunter viele der „Flavour Bombs“, etliche Gemüsegerichte sowie einige Desserts und Getränke. Auch in den Fleisch- und Fischkapiteln finden sich flexible Rezepte, die sich leicht abwandeln lassen. Besonders erfreulich: die durchdachten Hinweise zu Diätetik, Zutatenersatz und persönlichen Beweggründen für pflanzenbasierte Alternativen. Obwohl viele Gerichte stark von brasilianischer Küche inspiriert sind, achtet Belfrage bewusst darauf, Zutaten zugänglich zu machen. Viele Produkte, die im europäischen Raum schwer erhältlich sind, werden durch Alternativen ersetzt oder mit pragmatischen Tipps ergänzt – etwa Maniok durch Kartoffeln oder bestimmte Chilis durch Mischungen.
Trotzdem bleibt das Buch experimentierfreudig – und genau das macht seinen Reiz aus.
5. Schwierigkeitsgrad
„Fusão“ ist kein Einsteigerbuch im klassischen Sinn – aber es ist auch keines, das nur für Profis gemacht ist. Ixta Belfrage spricht eine breite Leserschaft an, die Lust auf intensiven Geschmack, Kreativität und kulinarisches Neuland hat.
Viele Rezepte sind mittel aufwendig, einige komplexer – gerade wenn mehrere Komponenten selbst gemacht werden, etwa Saucen, Pickles und Gewürzöle. Gleichzeitig ermutigt Belfrage aber ausdrücklich dazu, nicht sklavisch am Rezept zu hängen, sondern eigene Wege zu gehen – was geübten Hobbyköch*innen viel Freiheit gibt.
Sehr hilfreich ist dabei, dass die „Flavour Bombs“ gleich zu Beginn des Buches vorgestellt werden: Wer sich ein paar Stunden Zeit nimmt, diese vorzubereiten, kann sie in vielen späteren Rezepten schnell und unkompliziert einsetzen. Das macht den Zugang deutlich leichter.
Auch die Erklärungen sind durchdacht, präzise und praxisnah – oft ergänzt durch Tipps zu Lagerung, Vorbereitung oder Ersatzzutaten. An keiner Stelle wirkt das Buch abgehoben oder überheblich. Es fordert, aber es überfordert nicht. Besonders angenehm: „Fusão“ verzichtet auf jede Form von Küchen-Elitarismus. Vielmehr ist es ein inspirierendes, erzählerisches Kochbuch, das den Mut fördert, auch mal etwas auszuprobieren. Wer bereit ist, sich auf neue Zutaten, kulturelle Querverbindungen und ein bisschen Unkonventionalität einzulassen, wird mit vielen Aha-Momenten belohnt.
6. Fotografie und Design
„Fusão“ ist visuell ebenso eigenständig wie kulinarisch. Das beginnt schon beim Cover: stilvoll, modern, dabei aber so ausdrucksstark und ästhetisch, dass es dem Buch fast Coffee-Table-Qualitäten verleiht.
Die Gestaltung stammt von Evi-O.Studio, genauer von Kathrine Zhang und Andrew Grune – und sie haben ein ebenso lebendiges wie übersichtliches Layout entworfen. Schlichte Schrifttypen, klare Gliederung, gut strukturierte Rezeptseiten mit Zutatenlisten auf der einen und Zubereitungstexten auf der anderen Seite sorgen für sehr gute Orientierung. Zutatenlisten sind durch dezente Linien gegliedert, wodurch Mehrkomponenten-Gerichte leichter erfassbar werden. Unter vielen Rezepten finden sich hilfreiche Tipps oder Variationshinweise. Kleine Symbole kennzeichnen, ob ein Gericht glutenfrei, vegan oder vegetarisch ist – unaufdringlich, aber äußerst nützlich.
Die Foodfotos stammen von Kim Lightbody, das Foodstyling hat Ixta Belfrage selbst übernommen – unterstützt von Clare Cole. Die Fotos sind reduziert, authentisch und nah am Alltag: schlichtes Geschirr, natürliche Perspektiven (meist von oben), dezente Settings ohne großes Drumherum. Das Essen sieht oft so aus, wie es eben aussieht – manchmal rustikal, manchmal bunt, aber nie überstilisiert. Die Bilder vermitteln realistisch, was auf dem Teller landet – und das macht sie besonders glaubwürdig.
Die Reisefotos aus Brasilien stammen von Pedro Pinho. Auch sie tragen zu diesem authentischen Eindruck bei: Es sind keine touristischen Postkarten-Motive, sondern Momentaufnahmen, die wie aus einem persönlichen Reisetagebuch wirken. Menschen, Landschaften, Szenen – alles wirkt natürlich, ungestellt, atmosphärisch dicht. Durch einen dezenten Filter erhalten viele Bilder einen leicht vergilbten, fast nostalgischen Look, der sich auch im Buchdesign fortsetzt, z. B. durch den Einsatz gelblicher Seiten oder warm getönter Farbflächen.
Mehrfach ist auch die Autorin selbst auf den Fotos zu sehen – aber nie inszeniert, sondern als Teil des Geschehens: kochend, essend, beobachtend. Das verleiht dem Buch Nähe und Persönlichkeit.
Insgesamt ist „Fusão“ ein gestalterisch sehr gelungenes Buch – nicht effekthascherisch, sondern stimmig, aufgeräumt und atmosphärisch. Es bringt die Inhalte visuell auf den Punkt – und schafft dabei eine wunderbare Balance zwischen Orientierung und Entdeckerlust.
7. Sprache und Anleitungen
Die Sprache in „Fusão“ trägt Ixta Belfrages Handschrift: persönlich, offen und nahbar. Sie schreibt, wie sie kocht – mit Intuition, Leidenschaft und einer spürbaren Verbindung zu den Zutaten, Geschichten und Menschen, die hinter den Gerichten stehen. Das macht das Buch auch jenseits der Rezepte lesenswert: Viele Passagen sind essayistisch, manchmal fast poetisch, ohne je gekünstelt zu wirken.
Auch bei der Vermittlung von Kochtechniken bleibt der Ton freundlich und ermutigend. Die Rezepttexte sind gut strukturiert, klar gegliedert und in einem sehr zugänglichen Stil verfasst. Jede Rezeptseite beginnt mit einem kurzen Einführungstext – manchmal historisch, manchmal persönlich, manchmal rein praktisch. Die Zutatenliste ist übersichtlich, die Zubereitung nachvollziehbar – dabei aber kompakt gehalten.
Gerade hier zeigt sich: Für geübte Hobbyköch*innen ist das Buch gut zu handhaben, aber absolute Anfänger*innen könnten sich gelegentlich etwas ausführlichere Schritt-für-Schritt-Erklärungen wünschen. Bei komplexeren Rezepten oder mehreren Komponenten muss man selbst gut mitdenken – aber das passt zur Grundhaltung des Buchs: Es lädt zum kreativen Mitkochen ein, nicht zum bloßen Nachkochen.
Positiv hervorzuheben ist, dass sich bislang keine inhaltlichen oder sprachlichen Fehler finden – weder in Mengenangaben noch in der Zubereitung. Das ist sicher auch der Sorgfalt von Projektmanagerin Celia Palazzo und Lektorin Annie Lee zu verdanken, deren Arbeit hier spürbar Wirkung zeigt.
Insgesamt bleibt der Sprachstil durchgehend sympathisch, unprätentiös und motivierend – ganz gleich, ob es um Maniok, Mangold oder Moqueca geht. „Fusão“ will keine Perfektion abverlangen, sondern Lust aufs Kochen machen – und das gelingt sprachlich wie formal durchweg gut.
8. Besonderheiten
„Fusão“ ist weit mehr als eine Rezeptsammlung – es ist ein vielschichtiges, autobiografisch gefärbtes Porträt Brasiliens, erzählt durch die Linse der Kulinarik. Wer nur ein schönes Kochbuch erwartet, wird überrascht: Denn dieses Buch lässt seine Leser*innen nicht nur in die brasilianische Küche eintauchen, sondern auch in die gesellschaftlichen, kulturellen und emotionalen Tiefenschichten eines Landes voller Gegensätze, Vielfalt und Geschichten.
Ixta Belfrage gelingt mit „Fusão“ ein ganz eigener Zugang: Es ist keine landeskundliche Abhandlung im klassischen Sinne, aber durchaus ein vielstimmiger Blick auf Brasilien – vermittelt über persönliche Erinnerungen, Porträts von Menschen, regionale Zutaten, historische Hintergründe und nicht zuletzt über das, was auf den Tisch kommt. Migration, Kolonialgeschichte, kulturelle Vielfalt und kulinarische Identität fließen hier ineinander – ohne erhobenen Zeigefinger, sondern mit Offenheit, Neugier und Respekt.
Dabei ist das Buch inhaltlich extrem reichhaltig: Einschübe zu Maniok, Palmöl, japanischer oder arabischer Einwanderung, Musik, Exil und queerer Identität schaffen Kontext und Tiefe. Viele der Texte könnten auch in einem gut kuratierten Magazin oder einem Reisebericht stehen – sie vermitteln Wissen, erzählen Anekdoten und geben Menschen eine Stimme, die sonst in klassischen Kochbüchern kaum Platz finden würden.
Und doch: Trotz dieser inhaltlichen Weite verliert „Fusão“ nie seinen kulinarischen Kern. Die rund 100 Rezepte sind keine bloße Ergänzung zu den Geschichten – sie sind deren kulinarische Entsprechung. Man liest, kocht, staunt, und ehe man sich versieht, ist man tief eingetaucht in eine Welt, die einem Brasilien näherbringt, als es so mancher Reiseführer könnte.
Das ist die große Besonderheit dieses Buchs: Es verbindet fundiertes Wissen mit emotionaler Nähe, Geschichtsbewusstsein mit Geschmack, und Persönliches mit Gesellschaftlichem. Wer sich auf „Fusão“ einlässt, wird nicht nur neue Rezepte entdecken – sondern neue Perspektiven.
9. Preis-Leistungsverhältnis
Preis: 28 GBP (ab ca. 24,99 Euro im deutschen Buchhandel erhältlich)
Mit einem Preis von aktuell 25 € im deutschen Buchhandel gehört „Fusão“ zu den Kochbüchern, bei denen man sich fragt: Wie kann so viel Inhalt, Qualität und Gestaltung für diesen Preis angeboten werden?
Denn was man hier bekommt, ist nicht nur ein sehr schön gestaltetes Hardcover mit rund 100 Rezepten, sondern ein durchkomponiertes Werk, das sich weit über das Genre hinaus bewegt.
Allein die Mischung aus hochwertiger Fotografie, klarem Layout, durchdachten Rezepten, kulinarischem Wissen, historischem Kontext und persönlichem Erzählen macht das Buch zu einem echten Schwergewicht – inhaltlich wie gestalterisch.
Dazu kommt, dass „Fusão“ nicht einfach ein Nischenprojekt für Foodnerds ist, sondern breit anschlussfähig: für alle, die gerne kochen, gerne lesen, sich für Brasilien interessieren oder Lust haben, ihre gewohnte Geschmackspalette zu erweitern. Die inhaltliche Tiefe, die gestalterische Sorgfalt und die kulturelle Vielfalt, die hier miteinander verschmelzen, findet man in dieser Form selten – und schon gar nicht zu diesem Preis. Kurzum: Ein herausragendes Preis-Leistungs-Verhältnis für ein Buch, das nicht nur die Küche bereichert, sondern auch Herz und Horizont.
10. Gesamteindruck und Empfehlung
„Fusão“ ist mehr als ein Kochbuch – es ist eine Einladung, Brasilien neu zu entdecken. Nicht über Klischees oder touristische Oberfläche, sondern durch Gerichte, Geschichten, Menschen und Erinnerungen, die alle eins gemeinsam haben: Sie sind zutiefst persönlich.
Ixta Belfrage gelingt es auf beeindruckende Weise, ein Werk zu schaffen, das kulinarische Tiefe mit emotionaler Offenheit verbindet. Sie zeigt, dass Essen mehr sein kann als Genuss – nämlich Ausdruck von Identität, Herkunft, Verbindung und Veränderung. Die Mischung aus erzählerischem Reichtum, kreativen Rezepten und visuell stimmiger Gestaltung macht „Fusão“ zu einem dieser seltenen Bücher, das lange nachhallt – sowohl am Herd als auch im Kopf.
Wer neugierig ist, wer Aromen liebt, die überraschen, wer Lust hat, sich über das Kochen einem Land und seinen Menschen zu nähern, der wird in diesem Buch mehr finden als eine bloße Rezeptsammlung. Man lernt, staunt, kocht – und ist irgendwann mittendrin. In Brasilien, in der Fusion, im Denken und Schmecken von Ixta Belfrage. Eine uneingeschränkte Empfehlung für alle, die beim Kochen nicht nur die Hände, sondern auch Herz und Kopf einbeziehen wollen. Ein Buch, das verbindet. Und begeistert. „Fusão“ ist ein echter LeseLust&Löffel-Liebling 2025 – und verdient sich aus gutem Grund die volle Punktzahl.
11. Bewertung
Gesamtbewertung: 🥄🥄🥄🥄🥄 🥄
Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Zielgruppe: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Rezepte und Vielfalt: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Schwierigkeitsgrad: 🥄 🥄🥄🥄
• Fotografie und Design: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Sprache und Anleitungen: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Besonderheiten: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Preis-Leistungs-Verhältnis: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
12. Nachgekocht

Die Mangosauce ist superköstlich – Ananassaft, Mandarinensaft, Olivenöl, Zwiebel und Mango werden noch zusätzlich mit Knoblauch, Piment und Zimt gewürzt.
Die fertigen Auberginen werden auf mit Limettenschale, Knoblauch und Salz gewürztem Joghurt angerichtet. Die Sauce hinüber träufeln und als Topping kommt noch eine Mischung aus geröstetem Sesam, Curry und Salz obenauf. Ein paar Streifen Frühlingszwiebelgrün und Limettensaft runden das Aromenspektakel ab.


Die Pilze werden im Backofen gebraten – nur mit Olivenöl, Salz und Pfeffer benetzt.
Für die Tomatensauce werden Knoblauchzehen und feingewürfelte Chili in gesalzener Butter-Olivenöl-Mischung angeschmort, das wird vom Herd genommen und dann kommen etwas Tomatenmark, feingewürfelte Cherrytomaten, geräucherter Paprika, Zimt, Urfa Chili Flocken und viel Pfeffer dazu. Bombe!

Und die nächste ungewöhnliche, aber hervorragende Kombi ist das Angu – die brasilianische Form der Polenta. Ganz einfach zu machen: Kokosmilch und Wasser werden in einen Topf gegeben, dann kommt 2-Minuten-Polenta, reichlich Parmesan, Olivenöl, Knoblauch, etwas Currypulver und Salz dazu. Alles verrühren und unter Rühren erhitzen bis sich alles gut angedickt vom Topfboden löst.
Dann wird alles nur noch aufeinander gestapelt – erst das Angu auf dem Teller verstrichen, dann die Sauce und zuletzt die Pilze darüber. Mit Limettensaft würzen. Fantastische Kombi!


Sehr praktisch in der Zubereitung: Süßkartoffeln und Auberginen werden nur halbiert und im Ofen gebacken. Während die Kartoffeln dann auskühlen, wird fix das Sößchen aus dem ausgelösten Auberginenfleisch gerührt: mit Knoblauch, Basilikum, Curry, Pfeffer, Muskat, Chiliflocken, gesalzener Butter, Tomatenmark. Das schmeckt sehr gut – sicherlich auch einfach mit Pasta.
Für die Gnocchi werden die Kartoffeln ebenfalls aus der Schale gelöffelt, alles mit Gabel zerdrückt, dazu kommt ein Eigelb und Maismehl. Gewürzt wird mit reichlich Pfeffer und Muskat. Das Ergebnis bleibt relativ feucht. Die Gnocchi dürfen erst sieden und dann werden sie mit etwas Kochwasser zum Auberginenragout gegeben und noch mal erhitzt, damit sich alles schön verbindet. Serviert wird mit Parmesan und abgeriebener Zitronenschale. 😋

Ein tolles, besonderes Essen – und so einfach nachzukochen. Der Butternutkürbis wird geschält und gewürfelt in eine Ofenform gegeben und mit ganzen Chilischoten, Zimtstangen, Butter, Olivenöl, heller Misopaste, Rosenharissa und Ahornsirup sowie etwas Salz vermengt. Alles wird gut mit Alufolie verschlossen und darf zunächst 15 Minuten schmoren, dann kommt Alufolie weg und die Chilischoten raus und es darf noch mal 25 Minuten offen weiter schmörgeln.
Währenddessen wird der Orzo 10 Minuten in kochendem Wasser eingeweicht und darf anschließend 14 (!)
Minuten (so steht es ganz genau im Rezept) in Kokosmilch, Wasser, Safran, Curry, Muskatnuss köcheln. Am Ende wird noch mit schwarzem Pfeffer gewürzt. Angerichtet wird mit einer Mischung aus Zwiebel, die mit einem Teil des geschmorten Chilis, Basilikum und Petersilie mit etwas Salz in Olivenöl marinieren durfte und frischem Zitronensaft – fantastisch!! 