Die Ernährungs-Docs – Unsere Anti-Krebs-Strategie

„Unsere Anti-Krebs-Strategie“
von den Ernährungs-Docs (Dr. med. Jörn Klasen, Dr. med. Matthias Riedl, Dr. med. Silja Schäfer, mit Texten von Franziska Pfeiffer und Kathrin Burger, Rezepte von Martina Kittler),
ZS Verlag, 2022

Konzept in Kürze

„Unsere Anti-Krebs-Strategie“ verfolgt einen bewusst realistischen, medizinisch fundierten Ansatz: Gleich zu Beginn machen die Ernährungs-Docs unmissverständlich klar, dass es keine Anti-Krebs-Diät gibt und Ernährung keine Heilung verspricht. Stattdessen zeigen sie auf, welchen relevanten, aber begrenzten Einfluss eine gesunde Lebensweise – insbesondere die Ernährung – auf Krebsprävention, Therapieverträglichkeit und Rückfallrisiken haben kann.

Im Mittelpunkt steht eine überwiegend pflanzenbasierte, abwechslungsreiche und vollwertige Ernährung, ergänzt um hochwertige Eiweißquellen und gesunde Fette. Vermittelt werden keine strengen Verbote, sondern klare Leitplanken: viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, gute Pflanzenöle, maßvoll eingesetzte tierische Produkte wie Fisch, Eier und Milchprodukte, möglichst aus guter Bio-Qualität. Gleichzeitig werden bekannte Risikofaktoren wie Übergewicht, stark verarbeitete Lebensmittel und ungünstige Fett- und Zuckerprofile sachlich eingeordnet.

Der inhaltliche Aufbau verbindet medizinische Information, aktuelle Studienlage und alltagstaugliche Ernährungsempfehlungen. Themen wie Krebsentstehung, Prävention, Ernährung während und nach Therapien, Nahrungsergänzungsmittel, Mythen rund um Krebsdiäten sowie konkrete Risikofaktoren werden verständlich erklärt. Ergänzt wird dies durch praxisnahe Selbsttests, Checklisten und Orientierungshilfen. Der Rezeptteil ordnet sich diesem Konzept klar unter: Die Gerichte dienen der Umsetzung einer generell gesundheitsförderlichen Ernährung, nicht der Entwicklung einer krankheitsspezifischen Küche. Entsprechend ähneln sich viele Rezepte denen aus anderen Bänden der Ernährungs-Docs – handwerklich solide, alltagstauglich, medizinisch abgesichert, hier umgesetzt u. a. von erfahrenen Kochbuchautor*innen wie Martina Kittler. Insgesamt versteht sich das Buch weniger als klassisches Kochbuch, sondern als ernährungsmedizinischer Leitfaden mit Rezepten, der Orientierung geben will, ohne falsche Hoffnungen zu wecken.

Zielgruppe

Die Zielgruppe für „Unsere Anti-Krebs-Strategie“ ist groß – und das nicht zufällig. Die Ernährungs-Docs widmen sich seit Jahren genau jenen Krankheitsbildern, die viele Menschen direkt oder indirekt betreffen. Krebs ist eine Erkrankung, die Angst macht, Nähe erzeugt und Fragen aufwirft – oft lange bevor es eine persönliche Diagnose gibt. Diese emotionale Betroffenheit erklärt einen wesentlichen Teil des anhaltenden Erfolgs der Bücher und des TV-Formats.

Angesprochen werden Leser*innen, die Orientierung suchen, sich informieren wollen und bereit sind, zumindest gedanklich etwas zu verändern. Das Buch richtet sich an Menschen, die Ernährung als Stellschraube ernst nehmen – sei es aus eigener Erfahrung, aus Vorsorge oder aus dem Wunsch heraus, „etwas zu tun“. Dabei funktioniert es auch für jene, die gerne ein Buch zur Hand nehmen, sich Wissen aneignen und vielleicht schon das Gefühl haben, mit dem Kauf und dem Platz im Regal einen ersten Schritt gemacht zu haben. „Unsere Anti-Krebs-Strategie“ erreicht damit eine breite Leserschaft: von konkret Betroffenen über Angehörige bis hin zu gesundheitsbewussten Leser*innen, die sich mit Zivilisationskrankheiten auseinandersetzen und sich eine verständliche, alltagstaugliche Einordnung wünschen – ohne Fachjargon, aber mit dem Versprechen, auf der sicheren Seite zu sein.

Rezeptüberblick

Rund 120 der insgesamt etwa 200 Seiten sind dem Rezeptteil gewidmet – und damit nimmt er einen deutlich größeren Raum ein, als man es bei einem medizinisch geprägten Ernährungsratgeber zunächst erwarten würde. Die Rezepte von Martina Kittler sind übersichtlich gegliedert nach Tageszeiten und Bedarfssituationen und reichen vom Frühstück über leichte Mittagsgerichte bis hin zu eiweißbetonten Abendessen und kleinen Gute-Nacht-Mahlzeiten.

Allen Rezepten gemeinsam ist ihre gute Alltagstauglichkeit: Sie sind klar aufgebaut, verständlich beschrieben und leicht nachzukochen. Entscheidend ist weniger die technische Schwierigkeit als die Bereitschaft, sich auf die zugrunde liegende Ernährungsform einzulassen. Hat man einmal eine überschaubare Anzahl an Grundzutaten im Haus – etwa Hülsenfrüchte, hochwertige Öle, Vollkornprodukte, Milchalternativen, Ahornsirup, Nüsse und Gewürze – kommt man mit dem Repertoire gut zurecht.

Der Tag beginnt mit einem abwechslungsreichen Frühstücksangebot: von Leinöl-Quarkcremes mit Obst und Nusscrunch über Joghurt-Birchermüsli, Overnight Oats, Hirse-, Buchweizen- und Pseudogetreide-Varianten bis hin zu herzhaften Gerichten wie Gemüseomeletts, Strammem Gemüse-Max mit Feta oder belegten Vollkornbroten. Erfreulich ist dabei, dass selbst im kohlenhydratreduzierten Bereich kaum mit exotischen Ersatzprodukten gearbeitet wird. Auch die Brotrezepte kommen mit gängigen, gut erhältlichen Mehlsorten aus und verzichten weitgehend auf komplizierte Spezialzutaten.

Die Mittagsgerichte sind bewusst leicht gehalten und saisonal gedacht: Salate, Bowls, Gemüsepfannen, Vollkornpasta-Varianten, Ofengerichte und eiweißreiche Shakes, die auch als Zwischenmahlzeit oder Mahlzeitenersatz dienen können. Pflanzliche Komponenten dominieren, ergänzt durch Eier, Fisch oder gelegentlich Geflügel. Auch süße Komponenten sind vertreten – etwa Chia-Pudding, Heidelbeer-Soft-Eis auf Seidentofubasis oder fruchtige Desserts.

Am Abend rückt das Eiweiß klar in den Fokus, während Kohlenhydrate noch weiter reduziert werden. Hier finden sich Linsen- und Kichererbsengerichte, fermentierte Gemüse, Suppen, Frittatas sowie Fisch- und Geflügelgerichte. Für späte Mahlzeiten stehen gut verträgliche Optionen wie Shakes, Mandelsüppchen oder kleine energiereiche Snacks zur Verfügung. Ergänzt wird der Rezeptteil durch mehrere praxisnahe Zusatzkapitel: Tipps zum gezielten Aufwerten mit Fett oder Eiweiß, Hinweise zur Kohlenhydratreduktion sowie Tagespläne für eine hochkalorische Ernährung, die insbesondere während einer Krebstherapie relevant sein können. Sehr hilfreich sind zudem die übersichtlichen Tabellen zu entzündungshemmenden Lebensmitteln, die 10 wichtigsten Regeln zur Krebsprävention sowie ein umfangreiches Sach-, Rezept-, Literatur- und Linkverzeichnis.

Gestaltung und Sprache

Ein zentrales Erfolgsgeheimnis der Ernährungs-Docs liegt seit jeher darin, komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich und niedrigschwellig zu erklären. Genau diese Stärke zeigt sich auch in „Unsere Anti-Krebs-Strategie“. Die informierenden Texte sind auf das Wesentliche reduziert, gut strukturiert und so formuliert, dass sie Betroffenheit ernst nehmen, ohne zu überfordern oder Widerstand zu erzeugen. Der Ton ist sachlich, ruhig und zugewandt – man fühlt sich abgeholt, nicht belehrt.

Die Rezeptteile sind klar gegliedert: Zutaten und Zubereitung sind sauber voneinander getrennt, die Anleitungen gut nachvollziehbar und flüssig zu lesen. Symbole kennzeichnen die Rezepte sofort als antientzündlich, fettgesund, proteinreich, low carb, vegetarisch oder vegan und erleichtern die Orientierung im Alltag. Besonders hilfreich sind die kleinen Einschübe bei vielen Rezepten, in denen die Ernährungs-Docs kurz erläutern, warum ein Gericht aus ernährungsmedizinischer Sicht zur Krebsprävention beiträgt. Auch formal überzeugt das Buch. Das Druckbild ist klar und angenehm, die Nährwerte pro Portion sind übersichtlich aufgeschlüsselt. Dezente Farbstreifen am oberen und unteren Seitenrand helfen beim schnellen Wiederfinden der einzelnen Kapitel. Das Layout von Julia Arzberger und Georg Feidel (Zero Werbeagentur) ist funktional und zugleich ansprechend. Die Fotografie von Claudia Timmann, kombiniert mit dem Foodstyling von Arno Lenz, ist sehr gelungen: Die Gerichte sind appetitanregend inszeniert, häufig aus leicht schräger Vogelperspektive fotografiert, farblich klar und realistisch. Insgesamt wirkt das Buch durchdacht, einladend und handwerklich sauber umgesetzt – eine Aufmachung, die dem inhaltlichen Anspruch gerecht wird.

Fazit

„Unsere Anti-Krebs-Strategie“ steht exemplarisch für den großen Erfolg der Ernährungs-Docs auf dem Buchmarkt. Seit Jahren führen ihre Titel die Bestsellerlisten an – nicht zuletzt, weil sie Themen aufgreifen, die viele Menschen unmittelbar betreffen, emotional berühren und zugleich ein starkes Bedürfnis nach Orientierung erzeugen. Krebs ist dabei eines der komplexesten und angstbesetztesten Krankheitsbilder überhaupt.

Das Buch punktet vor allem durch seine klare Haltung: Es verspricht keine Heilung durch Ernährung und keine spezielle Krebsdiät, sondern ordnet realistisch ein, welchen Beitrag ein gesunder Lebensstil leisten kann. Inhaltlich folgt es dem bekannten Grundkonzept der Ernährungs-Docs: überwiegend pflanzenbasiert, vielseitig, eiweißreich, fettbewusst, alltagstauglich. Dieses Basiskonzept zieht sich – mit nur geringen Anpassungen – durch nahezu alle Bände der Reihe. Der eigentliche Mehrwert entsteht jeweils im Informationsteil, der das jeweilige Krankheitsbild aufgreift und ernährungsmedizinisch einordnet.

Auch hier zeigt sich: Die Rezepte sind solide, gut gemacht und leicht nachzukochen, unterscheiden sich jedoch nur punktuell von anderen Titeln der Ernährungs-Docs. Wer bereits mehrere Bücher aus der Reihe kennt, wird vieles wiedererkennen. Für Neueinsteiger*innen hingegen bietet „Unsere Anti-Krebs-Strategie“ einen gut strukturierten, verständlichen und praxisnahen Einstieg in ein Thema, das viele bewegt – ohne falsche Hoffnungen zu wecken. Insgesamt ist das Buch weniger ein Kochbuch im klassischen Sinn als ein ernährungsmedizinischer Begleiter mit starkem Rezeptanteil, der Wissen vermittelt, Sicherheit gibt und zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensstil anregt. Genau darin liegt seine Stärke – und zugleich der Grund, warum es auf LeseLust&Löffel besprochen wird: als Beispiel für ein extrem erfolgreiches, handwerklich solides und in seiner Wirkung sehr durchdachtes Konzept.

Bewertung: 🥄🥄🥄🥄🥄 (5 von 6 Löffeln)

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