Bettina Matthaei – Easy. Überraschend. Low Carb.

1. Eckdaten

Titel: „Easy. Überraschend. Low Carb. – Das große LCHF-Kochbuch“

Autor: Bettina Matthaei

Verlag: Becker Joest Volk Verlag

Erscheinungsjahr: 2016 

2. Inhalt und Konzept

Als „Easy. Überraschend. Low Carb.“ im Jahr 2016 erschien, befand sich die Ernährungswelt mitten in einer Phase, die viele als regelrechten Low-Carb- und Low-Carb-High-Fat-Hype erlebt haben. Für nicht wenige war es damals tatsächlich überraschend – und für manche geradezu revolutionär –, dass sich durch eine deutliche Reduktion der Kohlenhydrate auf der Waage Erfolge einstellen konnten, selbst dann, wenn Fett nicht mehr konsequent gemieden wurde. Butter, Sahne, Käse, Nüsse: Lebensmittel, die lange als problematisch galten, wurden plötzlich rehabilitiert – zumindest teilweise.

Mir geht es im Folgenden ausdrücklich nicht darum, dieses Ernährungskonzept erneut zu feiern oder zu propagieren. Rückblickend lässt sich jedoch nüchtern festhalten: Die Erfahrung, dass eine bewusste Drosselung von Kohlenhydraten beim Abnehmen hilfreich sein kann, habe auch ich gemacht. Und diese Erkenntnis ist längst keine Modeerscheinung mehr, sondern findet sich bis heute in der modernen Ernährungslehre wieder – wenn auch deutlich differenzierter betrachtet. Gerade beim Thema Fett hat sich der Blick in den letzten Jahren weiter geschärft. Heute wird stärker darauf geachtet, welche Fette verwendet werden, wie sie verarbeitet sind und in welchem Gesamtzusammenhang sie stehen. Spannend ist, dass sich dieser Gedanke in „Easy. Überraschend. Low Carb.“ bereits an vielen Stellen andeutet. Bettina Matthaei arbeitet nicht mit reiner Provokation nach dem Motto „je mehr Fett, desto besser“, sondern setzt früh auf Qualität, Kombinationen und Sättigung. In diesem Sinne wirkt das Buch rückblickend fast ein wenig visionär.

Ein Punkt, der für mich persönlich immer eine Rolle gespielt hat – und den ich im weiteren Verlauf bewusst mitdenke –, ist mein überwiegend vegetarischer Essalltag. Klassische Low-Carb-Konzepte waren lange stark fleischzentriert, was sie für mich nur bedingt praktikabel machte. Genau deshalb lohnt später auch ein kurzer Blick auf Matthaeis zweiten Band „Low Carb vegetarisch“, der diese Lücke konsequent schließt. Gleichzeitig ist bemerkenswert, dass bereits in diesem ersten Buch ein eigenes vegetarisches Kapitel angelegt ist – ein Detail, das 2016 keineswegs selbstverständlich war. Bevor wir jedoch weiter in die einzelnen Kapitel eintauchen, lohnt sich zunächst ein genauer Blick auf die einleitenden Seiten des Buches – auf das, was Bettina Matthaei unter „Gut zu wissen“ zusammenfasst und wie sie ihr Konzept selbst verortet.

„Gut zu wissen – Low Carb und Low Carb High Fat“
In ihrer Einleitung zu „Easy. Überraschend. Low Carb.“ legt Bettina Matthaei zunächst das theoretische Fundament, ohne den Leser*innen mit Ernährungsdogmen zu begegnen. Ausgangspunkt ist eine rückblickende Betrachtung der klassischen Low-Fat-Empfehlungen der vergangenen Jahrzehnte, die – so ihre Argumentation – nicht zu den erhofften gesundheitlichen Effekten geführt haben. Statt Fett rücken deshalb die Kohlenhydrate, insbesondere Zucker und Stärke, in den Fokus. Low Carb wird dabei nicht als starres Konzept vorgestellt, sondern als Spektrum: von moderat kohlenhydratreduziert bis hin zu Low Carb High Fat. Matthaei macht transparent, dass sie sich in diesem Buch bewusst für die LCHF-Variante entscheidet, begründet dies aber nachvollziehbar und ohne Absolutheitsanspruch. Andere Formen von Low Carb werden nicht abgewertet, sondern ausdrücklich als mögliche Alternativen benannt.

Auffällig ist der pragmatische Ton der Einleitung. Theorie dient hier nicht der Belehrung, sondern der Orientierung. Die Autorin erklärt grundlegende Zusammenhänge – etwa zur Rolle von Insulin, zu Sättigungseffekten oder zur Verteilung von Makronährstoffen –, bleibt dabei jedoch stets auf Alltagsebene. Wissenschaftliche Hintergründe werden angerissen, aber nicht ausformuliert; wer tiefer einsteigen möchte, wird auf weiterführende Literatur und Quellen verwiesen. Ein zentraler Gedanke der Einleitung ist, dass Sättigung und Genuss keine Gegensätze sein müssen. Fett wird nicht als Selbstzweck gefeiert, sondern als Bestandteil einer Küche verstanden, die länger satt macht und Heißhunger vorbeugt. Gleichzeitig wird klar betont, dass auch Low Carb High Fat kein Freibrief ist: Kalorien, Portionsgrößen und individuelle Bedürfnisse bleiben relevant. Bemerkenswert ist zudem die Offenheit gegenüber Anpassungen. Matthaei ermutigt dazu, das Konzept auf den eigenen Alltag zuzuschneiden – sei es durch Anpassung der Fettmenge, durch mehr Gemüse oder durch eine weniger strikte Auslegung. Damit positioniert sie ihr Buch nicht als Regelwerk, sondern als Werkzeugkasten, aus dem sich jede*r das Passende nehmen kann.

Insgesamt schafft die Einleitung eine vertrauensvolle Ausgangsbasis für den Rezeptteil: Sie erklärt, ordnet ein, relativiert – und macht deutlich, dass es im weiteren Verlauf nicht um Verzicht oder Disziplin, sondern um praktikable, genussvolle Lösungen für den Alltag geht.

„Aufstriche und Brote“
Dass dieses erste Kapitel im Rezeptteil eine vergleichsweise lange Einleitung erhält, ist folgerichtig. Low-Carb-Brote stellen seit jeher eine besondere Herausforderung dar, weil sie ohne klassische Mehle und ohne Gluten auskommen müssen – also genau jene Bestandteile fehlen, die herkömmlichem Brot Struktur, Elastizität und Form geben. Bettina Matthaei nimmt sich hier bewusst Zeit, diese Problematik zu erklären, einzuordnen und den Leser*innen zugleich die Scheu zu nehmen. Sie macht deutlich, dass Low-Carb-Mehle anders funktionieren, andere Bindungspartner brauchen und ein anderes Backverhalten zeigen. Statt isoliertes Gluten zu verwenden, setzt sie konsequent auf natürliche Bindungen durch Eier, Quark, Leinsamen, Chiasamen, Flohsamenschalen und Saaten. Backpulver in Kombination mit Säure sorgt für Lockerung – ein Ansatz, der ihre Brote nicht nur kohlenhydratarm, sondern zugleich glutenfrei macht.

Aus heutiger Sicht wirkt vieles davon deutlich weniger exotisch als noch 2016. Zutaten wie Soja-, Mandel- oder Kokosmehl oder Flohsamenschalen gehören inzwischen fast zur Grundausstattung gut sortierter Bioläden. Dennoch bleibt der Ansatz bemerkenswert zugänglich: Matthaei verzichtet bewusst auf einen unüberschaubaren Mix aus zahllosen Mehlersatzprodukten. Stattdessen arbeitet sie mit einer überschaubaren, wiederkehrenden Zutatenbasis, die sich durch das gesamte Kapitel zieht.

Inhaltlich richtet sich dieses Kapitel klar an all jene, die auf ihr morgendliches Brot oder das klassische Abendbrot nicht verzichten möchten – ein zentraler emotionaler Anker in vielen Low-Carb-Ernährungsphasen. Die Brotauswahl ist entsprechend breit angelegt und deckt unterschiedliche Vorlieben ab: von hellen, milden Broten über kernige Varianten bis hin zu dunkleren, kräftigen Sorten. Es finden sich Rezepte für ein dunkles Low-Carb-Baguette, ein Sesambrot, Sonnenblumenkernbrot, Quarkbrot sowie besondere Brote wie Saatenbrot, Schwarzbrot oder ein Low-Carb-Möhren-Mandelbrot. Ergänzt wird das Angebot durch Brötchen, Bauernbrötchen sowie ein Low-Carb-Sandwich- und Fladenbrot, bei dem auch Kokos- und Mandelmehl zum Einsatz kommen.

Konsequent mitgedacht werden die passenden Begleiter: Aufstriche, Dips und Chutneys sind hier nicht Beiwerk, sondern integraler Bestandteil des Konzepts. Sie sorgen dafür, dass Brotmahlzeiten abwechslungsreich bleiben und nicht zur trockenen Pflichtübung werden. Neben herzhaften Varianten wie Zitronen-Senf-Butter oder Schinken-Kapern-Aufstrich finden sich auch vegetarische Alternativen wie Hummus sowie fruchtige Chutneys, etwa mit Brombeere oder Blaubeere – teils mit, teils ohne Speck.

Das Kapitel ist nicht nur inhaltlich, sondern auch quantitativ ein Schwergewicht im Buch. Es umfasst rund 40 Seiten und enthält

  • 12 Brotrezepte,
  • 2 Brötchenrezepte,
  • 2 Chutneyrezepte sowie
  • 15 Aufstrich- und Dip-Rezepte,
    davon 9 vegetarisch.

Damit legt „Easy. Überraschend. Low Carb.“ gleich zu Beginn ein klares Fundament: Brot wird nicht verteufelt, sondern neu gedacht. Dieses Kapitel holt Leser*innen genau dort ab, wo der Verzicht in unserer „Brot-Nation“ vielen am schwersten fällt – und zeigt, dass Low Carb auch an diesem sensiblen Punkt praktikabel, vielfältig und genussvoll umgesetzt werden kann.

“Fleisch“
Nach dem brotlastigen Einstieg folgt das Kapitel Fleisch mit einer auffallend knappen Einleitung – im Grunde ein einziger, programmatischer Satz. Darin steckt jedoch bereits ein zentrales Element des gesamten Buchkonzepts: Hauptgerichte und Beilagen werden bewusst getrennt gedacht, Zutatenlisten, Zubereitung und Nährwerte separat ausgewiesen. Dadurch lassen sich Komponenten flexibel kombinieren, neu zusammenstellen und an individuelle Vorlieben anpassen. Praktikabilität steht hier klar über Perfektion.

Mit 16 Rezepten ist dieses Kapitel kompakt, aber ausgesprochen vielseitig angelegt. Es deckt eine breite Auswahl an Fleischsorten ab und vermeidet damit die oft monolithische Ausrichtung klassischer Low-Carb-Kapitel. Rind, Lamm, Ente, Schwein und Huhn sind vertreten – von alltagstauglich bis etwas festlicher, von bodenständig bis mediterran geprägt. Besonders gelungen ist die Integration von Burger-Rezepten, die das im ersten Kapitel aufgebaute Brot-Thema konsequent weiterdenken. Die Burger-Buns werden selbstverständlich low carb umgesetzt – unter anderem mit Kokosmehl, Flohsamenschalen und Eiern – und zeigen exemplarisch, wie sich klassische Lieblingsgerichte in das Konzept einfügen lassen, ohne als bloßer Ersatz zu wirken.

Inhaltlich reicht die Spannbreite von mediterran gewürzten Frikadellen mit gebratenem Sellerie über Entrecôte mit Zucchini-Avocado-Gemüse bis hin zu Entenbrust mit Petersilienwurzel-Püree. Auch aromatischere Kombinationen wie pfeffriges Zitronenhähnchen mit Thymian-Mandel-„Polenta“ oder Schweinefilet in Pancetta mit Pfannenspargel finden Platz. Auffällig ist dabei, dass viele Beilagen klassische Kohlenhydratlieferanten zitieren – etwa „Polenta“, Bratkartoffeln oder Pizza – diese jedoch konsequent neu interpretieren: Mandeln statt Mais, Topinambur statt Kartoffeln, Frischkäse-, Ei- und Mandelmehlböden statt Teig. Gerade im Lamm-Bereich zeigt das Kapitel eine gewisse kulinarische Ambition: gekräuterte Lammlachse mit Oliven-Sellerie-Stampf oder Lammfilets mit Auberginen-Thymian-Püree wirken weniger wie Diätküche, sondern wie bewusst komponierte Gerichte, die auch unabhängig vom Low-Carb-Label bestehen könnten.

Insgesamt zeigt dieses Kapitel sehr klar, wie Bettina Matthaei Low Carb versteht: nicht als Reduktionsküche, sondern als Neudenken vertrauter Gerichte. Fleisch dient hier nicht als bloßer Sattmacher, sondern als Ausgangspunkt für vielfältige Kombinationen – unterstützt durch Beilagen, die flexibel, austauschbar und planerisch gut nutzbar sind.

„Fisch“
Im Kapitel Fisch setzt sich konsequent fort, was sich bereits im Fleischkapitel angedeutet hat: Viele der Gerichte funktionieren vollkommen unabhängig vom Low-Carb-Kontext. Sie wirken nicht wie Kompromisse, sondern wie vollwertige, eigenständige Gerichte, die man ebenso gut Gästen servieren könnte – ohne erklären zu müssen, dass hier etwas „weggelassen“ wurde. Mit insgesamt 11 Rezepten ist das Kapitel etwas schlanker angelegt, überzeugt aber durch eine besonders feine Balance aus Alltagstauglichkeit und kulinarischem Anspruch. Auffällig ist die Sicherheit, mit der Bettina Matthaei klassische Fischgerichte neu interpretiert, ohne sie zu verfremden. Statt Ersatzlogik steht erneut die kluge Kombination von Aromen und Texturen im Vordergrund.

So finden sich vertraute, bodenständige Gerichte wie Matjes-Tatar mit Avocado oder Zander auf Sahnesauerkraut mit Speckwürfeln, die gerade in der kühleren Jahreszeit sehr stimmig wirken. Gleichzeitig gibt es Gerichte, die mühelos auch auf einer ambitionierten Restaurantkarte bestehen könnten: etwa konfierter Lachs mit Avocado-Zucchini-Püree, der eher an eine elegante Vorspeise erinnert, oder Seeteufel auf Senf-Schmorgurken, klar, reduziert und präzise komponiert. Besonders charakteristisch für dieses Kapitel ist der Umgang mit klassischen Beilagen, die erneut neu gedacht werden. „Polenta“ erscheint hier als Mandel-Blumenkohl-Variante, gebunden mit Chia und Schalotten, etwa beim Seelachs in Kräutertomaten-Mascarpone-Soße. Auch der sogenannte „Reis“ wird aus Kohlrabi hergestellt, etwa bei Garnelen auf Safran-Kohlrabi-Reis – eine Umwandlung, die weniger als Ersatz denn als eigenständige Beilage funktioniert. Weitere Beispiele wie Lachs mit Haselnusskruste und Lauchgemüse, Dorade mit Selleriepüree, Mandelfisch mit Safran-Peperonata, Rotbarsch auf scharfem Tomatengemüse à la Pizzaiola oder Kabeljau mit Senfsoße und Brokkoli-Avocado-Stampf zeigen, wie souverän hier mit Gewürzen, Säure, Cremigkeit und Röstaromen gearbeitet wird.

Insgesamt wirkt das Fischkapitel besonders leichtfüßig und ausgewogen. Es vermittelt kaum das Gefühl von Reduktion, sondern eher von Klarheit und Konzentration. Genau hier zeigt sich die Stärke von „Easy. Überraschend. Low Carb.“ besonders deutlich: Wenn Low Carb so schmeckt und so aussieht, fühlt es sich nicht wie Verzicht an – sondern wie eine bewusste, genussvolle Entscheidung.

„Vegetarisch“
Mit dem vegetarischen Kapitel zeigt „Easy. Überraschend. Low Carb.“ bereits 2016 eine Offenheit, die in der damaligen Low-Carb-Landschaft keineswegs selbstverständlich war. Insgesamt 14 Rezepte widmen sich einer fleischlosen Küche, die nicht als Kompromiss gedacht ist, sondern als vollwertiger Bestandteil des Konzepts. Auffällig ist dabei die Bandbreite: Neben Gerichten, die bewusst mit Low-Carb-Alternativen arbeiten, finden sich auch viele Rezepte, die nahezu ohne klassische „Ersatzzutaten“ auskommen und stattdessen auf Gemüse, Käse, Eier und Nüsse setzen. Genau diese Mischung macht das Kapitel so tragfähig.

Zu den expliziten Neuinterpretationen zählen etwa Mandelgnocchi mit brauner Butter und Parmesan – ein Gericht, das normalerweise stark kohlenhydratlastig wäre. Hier sorgen Mandelblättchen für Struktur, während Tofu das Bindeglied bildet. Auch Käsespätzle mit geschmorten Schalotten greifen einen vertrauten Klassiker auf, wobei die Spätzle aus Ei, Chiasamen, Sojamehl und Kurkuma hergestellt werden. Diese Gerichte funktionieren weniger als Ersatz, sondern als eigenständige Varianten mit klarer Textur und Aromatik. Daneben stehen zahlreiche Rezepte, die ohne größere Umdeutung auskommen und dennoch perfekt ins Low-Carb-Konzept passen: Butternut-Halloumi-Rösti, Halloumi-Tomatenomelette, pikante Blumenkohl-Käsewaffeln oder Blattspinat mit Mandel-Parmesanklößchen in Safran-Sahnesoße. Hier zeigt sich eine sehr sichere Hand im Umgang mit Gemüse, Käse und Gewürzen. Besonders hervorzuheben ist die grüne Polenta aus Romanesco-Blumenkohl, Petersilie, Mandelmehl und Flohsamenschalen, serviert mit konfiertem Eigelb. Dieses Gericht steht exemplarisch für den Anspruch des Kapitels: vegetarisch, low carb – und zugleich überraschend elegant und anspruchsvoll. Ergänzt wird das Kapitel durch weitere abwechslungsreiche Gerichte wie Sellerie in Mandelkruste mit Frischkäse-Zitronen-Minze-Dip, Spargeltarte mit Mandelboden, gefüllte Ochsenherztomaten mit Käse-Nuss-Kruste, Pilzpfanne mit Spätzle sowie gebackene Portobello-Pilze mit Mandel-Miso-Topping.

Was sich hier sehr schön zeigt, ist der saisonale Blick der Autorin. Viele Rezepte orientieren sich erkennbar an dem, was gerade frisch verfügbar ist: Spargel im Frühjahr, Pilze und Kohl im Herbst und Winter, Tomaten und Kräuter in der warmen Jahreszeit. Vegetarische Küche wird dadurch nicht nur ernährungsphysiologisch gedacht, sondern auch kulinarisch und jahreszeitlich verankert. Insgesamt wird deutlich: Dieses vegetarische Kapitel ist mehr als ein Zugeständnis an fleischlose Ernährung. Es bildet bereits einen inhaltlichen Kern, der später konsequent weitergeführt wird – und zeigt, dass Low Carb auch ohne Fleisch abwechslungsreich, saisonal und genussvoll funktionieren

Exkurs: „Low Carb vegetarisch“ (2017)

Ein Jahr nach „Easy. Überraschend. Low Carb.“ erschien   mit „Low Carb vegetarisch“ (2017) das konsequente Gegenstück für alle, die sich überwiegend oder vollständig fleischlos ernähren möchten. Ohne den Anspruch, dieses Buch hier ausführlich vorzustellen, lässt sich festhalten: Für vegetarisch essende Low-Carb-Fans ist es eine echte Fundgrube.

Inhaltlich ist das Buch deutlich breiter aufgestellt und klar strukturiert. Es gliedert sich in sieben Kapitel: Kleine Gerichte, Suppen, Brote, Brötchen, Wraps und Cracker, Hauptgerichte, würzige Basics, Eiweiß extra und Salate. Damit wird vegetarische Low-Carb-Küche nicht nur als Beilage oder Sonderfall gedacht, sondern als eigenständige Alltagsküche. Besonders hilfreich sind die beiden ergänzenden Nachschlagebereiche am Ende des Buches. Ein Produkt-Glossar erklärt zentrale Zutaten wie goldene Leinsamen, Leinsamenmehl, gemahlene Mandeln, Kokosmehl, Chiasamen, Flohsamenschalen oder Guarkernmehl, ebenso wie Produkte, die 2017 noch längst nicht selbstverständlich waren – etwa weißes Mandelmus oder Tahini. Hinzu kommt ein Geschmacks-Glossar, das Aromen und Würzmittel einordnet, die damals vielen noch fremd waren, heute aber deutlich präsenter sind: Harissa, Ajowan, Algen, Misopaste oder Kala Namak, das indische Schwarzsalz mit seinem typischen Eieraroma.

Auch inhaltlich zeigt sich eine große Bandbreite. Neben vertrauten Gerichten wie asiatischer Gemüsenudelsuppe oder Käsesuppe mit Frühlingszwiebeln finden sich viele experimentellere Kombinationen: etwa Austernpilze auf Petersilienwurzel-Hanfsamenpüree, Eiercurry mit Tomaten- und Kokosmilch, Spinat mit Paneer, indischer Blumenkohlreis mit Tadka, grüne Spargelpasta mit Limetten-Kokosmilch oder Petersilienwurzel-Mandelklößchen in Käsesauce. Ergänzt wird das durch Snack- und Fingerfood-Ideen wie Zucchini-Sticks mit Salbei-Ziegenkäse und Walnüssen. Besonders nachhaltig sind die würzigen Basics, von denen einige auch langfristig ihren Platz in meiner Küche gefunden haben – etwa selbst gemachtes Pilzpulver oder Gewürzmischungen wie Furikake mit Chili oder Panch Phoron. Sie zeigen sehr schön, dass das Buch nicht nur Rezepte liefert, sondern kulinarisches Denken erweitert. Rückblickend lässt sich sagen: „Low Carb vegetarisch“ war in vielerlei Hinsicht seiner Zeit ein Stück voraus – sowohl was Zutatenvielfalt als auch geschmackliche Offenheit betrifft. Es ergänzt „Easy. Überraschend. Low Carb.“ sinnvoll und konsequent, ohne dessen Grundidee zu wiederholen.

„Schnelle Gerichte“
Das Kapitel ist  inhaltlich zweigeteilt – und genau darin liegt auch seine Ambivalenz. Während die begleitenden Übersichts- und Ideenseiten ausgesprochen praxisnah sind, überzeugen mich die eigentlichen zehn Rezepte dieses Kapitels persönlich deutlich weniger als die vorangegangenen Kapitel.
Das hat mehrere Gründe, die sich gut benennen lassen. Zum einen ist dieses Kapitel sehr eierlastig – ein Punkt, der meinem eigenen Geschmack nur bedingt entgegenkommt. Zum anderen spielt die Avocado hier eine zentrale Rolle. Rückblickend ist das durchaus zeittypisch: In der Hochphase der Low-Carb- und LCHF-Welle galt die Avocado als regelrechte Zauberfrucht – Sinnbild für „gute Fette“, Sättigung und modernes Ernährungsbewusstsein. Dass wir heute kritischer auf Herkunft, Anbaubedingungen und ökologische Aspekte schauen, verändert den Blick auf diese Rezeptauswahl zwangsläufig.

Inhaltlich finden sich hier überwiegend schnelle, unkomplizierte Gerichte, die stark auf tierische Produkte setzen. Beispiele sind Eier im Hackfleischmantel, Avocado-Eier mit geschmolzenen Tomaten, Avocado in Pancetta, Mozzarella mit scharfem Speck oder eine sehr retrohafte Lauchsuppe mit Cheddar und Hackfleisch, die fast schon augenzwinkernd an die 80er erinnert. Auch das überbackene Brot mit Limburger und Radieschen-Schnittlauchsalat fügt sich eher in diese bodenständig-deftige Linie ein. Daneben gibt es einige ausgefallenere Ideen wie Topinambur-Avocado-Suppe, Eiersalat à la Taboulé, einen Bohnen-Avocado-Salat oder Carpaccio mit Kapern und Parmesan. Interessant gedacht, aber insgesamt bleibt bei mir der Eindruck, dass dieses Kapitel stärker vom damaligen Zeitgeist als von zeitloser Küchensouveränität geprägt ist. Auch der Portobello-Burger – große Pilze mit Mozzarella und Sambal Oelek belegt – ist eher eine schnelle Idee als ein Gericht, das sich nachhaltig ins Repertoire einprägt.

Umso wichtiger ist es, dieses Kapitel nicht ausschließlich über die Rezepte zu bewerten. Denn die einleitende doppelseitige Übersicht und Ideensammlung, gehört aus meiner Sicht zu den stärkeren Momenten des Buches. Die Hinweise zu LCHF-geeigneten Vorräten, zu Sandwich-Kombinationen, Lunchbox-Ideen und schnellen Rührei- und Omelettvarianten liefern genau das, was dieses Kapitel verspricht: alltagstaugliche Denkanstöße für Situationen, in denen Zeit, Energie oder Planung fehlen. Diese Seiten funktionieren weniger als Rezeptkapitel, sondern eher als Werkzeugkasten. Sie zeigen, wie sich mit wenigen Zutaten, etwas Vorratshaltung und Kombinationsdenken schnell etwas Essbares auf den Tisch bringen lässt – unabhängig davon, ob man den konkreten Rezeptvorschlägen folgt oder nicht. Insgesamt bleibt dieses Kapitel damit zwiespältig: Die Rezepte selbst zählen für mich nicht zu den stärksten des Buches, während die begleitenden Praxisideen einen echten Mehrwert bieten. Als Momentaufnahme des Low-Carb-Zeitgeists um 2016 ist es dennoch interessant – und rundet das Buch thematisch ab, auch wenn es kulinarisch nicht durchgängig überzeugt.

“Frühstücksideen und Desserts“
Den Abschluss des Rezeptteils bilden sieben Rezeptideen, teils mit mehreren Varianten, die sich dem sensiblen Thema Frühstück und Süßes widmen. Schon der Einstieg macht deutlich, welchen Weg Bettina Matthaei hier konsequent geht: Es beginnt mit Kaffee – und der Frage, wie sich Milch und Zucker ersetzen lassen. Vorgeschlagen werden Mandelmus, Kokosöl oder Sahne als cremige Alternativen, ganz im Sinne des Low-Carb-High-Fat-Ansatzes.

Grundsätzlich bleibt die Autorin in diesem Kapitel ihrer Linie treu: kein Zucker, keine Zuckeraustauschstoffe. Süße entsteht ausschließlich durch die verwendeten Zutaten selbst, vor allem durch Früchte. Das ist konsequent – und war 2016 durchaus ein Statement, gerade in einer Zeit, in der viele Low-Carb-Bücher stark auf Süßstoffe setzten. Auffällig ist der Einsatz der Tonka-Bohne, die hier fast so etwas wie ein geschmackliches Geheimrezept darstellt. Rückblickend wirkt auch das sehr zeittypisch: Tonka war damals gerade extrem gehypt. Die Rezepte selbst bewegen sich vor allem im Bereich von Gebäck und süßen Aufstrichen. Es finden sich etwa Mandel-Whoopies, eine Trinkschokolade mit einem kleinen Anteil 90-prozentiger Schokolade sowie zuckerfreie Marmeladen-Variationen, die mit Chiasamen und Nussmus (Haselnuss- oder Kokosmus) gebunden werden. Auch hier entsteht Süße ausschließlich aus den Früchten – ein Ansatz, der kulinarisch sauber gedacht ist, geschmacklich aber durchaus herausfordernd sein kann, da er bewusst mit den gewohnten Süßerwartungen bricht.

Ergänzt wird das Kapitel durch zwei Dessertideen: eine Schokoladensahne mit Himbeeren sowie ein Avocado-Himbeer-Dessert. Beides fügt sich stimmig in das Gesamtkonzept ein, wirkt aus heutiger Perspektive jedoch wenig überraschend und nicht mehr ganz zeitgemäß. Insgesamt zählt dieses Kapitel für mich – ähnlich wie das vorherige – zu den schwächeren Abschnitten des Buches. Die Ideen sind konsequent umgesetzt, aber stark vom damaligen Low-Carb-Zeitgeist geprägt und haben sich kulinarisch weniger nachhaltig bewährt als viele herzhafte Kapitel. Als Abschluss des Buches runden sie das Konzept zwar logisch ab, gehören für mich jedoch nicht zu den Rezepten, die dauerhaft im Alltag angekommen sind.

Abgerundet wird das Buch durch zwei sehr leserfreundliche Register, die den praktischen Nutzen deutlich erhöhen. Der Index erfasst sowohl alle verwendeten Zutaten als auch die Rezepttitel und ermöglicht so eine schnelle Orientierung – egal, ob man von einer Zutat oder von einem Gericht aus sucht. Ergänzend dazu bietet das Beilagenregister einen kompakten Überblick über sämtliche Beilagen des Buches. Gerade im Zusammenspiel mit dem modularen Konzept der Rezepte ist das ausgesprochen hilfreich, um schnell passende Kombinationen zu finden oder gezielt im Buch zu navigieren.

„Easy. Überraschend. Low Carb.“ zeigt sich damit als durchdacht konzipiertes Kochbuch, das weniger über Trendbegriffe als über Struktur, Alltagstauglichkeit und kulinarische Klarheit überzeugt – mit Stärken, kleinen Schwächen und einem Konzept, das in vielen Teilen auch heute noch trägt.

3. Zielgruppe

„Easy. Überraschend. Low Carb.“ richtet sich an Leser*innen, die Low Carb nicht als kurzfristige Diät, sondern als strukturierte, alltagstaugliche Ernährungsweise verstehen möchten. Angesprochen werden vor allem Menschen, die offen sind für den Low-Carb-High-Fat-Ansatz und bereit, gewohnte Denkweisen rund um Fett, Sättigung und Beilagen zu hinterfragen.

Das Buch eignet sich besonders für Leser*innen, die

  • klassische Alltagsgerichte wie Brot, Burger, Pizza oder Beilagen nicht aufgeben möchten,
  • gern frisch kochen, aber Wert auf klare Strukturen und Kombinationsmöglichkeiten legen,
  • Low Carb pragmatisch umsetzen wollen, ohne sich streng an Regeln oder Zahlen zu binden.

Durch die modulare Trennung von Hauptgerichten und Beilagen spricht das Buch auch Menschen an, die flexibel planen, vorkochen oder Komponenten mehrfach verwenden möchten. Weniger im Fokus stehen dagegen Leser*innen, die sehr pflanzenbetont, fettarm oder konsequent vegetarisch essen – auch wenn einzelne Kapitel und Rezepte hier durchaus Anknüpfungspunkte bieten. Insgesamt richtet sich das Buch an eine Zielgruppe, die Genuss, Alltagstauglichkeit und Struktur höher bewertet als Trends, strenge Dogmen oder schnelle Effekte.

4. Rezepte und Vielfalt

Mit seinen thematisch gegliederten Kapiteln bietet „Easy. Überraschend. Low Carb.“ auf den ersten Blick eine breite Rezeptauswahl, die von Brot und Aufstrichen über Fleisch-, Fisch- und vegetarische Gerichte bis hin zu schnellen Ideen sowie Frühstück und Desserts reicht. Diese Vielfalt ist real – allerdings nicht grenzenlos. Charakteristisch für das Buch ist der wiederkehrende Einsatz bestimmter Zutaten, die das Low-Carb-High-Fat-Konzept tragen: Eier, Quark, Käse, Sahne, Nüsse, Saaten, Mandel- und Kokosmehl, Flohsamenschalen sowie Avocado kommen in vielen Rezepten regelmäßig vor. Das sorgt für Konsistenz und Wiedererkennbarkeit, schränkt die tatsächliche Bandbreite jedoch spürbar ein.

Gerade in den herzhaften Kapiteln überzeugt die Vielfalt vor allem durch unterschiedliche Kombinationen und Beilagen, weniger durch eine große Spannweite an Grundzutaten. Fleisch- und Fischgerichte sind abwechslungsreich gewürzt und klug komponiert, während die vegetarischen Rezepte bereits einen beachtlichen Ideenreichtum zeigen – wenn auch innerhalb eines klar definierten Zutatenrahmens. Die süßen Rezepte und schnellen Gerichte fallen dagegen homogener aus und spiegeln stärker den Zeitgeist ihrer Entstehung wider. Hier zeigt sich, dass Vielfalt nicht zwangsläufig bedeutet, möglichst viele unterschiedliche Geschmackswelten abzubilden, sondern eher, bekannte Zutaten immer wieder neu zu arrangieren. Das Buch bietet eine konzeptionelle Vielfalt – weniger eine zutatengetriebene. Wer bereit ist, mit wiederkehrenden Zutaten kreativ zu arbeiten, findet hier zahlreiche Anregungen. Wer hingegen eine sehr breite, international oder pflanzenbetont ausgerichtete Low-Carb-Küche sucht, stößt schneller an Grenzen.

5. Schwierigkeitsgrad

Die Rezepte in „Easy. Überraschend. Low Carb.“ sind insgesamt gut nachvollziehbar und sicher nachkochbar. Auch dort, wo Low-Carb-typische Zutaten wie Quark, Eier, Nussmehle oder Flohsamenschalen zum Einsatz kommen – also Komponenten, die in der Verarbeitung mitunter etwas klebrig oder ungewohnt sein können –, führen die Anleitungen zuverlässig durch die einzelnen Schritte. Bettina Matthaei schreibt klar, strukturiert und ohne unnötige Abkürzungen. Arbeitsschritte sind logisch aufgebaut, Zubereitungen gut erklärt, sodass auch weniger geübte Köch*innen sich an die Rezepte herantrauen können. Technisch anspruchsvolle Küchentechniken spielen kaum eine Rolle; im Vordergrund stehen Alltagshandgriffe, die mit etwas Aufmerksamkeit gut gelingen.

Die allermeisten Gerichte sind gut alltagstauglich, planbar und ohne großen Vorbereitungsaufwand umsetzbar. Besonders positiv fällt auf, dass viele Rezepte für zwei Portionen ausgelegt sind – ein sehr realistischer Ansatz, da Low-Carb-Ernährung im Alltag häufig nicht für den gesamten Haushalt umgesetzt wird. Der Schwierigkeitsgrad ist gut auf die Lebensrealität berufstätiger Leser*innen abgestimmt: Die Rezepte sind machbar, nachvollziehbar und so konzipiert, dass sie auch unter der Woche funktionieren, ohne zur zusätzlichen Belastung zu werden.

6. Fotografie und Design

Bildqualität
Die Fotografie in „Easy. Überraschend. Low Carb.“ überzeugt auch heute noch. Obwohl man dem Buch sein Erscheinungsjahr im Layout eher anmerkt, wirken die Bilder selbst erstaunlich zeitlos. Verantwortlich dafür ist das Zusammenspiel aus der Fotografie von Oliver Brachat und dem Foodstyling von Andreas Neubauer, der die Gerichte mit großer Sorgfalt und einem sehr sicheren Gespür für Licht, Textur und Inszenierung in Szene setzt. Viele Aufnahmen arbeiten mit dunklen Hintergründen und einer gedeckten Farbpalette, was den Gerichten eine ruhige, konzentrierte Präsenz verleiht. Die Speisen stehen im Mittelpunkt, wirken appetitlich, aber nie überladen oder künstlich. Gerade bei Low-Carb-Gerichten, die häufig mit ähnlichen Zutaten arbeiten, ist diese Klarheit ein großer Pluspunkt.

Layout
Das Layout ist klar strukturiert und ausgesprochen funktional. Zutatenliste, Zubereitungszeit und Nährwerte sind übersichtlich platziert, die Zubereitung ist eindeutig vom restlichen Text getrennt. Diese saubere Gliederung erleichtert das Nachkochen erheblich und unterstützt den praktischen Anspruch des Buches. Kritisch anmerken ließe sich, dass die Zubereitungstexte überwiegend als Fließtext angelegt sind. Zwar sorgen fett gesetzte Schlüsselbegriffe für Orientierung, dennoch wäre eine stärkere Gliederung in einzelne Absätze oder Schritte für manche Leser*innen komfortabler gewesen. Das ist weniger ein konzeptioneller Mangel als vielmehr eine Frage persönlicher Vorlieben – gerade im hektischen Küchenalltag können klar getrennte Arbeitsschritte hilfreich sein.

Nutzung der Bilder
Die Bilder sind nicht nur dekoratives Beiwerk, sondern unterstützen die Rezepte sinnvoll. Sie vermitteln einen guten Eindruck von Textur, Portionsgröße und Anrichteweise, ohne den Anspruch zu erheben, jeden Zwischenschritt visuell zu begleiten. Das Buch setzt bewusst auf Atmosphäre statt Prozessfotografie – ein Ansatz, der gut zum insgesamt ruhigen, wertigen Erscheinungsbild passt. Die durchgängige Farbhaltung in Braun-, Schwarz- und Weißtönen wird von den Fotos aufgenommen und verstärkt. Dadurch entsteht ein sehr geschlossenes Gesamtbild, das auch heute noch edel und stimmig wirkt.

Gestalterisch verantwortet wurde das Buch von Anne Krause und Ellen Schlüter, die hier insgesamt einen zeitlos soliden und ästhetisch überzeugenden Job gemacht haben. Auch wenn man dem Layout sein Alter anmerkt, bleibt der Gesamteindruck hochwertig, klar und angenehm unaufgeregt.

7. Sprache und Anleitung

Die Sprache in „Easy. Überraschend. Low Carb.“ ist insgesamt klar, sachlich und angenehm unaufgeregt. Bettina Matthaei verzichtet bewusst auf belehrende oder missionarische Töne und wählt stattdessen eine ruhige, erklärende Ansprache, die Leser*innen ernst nimmt. Das Buch möchte anleiten, nicht überzeugen um jeden Preis – und genau das spiegelt sich auch sprachlich wider.

Die Rezepttexte sind verständlich formuliert und gut strukturiert. Auch dort, wo Low-Carb-typische Zutaten mit besonderen Eigenschaften zum Einsatz kommen – etwa Quark, Eier, Nussmehle oder Flohsamenschalen –, werden Verarbeitung und Reihenfolge nachvollziehbar erklärt. Die Autorin nimmt sich die Zeit, wichtige Punkte zu benennen, ohne die Anleitungen unnötig zu verkomplizieren. Charakteristisch ist die Verwendung von Fließtext in den Zubereitungen. Diese Form verlangt etwas Aufmerksamkeit, wird aber durch fett gesetzte Schlüsselbegriffe und klar formulierte Abläufe unterstützt. Wer sorgfältig liest, wird sicher durch die Rezepte geführt; gleichzeitig richtet sich diese Textform eher an Leser*innen, die gerne bewusst kochen, als an solche, die Rezepte nur querlesen. Positiv fällt auf, dass die Sprache durchgängig praxisorientiert bleibt. Es wird nicht vorausgesetzt, dass Leser*innen tiefgehende Vorkenntnisse im Low-Carb-Bereich mitbringen. Hinweise zu Konsistenzen, Garzuständen oder Alternativen sind knapp, aber hilfreich gesetzt. Auch in den einleitenden Texten zu den Kapiteln bleibt der Ton pragmatisch und alltagsnah.

Sprache und Anleitung unterstützen den Grundanspruch des Buches sehr gut: Low Carb soll verständlich, umsetzbar und genussorientiert sein. Die Texte geben Sicherheit, ohne zu bevormunden, und tragen wesentlich dazu bei, dass sich das Buch auch für den regelmäßigen Einsatz im Alltag eignet.

8. Besonderheiten

Es gibt mehrere Gründe, warum „Easy. Überraschend. Low Carb.“ für mich auch Jahre nach seinem Erscheinen ein zeitloses Kochbuch geblieben ist.
Der erste liegt im Baukastenprinzip, das sich konsequent durch das gesamte Buch zieht. Hauptgerichte und Beilagen werden bewusst voneinander gelöst gedacht, Beilagen tauchen immer wieder neu kombiniert auf und lassen sich flexibel austauschen. Dieses modulare Konzept macht das Buch außergewöhnlich alltagstauglich und eröffnet eine große kulinarische Bandbreite innerhalb eines klar definierten Low-Carb-Rahmens. Gerade die Vielfalt an Beilagenideen aus dem breiten Low-Carb-Spektrum ist hier ein echter Mehrwert – sie lädt zum Variieren ein und verhindert Monotonie.

Zweitens überzeugen die Kombinationen und Geschmacksbilder. Viele Gerichte lassen Kohlenhydrate nicht im Ansatz vermissen. Im Gegenteil: Zahlreiche Rezepttitel und Zusammenstellungen klingen eher nach einer ambitionierten Restaurantkarte als nach Diätküche. Das gilt besonders für die Fisch- und Fleischgerichte, aber auch für ausgewählte vegetarische Rezepte. Low Carb wird hier nicht über Ersatz oder Verzicht definiert, sondern über kluge Aromen, Texturen und Sättigung.

Der dritte – und für mich vielleicht wichtigste – Punkt ist die Geschmacksqualität. Ich habe selten aus einem Low-Carb-Kochbuch so viele Gerichte nachgekocht, die mich geschmacklich wirklich überzeugt haben und die sich problemlos auch Menschen servieren lassen, die nicht bewusst kohlenhydratreduziert essen. Dieses „Mitessen-Können“ ist eine enorme Stärke des Buches und unterscheidet es deutlich von vielen stärker diätorientierten Titeln.

Darüber hinaus tragen der durchdachte Aufbau und die praktischen Register maßgeblich zur besonderen Qualität des Buches bei. Das Zutaten- und Rezeptregister sowie das separate Beilagenregister erleichtern den Zugang, fördern das Kombinieren und machen das Buch auch im Alltag schnell nutzbar. Es ist spürbar, dass hier nicht nur Rezepte gesammelt, sondern ein funktionierendes Kochbuch konzipiert wurde. Als weitere Besonderheit lässt sich schließlich die ruhige, unaufgeregte Haltung des Buches nennen. „Easy. Überraschend. Low Carb.“ verzichtet auf Effekthascherei, Trendsprache oder missionarische Untertöne. Gerade dadurch wirkt es heute erstaunlich stabil – weniger als Produkt einer bestimmten Diätwelle, sondern als gut durchdachtes, handwerklich solides Kochbuch mit klarem kulinarischem Anspruch.

9. Preis-Leistungsverhältnis

Preis: 12,99 Euro

Aus heutiger Perspektive ist das Preis-Leistungs-Verhältnis von „Easy. Überraschend. Low Carb.“ nahezu sensationell. Das Buch ist weiterhin regulär im Buchhandel erhältlich und kostet aktuell 12,99 Euro – ein Preis, der angesichts des Umfangs, der durchdachten Struktur und der Vielzahl überzeugender Rezepte kaum zu schlagen ist. Gerade weil viele der Gerichte nicht ausschließlich für dauerhaft Low-Carb-Essende funktionieren, sondern sich problemlos in eine ganz normale Alltagsküche integrieren lassen, bietet das Buch einen hohen praktischen Nutzen. Die Rezepte sind vielseitig einsetzbar, kombinierbar und geschmacklich so angelegt, dass sie auch jenseits einer konsequent kohlenhydratreduzierten Ernährung überzeugen.

Hinzu kommt, dass es sich um ein Kochbuch handelt, auf das ich bis heute immer wieder gern zurückgreife. Viele Ideen – insbesondere bei Beilagen, Kombinationen und einzelnen Hauptgerichten – haben sich dauerhaft bewährt und ihren Platz im Kochalltag gefunden. Das spricht für eine Qualität, die über kurzfristige Ernährungstrends hinausgeht.

Nicht zuletzt unterstreicht auch die kontinuierliche Arbeit von Bettina Matthaei, die bis heute zahlreiche Rezepte für aktuelle Gesundheits- und Ernährungstitel entwickelt und dabei experimentierfreudig bleibt, den nachhaltigen Wert dieses Buches. In dieser Preisklasse ist „Easy. Überraschend. Low Carb.“ ein ausgesprochen starker Gegenwert – sowohl für Einsteiger*innen als auch für erfahrene Köch*innen.

10. Gesamteindruck und Empfehlung

„Easy. Überraschend. Low Carb.“ ist für mich ein Kochbuch, mit dem man nur wenig falsch machen kann – und das gilt heute mehr denn je. Gerade in Anbetracht des sehr moderaten Preises und der vielen durchdachten, geschmacklich überzeugenden Ideen bietet das Buch einen außergewöhnlich hohen Nutzwert. Besonders überzeugt mich, dass dieses Buch Low Carb nicht als kurzfristiges Diätkonzept versteht, sondern als kulinarischen Werkzeugkasten. Viele Rezepte funktionieren unabhängig vom Ernährungsetikett, lassen sich flexibel kombinieren und schmecken auch Menschen, die ganz selbstverständlich Kohlenhydrate essen. Das macht das Buch alltagstauglich – und verhindert, dass es nach kurzer Zeit im Regal verschwindet.

Natürlich trägt das Buch stellenweise die Handschrift seiner Entstehungszeit. Einige Kapitel wirken stärker vom damaligen Zeitgeist geprägt als andere. Doch genau die starken Teile – Brot, Beilagen, Fleisch-, Fisch- und ausgewählte vegetarische Gerichte – haben nichts von ihrer Überzeugungskraft verloren. Im Gegenteil: Gerade die geschmackliche Qualität und die klug komponierten Kombinationen wirken heute fast wohltuend unaufgeregt. Was mir außerdem positiv aufgefallen ist, ist die Souveränität, mit der Bettina Matthaei durch das Buch führt. Es wird nicht belehrt, nicht missioniert, nicht dramatisiert. Stattdessen lädt das Buch zum Ausprobieren ein, zum Variieren und zum Anpassen an den eigenen Alltag. Unterstützt wird das durch den klaren Aufbau, das Baukastensystem und die sehr hilfreichen Register am Ende.

„Easy. Überraschend. Low Carb.“ ist für mich ein verlässlicher Begleiter: ein Kochbuch, das man immer wieder zur Hand nimmt, sei es für einzelne Rezepte, für Beilagenideen oder einfach zur Inspiration. Wer sich für eine kohlenhydratreduzierte Küche interessiert – oder einfach Lust auf gut kombinierte, moderne Gerichte hat –, findet hier ein Buch, das auch Jahre nach seinem Erscheinen noch überzeugt.

11. Bewertung

Gesamtbewertung: 🥄🥄🥄🥄🥄 

Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Zielgruppe: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Rezepte und Vielfalt: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Schwierigkeitsgrad: 🥄 🥄🥄
• Fotografie und Design: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Sprache und Anleitungen: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Besonderheiten: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Preis-Leistungs-Verhältnis: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄

12. Nachgekocht

Sellerie mit Mandelkruste mit Frischkäse-Zitronen-Minze-Dip (S. 139)
und Sabrina Ghayours “Simply“ die Süßkartoffel-Pommes mit Za‘atar und Knoblauch
Der Sellerie mit Dip war ruckzuck fertig und hatte genau noch richtig Biss. Der Dip ist ein Wucht – Zitrone und Minze schmeckt halt superfrisch miteinander und Süßkartoffel-Pommes harmonieren wunderbar.
Gekräuterte Lammlachse mit Sellerie-Oliven-Stampf  (S. 85)
Dieser Sellerie-Stampf ist geschmacklich nicht nur sehr gut, sondern auch easy zuzubereiten – der Knollensellerie wird nur in Olivenöl angeschwitzt und darf dann auf kleiner Flamme gar werden. Stampfen, salzen, pfeffern, etwas Muskat dazu und die schwarzen Oliven unterheben. 
Easy, aber MEGA!
Mediterran gewürzte Frikadellen (S. 65)
mit Feta, eingelegten Tomaten, schwarzen Oliven, Kapern, Harissa und Oregano gewürzt. Dazu soll laut Rezept gebratener Sellerie oder alternativ auch denselben als Püree mit schwarzen Oliven serviert werden, hier gab es auch schon einfach Salat dazu. Schmecken jedenfalls in jeder Kombination hervorragend und lassen sich auch prima einfrieren.
Lachs mit Haselnusskruste und Lauchgemüse (S. 96)
Lachs mit Auflage ist eigentlich immer gut, aber diese hier hat mich nicht ganz so begeistert. Neben den Haselnüssen kommen noch Parmesan, Zitronensaft und -abrieb und Butter dazu. Ich fand es ziemlich sauer und mir fehlte ein wenig der Pfiff.
Beim Lauchgemüse hingegen kann man nichts falsch machen: Mit Frischkäse schmeckt es wunderbar.
Moussaka mit Pilzsugo und Mandelbechamel (S. 110)
Aus: „Low Carb vegetarisch“
Eigentlich gleicht es eher einer Lasagne vom Aufbau her, aber vermutlich hat die Aubergine die Assoziation Moussaka ausgelöst. Egal. Es ist eh ein eigenständiges Gericht. 🙂 Und was auf jeden Fall ein verbindendes Element ist: es ist etwas aufwändiger in der Zubereitung.
Die Aubergine wird geschält und in Scheiben im Backofen vorgegart. Die Mandelbechamel ist superlecker – hier wird eine Schalotte angeschwitzt und mit Brühe abgelöscht und dann kommen Mandelmus und Frischkäse dazu. Einfach gut!
Die Pilze werden z.T. in Scheiben angebraten, ein kleinerer Teil wird gehackt mit Schalottenwürfeln angeschmort, dann kommen Tomaten dazu und ein raffinierte Würze aus frischem Thymian, Piment, etwas Zimt und Harissa.
Dann wird geschichtet und Parmesan kommt noch in einer Schicht dazwischen und natürlich obenauf. Am Ende noch etwas Petersilie dazu – perfetto! 👍
Sehr gut! 🙂
Schwarze-Bohnen-Pasta mit Gemüsestreifen und Pilzpesto (S. 121)
Aus “Low Carb vegetarisch“.
Zunächst wird ein Pesto aus gerösteten Mandelblättchen, Petersilie, Knoblauch, frischen Shiitake Pilzen und Champignons, Olivenöl, Zitronensaft und -abrieb, Parmesan und Chiliflocken sowie “Pilzpulver“ (getrocknete Stein- und Shiitake-Pilze pulverisiert) gerührt. Dann werden in Streifen geschnittene Kräuterseitlinge und Frühlingszwiebeln sowie Zucchinispiralen im Wok pfannengerührt, schließlich kommen vorgegarte Schwarze-Bohnen-Nudeln dazu und noch etwas Sojasauce bevor das Pesto untergehoben wird. Das war oberköstlich. Sehr leckere Kombi. 😋👍
Mit den Schwarze-Bohnen-Nudeln hatte ich das erste Mal das Vergnügen. Sie schmecken angenehm, haben keinen starken Eigengeschmack und sind sehr sättigend.

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