„Medical Cuisine – Das Antientzündungs-Kochbuch“ von Dr. Matthias Riedl und Johann Lafer, Gräfe und Unzer Verlag, 2022 (8. Auflage, 2025). Rezensionsexemplar – vielen Dank dafür!
Konzept in Kürze
„Medical Cuisine – Das Anti-Entzündungskochbuch“ verbindet ernährungsmedizinische Expertise mit alltagstauglicher Küche und stellt einen ungewöhnlich umfangreichen Theorieteil an den Anfang. Dieser beleuchtet das Thema chronische Entzündungen systematisch aus vier Perspektiven: den Grundlagen entzündlicher Prozesse, den wichtigsten entzündungshemmenden Lebensmitteln, den Voraussetzungen für eine antientzündliche Küche sowie begleitenden Lebensstilfaktoren wie Stress, Schlaf und Bewegung. Damit beantwortet das Buch viele der Fragen, die Betroffene im Alltag umtreiben, verständlich und praxisnah. Darauf aufbauend zeigen die Rezepte, wie sich dieses Wissen ohne strikte Verbote umsetzen lässt – mit neu interpretierten Klassikern, hochwertigen Zutaten und einem klaren Fokus auf Genuss und langfristige Alltagstauglichkeit.
Zielgruppe
Dieses Buch richtet sich vor allem an Menschen, die sich intensiver mit dem Thema chronische Entzündungen auseinandersetzen möchten – sei es aus gesundheitlichen Gründen oder aus dem Wunsch heraus, präventiv etwas zu verändern. Angesprochen werden Leser*innen, die bereit sind, sich mit einem fundierten Theorieteil zu beschäftigen und Ernährung nicht als kurzfristige Diät, sondern als langfristiges Konzept zu verstehen. Gleichzeitig ist es ein Buch für genussorientierte Kochende, die klassische Gerichte nicht aufgeben, sondern bewusst weiterentwickeln möchten. Weniger geeignet ist es für rein zweckorientierte oder sehr eilige Kochende, die schnelle Lösungen ohne inhaltliche Auseinandersetzung suchen.
Rezepte und Vielfalt
Die Rezepte stammen nicht nur von Johann Lafer, sondern auch von Andreas Neubauer und Katharina Henze – eine Kombination, die für handwerkliche Qualität, kulinarische Erfahrung und kreative Tiefe spricht. Entsprechend breit ist das Spektrum: viel Vollkorn, zahlreiche vegane Gerichte, häufig mit alternativen Süßungsmitteln wie Ahornsirup oder Kokosblütenzucker, dazu aber auch bewusst eingesetzte Fleischgerichte. Die Küche ist deutlich gemüsebetont, arbeitet ohne Ersatzprodukte und setzt stattdessen auf frische Zutaten, klassische Techniken und klare Aromen – Tofu wird selbstverständlich genutzt, aber nicht als Alibi. Wer bislang „ganz normal“ gegessen hat, muss sich ein Stück weit umstellen, wird dafür aber mit vielen durchdachten Ideen belohnt. Besonders gelungen: Viele Rezepte bieten Varianten, sodass unterschiedliche Geschmäcker und Bedürfnisse gut abgeholt werden. Auch Desserts kommen nicht zu kurz – von veganer Eiscreme bis zu Waffeln, alles konsequent antientzündlich gedacht, aber genussorientiert umgesetzt.
Gestaltung und Sprache
Gestaltung und Sprache sind klar auf Verständlichkeit und Alltagstauglichkeit ausgerichtet. Der Text ist sorgfältig redaktionell betreut – das Lektorat von Sylvie Hinderberger leistet hier sichtbar gute Arbeit, Fehler sind nicht aufgefallen. Die medizinischen Inhalte werden verständlich heruntergebrochen und didaktisch so aufbereitet, dass sie auch ohne Vorkenntnisse gut nachvollziehbar bleiben. Im Rezeptteil sind Zutaten und Zubereitung konsequent getrennt, die Schritte klar strukturiert und logisch aufgebaut. Die Fotos stammen aus unterschiedlichen Quellen und teils von verschiedenen Fotografinnen, teilweise auch aus Stockmaterial, fügen sich jedoch stimmig ins Gesamtlayout ein: Das Essen wird appetitlich inszeniert, meist von oben fotografiert und auf hellem Hintergrund. Insgesamt wirkt das Buch sehr aufgeräumt, sachlich und in sich geschlossen – es nimmt Leserinnen ernst, ohne sie zu überfordern, und wird damit seinem Anspruch gerecht, Wissen und Küche verständlich zusammenzuführen.
Fazit
„Medical Cuisine – Das Anti-Entzündungskochbuch“ ist ein gelungenes Buch für alle, die sich ernsthaft mit antientzündlicher Ernährung auseinandersetzen möchten. Es verbindet hochwertige, alltagstaugliche Rezepte mit einem ungewöhnlich fundierten Theorieteil und bietet damit deutlich mehr als eine reine Rezeptsammlung. Als zweiter Band der Reihe Medical Cuisine knüpft es konsequent an das zugrunde liegende Konzept an – der Erfolg zeigt sich nicht zuletzt darin, dass das Buch inzwischen in der achten Auflage vorliegt und offenbar von vielen Leser*innen angenommen und umgesetzt wird.
Kritisch einordnen lässt sich die Aussage im Vorwort, Johann Lafer habe durch seine Ernährungsumstellung seine Arthrose im Knie nahezu beseitigt und eine Operation sei nicht mehr nötig. Auch wenn Schmerzfreiheit durch eine entzündungshemmende Ernährung absolut plausibel und erstrebenswert ist, gilt Arthrose medizinisch als nicht heilbar. Genau hier liegt aber auch das eigentliche Versprechen des Buches: nicht Heilung zu garantieren, sondern Beschwerden zu lindern, Lebensqualität zu verbessern und den eigenen Gesundheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Wie konsequent dies gelingt, liegt letztlich in der Hand der Leser*innen selbst. Ein sehr überzeugendes, fundiertes Buch, das Orientierung bietet und motiviert – ohne ein Allheilversprechen zu sein.
Bewertung: (5 von 6 Löffeln)