Alexander Herrmann – Weil‘s einfach gesünder ist

Weil‘s einfach gesünder ist“ von Alexander Herrmann, DK Verlag, 2021

Konzept in Kürze

In „Weil es einfach gesünder ist“ beschreibt Alexander Herrmann einen sehr persönlichen, alltagstauglichen Zugang zu gesunder Ernährung – jenseits von Dogmen, Diäten und Verzichtslogik. Ausgangspunkt ist seine eigene Familiengeschichte (Oma Herta als prägendes Vorbild) und die zentrale Überzeugung: Gesundheit entsteht nicht durch Trends, sondern durch gute Lebensmittel, bewusste Entscheidungen und ein Ernährungskonzept, das zum eigenen Leben passt.

Der umfangreiche Theorieteil schafft Orientierung im oft unübersichtlichen Ernährungsdschungel. Die ernährungswissenschaftlichen Grundlagen wurden von der Diplom-Oekotrophologin Isabelle Heßmann beigesteuert und werden verständlich sowie praxisnah aufbereitet. Erklärt wird, was der Körper wirklich braucht – gegliedert u. a. in Makronährstoffe, Ballaststoffe, Proteine, Fette, heimische Superfoods und sekundäre Pflanzenstoffe. Dabei geht es nicht um Verbote, sondern um Qualität, Ausgewogenheit und einfache Grundprinzipien wie „Eat the rainbow“, regionale Zutaten und möglichst unverarbeitete Lebensmittel.

Ein zentrales Element ist die Flexibilität der Mahlzeitenstruktur: Statt klassischer Frühstück-Mittag-Abend-Logik setzt das Buch auf Kapitel wie „Start in den Tag“, „Hauptmahlzeiten“ und „Kleine Gerichte“. Wann gegessen wird, richtet sich nach Alltag, Aktivität und persönlichem Rhythmus – nicht nach starren Regeln. Auch Themen wie intuitives Essen und intermittierendes Fasten werden integriert, ohne missionarischen Ton. Das Konzept verbindet fundierte Ernährungswissenschaft, persönliche Erfahrung und kulinarische Praxis zu einem klaren Ziel: gesund essen soll machbar, genussvoll und dauerhaft umsetzbar sein – einfach gesünder eben.

Rezepte und Vielfalt

Die Rezepte bewegen sich häufig in einem Spannungsfeld zwischen Sterneküche und sehr konsequent gesunder Ernährung. Daraus entstehen Kombinationen, die neugierig machen und experimentell angelegt sind, zugleich aber nicht immer unmittelbar zugänglich wirken.

So finden sich Gerichte wie Geeister Matcha-Tee mit Pfefferschaum, Hirse-Porridge mit Paprika und Himbeeren oder Weizenkeim-Pancakes mit Walnüssen, Roter Bete und Granatapfel. Auch herzhafte Kombinationen wie Buchweizen-Gnocchi mit Fenchelsalat und Arganöl fordern ein gewisses Maß an Offenheit. Es sind Aromen, auf die man sich einlassen muss – und bei denen nicht immer sofort klar ist, ob sie für jeden Geschmack rund funktionieren.

Gleichzeitig zeigt das Buch, dass es auch klassischer geht: Rinderhüftsteak mit gebackenem Knoblauch und Spitzkohl, lackierte Entenbrust mit Sanddorn, Safranhonig und Kürbis, ein Dinkelsotto mit Brennnessel und gezupftem Huhn oder Fleischpflanzerl mit Kürbiskernen und Kürbisstampf schlagen eine Brücke zwischen Bodenständigkeit und moderner Interpretation. Selbst knuspriger Speck hat hier seinen Platz – etwa mit Ofentomaten und Majoranzwiebeln. Das Repertoire ist insgesamt sehr breit: von herzhaft bis süß, von experimentell bis vertrauter. Zum Abschluss finden sich auch Desserts wie Karamellisierte Gewürzmandeln oder Grüntee-Bananeneis mit heißen Heidelbeeren sowie Basisrezepte, etwa für Dashi, selbstgemachtes Gemüsebrühepulver oder Mayonnaise ohne Ei.

Dieses Buch erfordert Neugier, Offenheit und ein gewisses Maß an Experimentierfreude, zudem Kocherfahrung – und bei vielen Gerichten auch die Bereitschaft, etwas Zeit in Vorbereitung und Zubereitung zu investieren. Nicht alle Zutaten sind jederzeit und überall verfügbar, vieles aber durchaus. Wer sich darauf einlässt, wird mit zahlreichen neuen Rezeptideen belohnt, die es in dieser Kombination und Ausrichtung bislang nur selten in anderen Kochbüchern gibt.

Gestaltung und Sprache

Sprachlich bleibt Alexander Herrmann seiner sehr klaren, bodenständigen Art treu. Der Ton ist einfach, direkt und gut nachvollziehbar, ohne komplizierte Erklärungen oder Fachsprache. Dadurch lässt sich dem Buch insgesamt gut folgen – auch komplexere ernährungsbezogene Inhalte werden verständlich vermittelt. Die Rezepte sind übersichtlich aufgebaut, gut lesbar und klar strukturiert, Zutaten und Zubereitung sind sauber getrennt. Fehler sind nicht aufgefallen, was sicherlich auch der sorgfältigen Arbeit des Lektorats von Elke Sagenschneider geschuldet ist.

Optisch bleibt das Buch hingegen eher zurückhaltend. Für das Layout zeichnet Julia Otterbach verantwortlich, die Food-Fotografie stammt von Sandra Eckhardt, das Food-Styling übernahm Monika Schuster, die auch an den Rezepten beteiligt war. Die Gerichte und Zutaten sind ansprechend, meist von oben fotografiert und klar inszeniert. Insgesamt wirkt das Buch jedoch durch seine gedeckten, pastelligen Farbtöne – Grau-Gelb auf dem Cover eingeschlossen – etwas blass. Auch die Gestaltung mit kleinformatig angeordneten Food-Fotos in Kästchen wirkt stellenweise eher klassisch bis leicht altbacken. Das schmälert den praktischen Nutzen nicht, nimmt dem Buch aber visuell etwas von dem Pepp, den man sich bei einem so kreativen Konzept wünschen könnte.

Fazit

„Weil es einfach gesünder ist“ ist ein Buch mit einem klaren Anspruch: gesundes Essen verständlich zu erklären und zugleich kulinarisch neu zu denken. Der ausführliche Theorieteil liefert dafür eine solide Grundlage und hilft, sich im Ernährungsdschungel zu orientieren – verständlich, bodenständig und ohne belehrenden Ton. Die Rezepte sind handwerklich hochwertig und zeigen ein breites Spektrum zwischen gesunder Alltagsküche und ambitionierter Kochkunst.

Gleichzeitig verlangt das Buch seinen Leser*innen einiges ab: Offenheit für ungewöhnliche Kombinationen, Experimentierfreude, Kocherfahrung und Zeit. Nicht jede Idee wirkt sofort zugänglich, manches bleibt bewusst herausfordernd. Wer sich jedoch darauf einlässt, entdeckt viele neue Ansätze und Geschmackskombinationen, die sich so in anderen Kochbüchern kaum finden. Optisch bleibt das Buch eher zurückhaltend, inhaltlich jedoch konsequent und durchdacht. Insgesamt ein spannendes Buch für alle, die gesunde Küche nicht nur unkompliziert, sondern auch kreativ und anspruchsvoll denken möchten. Ein interessantes, ambitioniertes Buch, das gesunde Küche neu denkt – aber nicht jede*n sofort abholt und eher an neugierige, experimentierfreudige Kochende gerichtet ist als an ein breites Alltags-Publikum.

Bewertung: 🥄🥄🥄🥄(4 von 6 Löffeln)

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