1. Eckdaten
Titel: „Heute keine Zeit? Koch das!“
Autor: Simon Traver
Verlag: riva Verlag
Erscheinungsjahr: 2026
Rezensionsexemplar – vielen Dank!
2. Inhalt und Konzept
Es gibt Kochbücher, die wollen dir etwas beibringen. Und es gibt Kochbücher, die wollen dich beruhigen. „Heute keine Zeit? Koch das!“ gehört ganz klar zur zweiten Kategorie – und trifft damit einen Nerv, den viele von uns nur zu gut kennen. Simon Traver schreibt für Menschen, die eigentlich gerne kochen, aber im Alltag oft schlicht keine Kapazität dafür haben. Nicht, weil sie nicht wollen – sondern weil zwischen Arbeit, Verpflichtungen und Müdigkeit einfach nicht mehr viel Energie übrig bleibt. Genau hier setzt dieses Buch an: nicht als Anspruch, sondern als Entlastung. Sein Ansatz ist dabei angenehm undogmatisch. Es geht nicht um Kalorien, nicht um Clean Eating, nicht um „perfekte“ Ernährung. Stattdessen steht ein sehr bodenständiges Verständnis von gutem Essen im Mittelpunkt: Es soll satt machen, gut schmecken und sich machbar anfühlen. Kochen wird hier nicht als Leistung inszeniert, sondern als etwas, das dir den Tag ein kleines bisschen besser machen kann. Die rund 60 Rezepte folgen genau diesem Gedanken. Sie sind darauf ausgelegt, mit wenigen Zutaten auszukommen, schnell auf dem Tisch zu stehen und trotzdem das Gefühl zu vermitteln, wirklich gekocht zu haben – und nicht nur „irgendwas gemacht“.
Was dieses Buch besonders macht, ist weniger die einzelne Rezeptidee als vielmehr die Haltung dahinter. Zum einen ist da diese klare Absage an Ernährungsdogmen. „Gesund, aber nicht verbissen“ – dieser Gedanke zieht sich spürbar durch das gesamte Konzept. Es geht nicht darum, alles richtig zu machen, sondern darum, überhaupt ins Tun zu kommen. Und das ist gerade im stressigen Alltag oft der entscheidende Unterschied. Auffällig ist außerdem der überwiegend vegetarische und oft sogar vegane Zugang. Allerdings ohne erhobenen Zeigefinger. Fleischlos ist hier keine Ideologie, sondern schlicht Alltag – und genau so liest sich das auch: selbstverständlich, unkompliziert und ohne große Erklärung. Ein weiterer Punkt, der mir sofort ins Auge gefallen ist: die konsequente Orientierung am Supermarkt. Die meisten Zutaten sind problemlos erhältlich, keine langen Speziallisten, keine unnötigen Hürden. Wenn dann doch mal etwas wie Gochujang auftaucht, wird es eher als Einladung verstanden, den eigenen Vorrat zu erweitern – nicht als Voraussetzung. Und er bietet dann einige Gerichte mit der Zutat an, so dass sich der Kauf auch lohnt. Und dann ist da noch etwas, das ich besonders spannend finde: Dieses Buch denkt nicht in Gerichten, sondern in Lebenssituationen. Es geht nicht nur um „was koche ich“, sondern um „wann und in welcher Stimmung koche ich“.
Struktur des Buches
Genau hier zeigt sich die eigentliche Stärke des Buches. Statt klassischer Kapitel wie Vorspeisen, Hauptgerichte oder Pasta folgt „Heute keine Zeit? Koch das!“ einer klaren Alltagslogik – und die ist konsequent über Zeit organisiert:
- 15 Minuten – jetzt sofort!
- 20 Minuten – schnell, aber mit Seele
- 30 Minuten – die halbe Stunde für dich
Allein diese Benennung sagt schon viel aus. Es geht nicht nur um Minutenangaben, sondern um unterschiedliche Energielevel im Alltag. Mal muss es wirklich schnell gehen, mal darf es ein kleines bisschen mehr sein.
Ergänzt wird das Ganze durch zwei sehr alltagsnahe Kapitel:
- Meal Prep – jetzt kochen, später genießen
- Lazy Sunday – wenn du mal Zeit hast
Das wirkt fast wie eine kleine Dramaturgie des Kochens: vom schnellen „Ich muss jetzt sofort was essen“ bis hin zum entspannten Kochen am Wochenende. Zu den Kapiteln im Einzelnen:
15 Minuten – jetzt sofort!
Dieses Kapitel ist der Inbegriff dessen, was der Titel verspricht: schnell, unkompliziert und ohne große Hürden. 13 Rezepte, die wirklich darauf ausgelegt sind, in kürzester Zeit auf dem Tisch zu stehen – und das funktioniert auch. Inhaltlich bewegt sich das Kapitel vor allem im Bereich von Salaten, schnellen Pasta-Gerichten und unkomplizierten Kombinationen, die eher aus der Idee als aus aufwendiger Zubereitung heraus leben. Genau das macht den Reiz aus – und gleichzeitig auch eine kleine Schwäche.
Besonders gelungen sind die Gerichte dort, wo einfache Mittel klug kombiniert werden. Ein gutes Beispiel sind die Gyoza aus dem Kühlregal, die hier mit einem frischen Gurken-Cherrytomaten-Salat und einem aromatischen Dressing aus Sesamöl, Chiliöl, Honig und frischem Koriander ergänzt werden. Das ist schnell gemacht, wirkt durchdacht und bringt tatsächlich Geschmack auf den Teller, ohne viel Aufwand zu verlangen.
Auch die Salate zeigen sich abwechslungsreich und oft erfreulich sättigend gedacht: Ein warmer Halloumi-Zucchini-Salat mit Dattel-Senf-Dressing, ein Fenchel-Orangen-Salat mit Avocado und Parmesan oder Kombinationen mit Roter Bete, Feta und Pinienkernen bringen durchaus Vielfalt auf den Teller. Gerade die Verbindung aus süßen Komponenten wie Dattelsirup oder Honig mit salzigen und frischen Zutaten funktioniert hier gut und gibt den Gerichten Tiefe.
Sommerlich und sehr zugänglich wirken auch die Burrata-Gerichte – etwa mit gebratenen Aprikosen oder als Tomaten-Burrata mit Mango und Pistazien. Das sind Teller, die schnell gemacht sind, aber dennoch nach etwas aussehen und sich nicht nach „Notlösung“ anfühlen.
Die Pasta- und Gnocchi-Gerichte hingegen sind extrem reduziert. Eine Zucchini-Nudelpfanne mit Parmesan oder eine Pilz-Spinat-Pasta mit Frischkäse bewegen sich sehr nah an dem, was viele ohnehin im Alltag kochen. Hier geht es weniger um neue Techniken oder überraschende Kombinationen, sondern eher um Inspiration und Erinnerung: „So einfach kann es auch gehen.“ Und genau an dieser Stelle zeigt sich bereits etwas, das sich durch das gesamte Buch zieht: Die Zutaten wiederholen sich spürbar. Zucchini, Feta, Burrata, Rote Bete, Pinienkerne, Honig – viele Elemente tauchen in unterschiedlichen Varianten immer wieder auf. Das hat zwei Seiten. Einerseits sorgt es für eine gewisse Verlässlichkeit und Alltagstauglichkeit, weil man mit einem überschaubaren Einkauf mehrere Gerichte abdecken kann. Andererseits fehlt dadurch ein Stück weit die kulinarische Bandbreite. Wer sich gerne überraschen lässt oder neue Zutaten entdecken möchte, wird hier eher weniger fündig.
Unterm Strich ist dieses Kapitel genau das, was es sein will: ein schneller Einstieg ins Kochen ohne Druck. Es lebt von Einfachheit und Zugänglichkeit – und muss sich gleichzeitig gefallen lassen, dass diese Einfachheit gelegentlich an kulinarische Wiederholung grenzt.
20 Minuten – schnell, aber mit Seele
Hier zeigt sich, dass Schnelligkeit nicht im Widerspruch zur Seele stehen muss. Dieses Kapitel ist mit 23 Rezepten das umfangreichste und geht über schnelle Salate hinaus. Natürlich finden wir auch hier sättigende Salate, aber es wird spannender: Gemüsepfannen, Currys und eigenständige Gerichte geben dem Ganzen mehr Tiefe. Ein Beispiel ist der asiatisch angehauchte Miso-Lauch auf Reis, der mit wenigen Zutaten überraschend viel Geschmack liefert. Oder die Zucchiniröllchen mit Frischkäse, getrockneten Tomaten und Pinienkernen – ein kleines Kunstwerk in 20 Minuten. Sommerlich wird es mit einem Couscous-Salat, der Halloumi, Zucchini und Rucola vereint. Und wenn es richtig cremig sein soll, wartet die Bohnen-Zitronen-Pfanne mit Zucchini auf dich. Für alle, die es etwas würziger mögen, gibt es Tofubällchen auf körnigem Frischkäse. Ein Highlight ist die kalte Sommerlasagne: Lasagneplatten werden gekocht, und dazwischen stapelt sich eine Art Caprese mit Pesto und Rucola – eine ungewöhnliche, aber charmante Idee. Auch Klassiker wie eine Kichererbsenpfanne mit Spinat und Limette oder eine vegane Udonpfanne sorgen für Abwechslung. Und wer es richtig aromatisch mag, wird die Reis-Bowl mit Gochujang-Tofu lieben. Dieses Kapitel zeigt, dass selbst bei wenig Zeit ein Hauch von Seele und Kreativität den Unterschied macht. Es bleibt bodenständig, aber mit kleinen Akzenten, die Lust auf mehr machen.
30 Minuten – die halbe Stunde für dich
In diesem Kapitel muss man sich ein kleines bisschen mehr Zeit gönnen – und das zahlt sich aus. Die 16 Gerichte hier sind immer noch gut machbar, aber sie haben diesen Hauch von „Jetzt nehme ich mir mal bewusst Zeit fürs Kochen“. Da hätten wir zum Beispiel das herzhafte Gemüsenest mit Zucchini und Karotte, verfeinert mit Ahornsirup und Avocadocreme. Oder die One-Pan-Linsenbolognese, die fast schon nach Comfort Food schmeckt. Es wird auch richtig schön cremig: Ob bei den Udon-Nudeln mit Gemüse und Erdnuss-Gochujang-Soße oder dem Orzo-Risotto mit Spinat und Cashews – hier darf man mal ein bisschen rühren, und das Ergebnis belohnt.
Ein Highlight ist die Veggie-Bowl mit Halloumi, Linsen und Hummus-Dressing – Hummus spielt hier gleich mehrfach eine Rolle, etwa auch in Kombination mit geschmortem Fenchel. Für Ofenfans gibt’s die Ofenkarotten mit Feta, Sesam und Ahornsirup – aber auch die knusprigen Gnocchi mit Burrata und Tomaten. Und wer es noch herzhafter mag, findet den Gnocchi-Auflauf mit Spinat und Zucchini.
Dieses Kapitel zeigt: Auch mit einer halben Stunde lässt sich ordentlich was zaubern – ohne Stress, aber mit dem guten Gefühl, sich etwas richtig Schönes zu kochen.
Meal Prep – jetzt kochen, später genießen
Dieses kleine, aber feine Kapitel ist für alle, die heute schon an morgen denken. Fünf Rezepte, die sich super vorbereiten und später wieder genießen lassen. Da haben wir den klassischen Nudelsalat mit Rucola, Parmesan und Pinienkernen – einfach, lecker, und den kennen und mögen wir wirklich alle. Spannender wird es mit dem mediterranen Reis-Nudelsalat im Glas – perfekt zum Mitnehmen. Das Linsen-Gemüse-Curry mit Kokosmilch und gelber Currypaste ist ein echter Wohlfühlklassiker, der beim Aufwärmen fast noch besser schmeckt. Auch der Orzo-Salat mit Feta und Gemüse lässt sich wunderbar vorbereiten. Und mein Favorit: die Halloumi-Bolognese mit Spaghetti – die kann man prima vorkochen und später nochmal aufwärmen, ohne dass der Geschmack leidet. Kurz gesagt: Dieses Kapitel denkt mit und sorgt dafür, dass gutes Essen auch an stressigen Tagen bereitsteht.
Lazy Sunday – wenn du mal Zeit hast
Auch an einem gemütlichen Sonntag muss es nicht kompliziert werden. Dieses Kapitel bietet drei Rezepte, die zwar etwas mehr Zeit einplanen – zwischen 35 und 45 Minuten – aber damit immer noch recht fix auf dem Tisch stehen. Die Auberginenröllchen mit Avocadocreme und gebratenen Cherrytomaten sind ein kleiner Hingucker auf dem Teller und schmecken nach mediterranem Genuss. Der warme Halloumi-Spinatsalat mit gerösteter Paprika, Granatapfel und Minzdressing bringt Frische und Wärme zugleich. Und die Tomatentarte mit Burrata, Honig und Thymian ist das perfekte Gericht, um den Sonntag genussvoll ausklingen zu lassen.Auch hier bleibt Simon seiner Linie treu: Es ist unkompliziert, aber mit dem gewissen Extra. Genau das Richtige, wenn man sich am Wochenende mal bewusst Zeit für den Geschmack nimmt.
Abgerundet wird das Buch durch eine Rezeptübersicht sowie ein Zutatenregister, was die Orientierung im Alltag deutlich erleichtert – gerade wenn man gezielt nach vorhandenen Zutaten kochen möchte. Für mich ist genau diese Struktur der Punkt, an dem das Buch mehr wird als nur eine Sammlung schneller Rezepte. Es ist ein Kochbuch, das versucht, sich in deinen Alltag einzufügen – und nicht umgekehrt.
3. Zielgruppe
Die erste Anlaufstelle ist sicherlich Simons Instagram-Community – alle, die ihm dort folgen, haben auf dieses Buch vermutlich gewartet. Aber es spricht auch alle an, die nach der Arbeit schnell kochen wollen, ohne auf Fertigprodukte zurückzugreifen. Das Buch hat eine besondere Anziehungskraft für eine jüngere Zielgruppe, weil die vegane, vegetarische und international inspirierte Küche – mit asiatischen und levantinischen Einflüssen – oft dieser Generation entspricht. Gleichzeitig könnten erfahrene Hobbyköche oder ältere, routinierte Köch*innen auch durchaus denken: Für so simple Rezepte brauche ich kein Kochbuch. Aber genau diese Einfachheit ist der Schlüssel für alle, die unkompliziert und schnell etwas Gutes auf den Tisch bringen wollen – und genau da holt dieses Buch ab.
4. Rezepte und Vielfalt
Die Vielfalt ist zweischneidig. Auf der einen Seite kehren Zutaten wie Tomate, Zucchini, Rucola, Pinienkerne, Feta, Halloumi, Koriander, Gochujang-Paste, Erdnussmus oder Kokosmilch oft wieder – wer sie mag, hat hier einen Fundus an Variationen. Auf der anderen Seite fehlt damit manchmal die breite Palette. Doch wer sich einmal Erdnussmus oder Gochujang-Paste kauft, wird sie garantiert aufbrauchen: Das Buch bietet viele Gelegenheiten, damit weiterzuarbeiten. Letztlich ist es das einzige Manko: Manchmal wünscht man sich mehr Überraschungen. Aber wer diese Zutaten schätzt, findet hier eine Fülle an Inspiration.
5. Schwierigkeitsgrad
Der Schwierigkeitsgrad? Absolut machbar. Hier kann wirklich jeder – selbst blutige Kochanfänger*innen – sofort Erfolge feiern. Komplizierte Handgriffe oder langes Nachdenken? Fehlanzeige. Das ist ein klares Plus, denn genau so soll es sein, wenn es schnell gehen soll. Kein Kopf und keine Zeit für komplizierte Aktionen – und genau das liefert dieses Buch.
6. Fotografie und Design
Bildqualität
Die Fotografie von Tanja Biernoth ist durchweg hochwertig und sehr klar in ihrer Bildsprache. Die Gerichte werden appetitlich und nahbar inszeniert, ohne dabei überinszeniert zu wirken. Es sind keine „Hochglanz-Styling-Exzesse“, sondern Teller, die man sich so auch selbst vorstellen kann – und genau das passt hervorragend zum Konzept des Buches. Auffällig ist die konsequente Arbeit mit warmen, leicht gedämpften Farbtönen. Beige, Braun, erdige Nuancen und weiches Licht dominieren die Bildwelt. Das erzeugt eine gewisse Ruhe und Gemütlichkeit, fast schon eine Feierabend-Atmosphäre – passend zum Inhalt, der ja genau dort ansetzt. Viele Aufnahmen sind aus der Vogelperspektive fotografiert, was eine gute Übersicht über die Gerichte gibt. Man erkennt Zutaten, Texturen und Portionsgrößen sehr gut. Gleichzeitig fehlt dadurch manchmal ein wenig die Dynamik oder Tiefenwirkung, die schräge Perspektiven mitbringen könnten. Das ist aber eine bewusste stilistische Entscheidung und kein Mangel.
Nutzung der Bilder
Sehr gelungen ist die klare Zuordnung: In der Regel wird jedes Gericht visuell begleitet, sodass man sofort eine Vorstellung davon bekommt, was einen erwartet. Gerade bei einem Buch, das stark über Alltagstauglichkeit funktioniert, ist das ein echter Mehrwert. Die Bilder erfüllen dabei vor allem eine orientierende Funktion. Sie zeigen das fertige Gericht, geben eine Idee von Anrichtung und Kombination, verzichten aber bewusst auf Zwischenschritte oder didaktische Elemente. Das passt zur Grundhaltung des Buches: Hier wird nicht Schritt für Schritt erklärt, sondern eher zum Nachmachen eingeladen. Was ich persönlich sehr passend finde: Die Gerichte wirken erreichbar. Es sind keine perfekt gestylten Tellern, sondern einfach appetitlich angerichtete Speisen, die man sich auch nach einem langen Arbeitstag zutraut. Das stärkt genau dieses Gefühl von „Das kriege ich hin“.
Layout und Gestaltung
Das Layout von Maria Verdorfer ist funktional und gut durchdacht. Jedes Rezept ist übersichtlich aufgebaut, Zutaten und Zubereitung sind klar voneinander getrennt, und die Struktur erschließt sich intuitiv. Es findet sich auf einer Doppelseite das Zusammenspiel aus Rezept und Bild, was das Arbeiten in der Küche angenehm macht.
Besonders ist jedoch die gestalterische Entscheidung für einen deutlich retro-inspirierten Stil. Unterschiedliche Schriftarten, verspielte Elemente und grafische Akzente erinnern stellenweise an Designs der 60er- und 70er-Jahre. Das verleiht dem Buch Charakter und hebt es visuell von vielen anderen Kochbüchern ab. Allerdings ist genau das auch ein Punkt, der nicht jede*n gleichermaßen anspricht. In der Regen werden vier Schriftarten auf einer Seite kombiniert, was das Gesamtbild etwas unruhig wirken lassen kann. Hier bewegt sich das Buch bewusst an der Grenze zwischen „charakterstark“ und „überladen“.
Handwerklich ist das Ganze jedoch sauber umgesetzt: Die Lesbarkeit bleibt erhalten, die Struktur funktioniert, und man findet sich schnell zurecht. Am Ende ist es eine Frage des persönlichen Geschmacks – aber definitiv eine Gestaltung mit Wiedererkennungswert.
7. Sprache und Anleitungen
Die Sprache in „Heute keine Zeit? Koch das!“ ist genau das, was man sich in einem solchen Kochbuch wünscht: direkt, klar und ohne Umwege. Hier wird nicht lange erklärt oder ausgeschmückt – die Rezepte kommen schnell auf den Punkt, ohne dabei unverständlich zu werden. Die Anleitungen sind angenehm kompakt gehalten, aber dennoch präzise genug, um sicher durch das Rezept zu führen. Man merkt, dass hier jemand schreibt, der weiß, wie wenig Zeit und Aufmerksamkeit im Alltag oft zur Verfügung stehen. Jeder Schritt sitzt, nichts wirkt überflüssig, und gleichzeitig fehlt es nicht an den entscheidenden Informationen.
Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass die Rezepte trotz ihrer Kürze gut nachvollziehbar bleiben. Es entsteht nie das Gefühl, dass wichtige Zwischenschritte fehlen oder man „zwischen den Zeilen lesen“ muss. Das sorgt für eine gewisse Sicherheit beim Nachkochen – gerade für weniger erfahrene Köch*innen ein echter Pluspunkt. Auch handwerklich macht das Buch einen sehr sauberen Eindruck. Weder bei den Zutatenangaben noch bei den Zubereitungsschritten sind mir Unstimmigkeiten oder Fehler ins Auge gefallen. Hier hat sicherlich auch die Redaktion ihren Anteil – verantwortlich war Ulrike Reinen –, die offensichtlich sehr sorgfältig gearbeitet hat. Insgesamt fügt sich die Sprache damit nahtlos in das Gesamtkonzept des Buches ein: unkompliziert, zugänglich und darauf ausgelegt, dass man einfach anfängt, ohne lange nachdenken zu müssen.
8. Besonderheiten
Was „Heute keine Zeit? Koch das!“ wirklich auszeichnet, ist weniger das einzelne Rezept als vielmehr die konsequente Denkweise dahinter. Die wohl größte Besonderheit ist die klare Orientierung an Zeit – und zwar nicht nur als praktische Angabe, sondern als strukturgebendes Prinzip des gesamten Buches. Die Kapitel sind nicht nach Zutaten oder Gerichtearten aufgebaut, sondern nach der Frage: Wie viel Zeit und Energie hast du gerade? 15 Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten, Meal Prep oder Lazy Sunday – das ist fast so etwas wie ein kleiner Kompass durch den Alltag. Das Buch passt sich dir an, nicht umgekehrt.
Eng damit verbunden ist ein zweiter Punkt, der sich wie ein roter Faden durchzieht: die bewusste Wiederverwendung von Zutaten. Zucchini, Feta, Halloumi, Kokosmilch, Gochujang oder Erdnussmus tauchen immer wieder auf – und das ist kein Zufall, sondern Konzept. Wer einmal einkauft, kann mehrere Gerichte daraus kochen, ohne ständig neue Spezialzutaten besorgen zu müssen. Das macht das Buch besonders alltagstauglich und reduziert ganz nebenbei auch den Planungsaufwand. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch die Kehrseite: Diese Fokussierung führt dazu, dass sich bestimmte Geschmacksrichtungen und Zutatenkombinationen wiederholen. Das ist praktisch, aber kulinarisch nicht immer überraschend. Genau in dieser Spannung bewegt sich das Buch sehr bewusst.
Ein weiterer Aspekt ist die Haltung zum Kochen selbst. Dieses Buch will nicht belehren, nicht optimieren und nicht perfektionieren. Es geht nicht um „richtiges“ Essen, sondern um machbares Essen. Kochen wird hier nicht als Projekt verstanden, sondern als Teil des Alltags – manchmal schnell, manchmal mit ein bisschen mehr Zeit, aber immer ohne Druck. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke dieses Buches: Es nimmt die Hürde aus dem Kochen, ohne den Genuss aus den Augen zu verlieren.
9. Preis-Leistungsverhältnis
Preis: 24 Euro
Mit einem Preis von 24 Euro bewegt sich „Heute keine Zeit? Koch das!“ im unteren mittleren Bereich aktueller Kochbücher – und das ist hier absolut angemessen. Man bekommt ein gebundenes Buch, das auch in der Küche etwas aushält und nicht nach dem dritten Aufklappen auseinanderzufallen droht. Gerade bei einem Buch, das explizit für den Alltag gedacht ist und vermutlich häufiger neben Herd und Schneidebrett liegt, ist das ein nicht zu unterschätzender Punkt.
Hinzu kommt eine durchgehend gelungene, hochwertige Fotografie sowie ein klar strukturiertes Layout, das die Nutzung im Alltag unterstützt. Auch die Verarbeitung insgesamt macht einen soliden Eindruck. Inhaltlich stehen rund 60 Rezepte zur Verfügung, die sich gut in den Alltag integrieren lassen und durch ihre klare Struktur gut nutzbar sind – gerade durch die wiederkehrenden Zutaten, die ein Weiterkochen erleichtern.
Unterm Strich bekommt man hier ein durchdachtes, alltagstaugliches Kochbuch mit solider Ausstattung und klarer Linie. Für 24 Euro ist das ein stimmiges Gesamtpaket, bei dem Preis und Leistung in einem guten Verhältnis zueinander stehen.
10. Gesamteindruck und Empfehlung
„Heute keine Zeit? Koch das!“ ist ein Kochbuch, das genau weiß, was es sein will – und das konsequent durchzieht. Es richtet sich nicht an ambitionierte Hobbyköch*innen auf der Suche nach neuen Techniken oder außergewöhnlichen Zutaten. Es richtet sich an Menschen, die im Alltag stehen, wenig Zeit haben und trotzdem nicht auf gutes, selbstgekochtes Essen verzichten wollen. Und genau hier liegt seine Stärke.
Ich habe beim Durchblättern und Nachkochen immer wieder dieses Gefühl gehabt: Ach, das schaffe ich auch heute Abend noch nach Feierabend! Keine langen Zutatenlisten, keine komplizierten Abläufe, keine unnötigen Hürden. Stattdessen Rezepte, die einen wirklich abholen – auch an Tagen, an denen die Energie eigentlich schon aufgebraucht ist.
Besonders gelungen finde ich die klare Struktur nach Zeit und Alltagssituationen. Das macht das Buch extrem zugänglich und nimmt einem die ewige Frage ab: Was koche ich heute eigentlich? Gleichzeitig muss man aber auch sagen: Wer große kulinarische Überraschungen sucht oder sich gerne durch neue Zutatenwelten kocht, wird hier nicht vollständig auf seine Kosten kommen. Die wiederkehrenden Zutaten und ähnlichen Aromarichtungen sorgen zwar für Alltagstauglichkeit, aber eben auch für eine gewisse Wiederholung. Für mich ist das jedoch weniger ein Fehler als eine bewusste Entscheidung im Konzept. Dieses Buch will nicht beeindrucken – es will funktionieren. Und das tut es.
Meine Empfehlung: Ein sehr gutes Kochbuch für alle, die unkompliziert, schnell und dennoch mit Genuss kochen möchten. Besonders geeignet für den Feierabend, für stressige Wochen – und für alle, die sich das Kochen wieder ein Stück leichter machen wollen.
11. Bewertung
Gesamtbewertung:
Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept:
• Zielgruppe:
• Rezepte und Vielfalt:
• Schwierigkeitsgrad:
• Fotografie und Design:
• Sprache und Anleitungen:
• Besonderheiten:
• Preis-Leistungs-Verhältnis:
12. Nachgekocht



Der Lauch wird in Stücke geschnitten und in der Pfanne gebraten und dann wird eine Sauce aus geriebenem Ingwer, Sojasauce, geröstetem Sesamöl, heller Misopaste, Ahornsirup und Limettensaft und etwas Wasser angegossen. Darin darf der Lauch garen und die Sauce dickt dabei ein. Alles auf Reis servieren und mit Koriander (und eigentlich noch frischem Chili) bestreuen. Einfach und lecker.