Yotam Ottolenghi – Simple

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1. Eckdaten

Titel: „Ottolenghi – Simple Das Kochbuch“

Autoren: Yotam Ottolenghi mit Tara Wigley und Esme Howarth

Verlag: DK Verlag

Erscheinungsjahr: 2018

Ein kleiner Blick nach vorn sei an dieser Stelle erlaubt:

Im September 2026 erscheint mit „Simple too“ der

Nachfolgeband zu diesem Buch. Der Titel ist dabei ein schönes Wortspiel – er lässt sich einerseits als „Simple II“ lesen, also als zweite Ausgabe des erfolgreichen Konzepts, heißt aber zugleich „ebenfalls einfach“. Neben Ottolenghi arbeitet diesmal auch Verena Lochmuller an dem Buch mit. Nach dem großen Erfolg von „Simple“ darf man also durchaus gespannt sein, welche neuen Ideen und alltagstauglichen Aromenkombinationen uns dort erwarten. Sobald das Buch erscheint, wird es natürlich auch auf LeseLust&Löffel einen ausführlichen Kochbuch-Check dazu geben.

2. Inhalt und Konzept

Schon der Titel wirkt zunächst wie ein kleines Paradox: Ottolenghi und einfach — das passt für viele Kochbegeisterte traditionell nicht zusammen. Über Jahre war der Name Yotam Ottolenghi fast synonym mit langen Zutatenlisten, schwer erhältlichen Gewürzen und komplexen Zubereitungsschritten. Genau an dieser Stelle setzt „Simple – Das Kochbuch“ bewusst an. Das Buch ist kein abgespeckter Schnellableger, sondern eine systematische Neubestimmung seiner eigenen Küche.

In der Einleitung beschreibt Ottolenghi zunächst sehr anschaulich, dass „einfach“ kein objektiver Begriff ist. Für manche bedeutet es ein 30-Minuten-Abendessen nach Feierabend, für andere ein Gericht, das man Tage im Voraus vorbereitet und beim Servieren nur noch zusammensetzt. Selbst innerhalb seines Teams – mit Tara Wigley (Text und Entwicklung) und Esme Howarth (Rezepttests) – existieren völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, was unkompliziertes Kochen eigentlich bedeutet. Genau aus dieser Beobachtung entsteht das Grundprinzip des Buches.
Die zentrale konzeptionelle Idee ist kein bestimmter Stil von Rezepten, sondern ein Orientierungssystem. Jedes Gericht wird mit farbigen Symbolen gekennzeichnet. Diese stehen jeweils für eine Form von „Einfachheit“:

  • Schnell fertig – kurze Zubereitungszeit
  • Nicht mehr als 10 Zutaten
  • Lässt sich vorbereiten
  • Aus dem Vorrat – alltagstaugliche Grundzutaten
  • Macht sich fast von allein – Ofen- oder Schmortopfgerichte
  • Einfacher als gedacht – unkomplizierte Technik trotz beeindruckendem Ergebnis

Damit verschiebt sich der Fokus: Das Buch definiert „einfach“ nicht über kulinarische Reduktion, sondern über Planbarkeit im Alltag. Leser*innen können Rezepte nicht nur nach Zutaten oder Kategorien auswählen, sondern nach ihrer aktuellen Lebenssituation: wenig Zeit, wenig Energie, wenig Einkaufsmöglichkeiten oder viel Vorbereitungsspielraum.

Wichtig ist dabei: Ottolenghi reduziert nicht die Aromatik, sondern die Komplexität der Organisation. Er selbst betont mehrfach, dass er weiterhin für Fülle, Frische und Überraschung kocht. Statt geschmacklicher Vereinfachung erfolgt eine logistische Vereinfachung. Typisch Ottolenghi-Zutaten – etwa Sumach, Za’atar oder Tahin – bleiben präsent, werden aber strategisch eingesetzt. Ergänzend führt er eine Liste sogenannter „Ottolenghi-Zutaten“, also aromatischer Grundbausteine, die immer wiederkehren und dadurch langfristig den Einkauf erleichtern. Zugleich verzichtet er bewusst auf industrielle Abkürzungen wie fertige Currypasten oder Gewürzmischungen und zeigt stattdessen, wie sich intensive Aromen mit wenigen, klaren Schritten erreichen lassen. „Simple“ ist damit kein Minimalismus-Kochbuch, sondern eher ein Effizienz-Kochbuch. Ein weiterer wichtiger Gedanke: Ottolenghi verschiebt seine Küche aus der Event- und Wochenendküche in den Alltag.

Viele Gerichte sind darauf angelegt,

  • vorbereitet zu werden,
  • aus vorhandenen Zutaten zu entstehen
  • oder während anderer Tätigkeiten im Ofen zu garen.

Die Botschaft ist deutlich: gutes Essen soll nicht an Zeit, Energie oder Perfektionismus scheitern. Der Anspruch ist nicht weniger Genuss, sondern weniger Stress. Das Inhaltsverzeichnis zeigt sehr klar, dass „Simple“ ein Kochbuch für komplette Mahlzeiten ist, nicht für einzelne Rezeptideen. Die Kapitel orientieren sich an Lebensmittelgruppen und Esssituationen:

  • Brunch
  • Rohes Gemüse
  • Gegartes Gemüse
  • Reis, Getreide und Hülsenfrüchte
  • Nudeln
  • Fleisch
  • Fisch
  • Desserts

Ergänzt wird dies durch Menüvorschläge, Festessen-Ideen sowie einen eigenen Abschnitt zu typischen Ottolenghi-Grundzutaten. Auffällig: Gemüse steht strukturell im Zentrum. Fleisch und Fisch erscheinen später und sind mengenmäßig nicht dominant. Das Buch folgt damit Ottolenghis charakteristischem Ansatz einer gemüsezentrierten Küche, ohne vegetarisch zu sein.„Simple“ ist letztlich kein vereinfachtes Ottolenghi-Kochbuch — es ist ein Kochbuch darüber, wie Ottolenghi-Küche in ein reales Alltagsleben passt. Und genau deshalb wurde es auch sein erfolgreichstes Buch: Es nimmt nicht den Geschmack zurück, sondern die Hürde.

Struktur des Buches

Brunch
Das Buch eröffnet mit einem Kapitel, das auf den ersten Blick fast ein wenig überrascht: Brunch. Statt klassischer Frühstücksrezepte präsentiert Ottolenghi hier zehn Gerichte, die sich irgendwo zwischen spätem Frühstück, leichtem Mittagessen und unkompliziertem Wochenendgericht bewegen. Die Auswahl zeigt sehr schön, was Ottolenghi unter „simple“ versteht: vertraute Grundideen werden mit wenigen aromatischen Drehungen versehen und dadurch kulinarisch interessanter gemacht. Viele Rezepte sind vegetarisch, einige sogar vollständig vegan. Gleichzeitig bleibt das Kapitel kulinarisch vielseitig und international geprägt.

Zu den Gerichten gehören etwa geschmorte Eier mit Lauch und Za‘atar, Omeletts mit Harissa und Manchego oder eine Zucchini-Ciabatta-Frittata. Auch klassische Brunchkomponenten tauchen auf, werden jedoch auf Ottolenghi-Art interpretiert, etwa Riesenchampignons mit Brioche und pochiertem Ei. Daneben finden sich einige Gerichte, die den Brunch-Begriff bewusst weiter fassen. Ein Beispiel ist der gebratene Tofu mit Harissa, der mit einem frischen Avocado-Gurkensalat serviert wird und damit auch als leichtes Mittagessen funktioniert. Ebenfalls vegan ist ein einfaches, aber aromatisch aufgebautes Gericht aus Avocado-Butter und Tomatensalsa auf geröstetem Brot. Herzhafter wird es mit einem Maisbrot mit Cheddar, Feta und Jalapeño, während Erbsenkrapfen mit Za‘atar und Feta oder Iranische Kräuterpuffer zeigen, wie stark Ottolenghis Küche von internationalen Einflüssen lebt. Auffällig ist dabei die Rolle der Eier: Viele Rezepte arbeiten mit pochierten, geschmorten oder verarbeiteten Eiern – was in einem Brunch-Kapitel kaum überrascht. Gleichzeitig sorgen Gewürze, Kräuter und aromatische Saucen dafür, dass selbst scheinbar vertraute Gerichte eine ganz eigene Richtung bekommen.
Das Kapitel wirkt damit wie ein sanfter Einstieg in das Buch: zugänglich, relativ unkompliziert und doch deutlich von Ottolenghis typischer Aromenküche geprägt.

Rohes Gemüse
Mit 14 Rezepten gehört das Kapitel Rohes Gemüse zu den umfangreicheren Abschnitten des Buches – und zeigt sehr deutlich, wie zentral Gemüse in Ottolenghis Küche ist. Dabei geht es nicht einfach um klassische Salate, sondern um eine erstaunlich breite Palette an Gerichten, die ganz ohne Garen auskommen und dennoch aromatisch vielschichtig sind. Einige Rezepte wirken zunächst ungewöhnlich. Gleich zu Beginn steht etwa eine kalte Gurken-Blumenkohlsuppe mit Ingwer, die durch ihre Kombination aus Frische, Schärfe und Textur überrascht. Auch ein Carpaccio aus Fleischtomaten mit Frühlingszwiebel-Ingwer-Salsa ist ein schönes Beispiel dafür, wie Ottolenghi bekannte Formen neu interpretiert – hier als pflanzliche Variante eines klassischen Carpaccio. Daneben finden sich vertrautere mediterrane und orientalische Kombinationen, etwa eine Tomaten-Gurken-Raita, Tomaten mit Sumach-Zwiebeln und Pinienkernen oder ein Tomatensalat mit Tahin und Za’atar. Gerade diese Rezepte zeigen, wie stark Ottolenghis Küche von Gewürzen und aromatischen Säuren lebt, die selbst einfache Zutaten auf eine neue Ebene heben. Auch Brotgerichte tauchen auf, etwa ein Tomatenbrot mit Sardellen und Kapern, das mit seiner kräftigen Umami-Note fast schon als kleine Mahlzeit durchgeht. Besonders charmant ist die Geschichte hinter dem „Was-muss-weg-Dressing“ für Römersalatherzen: Tara Wigley entwickelte die Sauce ursprünglich aus einer spontanen Kühlschrank-Aktion heraus, bei der sie verschiedene Kräuter kombinierte, die dringend verbraucht werden mussten. Die improvisierte Mischung erwies sich als so gelungen, dass sie inzwischen zu den festen Bestandteilen der Ottolenghi-Küche gehört. Mehrere Rezepte spielen außerdem bewusst mit frischen, sommerlichen Kombinationen. Dazu gehören ein Gurken-Rapunzel-Salat mit Mini-Gurken, Feldsalat, Minze, Koriander und Schwarzkümmel, ein Wassermelonen-Apfel-Salat mit Limette oder ein Pfirsich-Himbeer-Salat mit Fünf-Gewürze-Pulver, der besonders gut zu gegrillten Gerichten passt. Ein Gericht aus diesem Kapitel entwickelte sich sogar zu einem kleinen Social-Media-Liebling: Burrata mit gebratenen Trauben und Basilikum. Gerade die karamellisierten Trauben sorgen für einen überraschenden Effekt – eine Idee, auf die man von selbst kaum kommen würde, die aber auf dem Teller sofort überzeugt.
Auch klassische Salatideen werden kreativ weitergedacht. Ein Blumenkohl-Taboulé ersetzt den traditionellen Bulgur durch fein gehackten rohen Blumenkohl und macht das Gericht damit deutlich gemüsereicher. Der Frühlingszwiebel-Kräuter-Salat wiederum bleibt ganz im grünen Farbspektrum und erhält durch Schwarzkümmel eine aromatische Tiefe.
Insgesamt zeigt dieses Kapitel sehr deutlich, dass rohe Gemüsegerichte keineswegs nur Beilagen sein müssen. Viele der Rezepte funktionieren problemlos als leichte Mahlzeit oder Vorspeise – und beweisen zugleich, wie vielfältig und überraschend eine Küche sein kann, die Gemüse konsequent ins Zentrum stellt.

Gegartes Gemüse
Mit 50 Rezepten ist das Kapitel Gegartes Gemüse eindeutig das Herzstück von „Simple – Das Kochbuch“. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie zentral Gemüse für Ottolenghis Küche ist. Die Bandbreite der Zubereitungen ist beeindruckend: von Suppen über geröstetes Ofengemüse, Currys und Gemüsegerichte aus der Pfanne bis hin zu Pürees, Stampfgerichten und sogar Kartoffelklassikern mit neuem Twist.
Schon der Einstieg mit mehreren Suppen macht deutlich, wie vielseitig Gemüse interpretiert werden kann. Neben einer aromatischen Linsen-Tomaten-Suppe mit Kokos und Curry steht eine eher mediterran angelegte Zucchini-Erbsensuppe mit Basilikum, während eine Kürbissuppe mit Orange und Safran mit feinen Gewürznoten spielt. Zucchini tauchen im Kapitel gleich mehrfach auf und werden sehr unterschiedlich eingesetzt: etwa gedämpft mit Knoblauch und Oregano, als Stampf, als kräuterwürziges Gemüse auf Erbsen mit Grießbrei oder auch gefüllt mit Pinienkern-Salsa. Diese Vielfalt zeigt exemplarisch, wie ein einzelnes Gemüse immer wieder neue kulinarische Richtungen einschlagen kann.

Natürlich dürfen auch Ottolenghi-Klassiker wie Auberginen nicht fehlen. Sie erscheinen beispielsweise geröstet mit Sardellen und Oregano oder in einer eher asiatisch inspirierten Variante mit Curryjoghurt. Auch Tomaten bekommen ihren großen Auftritt: etwa als gegrillte Fleischtomaten mit Chili, Knoblauch und Ingwer oder als heiß geröstete Kirschtomaten auf kaltem Joghurt – ein Gericht, das besonders in den sozialen Netzwerken große Aufmerksamkeit erhielt. Die Kombination aus Röstaromen, Hitze und der frischen Säure des Joghurts funktioniert gerade im Sommer hervorragend. Neben mediterranen und nahöstlichen Einflüssen zeigt sich auch eine große Offenheit für internationale Geschmacksrichtungen. Brokkoli und Grünkohl werden etwa mit Knoblauch, Kreuzkümmel und Limette kombiniert, während Broccolini mit Sojasauce, Knoblauch und Erdnüssen eher in Richtung asiatischer Küche weisen. Weitere spannende Kombinationen finden sich bei Kohl- und Blattgemüsen: etwa gerösteter Spitzkohl mit Estragon und Pecorino oder Grünkohl mit Senfmarinade auf grünem Spargel – eine eher ungewöhnliche, saisonal aber durchaus mögliche Verbindung. Der Spargel taucht auch in einer Ofenvariante mit Mandeln, Kapern und Dill auf, während ein Schwarzkohlgericht mit Chorizo und eingelegter Zitrone eine kräftigere, herzhafte Richtung einschlägt. Auch weniger alltägliche Gemüse wie Okra finden ihren Platz, hier als schnelles Gericht mit süßsaurem Dressing.

Besonders vielseitig wird Blumenkohl eingesetzt. Neben einer klassischen Ofenvariante mit Käse und Senf erscheint er auch als frischer Blumenkohlsalat mit Granatapfel und Pistazien, im Ganzen geröstet mit grüner Tahinsauce oder sogar als Bestandteil eines currywürzigen Eiersalats. Auch Hülsenfrüchte und cremige Gemüsepürees werden integriert, etwa ein Püree aus Avocado und dicken Bohnen. Dazu kommen aromatische Ofengerichte wie Rosenkohl mit brauner Butter und schwarzem Knoblauch oder geröstete Möhren mit Harissa und Granatapfel. Der Butternut-Kürbis erscheint sowohl als Ofengericht mit Linsen und Gorgonzola als auch in Kombination mit Mais, Feta und Kürbiskernen. Ebenso typisch für Ottolenghi ist der im Ganzen geröstete Sellerie, der hier mit Korianderöl serviert wird. Den Abschluss des Kapitels bilden verschiedene Kartoffel- und Süßkartoffelgerichte – von einfachen Pommes bis zu Ofenkartoffeln, etwa gefüllt mit Ei und Tonnato-Sauce. Selbst klassische Bratkartoffeln erhalten durch Rosmarin, Thymian und Sumach einen neuen aromatischen Dreh. Besonders originell ist schließlich eine Pizza Bianca mit Kartoffeln, Sardellen und Salbei.
Insgesamt zeigt dieses Kapitel eindrucksvoll, wie vielseitig gegartes Gemüse sein kann. Ottolenghi kombiniert bekannte Zutaten immer wieder neu, arbeitet mit Röstaromen, Gewürzen und frischen Kräutern und stellt Gemüse konsequent ins Zentrum des Tellers. Genau hier entfaltet „Simple“ seine größte Stärke: vertraute Produkte werden mit wenigen, aber gezielten Ideen in überraschende Gerichte verwandelt.

Reis, Getreide und Hülsenfrüchte
Das Kapitel „Reis, Getreide und Hülsenfrüchte“ versammelt zehn Rezepte, die vor allem eines zeigen: Wie vielseitig sich diese Grundzutaten einsetzen lassen, wenn man sie nicht nur als Beilage versteht, sondern als eigenständige Basis eines Gerichts. Im Mittelpunkt stehen dabei überwiegend Salate und leichte Tellergerichte, ergänzt durch einzelne Eintöpfe und Ofengerichte. Ein Beispiel ist ein Grüner Bohnensalat mit Buchweizen, der mit Minze, Estragon und dem Chili-Gewürz Isot Biber aromatisch akzentuiert wird. Hier zeigt sich erneut Ottolenghis Gespür dafür, bekannte Zutaten durch gezielte Gewürze und Kräuter neu zu beleben. Auch ein Couscous-Salat mit Kirschtomaten und frischen Kräutern gehört zu den eher klassischen, mediterran geprägten Rezepten dieses Kapitels.
Etwas herzhafter wird es mit einem Linsen-Auberginen-Eintopf, der die Kombination aus Hülsenfrüchten und Gemüse in den Mittelpunkt stellt. In eine ähnliche Richtung geht ein Gericht aus Puy-Linsen mit Auberginen, Tomaten und Joghurt, das durch die Säure des Joghurts und die Röstaromen des Gemüses besonders ausgewogen wirkt. Bulgur spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: einmal in einer Variante mit Tomaten, Auberginen und Zitronenjoghurt, ein anderes Mal kombiniert mit Pilzen und Feta, wodurch das Gericht eine deutlich kräftigere, herzhafte Note bekommt.
Der Reis tritt in mehreren Formen auf. Ein brauner Reis mit karamellisierten Zwiebeln und schwarzem Knoblauch zeigt, wie viel Tiefe sich allein durch Röstaromen und wenige aromatische Zutaten erreichen lässt. Zwei Ofengerichte greifen diese Idee auf: Gebackener Reis mit Minze, Granatapfel und Oliven-Salsa sowie Gebackener Reis mit gerösteten Tomaten und Knoblauch. Einen deutlich asiatischen Akzent setzt schließlich der Thai-Klebreis mit knusprigem Ingwer, Chili und Erdnüssen, der mit seiner Kombination aus Schärfe, Crunch und Frische aus der Reihe der eher mediterranen Gerichte heraussticht.
Insgesamt wirkt dieses Kapitel wie eine Sammlung vielseitiger Alltagsgerichte, die sich gut vorbereiten lassen und häufig auch lauwarm oder kalt funktionieren. Getreide, Reis und Hülsenfrüchte werden dabei nicht als bloße Sättigungsbeilage verstanden, sondern bilden die Grundlage eigenständiger, aromatisch ausbalancierter Gerichte. Gerade für eine gemüsebetonte Küche bieten diese Rezepte zahlreiche Möglichkeiten, sättigende und zugleich leichte Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen.

Nudeln
Schon der Kapitelname ist bemerkenswert: „Nudeln“, nicht etwa Pasta. Damit signalisiert Ottolenghi bereits im Titel, dass er hier bewusst über die italienische Küche hinausblickt. Tatsächlich präsentiert er in diesem Abschnitt elf Rezepte, die eine erstaunliche kulinarische Bandbreite abdecken – von asiatischen Reis- und Buchweizennudeln über mediterrane Pasta bis hin zu klassischen italienischen Gerichten.
Der Einstieg führt direkt nach Asien: Ein Reisnudelsalat mit Gurke und Mohn kombiniert Ingwer, Apfel, Salatgurke, Chili, Minze und Estragon zu einer frischen, aromatischen Mischung. Der Mohn wirkt dabei wie ein überraschender Akzent, der dem Gericht eine besondere Textur verleiht. Auch die Sobanudeln mit Limette, Kardamom und Avocado zeigen Ottolenghis Gespür für ungewöhnliche Kombinationen. Auf den ersten Blick wirkt diese Verbindung fast gewagt – in der Praxis entsteht daraus jedoch ein überraschend harmonisches, leichtes Gericht mit einer angenehmen Frische. Noch stärker in Richtung asiatischer Küche geht ein Salat aus Meeresalgen-Spaghetti mit Sesam und Tahin-Dressing, der eine ganz andere Textur und Aromatik ins Kapitel bringt. Natürlich fehlen auch klassische europäische Pasta-Gerichte nicht. Mit Pasta alla Norma oder Fettuccine mit pikanter Kirschtomatensauce greift Ottolenghi bekannte italienische Klassiker auf, interpretiert sie aber mit seiner eigenen Gewürz- und Kräuterhandschrift. Mehr in Richtung Crossover-Küche gehen Pappardelle mit Harissa, schwarzen Oliven und Kapern, bei denen mediterrane und nordafrikanische Einflüsse zusammenfinden. Auch Gigli mit Kichererbsen und Za’atar zeigen diese Verbindung zwischen italienischer Pastaform und nahöstlicher Aromatik. Ein weiteres Beispiel für diese Vielseitigkeit ist Orzo (Kritharaki) mit Garnelen, Tomaten und mariniertem Feta, bei dem eine feine Frische durch eine leichte Orangennote entsteht. Daneben stehen sehr einfache, aber geschmacklich überzeugende Gerichte wie Pasta mit Pecorino und Pistazien, die zusätzlich durch frische Zuckerschoten eine leichte, grüne Frische erhalten. Auch Spaghetti mit Sardellen und Queller gehören in diese Kategorie: ein kleines, sehr reduziertes Gericht, das gerade durch seine wenigen Zutaten besonders intensiv wirkt. Den Abschluss bildet mit Gnocchi alla Romana schließlich ein weiterer italienischer Klassiker, der das Kapitel wieder stärker in Richtung traditioneller Küche führt.
Insgesamt zeigt dieser Abschnitt sehr deutlich, wie weit Ottolenghi den Begriff „Nudeln“ fasst. Unterschiedliche Nudelformen, kulinarische Traditionen und Gewürzwelten treffen hier aufeinander – und machen das Kapitel trotz der vergleichsweise kleinen Anzahl von Rezepten zu einem der vielseitigsten des Buches.

Fleisch
Das Kapitel „Fleisch“ umfasst 19 Rezepte und zeigt deutlich, dass Ottolenghis Küche zwar stark gemüsezentriert ist, Fleisch jedoch weiterhin eine wichtige Rolle spielen kann – allerdings meist als aromatischer Bestandteil eines Gerichts und selten als dominierender Hauptakteur. Besonders Lamm steht hier im Mittelpunkt, ergänzt durch einige Hähnchengerichte sowie wenige Rezepte mit Rind- und Schweinefleisch.
Der Schwerpunkt auf Lamm ist kaum überraschend, denn diese Zutat spielt in vielen Küchen des östlichen Mittelmeerraums eine zentrale Rolle. Gleich mehrere Rezepte greifen unterschiedliche Zubereitungsformen auf. Dazu gehören etwa Lammbällchen mit Feta oder ein Lammauflauf „Siniyah“, bei dem Lammhack mit Staudensellerie, Baharat, Tomaten, Pinienkernen und Petersilie kombiniert und mit einer Tahinsauce serviert wird. Weitere Varianten zeigen die ganze Bandbreite dieses Fleisches: Gegrilltes Lamm mit Mandeln und Orangenblüte, ein Lammhackbraten mit Tahinsauce und Tomaten oder eine geschmorte Lammschulter mit Kreuzkümmel und Minze, die besonders aromatisch und zart wird. Auch Lammfrikadellen mit Pistazien und Sumachjoghurt oder ein Auflauf mit Bohnen und Lammhackfleisch gehören zu den Gerichten dieses Kapitels.

Rindfleisch spielt eine kleinere Rolle, wird aber ebenfalls abwechslungsreich eingesetzt. Beispiele sind ein Salat mit Roastbeefstreifen und Basilikum, Rindfleischbällchen mit Zitrone und Sellerie als Schmorgericht oder Hackbällchen mit Ricotta und Oregano. Ein Steak mit Harissa und Paprika-Zitronen-Sauce interpretiert das klassische Steakgericht auf eine deutlich aromatischere, mediterran inspirierte Weise.
Nur ein einziges Rezept arbeitet mit Schweinefleisch, und auch dieses bewegt sich geschmacklich klar in Richtung Asien: Schweinefleisch mit Ingwer, Frühlingszwiebeln und Auberginen.
Eine größere Rolle spielt dagegen Hähnchen, das in mehreren Varianten vorkommt. Dazu gehört etwa ein klassisches Brathähnchen mit Kümmel-Cranberry-Füllung oder ein im Ofen gebratenes Zitronenhähnchen, das mit wenigen Zutaten auskommt und dennoch sehr aromatisch wird. Besonders interessant sind die Hähnchenkeulen „Marbella“, die sich hervorragend vorbereiten lassen. Sie marinieren bis zu zwei Tage im Kühlschrank und entwickeln dabei ein intensives Aroma aus Oliven, Kapern, Datteln, Weißwein und frischem Oregano – ein Gericht, das sich gerade auch für Gäste gut eignet. Auch asiatische Einflüsse fehlen nicht: Ein Hähnchengericht mit Miso, Ingwer und Limette bringt eine ganz andere Aromatik ins Kapitel. Daneben findet sich mit dem Hähnchenschnitzel mit Körnerkruste ein Gericht, das fast schon klassisch anmutet und besonders bei Familien beliebt sein dürfte. Etwas anspruchsvoller ist schließlich ein Hähnchenragout mit knuspriger Maiskruste, ein pikantes Schmorgericht mit kräftigen Gewürzen. Die Maiskruste ist dabei optional, verleiht dem Gericht aber eine zusätzliche Textur.
Insgesamt zeigt dieses Kapitel eine große Bandbreite an Zubereitungen und Gewürzwelten. Gleichzeitig bleibt Fleisch meist Teil eines größeren aromatischen Zusammenspiels aus Kräutern, Gewürzen, Gemüse und Saucen – ein Ansatz, der gut zu Ottolenghis insgesamt gemüseorientierter Küche passt.

Fisch

Das Kapitel „Fisch“ umfasst 13 Rezepte und folgt dem gleichen Prinzip wie viele andere Abschnitte des Buches: Ottolenghi bewegt sich kulinarisch einmal um die Welt, verbindet unterschiedliche Küchenstile miteinander und bleibt dabei dennoch seiner eigenen Aromensprache treu. Mediterrane, asiatische, nahöstliche und gelegentlich auch lateinamerikanische Einflüsse treffen hier aufeinander. Der Einstieg erfolgt mit eher eleganten Gerichten wie einem Forellentatar mit brauner Butter und Pistazien, das durch die Kombination aus nussiger Tiefe und frischer Fischqualität überzeugt. Auch eine gebratene Makrele mit Pistazien-Kardamom-Salsa zeigt diese Mischung aus klarer Produktküche und ungewöhnlicher Gewürzverwendung.
Eine besondere Geschichte steckt hinter dem gebratenen Lachs mit Pinienkernsalsa, der im Film „Bridget Jones“ auftaucht. Ottolenghi erzählt dazu eine amüsante Anekdote: In einem Film lockt der Verehrer Bridget Jones mit einem angeblichen Ottolenghi-Rezept für Lachs mit Pinienkernsalsa – ein Gericht, das es zu diesem Zeitpunkt in Wirklichkeit noch gar nicht gab. Erst im Nachhinein entwickelte Ottolenghi das Rezept tatsächlich, gewissermaßen als nachträgliche kulinarische Umsetzung der Filmszene.
Weitere Gerichte bewegen sich stärker im mediterranen Raum, etwa eine gebackene Forelle mit Tomaten-Orange-Salsa und Berberitzen, die im Ofen zubereitet wird und fruchtige sowie leicht säuerliche Aromen kombiniert. Auch vertraut wirkende Gerichte erhalten bei Ottolenghi einen eigenen Dreh. So gibt es eine Fischvariante von Fischstäbchen, die leicht asiatisch interpretiert wird – mit Limette, Kokos und Chili. Ebenso kreativ ist ein Rezept für Fisch-Tacos mit Fischfrikadellen, Mango und Kreuzkümmel-Joghurt, das deutlich von der mexikanischen Küche inspiriert ist.
Ein eher britisch anmutendes Gericht sind Frikadellen aus Räucherfisch und Pastinaken, während ein Salat mit gegrillten Garnelen, Mais und Tomaten sommerlich und leicht wirkt. Mit einem Tintenfischragout mit roter Paprika kehrt das Kapitel kurz in den Mittelmeerraum zurück, bevor ein gebackener Wolfsbarsch mit Sojasauce und Ingwer erneut asiatische Aromen aufgreift. Auch der Levante-Raum ist vertreten: Kabeljau mit Kichererbsen und Harissa verbindet Fisch mit kräftigen Gewürzen und Hülsenfrüchten – eine Kombination, die sehr gut zu Ottolenghis aromatischem Stil passt. Den Abschluss bilden Garnelen-Mais-Bratlinge, die sich hervorragend als Vorspeise, kleines Gericht oder Fingerfood eignen und besonders gut mit Römersalat und Avocado harmonieren.
Insgesamt zeigt das Fischkapitel sehr deutlich Ottolenghis Stärke: klassische Fischgerichte werden nicht einfach reproduziert, sondern mit Gewürzen, Kräutern und ungewöhnlichen Kombinationen neu interpretiert. Dadurch entsteht eine Sammlung von Rezepten, die vertraute Produkte nutzt, ihnen aber immer wieder eine überraschende Richtung gibt.

Desserts
Den Abschluss des Buches bildet das Kapitel „Desserts“ mit 13 Rezepten, das noch einmal sehr schön zeigt, wie Ottolenghi auch bei süßen Gerichten mit klassischen Formen arbeitet, diese aber häufig mit ungewöhnlichen Aromen kombiniert. Vom Kuchen über Gebäck bis hin zu cremigen Desserts und Eis ist hier eine recht breite Palette vertreten. Gleich das erste Rezept setzt ein deutliches Zeichen für diese Herangehensweise: ein süß-salziger Cheesecake mit Kirschen, in dem neben Frischkäse auch Fetakäse verarbeitet wird. Dazu kommt Sternanis, der dem Dessert eine warme, würzige Note verleiht.
Daneben stehen auch bewusst klassischer angelegte Desserts. Eine Vanillecreme mit gebackenen Erdbeeren und Rhabarber wirkt vertraut und saisonal, während gebackene Erdbeeren mit Sumach und Joghurtcreme wieder eine der typischen Ottolenghi-Ideen aufgreifen: eine fruchtige Süßspeise erhält durch ein Gewürz aus der herzhaften Küche eine überraschende zusätzliche Dimension.
Auch traditionelle Backformen werden immer wieder neu interpretiert. Ein Pflaumen-Brombeer-Friand mit Lorbeer greift das französische Mandelküchlein auf und verbindet es mit dem ungewöhnlichen Aroma von Lorbeer. Ähnlich spielt ein Clafoutis mit Feigen und Thymian mit der Kombination aus süßen Früchten und aromatischen Kräutern. Weitere Kuchenrezepte sind ein Heidelbeerkuchen mit Mandeln und Zitrone, ein Haselnusskuchen mit Pfirsichen und Himbeeren sowie ein Gewürzter Apfelkuchen mit Lebkuchengewürz, der besonders in der kühleren Jahreszeit gut passt. Auch Gebäck ist vertreten, etwa Haselnuss-Schnecken mit Sesam, die mit Nuss-Nougat-Creme und Bio-Orange gefüllt werden und dadurch deutlich aromatischer wirken als klassische Hefeschnecken. Ein eher unkompliziertes Dessert ist der Kühlschrank-Schokoladenkuchen mit Minze und Pistazien, der ohne Backen auskommt. Daneben taucht mit den Schokoladen-Bärentatzen („Berner Brunsli“) – die hier als Schweizer Kekssterne daher kommen – auch ein traditionelles Gebäck auf. Den Abschluss bildet ein Himbeereis ohne Eismaschine, das mit Sahne, Ei, Zucker und Zitrone zubereitet wird und damit zeigt, dass auch klassische Desserts in diesem Buch ihren Platz haben.
Insgesamt wirkt das Dessertkapitel sehr rund: vertraute Kuchen und Süßspeisen werden immer wieder mit kleinen aromatischen Ideen ergänzt – etwa durch Kräuter, Gewürze oder ungewöhnliche Kombinationen – ohne dabei unnötig kompliziert zu werden. Damit fügt sich auch dieser Abschnitt gut in das Grundkonzept des Buches ein.

Nach den Rezeptkapiteln endet „Simple – Das Kochbuch“ nicht abrupt, sondern bietet noch mehrere Abschnitte, die den praktischen Nutzen des Buches im Alltag deutlich erhöhen.

Menüvorschläge
Zunächst stellt Ottolenghi eine Reihe kompletter Menüvorschläge zusammen. Diese reichen von unkomplizierten Mahlzeiten für den Alltag bis hin zu festlicheren Zusammenstellungen für Gäste. Besonders hilfreich ist dabei, dass viele Menüs saisonal gedacht sind und gleichzeitig berücksichtigen, dass sich zahlreiche Komponenten bereits im Voraus vorbereiten lassen.
So gibt es etwa Ideen für ein Abendessen unter der Woche, das zwischen Frühling und Sommer beziehungsweise Herbst und Winter variiert. Weitere Vorschläge richten sich auf Brunch am Wochenende, ein entspanntes Abendessen mit Freund*innen, ein Familienessen oder auch eine kleine kulinarische Reise durch verschiedene Küchen, etwa mit einem Menü zur asiatisch inspirierten Fischküche. Für festlichere Anlässe stellt Ottolenghi ebenfalls passende Zusammenstellungen vor. Dazu gehören etwa eine Tapas-Tafel, eine orientalische Festtafel, ein Festessen mit Frühlingslamm – das sehr gut in die Osterzeit passt – oder ein vegetarisches Sommermenü. Für die kältere Jahreszeit schlägt er beispielsweise ein winterliches Festessen mit Brathähnchen, Röstkartoffeln und Schwarzkohl vor. Gerade diese Menüideen zeigen noch einmal deutlich Ottolenghis Ansatz: gutes Essen soll zwar aromatisch und abwechslungsreich sein, aber dennoch organisierbar bleiben, auch wenn Gäste eingeladen sind.

Die typischen Ottolenghi-Zutaten
Ein weiterer Abschnitt widmet sich den sogenannten „Ottolenghi-Zutaten“. Hier erklärt der Autor Gewürze und Produkte, die in seiner Küche regelmäßig vorkommen und vielen Leser*innen vielleicht zunächst weniger vertraut erscheinen.

Dazu gehören:

  • Sumach
  • Za’atar
  • Isot Biber
  • Kardamom
  • Granatapfelsirup
  • Rosenharissa
  • Tahin
  • Berberitzen
  • schwarzer Knoblauch
  • eingelegte Zitronen

Diese kurze Einführung hilft dabei, die Rezepte besser einzuordnen und zeigt zugleich, dass viele dieser Zutaten immer wieder im Buch auftauchen und damit langfristig Teil der eigenen Vorratsküche werden können.

Hinweise zu Ernährungsformen
Als zusätzlichen Service weist Ottolenghi darauf hin, dass viele Rezepte des Buches vegetarisch oder vegan sind. Darüber hinaus existiert auf seiner englischsprachigen Website eine vollständige Übersicht aller Rezepte aus dem Buch, sortiert nach verschiedenen Ernährungsformen – etwa glutenfrei, laktosefrei oder nussfrei. Dadurch lassen sich passende Gerichte auch bei speziellen Ernährungsbedürfnissen leichter finden.

Register und Abschluss
Den Abschluss bildet ein umfangreiches Register, das sowohl nach Zutaten als auch nach Rezepttiteln geordnet ist. Damit lassen sich Gerichte entweder gezielt über eine bestimmte Zutat oder über den Namen des Rezepts schnell wiederfinden – eine sehr praktische Lösung für den täglichen Gebrauch. Ganz am Ende folgen schließlich die Danksagungen der drei am Buch maßgeblich Beteiligten – Yotam Ottolenghi, Tara Wigley und Esme Howarth – womit das Buch seinen formalen Abschluss findet.

3. Zielgruppe

Die Zielgruppe von „Simple – Das Kochbuch“ ist zunächst einmal naheliegend: Ottolenghi-Fans. Rund um Yotam Ottolenghi hat sich in den letzten Jahren ein regelrechter kulinarischer Hype entwickelt, und viele Leser*innen greifen automatisch zu, wenn ein neues Buch von ihm erscheint. Für diese treue Leserschaft bietet „Simple“ genau das, was der Titel verspricht: vertraute Ottolenghi-Aromen, aber in einer deutlich alltagstauglicheren Form. Gerade dieser niedrigere Zugang dürfte auch ein wichtiger Grund dafür sein, dass das Buch zu seinem erfolgreichsten Titel geworden ist. Die Rezepte sind spürbar zugänglicher als in vielen seiner früheren Werke. Zwar ist es bezeichnend für Ottolenghis Stil, dass sogar Rezepte mit weniger als zehn Zutaten im Buch ausdrücklich gekennzeichnet werden – doch im Vergleich zu seinen oft sehr komplex aufgebauten Gerichten wirkt „Simple“ deutlich entschlackt. Damit eignet sich das Buch besonders gut als Einstieg in das Ottolenghi-Universum. Die grundlegende Aromatik bleibt erhalten – mit Gewürzen wie Sumach, Za’atar oder Tahin –, aber die Rezepte sind organisatorisch einfacher aufgebaut, mit weniger Zutaten und überschaubaren Arbeitsschritten.

Ein weiterer Grund für die breite Zugänglichkeit liegt in der Rezeptauswahl selbst. Viele Gerichte kombinieren Bekanntes mit kleinen überraschenden Elementen. Diese Mischung aus Vertrautem und Ungewöhnlichem erleichtert es, sich auf neue Geschmacksrichtungen einzulassen, ohne dass man das Gefühl hat, sich auf komplett fremdes kulinarisches Terrain zu begeben. Die Zielgruppe ist dadurch vergleichsweise breit aufgestellt. Neben erfahrenen Ottolenghi-Köch*innen können auch Leser*innen profitieren, die bislang wenig Berührung mit seiner Küche hatten. Selbst Kochanfänger*innen dürften dank der klaren Struktur der Rezepte und der meist gut nachvollziehbaren Arbeitsschritte gut zurechtkommen. Gleichzeitig bietet das Buch auch für erfahrene Hobbyköch*innen genügend Inspiration – vor allem durch die ungewöhnlichen Kombinationen von Zutaten, Gewürzen und Aromen, die selbst vertraute Gerichte in eine neue Richtung lenken. Insgesamt richtet sich „Simple“ damit nicht nur an eine kleine kulinarische Nische, sondern an eine sehr breite Leserschaft: von Neugierigen, die Ottolenghis Küche erstmals ausprobieren möchten, bis hin zu langjährigen Fans, die seine typischen Aromen nun auch im Alltag häufiger auf den Tisch bringen wollen.

4. Rezepte und Vielfalt

Anzahl der Rezepte
Mit rund 130 Rezepten bietet „Simple – Das Kochbuch“ eine beeindruckende kulinarische Bandbreite. Die Gerichte verteilen sich über sehr unterschiedliche Kategorien – von Brunch über Gemüsegerichte, Getreide, Nudeln und Fleisch bis hin zu Fisch und Desserts. Schon allein die Struktur des Buches zeigt, dass Ottolenghi hier kein monothematisches Kochbuch vorlegt, sondern eine umfassende Sammlung von Gerichten für ganz unterschiedliche Gelegenheiten und Geschmäcker.

Vielfalt der Gerichte
Die Vielfalt der Rezepte ist tatsächlich bemerkenswert. In kaum einem anderen Ottolenghi-Buch wird so deutlich, wie breit sein kulinarischer Horizont ist. Die Gerichte bewegen sich selbstverständlich zwischen verschiedenen Küchen der Welt: mediterrane, nahöstliche, asiatische und gelegentlich auch lateinamerikanische Einflüsse treffen hier aufeinander. Dabei reicht die Palette von einfachen Salaten über Ofengerichte und Suppen bis hin zu Pasta, Fleisch- und Fischgerichten sowie klassischen Desserts. Selbst innerhalb einzelner Kapitel bleibt die Vielfalt groß: So können im Nudelkapitel asiatische Reis- oder Sobanudeln neben italienischen Pastaformen stehen, während im Gemüsekapitel sowohl schnelle Pfannengerichte als auch aufwendig geröstete Ofengerichte auftauchen.
Trotz dieser internationalen Breite wirkt das Buch erstaunlich geschlossen und stimmig. Das liegt vor allem daran, dass sich durch alle Rezepte eine sehr klare kulinarische Handschrift zieht. Typisch sind die Kombinationen aus frischen Kräutern, intensiven Gewürzen, Säurekomponenten wie Zitrone oder Granatapfel sowie Röstaromen aus dem Ofen oder der Pfanne.

Originalität und Kreativität
Gerade in dieser Verbindung aus globaler Inspiration und persönlicher Handschrift liegt eine der großen Stärken von Yotam Ottolenghi. Viele Rezepte wirken auf den ersten Blick vertraut, enthalten aber fast immer einen kleinen gedanklichen Dreh: ungewöhnliche Gewürze, überraschende Kombinationen von süß und salzig oder neue Zusammenstellungen von Zutaten, die man so in der heimischen Küche zunächst nicht erwarten würde.
Bemerkenswert ist dabei, dass diese Ideen selten wie reine Effekthascherei wirken. Vielmehr entsteht der Eindruck einer sehr klaren kulinarischen Vision. Ottolenghi gelingt es, eine weltoffene Küche zu zeigen, die Einflüsse aus vielen Regionen aufnimmt und dennoch sofort wiedererkennbar bleibt.
Gerade diese Fähigkeit erklärt auch einen großen Teil seines Erfolges. Seine Gerichte sind international inspiriert, aber immer durch eine eigene Handschrift geprägt. Man könnte durchaus sagen, dass Ottolenghi damit eine neue Form moderner Gemüseküche geprägt hat – eine Küche, die aromatisch, global gedacht und gleichzeitig alltagstauglich ist.

5. Schwierigkeitsgrad

Der Schwierigkeitsgrad von „Simple – Das Kochbuch“ lässt sich am treffendsten so beschreiben: Ottolenghi – aber in zugänglich. Die grundlegende kulinarische Handschrift bleibt erhalten, doch viele Rezepte sind deutlich einfacher aufgebaut als in früheren Büchern. Das zeigt sich zunächst in der Zubereitung selbst. Die Arbeitsschritte sind meist klar strukturiert und gut nachvollziehbar. Viele Gerichte bestehen aus wenigen Komponenten, und auch die Techniken bleiben überwiegend unkompliziert. Häufig handelt es sich um Ofengerichte, Pfannengerichte oder einfache Salate, die sich ohne besondere Küchenausstattung zubereiten lassen. Trotzdem bleibt es natürlich ein Buch von Yotam Ottolenghi. Das bedeutet: Auch in der vereinfachten Version tauchen Zutaten auf, die nicht in jeder Küche automatisch vorhanden sind. Gewürze und Produkte wie Harissa, Sumach, Za’atar, Isot Biber oder Tahin gehören zur typischen Aromensprache des Autors und spielen auch hier eine wichtige Rolle.

Allerdings hat sich die Situation in den letzten Jahren deutlich verändert. Durch die enorme Popularität von Ottolenghis Büchern sind viele dieser Zutaten inzwischen viel leichter erhältlich als noch vor einigen Jahren. Neben gut sortierten Supermärkten führen auch Biomärkte, internationale Lebensmittelgeschäfte oder Asialäden entsprechende Produkte. Darüber hinaus lassen sich viele der Gewürze inzwischen problemlos online bestellen, teilweise sogar als speziell zusammengestellte Gewürzsets. Abgesehen von diesen typischen Ottolenghi-Zutaten bestehen viele Rezepte aus ganz normalen Alltagsprodukten. Zahlreiche Gerichte lassen sich sogar komplett mit Zutaten aus einem gut sortierten Supermarkt – teilweise sogar aus dem Discounter – umsetzen. Insgesamt bleibt der Schwierigkeitsgrad daher moderat. Wer Freude am Kochen hat und bereit ist, sich gelegentlich auf neue Gewürze oder Kombinationen einzulassen, wird mit den Rezepten gut zurechtkommen. Gerade durch die vereinfachten Abläufe eignet sich das Buch auch für weniger erfahrene Köch*innen, während Fortgeschrittene vor allem die aromatischen Ideen und Kombinationen zu schätzen wissen werden.

6. Fotografie und Design

Bildqualität

Die Foodfotografie in „Simple – Das Kochbuch“ stammt von Jonathan Lovekin, der seit vielen Jahren mit Ottolenghi zusammenarbeitet und dessen visuelle Handschrift maßgeblich geprägt hat. Lovekin setzt hier auf eine sehr puristische, klare Bildsprache. Viele Gerichte sind auf weißen Tischdecken, weißem oder schwarzem Porzellan arrangiert und leben stark vom Kontrast zwischen hellen und dunklen Flächen. Wenn Farben ins Spiel kommen, stehen sie meist sehr klar und unverfälscht im Mittelpunkt – ohne starke Filter oder künstliche Inszenierung. Dadurch wirken die Speisen äußerst authentisch und unmittelbar. Auffällig ist auch die häufig gewählte Draufsicht („on top“). Diese Perspektive ermöglicht einen sehr direkten Blick auf die Gerichte und erinnert an eine reale Tischsituation. Die Fotos wirken dadurch fast so, als stünde das Essen tatsächlich vor einem auf dem Tisch.
Ein weiteres wiederkehrendes Motiv sind gedeckte Tafeln, häufig für mehrere Personen vorbereitet. Menschen selbst sind nur selten zu sehen, aber die Arrangements vermitteln dennoch deutlich ein Gefühl von Gemeinschaft und geteiltem Essen. Teilweise zeigen die Bilder auch bereits angeschnittene oder angegessene Gerichte – etwa ein angebrochenes Brot oder Teller, von denen schon etwas genommen wurde. Dadurch entsteht eine sehr lebendige Atmosphäre, die das gemeinsame Essen in den Mittelpunkt stellt. Insgesamt wirken die Bilder zugänglich, appetitlich und sehr natürlich. Sie zeigen die Gerichte so, wie man sie tatsächlich servieren würde – nicht überinszeniert, sondern realistisch und einladend.

Nutzung der Bilder

Die Fotografien erfüllen im Buch in erster Linie eine atmosphärische und dekorative Funktion. Sie schaffen eine Stimmung von Geselligkeit und Genuss, unterstützen jedoch kaum die eigentliche Kochtechnik. Es gibt keine Schritt-für-Schritt-Fotos oder Prozessbilder, die Zubereitungen erklären würden. Einen didaktischen Mehrwert im engeren Sinne haben die Bilder also nicht. Dafür ist ein anderer Aspekt sehr positiv: Nahezu alle Rezepte sind bebildert. Das erleichtert es, sich vor dem Nachkochen ein Bild vom fertigen Gericht zu machen und unterstützt damit indirekt das Verständnis des Rezepts.

Layout und Gestaltung

Das Layout stammt vom Londoner Studio Here Design und ist ebenso klar und funktional gestaltet wie die Fotografie. Schwarze, gut lesbare Schrift auf weißem Hintergrund und eine serifenlose Typografie sorgen für eine ruhige und übersichtliche Gestaltung. Die Rezeptstruktur ist klar gegliedert: Zu Beginn steht jeweils eine kurze, kursiv gesetzte Einleitung, die das Gericht beschreibt oder eine kleine Geschichte dazu erzählt. Darauf folgen die Zutatenliste und die Zubereitungsschritte, die übersichtlich voneinander getrennt sind. Besonders hilfreich ist das bereits erwähnte Symbolsystem, mit dem jedes Rezept gekennzeichnet wird. Diese visuelle Orientierung erleichtert das schnelle Finden passender Rezepte im Alltag erheblich. Auch in der praktischen Nutzung merkt man, dass hier sehr bewusst gestaltet wurde: Die meisten Rezepte befinden sich auf einer Doppelseite, sodass man beim Kochen nicht ständig umblättern muss. Wenn ein Rezept über zwei Seiten geht, bleibt es dennoch innerhalb dieser Doppelseite zusammen.

Auch die Ausstattung des Buches ist hochwertig. Der schlichte Titel mit der Zitrone auf dem Cover wirkt fast wie ein kleines Statement: ein einfaches Motiv, das den Gedanken des Buches – Einfachheit und Klarheit – visuell sehr gut aufgreift. Besonders praktisch sind die zwei Lesebändchen, die in Kochbüchern keineswegs selbstverständlich sind. Sie erleichtern es, mehrere Rezepte parallel zu markieren oder schnell wiederzufinden – ein kleines Detail, das den Gebrauch im Küchenalltag deutlich komfortabler macht. Insgesamt wirkt das Buch sowohl gestalterisch als auch handwerklich hochwertig, durchdacht und sehr benutzerfreundlich.

7. Sprache und Anleitungen

Auch sprachlich folgt „Simple – Das Kochbuch“ sehr konsequent seinem Konzept. Die Rezepte sind klar, direkt und zugänglich formuliert. Ottolenghi – beziehungsweise das Autor*innen-Team – verzichtet weitgehend auf unnötige Ausschmückungen und konzentriert sich auf das, was beim Kochen wirklich wichtig ist. Das macht die Texte angenehm zu lesen und vor allem gut nutzbar in der Praxis. Auffällig ist die zugewandte, unprätentiöse Sprache. Die Rezepte wirken nicht belehrend und auch nicht künstlich vereinfacht, sondern sachlich, freundlich und konzentriert. Gerade das passt sehr gut zum Anspruch des Buches: Auch dort, wo Gerichte aromatisch komplexer oder durch einzelne Zutaten zunächst etwas ungewohnter erscheinen, vermitteln die Anleitungen Ruhe und Struktur.

Die Zubereitungsschritte sind nachvollziehbar gegliedert und so formuliert, dass man ihnen gut folgen kann. Wer Schritt für Schritt arbeitet, kommt in der Regel sicher durch das Rezept. Das ist gerade bei einem Buch wie diesem entscheidend, denn Ottolenghis Küche lebt zwar von überraschenden Kombinationen und besonderen Zutaten, darf beim Nachkochen aber nicht an unklaren Anweisungen scheitern. Positiv fällt außerdem auf, dass die Rezepte verlässlich wirken. Es bleiben keine auffälligen Lücken, keine missverständlichen Stellen und keine irritierenden Sprünge in der Zubereitung zurück. Auch handwerkliche Fehler oder Ungenauigkeiten sind nicht ins Auge gefallen. Insgesamt sind Sprache und Anleitung damit ein echter Pluspunkt des Buches: klar, funktional und vertrauenswürdig – genau so, wie ein Kochbuch formuliert sein sollte, das Menschen sicher und mit Freude durch die Rezepte führen will.

8. Besonderheiten

Eine der größten Besonderheiten von „Simple – Das Kochbuch“ liegt bereits im Grundkonzept. Ottolenghi unternimmt hier gewissermaßen den Versuch, seine eigene Küche neu zu denken. Während viele seiner früheren Bücher für sehr umfangreiche Zutatenlisten und komplexe Zubereitungen bekannt sind, verfolgt dieses Buch bewusst einen anderen Ansatz: Ottolenghi-Aromen – aber alltagstauglicher organisiert. Zentral dafür ist das SIMPLE-System, das jedem Rezept mehrere Eigenschaften zuordnet. Über kleine Symbole erkennt man sofort, ob ein Gericht beispielsweise schnell zubereitet ist, mit wenigen Zutaten auskommt, gut vorbereitet werden kann oder sich größtenteils von selbst im Ofen oder Topf erledigt. Dieses Orientierungssystem ist mehr als nur ein grafisches Detail – es strukturiert das gesamte Buch und macht es besonders praxisnah.

Eine weitere Besonderheit ist die Balance zwischen internationaler Küche und persönlicher Handschrift. Obwohl Rezepte aus ganz unterschiedlichen kulinarischen Traditionen stammen – mediterran, nahöstlich, asiatisch oder gelegentlich auch lateinamerikanisch – wirken sie dennoch erstaunlich geschlossen. Typische Ottolenghi-Aromen wie Kräuter, Säure, Röstaromen und Gewürze ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch. Bemerkenswert ist außerdem die starke Rolle des Gemüses. Auch wenn das Buch keineswegs vegetarisch ist, stehen Gemüsegerichte deutlich im Mittelpunkt. Das große Kapitel zu gegartem Gemüse mit seinen zahlreichen Variationen zeigt sehr eindrucksvoll, wie vielseitig Gemüse interpretiert werden kann. Eine weitere Stärke liegt in der Praxisorientierung. Viele Rezepte lassen sich vorbereiten, funktionieren als gemeinsames Essen auf dem Tisch oder sind so aufgebaut, dass sie sich gut für Gäste eignen. Die zusätzlichen Menüvorschläge am Ende des Buches greifen diese Idee noch einmal auf und zeigen, wie sich einzelne Gerichte sinnvoll zu vollständigen Mahlzeiten kombinieren lassen. Nicht zuletzt tragen auch Fotografie und Gestaltung zur besonderen Wirkung des Buches bei. Die puristische Foodfotografie von Jonathan Lovekin und das klare Layout schaffen eine sehr ruhige, hochwertige Anmutung und vermitteln gleichzeitig ein starkes Gefühl von gemeinschaftlichem Essen. Insgesamt liegt die Besonderheit dieses Buches darin, dass es eine sehr charakteristische Küche zugänglicher macht, ohne ihren Kern zu verlieren. Genau diese Balance zwischen Aromavielfalt, internationaler Inspiration und Alltagstauglichkeit macht „Simple“ zu einem der prägendsten Bücher im Werk Ottolenghis.

9. Preis-Leistungsverhältnis

Preis: 34,95 Euro

Mit einem Preis von 34,95 Euro bewegt sich „Simple – Das Kochbuch“ im mittleren bis leicht gehobenen Bereich der aktuellen Kochbuchpreise. Angesichts dessen, was das Buch bietet, wirkt dieser Preis jedoch mehr als gerechtfertigt. Zum einen erhält man ein sehr hochwertig ausgestattetes Buch: stabiles Format, klare Gestaltung, hochwertige Foodfotografie und mit zwei Lesebändchen auch eine Ausstattung, die im Kochbuchbereich keineswegs selbstverständlich ist. Gerade die puristische und gleichzeitig sehr appetitliche Bildsprache trägt erheblich zur Attraktivität des Buches bei. Zum anderen überzeugt auch der Umfang der Inhalte. Mit rund 130 Rezepten bietet das Buch eine große Vielfalt an Gerichten aus unterschiedlichen Küchen der Welt – von einfachen Gemüsegerichten über Pasta und Fisch bis hin zu Fleischgerichten und Desserts. Gleichzeitig bleibt das Konzept klar erkennbar: Ottolenghis charakteristische Aromenküche wird hier bewusst in eine alltagstaugliche Form übersetzt.Damit ist das Buch nicht nur ein Inspirationsband zum gelegentlichen Durchblättern, sondern ein Kochbuch, das sich tatsächlich regelmäßig im Alltag einsetzen lässt. Insgesamt ergibt sich daraus ein sehr überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis: Für einen Preis im üblichen Bereich erhält man ein hochwertig gestaltetes Kochbuch mit großer Rezeptvielfalt und einem Konzept, das die Küche von Ottolenghi für den Alltag zugänglich macht.

10. Gesamteindruck und Empfehlung

Mit „Simple – Das Kochbuch“ gelingt Yotam Ottolenghi – gemeinsam mit Tara Wigley – etwas, das auf den ersten Blick fast widersprüchlich erscheint: seine unverwechselbare Aromenküche in eine Form zu bringen, die tatsächlich im Alltag funktioniert. Ottolenghis Gerichte leben von intensiven Gewürzen, frischen Kräutern, Säure, Röstaromen und oft überraschenden Kombinationen. Genau diese Handschrift bleibt auch in diesem Buch vollständig erhalten. Gleichzeitig wird die Organisation der Gerichte so gestaltet, dass sie machbar bleibt, selbst wenn man kein Profi ist und nicht mehrere Stunden in der Küche verbringen möchte.

Das ist eine echte Leistung. Denn „Simple“ reduziert die Küche Ottolenghis nicht – sie wird hier zugänglich gemacht, ohne ihren Charakter zu verlieren. Viele Rezepte lassen sich gut vorbereiten, eignen sich wunderbar für Gäste oder funktionieren als besondere Alltagsgerichte, die trotzdem unkompliziert bleiben. Gerade deshalb macht das Buch so viel Freude: Man blättert darin, entdeckt immer wieder neue Kombinationen und bekommt sofort Lust, den eigenen Kochlöffel in Bewegung zu setzen. Ottolenghis Gerichte laden dazu ein, seinem Gespür für Aromen zu folgen und sich von den oft überraschenden Geschmackskombinationen inspirieren zu lassen. Auch gestalterisch überzeugt das Buch auf ganzer Linie. Die reduzierte, elegante Gestaltung, die hochwertige Fotografie und die insgesamt sehr klare Ausstattung ergeben ein stimmiges Gesamtpaket, das sowohl beim Lesen als auch beim Kochen großen Spaß macht.

Für mich gehört dieses Buch deshalb ganz klar in die Kategorie „LeseLust & Löffel – Liebling fürs Leben“. Es ist eines jener Kochbücher, zu denen man immer wieder zurückkehrt – weil es zuverlässig funktioniert, inspiriert und zugleich zeigt, wie aufregend und gleichzeitig zugänglich moderne Aromenküche sein kann.

11. Bewertung

Gesamtbewertung: 🥄🥄🥄🥄🥄 🥄

Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Zielgruppe: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Rezepte und Vielfalt: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Schwierigkeitsgrad: 🥄 🥄🥄
• Fotografie und Design: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Sprache und Anleitungen: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Besonderheiten: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Preis-Leistungs-Verhältnis: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄

12. Nachgekocht

Burrata mit gegrillten Trauben und Basilikum (S. 55)
Die Trauben werden mit Sherry-Essig, Olivenöl, Knoblauch, Zucker, Fenchelsamen, Salz und Pfeffer angemacht und dürfen dann kurz ruhen, bevor sie aufgespießt und in der Pfanne scharf angebraten werden. Auf einem Teller anrichten, Burrata darüber legen und mit der Traubenmarinade beträufeln. Mit Fenchelsamen und Basilikum servieren. Ganz köstliche Kombination!
Hähnchenschnitzel mit Körnerkruste (S. 247)
Ein paniertes Hähnchenschnitzel, ein Klassiker, hier mal mit einer schönen körnigen Panade, die auch gut zu Butternut-Kürbis und Fisch passen soll, was ich mir gut vorstellen kann. Hinein kommen Sesam, schwarzer Sesam, Sonnenblumenkerne, Panko, Koriandersaat, Kurkuma und Cayennepfeffer. 
Das ist mal wirklich ein ganz unkompliziertes Rezept, das die Großen und Kleinen erfreut. Lecker! 
Kichererbsen mit Mangold und Joghurt (S. 112)
Ganz einfach zuzubereiten: Die Möhren werden in Öl gewendet und im Backofen vorgeröstet.cWährenddessen werden Zwiebeln langsam mit Kümmel und Kreuzkümmel in Olivenöl angeschmort und dann kommen Mangold, Kichererbsen und die Möhren aus dem Ofen dazu. Mit wenig Wasser wird es so lange gegart, bis der Mangold zusammengefallen ist. Dann noch Zitronensaft dazu und mit Koriander bestreut und Joghurt servieren.
Ottolenghi empfiehlt Reis dazu – geht auch, aber mir hat das Gemüse auch einfach pur sehr gut geschmeckt. 😋
Gigli (im Bild: Orecchiette) mit Kichererbsen und Za‘atar  (S. 203) 
Flott gemacht und trotzdem raffiniert: Zwiebeln, Knoblauch, sehr viel frischer Thymian, Kreuzkümmel, Zitronenschale und Sardellenfilets werden angeschwitzt, dann kommen Kichererbsen und etwas brauner Zucker hinzu. Danach Hühnerbrühe und Zitronensaft angießen und einkochen lassen. Zum Schluss darf noch etwas frischer Babyspinat darin zerfallen und es wird noch mit frischer Petersilie und Za‘atar gewürzt. Richtig, richtig gut! 
Pizza bianca mit Kartoffeln, Sardellen und Salbei (S. 162)
Das ist wirklich mal eine schöne Pizza-Variante. Der ganz einfache Hefeteig darf über Nacht im Kühlschrank ruhen und wunderbar kross und luftig werden. 
Die hauchdünn gehobelten Kartoffelscheiben werden im Ofen vorgegart. Auf dem Pizzaboden wird eine Mascarponecreme gestrichen, in der gehackter Salbei, gehackte Sardellenfilets, abgeriebene Zitronenschale sowie geriebener Pecorino (hier Parmesan) und schwarzer Pfeffer untergehoben werden. Darauf werden Frühlingszwiebeln verteilt und dann die Kartoffelscheiben. 
Wirklich einfach gut! 
Rindfleischbällchen mit Zitrone und Sellerie (S. 232)
Das hat sehr begeistert. Wirklich sehr, sehr lecker und der Sellerie bekommt hier einen ganz besonderen Geschmack, von dem ich behaupten würde, dass er ihn auch denjenigen munden lässt, denen er sonst nicht so schmeckt.
Die Hackbällchen schienen mir erst ein wenig viel Weißbrot abzubekommen, aber das hatte wohl seine Richtigkeit – sie werden relativ lange (40 Minuten) nach dem Anbraten gegart und danach war die Konsistenz wirklich perfekt. Sie werden nur mit Zwiebel, Petersilie und Piment gewürzt.
Ansonsten kommen an Gewürzen noch Knoblauch, Kurkuma (der dem Sellerie die schöne gelbe Farbe gibt), Fenchelsamen und mild geräuchertes Paprikapulver dazu. Und natürlich Zitronensaft, der für eine schöne säuerliche Frische sorgt.
Wirklich einfach und richtig gut und mal was anderes – hier gab es eine Natur-/Wildreismischung dazu. Das passte prima.
Blumenkohlauflauf mit Käse und Senf (S. 104)
Sehr lecker. Ottolenghi schreibt, dass man das Gericht auch gut einen Tag vorher fertig machen kann. Ich habe nur eine (zwar große) Chilischote verwendet – das hat hier auch gereicht. Ist aber natürlich Geschmackssache und so richtig scharf ist nicht meins. 😉
Ansonsten mal wieder perfekt beschrieben und alles korrekt.
Couscous-Salat mit Kirschtomaten und Kräutern (S. 170)
Eine Tabouleh-Variante mit Rosinen und Mandeln.
Hähnchenragout (S. 248).
Herr Ottolenghi schlägt noch eine knusprige Maiskruste optional dazu vor, mit der das Ganze überbacken werden kann. Das war mir im Hochsommer, als ich das Rezept nachgekocht habe, zu viel. Ottolenghi war aber gedanklich auch schon bei einem „herbstlichen Tag“. Alternativ schlägt er Reis oder Backkartoffel als Beilage vor – hier ist es Couscous geworden. Das Rezept geht ganz easy und ist bestens beschrieben. Geräuchertes Paprikapulver und Rosen-Harissa sorgen für eine gute Schärfe und Tomaten und gegrillte rote Paprika aus dem Glas geben die Frucht, etwas Bitterschokolade rundet ab. Am Ende wird Koriander daruntergehoben.
Sehr lecker und lässt sich auch super vorbereiten, kocht allerdings auch relativ lange (eine gute Stunde). Das Hühnerfleisch zerfällt am Ende fast. 😋
Heidelbeerkuchen mit Mandeln und Zitrone (S. 288)
Ein köstlicher Rührteigkuchen mit frischen Heidelbeeren und Zitronenabrieb und -saft. Wie immer bei Ottolenghis süßen Rezepten, darf man den Zucker um gut 20 Prozent reduzieren und es ist immer noch süß genug. Sehr schöne Abwechslung zum klassischen Zitronenkuchen auf der Kaffeetafel!

 

Eine weitere Rezension zu „Simple“ findet sich bei Susanne von magentratzerl.de

 

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