1. Eckdaten
Titel: „Essen für Leib & Seele – Einfach. Gut. Bachmeier“
Autor: Hans Jörg Bachmeier
Verlag: GU
Erscheinungsjahr: 2026
Rezensionsexemplar – vielen Dank!
2. Inhalt und Konzept
Schon beim Blick ins Vorwort wird deutlich, worum es Hans Jörg Bachmeier mit „Essen für Leib und Seele“ geht: um eine Küche, die nahbar, zugänglich und emotional anschlussfähig ist. Im Zentrum stehen Gerichte, die nicht nur satt machen, sondern Erinnerungen wecken – an Kindheit, an Reisen, an vertraute Aromen.
Bachmeier formuliert dabei sehr klar seine kulinarische Haltung: Gute Zutaten, möglichst aus der Region, bilden die Grundlage. Darauf aufbauend kombiniert er bayerische Bodenständigkeit mit internationalen Einflüssen.
Dieses Spannungsfeld zieht sich konsequent durch das gesamte Buch:
- Heimatküche trifft auf Inspiration aus Italien, Frankreich, Österreich oder Asien
- klassische Gerichte werden leicht modernisiert
- Bekanntes wird mit neuen Aromen kombiniert
Gleichzeitig ist das Buch eng mit seiner Fernsehsendung verknüpft. Es handelt sich nicht um eine völlig neu entwickelte Rezeptwelt, sondern um eine kuratierte Sammlung aus dem TV-Format „Einfach. Gut. Bachmeier“, die hier in Buchform überführt wird – ergänzt um Einblicke in Produzent*innen und Herkunft der Zutaten.
Ein interessanter Punkt, der sich bereits im Vorwort zeigt, ist die Verwendung des Begriffs „Soulfood“. Bachmeier beschreibt damit Gerichte, die „der Seele schmeicheln“ und Erinnerungen hervorrufen – also genau das, was man gemeinhin als Wohlfühlküche versteht. Kulinarisch ist der Begriff jedoch nicht ganz trennscharf gewählt: Ursprünglich steht „Soul Food“ für eine spezifische, historisch gewachsene Küche afroamerikanischer Communities im Süden der USA. Was hier gemeint ist – und im Buch auch tatsächlich eingelöst wird – entspricht vielmehr dem Konzept von Comfort Food: Gerichte, die emotional berühren, vertraut wirken und ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln. Das schmälert die Idee des Buches nicht – im Gegenteil: Die Stärke liegt weniger im Begriff selbst, sondern in der konsequent umgesetzten Idee einer Küche, die gut tut.
Struktur des Buches
Das Inhaltsverzeichnis zeigt eine klassisch aufgebaute, sehr zugängliche Gliederung, die sich an vertrauten Menülogiken orientiert:
- Vorspeisen („Ein Gruß aus der Küche“)
- Hauptgerichte mit Fleisch („Schmankerl vom Land“)
- Fischgerichte („Köstlichkeiten aus Fluss und See“)
- vegetarische Gerichte („Gutes aus Feld und Garten“)
- Mehlspeisen & Gebäck
- Desserts
Diese Struktur ist bewusst niedrigschwellig gehalten und erleichtert die Orientierung im Alltag.
Spannend ist jedoch die zweite Ebene, die sich erst auf den zweiten Blick erschließt:
Zwischen den Rezeptkapiteln finden sich immer wieder eingestreute Besuche bei Produzent*innen und handwerklichen Betrieben (z. B. Fischer, Metzgerei, Mühle).
Diese Einschübe erfüllen mehrere Funktionen:
- sie unterstreichen den Anspruch auf Regionalität und Qualität
- sie geben dem Buch eine erzählerische Ebene
- sie verankern die Rezepte stärker in einem realen kulinarischen Kontext
Die Kapitel im Einzelnen:
„Ein Gruß aus der Küche – Vorspeisen“
Das Vorspeisenkapitel eröffnet das Buch nicht direkt mit Rezepten, sondern mit einem kurzen Einschub: einem Besuch „auf dem Acker“ bei einem Kartoffelbauern. Inhaltlich fügt sich dieser Einstieg gut in die Grundidee des Buches ein – Regionalität, Herkunft und die Nähe zu Produzent*innen werden hier direkt zu Beginn verankert. Gleichzeitig fällt jedoch auf, dass dieser Text nicht von Hans Jörg Bachmeier selbst stammt, sondern von Rudolf Bögel. Dadurch entsteht eine gewisse erzählerische Distanz, die gerade an dieser Stelle irritiert, weil das Buch ansonsten stark über persönliche Ansprache und emotionale Nähe funktionieren möchte. Dieser Bruch ist subtil, aber spürbar.
Mit insgesamt 14 Rezepten bietet das Kapitel eine breite Auswahl an Vorspeisen, die stilistisch erstaunlich weit gefasst ist. Klassische, eher bodenständige Gerichte wie eine Erbsensuppe mit gebackenem Ei oder eine Kürbissuppe stehen neben deutlich international geprägten Rezepten wie Arancini oder Fritto Misto. Dazwischen bewegen sich zahlreiche Gerichte, die typisch für Bachmeiers Ansatz sind: eine Verbindung aus regionaler Produktbasis und internationalen Einflüssen. So trifft etwa die marinierte Dorade mit Sesam-Dressing auf mediterrane Oliven, während Weißbier im Bierteig für eine bayerische Note sorgt. Auch die Fischgerichte – von der gebeizten Lachsforelle bis zur Renke mit Senfkohlrabi – verankern das Kapitel klar in der regionalen Küche, ohne sich darauf zu beschränken. Gerade diese Mischung macht den Reiz des Kapitels aus, lässt es aber zugleich etwas offen wirken. Es gibt keine enge thematische Klammer, sondern eher einen kulinarischen Streifzug durch unterschiedliche Stilrichtungen. Das ist einerseits abwechslungsreich und zugänglich, andererseits wirkt die Auswahl stellenweise nicht ganz stringent kuratiert. Der Übergang zwischen klassischer Heimatküche, international inspirierten Gerichten und moderner Cross-over-Küche erfolgt fließend, aber nicht immer klar geführt.
In der Umsetzung sind die Rezepte überwiegend gut machbar und alltagstauglich. Einzelne Komponenten – wie etwa ein gebackenes Ei oder der Umgang mit weniger vertrauten Zutaten wie Tintenfisch oder Garnelen – erfordern etwas mehr Aufmerksamkeit, bleiben aber im Rahmen dessen, was ambitionierte Hobbyköch*innen gut bewältigen können. Insgesamt bestätigt sich hier bereits der Anspruch des Buches, eine Küche zu zeigen, die zugänglich ist und sich in den eigenen Alltag integrieren lässt. Als Auftaktkapitel erfüllt dieser Abschnitt damit eine wichtige Funktion: Er öffnet das Buch stilistisch, zeigt die programmatische Mischung aus Regionalität und internationaler Inspiration und macht Lust auf mehr. Gleichzeitig werden hier aber auch erste Spannungen sichtbar – zwischen Nähe und Distanz, zwischen klarer Idee und etwas offener Umsetzung –, die im weiteren Verlauf des Buches noch genauer zu betrachten sein werden.
„Schmankerl vom Land – Hauptspeisen mit Schwein, Rind und Geflügel“
Das zweite Kapitel führt deutlich tiefer in den Kern dessen, was Hans Jörg Bachmeier unter seiner Küche versteht. Auch hier steht zu Beginn wieder ein Einschub – diesmal ein Porträt der jungen Metzgermeisterin Sophie Braumiller, von der er sein Fleisch bezieht. Inhaltlich passt dieser Einstieg sehr gut zum Anspruch des Buches: Qualität, Herkunft und handwerkliche Produktion werden konkret greifbar gemacht. Gleichzeitig wiederholt sich jedoch der bereits im ersten Kapitel auffällige Effekt, dass dieser Text nicht aus Bachmeiers eigener Perspektive erzählt ist. Die erzählerische Distanz bleibt damit bestehen und steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zur ansonsten sehr persönlich formulierten Küchenphilosophie.
Inhaltlich zeigt sich das Kapitel dann deutlich fokussierter als der Vorspeisenteil. Die insgesamt 14 Rezepte kreisen klar um Fleischgerichte und verankern das Buch stärker in einer klassischen, bayerisch geprägten Küche. Dabei reicht die Bandbreite von sehr traditionellen Gerichten wie knusprigem Schweinebauch mit Krautsalat oder einem Pichelsteiner Eintopf bis hin zu französischen Klassikern wie Boeuf Bourguignon oder einem Filet Wellington mit Morchelrahmsauce. Dazwischen finden sich immer wieder modernere und spielerische Ansätze, etwa ein Laugenburger mit Schweinswürstel-Patty und bayerischem Coleslaw oder Spare Ribs vom Kalb mit geräucherter Melone. Besonders interessant ist dabei die Art und Weise, wie Bachmeier regionale Küche interpretiert: Sie bleibt klar erkennbar, wird aber immer wieder bewusst geöffnet. So tauchen internationale Einflüsse nicht als Bruch, sondern als Erweiterung auf – etwa in der bayerischen Ramen, die Schweinebauch mit Bonitoflocken kombiniert und sogar beim Nudelteig auf Eigenherstellung setzt. Auch Gerichte wie die niederbayerische Lammschulter mit Puntarelle und Polenta zeigen, wie selbstverständlich hier mediterrane Elemente integriert werden.
Im Vergleich zum ersten Kapitel wirkt diese Auswahl insgesamt stimmiger und klarer ausgerichtet. Die Rezepte folgen stärker einer gemeinsamen Linie, die sich zwischen traditioneller Wirtshausküche, gehobener Klassik und moderner Interpretation bewegt. Gleichzeitig bleibt das Kapitel aber bewusst zugänglich gedacht: Neben aufwendigeren Gerichten wie dem Filet Wellington stehen einfache, vertraute Speisen wie Schinkennudeln oder ein Bauernhähnchen im Reindl. Gerade diese Mischung macht den Charakter des Kapitels aus. Es geht nicht um eine konsequent durchkomponierte Linie, sondern um ein Nebeneinander unterschiedlicher kulinarischer Ebenen – von bodenständig bis ambitioniert, von klassisch bis leicht experimentell. Das kann man einerseits als Stärke lesen, weil es viele Leser*innen abholt und unterschiedliche Kochanlässe bedient. Andererseits bleibt auch hier die Frage, wie klar das Konzept tatsächlich geführt ist, wenn sehr einfache Alltagsgerichte und deutlich aufwendigere Klassiker so unmittelbar nebeneinanderstehen. Unterm Strich wirkt dieses Kapitel jedoch geschlossener als der Einstieg: Die Verbindung von Produktqualität, handwerklichem Anspruch und kulinarischer Vielfalt wird hier deutlich greifbarer. Gleichzeitig zeigt sich aber erneut das zentrale Spannungsfeld des Buches – zwischen persönlichem Zugang und formaler Distanz, zwischen klarer Idee und offener Umsetzung –, das sich bereits im Vorspeisenkapitel angedeutet hat.
„Köstlichkeiten aus Fluss und See – Hauptspeisen mit Fisch und Meeresfrüchten“
Auch das dritte Kapitel folgt der etablierten Dramaturgie des Buches und beginnt mit einem Einschub – diesmal mit einem Besuch beim Fischer Wallner am Chiemsee. Anders als in den vorherigen Kapiteln wird hier jedoch nicht nur allgemein über Regionalität gesprochen, sondern sehr konkret über Fischerei, Verarbeitung und Qualität. Der Text zeichnet ein recht anschauliches Bild eines Familienbetriebs, der seit Generationen mit den Gewässern des Chiemsees arbeitet, und vermittelt dabei ein durchaus greifbares Verständnis für die Herkunft der Produkte. Inhaltlich wird dabei vor allem ein Aspekt stark betont: Frische. Sie wird als zentrales Qualitätskriterium herausgestellt und mehrfach unterstrichen – etwa auch im Zusammenhang mit rohem oder mariniertem Fisch. Ergänzt wird das durch Einblicke in Verarbeitungsschritte wie das Räuchern sowie durch ganz praktische Hinweise für den Umgang mit Fisch im Alltag. Damit erfüllt dieser Einschub stärker als die vorherigen eine echte vermittelnde Funktion und geht über reine atmosphärische Rahmung hinaus. Gleichzeitig bleibt aber auch hier der bereits bekannte Eindruck bestehen: Die Perspektive ist nicht die des Autors selbst, sondern wirkt vermittelt und journalistisch erzählt. Dadurch entsteht erneut eine gewisse Distanz, die nicht ganz zu dem ansonsten persönlichen Ton des Buches passt.
Die anschließenden zehn Rezepte greifen die im Einschub angelegte Produktwelt auf, interpretieren sie jedoch sehr frei. Klassisch und regional verankerte Gerichte wie eine Räucherfischsülze mit Meerrettichmousse oder gebackener Goldbarsch mit Kartoffel-Gurkensalat stehen neben deutlich international geprägten Zubereitungen. Lachsmedaillons mit Tomaten-Kapern-Gemüse oder Dorade vom Grill mit mediterranem Schmorgemüse bringen eine klare südliche Aromatik ins Spiel, während andere Gerichte stärker an die bayerische Küche anschließen. Besonders charakteristisch für Bachmeiers Ansatz ist auch hier der spielerische Umgang mit bekannten Vorbildern. Die „bayerische Bouillabäs“ (sic!) etwa greift ein französisches Traditionsgericht auf, löst es aber bewusst aus seinem Ursprungskontext und übersetzt es in eine ganz eigene, regional geprägte Variante mit Spitzkohl, Kümmel und Radieschen. Ähnlich funktioniert die „bayerische Bowl“ mit Lachsforelle oder die Integration von Spaghetti Vongole, die das Kapitel zusätzlich in Richtung mediterraner Küche öffnen.
Insgesamt entsteht so kein klassisches Fischkapitel im engeren Sinne, sondern vielmehr ein breites Spektrum an Gerichten, in denen Fisch eine zentrale, aber nicht ausschließlich definierende Rolle spielt. Die Kombination aus regionalen Süßwasserfischen wie Zander oder Renke und internationalen Einflüssen sorgt für Abwechslung, führt aber auch hier zu einer gewissen Unschärfe in der Linie. Zwischen bodenständiger Küche und modernen, teils experimentellen Ansätzen spannt sich ein weiter Bogen, der nicht immer vollständig zusammengeführt wird. Dennoch fügt sich das Kapitel schlüssig in das Gesamtbild des Buches ein. Die Verbindung von Produktnähe, handwerklichem Anspruch und kulinarischer Offenheit wird hier besonders deutlich – vielleicht sogar greifbarer als in den vorherigen Abschnitten. Gleichzeitig bestätigt sich aber auch der zentrale Eindruck: Das Buch verfolgt weniger eine streng geführte konzeptionelle Linie als vielmehr einen bewusst offenen, vielseitigen Zugang zur Küche, der unterschiedliche Stile und Einflüsse nebeneinander stehen lässt.
„Gutes aus Feld und Garten – Hauptspeisen mit Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten“
Das Kapitel „Gutes aus Feld und Garten“ beginnt – wie die vorherigen Abschnitte – mit einem einleitenden Einschub. Diesmal führt er jedoch nicht zu einem landwirtschaftlichen Betrieb oder zu Produzent*innen von Gemüse oder Getreide, sondern in das Bier- und Oktoberfestmuseum. Diese Wahl wirkt zunächst überraschend und fügt sich nicht unmittelbar in die Logik des Kapitels ein. Während man zuvor gezielt Menschen kennengelernt hat, die für Fleisch oder Fisch stehen, hätte man hier durchaus eine stärkere Anbindung an Gemüsebau, Ackerwirtschaft oder Hülsenfrüchte erwartet. Zwar lässt sich Bier über den Umweg von Getreide und Hopfen inhaltlich einordnen, doch bleibt diese Verbindung eher konstruiert als selbstverständlich. Der Einschub wirkt dadurch etwas losgelöst vom eigentlichen Thema des Kapitels und verstärkt den Eindruck, dass die Auswahl der begleitenden Texte nicht immer konsequent entlang der inhaltlichen Linie erfolgt.
Die neun Gerichte des Kapitels greifen dann ein breites Spektrum pflanzenbasierter Küche auf, ohne sich auf eine klar umrissene Richtung festzulegen. Neben eher regional geprägten Rezepten wie einem Graupenrisotto mit Allgäuer Bergkäse oder einem Steckrübenrisotto mit Rauchkäse stehen Gerichte, die sich deutlich stärker an internationalen Vorbildern orientieren. Dazu zählen etwa Linguine mit Parmesansauce und Salbei oder ein klassischer Bohneneintopf im Stil von Pasta e fagioli. Auch Kombinationen wie Spitzkraut mit Couscous, Gurke und Melone oder Linsen-Graupen-Pflanzerl mit Limetten-Minz-Schmand zeigen eine gewisse Offenheit im Umgang mit Aromen und Zutaten. Auffällig ist dabei erneut die große stilistische Spannbreite. Zwischen bodenständiger, fast rustikaler Küche und leichteren, modern interpretierten Gerichten entsteht ein Nebeneinander, das zwar abwechslungsreich ist, aber keine klare kulinarische Linie erkennen lässt. Anders als in den vorherigen Kapiteln fehlt hier zudem ein stärkerer inhaltlicher Anker über die begleitenden Texte, der die Rezepte thematisch zusammenführt.
In der Umsetzung bleiben die Gerichte überwiegend gut zugänglich und alltagstauglich. Sie sprechen sowohl Leser*innen an, die sich stärker pflanzenbasiert orientieren möchten, als auch diejenigen, die gelegentlich auf Fleisch verzichten, ohne dabei auf vertraute Geschmacksbilder zu verzichten. Gleichzeitig wird aber auch hier deutlich, dass das Kapitel weniger durch ein geschlossenes Konzept getragen wird als durch eine lose Sammlung unterschiedlicher Ideen rund um Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte. Damit bestätigt sich ein Eindruck, der sich bereits durch die vorherigen Kapitel zieht: Die Vielfalt ist eine klare Stärke des Buches, geht jedoch immer wieder zulasten einer klaren, durchgehenden Linie. Gerade in einem Kapitel, das sich thematisch so gut für eine stärkere Profilierung angeboten hätte, bleibt dieses Potenzial nur teilweise ausgeschöpft.
„Mit Mehl und Liebe – süße Hauptspeisen und Gebäck“
Das Kapitel „Mit Mehl und Liebe“ beginnt erneut mit einem Einschub, der diesmal auf das Münchner Oktoberfest führt – genauer gesagt zum sogenannten Teufelsrad, einem traditionsreichen Fahrgeschäft. Auf den ersten Blick wirkt auch dieser Einstieg zunächst etwas überraschend, fügt sich jedoch deutlich stimmiger in das Kapitel ein als im vorherigen Abschnitt. Denn hier entsteht tatsächlich eine inhaltliche Verbindung: Die Betreiberin des Teufelsrads liefert zugleich das erste Rezept des Kapitels – Löffelnudeln mit Rhabarber. Damit wird der Einschub nicht nur atmosphärische Rahmung, sondern konkret in die Rezeptwelt eingebunden.
Inhaltlich zeigt sich dieses Kapitel deutlich geschlossener und klarer ausgerichtet als einige der vorhergehenden. Die insgesamt zehn Rezepte bewegen sich konsequent im Bereich süßer Hauptspeisen und klassischer Mehlspeisen und greifen dabei tief in die bayerische und österreichische Küchentradition. Gerichte wie Marillen Palatschinken, ein Milirahmstrudel oder gefüllte Rohrnudeln mit Apfelmus stehen für eine Küche, die stark von Kindheitserinnerungen, Familienrezepten und regionaler Verankerung geprägt ist.Gleichzeitig finden sich auch hier leichte Variationen und Erweiterungen, etwa in Form einer Zitronentarte mit Baiser oder Streuseltalern mit Pfirsich, die den klassischen Rahmen behutsam öffnen, ohne ihn grundsätzlich zu verlassen. Insgesamt bleibt die Linie jedoch klar: Es geht um Mehlspeisen, um Süßes, um eine Küche, die ganz bewusst auf Vertrautheit und Genuss setzt. Besonders interessant ist dabei die Mischung aus bekannten Klassikern und weniger geläufigen regionalen Spezialitäten. So bringen etwa niederbayerische Schuxen oder eine Kartoffelroulade mit Powidl und Vanillesoße eine gewisse Tiefe in das Kapitel, weil sie über die gängigen Standardrezepte hinausgehen und regionale Besonderheiten sichtbar machen. Auch ein Semmelschmarrn mit Apfelspalten fügt sich hier stimmig ein und rundet das Kapitel inhaltlich ab.
Im Vergleich zu den vorherigen Abschnitten wirkt dieses Kapitel insgesamt deutlich stringenter. Die Rezepte folgen einer klar erkennbaren Linie, die durch den thematischen Fokus auf süße Hauptspeisen und Gebäck zusammengehalten wird. Gleichzeitig passt auch der einleitende Einschub hier besser in das Gesamtbild, weil er nicht nur eine Atmosphäre erzeugt, sondern eine konkrete Verbindung zu den Rezepten herstellt. Damit gehört dieses Kapitel zu den stärkeren Teilen des Buches: Die Kombination aus regionaler Verwurzelung, emotionaler Ansprache und klarer thematischer Ausrichtung funktioniert hier besonders gut. Es zeigt, wie überzeugend das Konzept sein kann, wenn Idee, Auswahl und erzählerische Rahmung tatsächlich ineinandergreifen.
„Der süße Abschluss – Desserts“
Das abschließende Kapitel beginnt – ganz im Stil des Buches – erneut mit einem einleitenden Einschub. Diesmal führt er in die Leitzachmühle und damit in die Welt des Mehls. Inhaltlich ist dieser Text durchaus interessant und vermittelt anschaulich, welche Bedeutung Getreidequalität und Verarbeitung für das Backen und Kochen haben. Gleichzeitig wirkt seine Platzierung an dieser Stelle etwas verschoben. Thematisch hätte sich dieser Einschub sehr gut im vorhergehenden Kapitel rund um Mehlspeisen und Gebäck verorten lassen, während er im Dessertkapitel eher wie ein nachträglicher Gedanke erscheint. Damit verstärkt sich auch hier der Eindruck, dass die begleitenden Texte nicht immer konsequent entlang der Kapitelstruktur eingesetzt sind.
Mit insgesamt 13 Rezepten bietet das Kapitel eine breite Auswahl an Desserts, die erneut das gesamte Spektrum zwischen klassischer bayerischer Küche und international inspirierten Süßspeisen abdecken. Den Auftakt bildet eine Bayerisch Creme mit Rhabarberkompott, gefolgt von weiteren stark regional verankerten Gerichten wie Topfensoufflé, Schneenockerl oder Salzburger Nockerl. Diese klassischen Desserts transportieren genau jene Vertrautheit und emotionale Nähe, die im Buch immer wieder als zentrales Motiv anklingt. Parallel dazu öffnet sich das Kapitel jedoch erneut in Richtung internationaler Küche. Eine Zabaione mit marinierten Erdbeeren oder Crêpes Suzette greifen französische und italienische Desserttraditionen auf, während eine Joghurt-Pannacotta mit Papaya-Limetten-Salat oder gegrillte Banane mit Weißbier-Honig-Zabaione deutlich modernere, teils asiatisch inspirierte Akzente setzen. Auch ein Milchreis mit Salzkaramell zeigt, wie aktuelle Geschmackstrends in die Rezeptauswahl einfließen. Gerade diese Mischung macht das Kapitel abwechslungsreich, führt aber auch hier zu einer sehr weiten stilistischen Spannbreite. Zwischen klassischer Mehlspeisenküche, gehobenen Dessertklassikern und moderner Cross-over-Küche entsteht ein Nebeneinander, das nicht immer vollständig zusammengeführt wird. Der rote Faden bleibt eher die Idee des süßen Abschlusses als eine klar definierte kulinarische Linie.
Besonders positiv fällt im Anschluss die Danksagung auf, die dem Buch noch einmal eine sehr persönliche Note verleiht. Hier tritt Hans Jörg Bachmeier deutlich stärker als Mensch in Erscheinung – in seiner Wertschätzung für sein Umfeld, seine Wegbegleiter*innen und nicht zuletzt auch für seinen Dackel, den er augenzwinkernd als „Feel-Good-Manager für schwierige Stunden“ bezeichnet. Diese Passagen wirken nahbar, ehrlich und sympathisch und lassen erahnen, wie viel Persönlichkeit eigentlich hinter diesem Buch steht. Gerade deshalb entsteht rückblickend ein interessanter Kontrast: Während Bachmeier als Person in diesen Momenten sehr greifbar wird, bleibt diese Nähe im eigentlichen Buch an vielen Stellen etwas auf Distanz gehalten. Umso deutlicher zeigt sich hier, welches Potenzial das Buch gehabt hätte, wenn diese persönliche Ebene noch konsequenter in die einzelnen Kapitel integriert worden wäre.
3. Zielgruppe
Auf den ersten Blick scheint die Zielgruppe dieses Buches klar umrissen: Es richtet sich in erster Linie an die Fangemeinde von Hans Jörg Bachmeier sowie an Zuschauer*innen seiner Sendung „Einfach. Gut. Bachmeier“ im Bayerischen Rundfunk. Wer seine unkomplizierte, bodenständige Art zu kochen schätzt und die Mischung aus regionaler Küche und internationalen Einflüssen mag, wird sich von diesem Buch grundsätzlich angesprochen fühlen. Darüber hinaus dürfte das Buch auch für Leserinnen interessant sein, die ein regional geprägtes Kochbuch suchen – mit Fokus auf die bayerische beziehungsweise süddeutsche Küche, aber mit einem gewissen Blick über den Tellerrand hinaus. Die thematische Bandbreite der Rezepte sowie die Einbindung von Produzentinnen und handwerklichen Betrieben legen nahe, dass hier eine Zielgruppe angesprochen wird, die Wert auf Qualität, Herkunft und eine alltagstaugliche Küche legt.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass das Buch die Erwartungen dieser Zielgruppen nur teilweise einlöst. Gerade für diejenigen, die Hans Jörg Bachmeier aus dem Fernsehen kennen, entsteht ein spürbarer Bruch. Dort präsentiert er sich als ausgesprochen nahbar, sympathisch und persönlich – eine Qualität, die im Buch selbst überraschend wenig Raum einnimmt. Die Distanz, die durch die fremdverfassten Einschübe und die insgesamt eher zurückhaltende persönliche Ansprache entsteht, steht im Kontrast zu dem Bild, das viele Leser*innen von ihm mitbringen. Hinzu kommt ein struktureller Aspekt, der die Zielgruppenansprache zusätzlich schwächt: Die Rezepte sind bereits online auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks verfügbar. Dort werden sie irgendwann natürlich wieder verschwinden und man kann sie sich über das Buch dauerhaft sichern. Allerdings finden sich im Buch diese Rezepte lediglich in einer Auswahl wieder – ohne erkennbar überarbeitet oder redaktionell weiterentwickelt worden zu sein. Dadurch entsteht der Eindruck, dass hier vorhandenes Material weitgehend unverändert in ein neues Format überführt wurde, ohne das Potenzial eines eigenständigen Kochbuchs vollständig auszuschöpfen.
Für die Leser*innen bedeutet das: Die Rezepte sind durchaus solide und funktionieren weithin in der Praxis, doch es fehlt an der zusätzlichen Tiefe, Sorgfalt und Stringenz, die man von einem Buch erwarten würde. Gerade diejenigen, die sich von einem Kochbuch mehr versprechen als eine bloße Sammlung bereits bekannter Inhalte, könnten hier enttäuscht werden. Unterm Strich richtet sich das Buch also an ein breites Publikum – von Fans der Sendung über Liebhaberinnen regionaler Küche bis hin zu alltagserfahrenen Hobbyköchinnen. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch darin, dass es diese Zielgruppen nicht in dem Maße abholt, wie es aufgrund der starken medialen Präsenz und der sympathischen Persönlichkeit des Autors zu erwarten gewesen wäre.
4. Rezepte und Vielfalt
Mit rund 80 Rezepten bietet „Essen für Leib und Seele“ eine durchaus umfangreiche Sammlung, die vollständig aus der TV-Sendung „Einfach. Gut. Bachmeier“ hervorgegangen ist. Die Auswahl deckt ein breites Spektrum ab – von Vorspeisen über Hauptgerichte bis hin zu süßen Speisen und Desserts. Suppen sind vertreten, wenn auch eher in kleinerer Zahl, ebenso wie Salate oder Bowls, die zwar vorkommen, aber keine zentrale Rolle einnehmen. Insgesamt wirkt die Rezeptauswahl auf den ersten Blick sehr vielseitig. Besonders auffällig ist die große kulinarische Bandbreite, die sich durch das gesamte Buch zieht. Bachmeier bewegt sich dabei im Wesentlichen zwischen drei bis vier kulinarischen Polen: einer klar erkennbaren bayerischen und niederbayerischen Küche, ergänzt durch Einflüsse aus Österreich und der klassischen französischen Kochtradition, die sich vor allem in einzelnen Techniken und Gerichten widerspiegeln. Hinzu kommen italienische Klassiker sowie immer wieder asiatisch inspirierte Elemente, die dem Buch eine moderne, teils experimentelle Note verleihen. Gerade diese Mischung macht einen Teil der Originalität aus. Interessant ist vor allem, wie selbstverständlich unterschiedliche Einflüsse miteinander kombiniert werden – etwa wenn regionale Produkte mit asiatischen Aromen zusammengebracht werden oder klassische Gerichte durch internationale Elemente erweitert werden. Auch aktuelle Foodtrends finden ihren Platz, sei es in Form von Bowls, Burger-Variationen oder Zutaten wie Süßkartoffeln und Salzkaramell.
Gleichzeitig liegt genau hierin auch eine Schwäche: Die Vielfalt ist groß, wirkt jedoch nicht immer klar kuratiert. Die Rezepte stehen häufig nebeneinander, ohne dass sich eine durchgehende Linie oder ein klarer roter Faden erkennen lässt. Statt einer bewusst komponierten Dramaturgie entsteht eher der Eindruck einer Sammlung, die aus einem bestehenden Fundus heraus zusammengestellt wurde. Was die Kreativität betrifft, zeigt sich Bachmeier durchaus ideenreich – insbesondere in der Verbindung von regionaler Küche mit internationalen Einflüssen. Diese Ansätze bleiben jedoch meist auf einem zugänglichen Niveau und zielen weniger auf kulinarische Innovation im engeren Sinne als auf Variationen und Weiterentwicklungen bekannter Gerichte.
Unterm Strich überzeugt die Rezeptauswahl durch ihre Breite und ihre alltagstaugliche Ausrichtung. Wer gern zwischen klassischer Küche, internationalen Einflüssen und modernen Trends wechselt, findet hier viele Anregungen. Gleichzeitig hätte eine stärkere Fokussierung oder klarere konzeptionelle Führung dazu beitragen können, die Vielfalt noch überzeugender zu bündeln und dem Buch insgesamt mehr Profil zu geben.
5. Schwierigkeitsgrad
Der Schwierigkeitsgrad der Rezepte bewegt sich insgesamt zwischen einfach und mittel. Viele Gerichte sind grundsätzlich alltagstauglich angelegt und lassen sich mit etwas Kocherfahrung gut umsetzen. Die Anleitungen sind überwiegend verständlich formuliert und führen in der Regel nachvollziehbar durch die einzelnen Schritte. Allerdings zeigt sich hier auch eine der größten Schwächen des Buches. Die Rezepte sind häufig recht knapp gehalten und setzen an vielen Stellen ein gewisses Maß an Kochverständnis voraus. Wer bereits Erfahrung mitbringt, kann vieles intuitiv ausgleichen. Für Einsteiger*innen hingegen wird es schnell anspruchsvoll, weil entscheidende Details zur Konsistenz, zu Garzeiten oder zu Zwischenschritten nicht immer ausreichend beschrieben sind.
Ein gewisser Ausgleich ergibt sich derzeit noch durch die Fernsehsendung, deren Folgen in der Mediathek abrufbar sind. Wer sich vorab anschaut, wie ein Gericht zubereitet wird, bekommt ein besseres Gefühl für Abläufe und Techniken. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch ein strukturelles Problem: In der Sendung selbst arbeitet Bachmeier wie ein Profikoch – mit Erfahrung, Intuition und ohne exakte Mengenangaben. Genau das lässt sich jedoch nicht eins zu eins auf die heimische Küche übertragen. Besonders kritisch ist dabei die Qualität der Rezeptangaben im Buch selbst. Immer wieder fallen Unstimmigkeiten auf: Mengen passen nicht, Zutaten tauchen auf, ohne später verwendet zu werden, oder einzelne Schritte wirken nicht vollständig durchdacht. Solche Fehler sind im Alltag äußerst ärgerlich, weil sie den Kochprozess unnötig erschweren und das Vertrauen in die Rezepte untergraben.
Umso überraschender ist das, weil viele dieser Rezepte bereits seit längerer Zeit online verfügbar sind. Dort werden sie bewertet, erreichen aber zum Teil keine besonders hohen Bewertungen – ein Hinweis darauf, dass es bereits Rückmeldungen aus der Praxis gegeben haben dürfte. Diese scheinen jedoch nicht systematisch aufgegriffen und in einer redaktionellen Überarbeitung berücksichtigt worden zu sein, bevor die Rezepte in das Buch übernommen wurden. Gerade hier verschenkt das Buch viel Potenzial. Ein Kochbuch sollte Verlässlichkeit bieten und Orientierung geben – insbesondere im Vergleich zu Online-Rezepten. Wenn genau diese Sicherheit fehlt, kehrt sich der Vorteil des gedruckten Formats ins Gegenteil um. Während man online häufig von Kommentaren und Hinweisen anderer Nutzer*innen profitiert, fehlt diese Korrekturmöglichkeit im Buch vollständig. Insgesamt sind die Rezepte also durchaus machbar und inhaltlich überzeugend gedacht, in der praktischen Umsetzung jedoch nicht immer zuverlässig ausgearbeitet. Dieser Mangel an Sorgfalt in der redaktionellen Bearbeitung ist letztlich der gravierendste Kritikpunkt.
6. Fotografie und Design
Bildqualität
Die Foodfotografie stammt von Benedikt Roth, das Foodstyling übernimmt Hans Jörg Bachmeier selbst. Die Gerichte werden durchweg appetitlich und handwerklich solide inszeniert. Die Bilder zeigen die fertigen Speisen klar und nachvollziehbar, meist auf neutralen hellen oder dunklen Hintergründen, ohne übermäßige Inszenierung oder Effekthascherei.
Was jedoch auffällt: Ein durchgängiges visuelles Konzept ist nicht erkennbar. Die Bildsprache wirkt eher funktional als kuratiert. Es gibt keine klare Linie in Lichtführung, Farbdramaturgie oder Komposition, die dem Buch eine eigene visuelle Handschrift verleihen würde. Die Fotos erfüllen ihren Zweck, bleiben aber gestalterisch auf einem eher klassischen, zurückhaltenden Niveau. Die Bilder der eingeschobenen Beiträge – etwa von Produzent*innen, Tieren oder Arbeitsprozessen – wirken dagegen deutlich uneinheitlicher. Sie vermitteln zwar Atmosphäre und Authentizität, erreichen aber nicht immer die gleiche fotografische Qualität wie die Foodbilder und tragen nur begrenzt zur inhaltlichen Vertiefung bei. Ein didaktischer Mehrwert, etwa durch Schritt-für-Schritt-Aufnahmen oder technische Detaildarstellungen, ist nicht vorhanden – was möglicherweise bewusst zugunsten der begleitenden Videoformate in Kauf genommen wurde.
Layout und Gestaltung
Das Layout des Buches, gestaltet von KI36 Editorial Design und Sabine Krohberger, wirkt insgesamt sehr klassisch – in Teilen sogar etwas aus der Zeit gefallen. Die Gestaltung erinnert an Kochbücher der 80er- und 90er-Jahre, was sich sowohl in der Typografie als auch in der Gesamtanmutung widerspiegelt. Die Verwendung einer olivfarbenen Akzentfarbe zieht sich zwar konsequent durch das Buch, verleiht ihm aber eine eher gedämpfte, wenig moderne Anmutung. Hinzu kommt eine typografische Mischung aus Serifenschrift (teils kursiv, teils aufrecht) für Überschriften und einer serifenlosen Schrift für den Fließtext. Eingestreute Kapitälchen und wechselnde Schriftschnitte verstärken diesen Eindruck zusätzlich. Das Zusammenspiel dieser Elemente wirkt nicht immer stringent und trägt eher zu einer gewissen Unruhe im Gesamtbild bei. Bereits das Inhaltsverzeichnis zeigt diese Problematik: Es ist visuell stark durch Foodfotos geprägt und dadurch weniger übersichtlich, als es funktional sinnvoll wäre. Insgesamt entsteht der Eindruck eines Layouts, das sich stark an traditionellen Gestaltungsprinzipien orientiert, ohne diese in eine zeitgemäße Form zu überführen.
Nutzung der Bilder
Die Bildnutzung folgt einem klaren, funktionalen Prinzip: Nahezu jedes Rezept wird durch ein Foto des fertigen Gerichts begleitet, meist in einer klassischen Doppelseitenlogik – Bild auf der einen, Rezept auf der gegenüberliegenden Seite. Diese Struktur erleichtert die Orientierung und unterstützt die praktische Nutzung beim Kochen. Die Rezepte selbst sind übersichtlich gegliedert in Zutatenliste und Zubereitung, wobei die Texte bewusst knapp gehalten sind und in der Regel auf einer Seite Platz finden. Das ist handwerklich sauber umgesetzt, verstärkt jedoch gleichzeitig den bereits an anderer Stelle angesprochenen Eindruck einer gewissen Reduktion, die nicht immer zugunsten der Verständlichkeit ausfällt. Interessant ist die wiederkehrende Präsenz von Hans Jörg Bachmeier in den Bildstrecken, insbesondere in den Einschüben mit Produzent*innen. Hier wird visuell ein persönlicher Zugang aufgebaut, der Nähe und Authentizität vermitteln soll. Gleichzeitig entsteht jedoch ein Spannungsfeld: Während die Bilder diese persönliche Ebene betonen, bleibt sie in den begleitenden Texten oft auf Distanz, da diese nicht aus seiner eigenen Perspektive geschrieben sind. Bild und Text arbeiten hier also nicht immer vollständig zusammen.
Insgesamt wirkt die Gestaltung des Buches bewusst klassisch und vermutlich auch im Sinne der Marke Hans Jörg Bachmeier gewählt. Gleichzeitig entsteht jedoch der Eindruck, dass diese gestalterische Entscheidung nicht ganz mit der inhaltlichen Breite und der potenziellen Zielgruppe des Buches harmoniert. Während die Rezepte durchaus moderne Einflüsse und internationale Akzente aufnehmen, bleibt das visuelle Erscheinungsbild stärker in traditionellen Mustern verhaftet. Dadurch entsteht eine gewisse Diskrepanz zwischen Inhalt und Gestaltung, die das Gesamtbild des Buches leicht unausgewogen wirken lässt.
7. Sprache und Anleitungen
Die Rezepte sind sprachlich insgesamt klar und knapp formuliert. Die Zubereitungsschritte konzentrieren sich auf das Wesentliche, unnötige Ausschweifungen werden vermieden. Das sorgt für eine gute Lesbarkeit und kommt insbesondere erfahrenen Hobbyköch*innen entgegen, die mit kompakten Anleitungen gut arbeiten können. An einigen Stellen werden zudem kurze Tipps eingeschoben, die hilfreich sind – allerdings hätte man sich davon deutlich mehr gewünscht, gerade bei technisch anspruchsvolleren Arbeitsschritten. Denn genau hier zeigt sich eine Schwäche: Die Anleitungen sind teilweise so reduziert, dass sie für weniger geübte Leserinnen nicht immer ausreichend Orientierung bieten. Begriffe oder Techniken wie etwa das Arbeiten mit bestimmten Konsistenzen oder klassische Küchentechniken werden vorausgesetzt, ohne näher erläutert zu werden. Während geübte Köchinnen vieles intuitiv ausgleichen können, geraten Einsteiger*innen hier schnell an ihre Grenzen.
Hinzu kommt ein deutlicher Kritikpunkt in der redaktionellen Sorgfalt. Mitunter fallen Unstimmigkeiten in den Rezepten auf: Zutaten werden in der Liste aufgeführt, tauchen aber in der Zubereitung nicht mehr auf, Mengenangaben wirken nicht stimmig oder sind nicht ausreichend präzisiert. Solche Inkonsistenzen erschweren die praktische Umsetzung und führen im Zweifel zu Frustration beim Nachkochen. Besonders problematisch sind darüber hinaus einzelne klare Fehler im Text – etwa offensichtliche Platzhalter oder Druckfehler, die im fertigen Buch nicht mehr hätten auftauchen dürfen. Solche Dinge sind vermeidbar und werfen Fragen an die abschließende redaktionelle Kontrolle auf, zumal eine Lektorin an der Entstehung des Buch beteiligt war. Vor diesem Hintergrund wäre eine deutlich sorgfältigere Überarbeitung der Rezepte wünschenswert gewesen. Gerade weil es sich um Inhalte handelt, die bereits zuvor veröffentlicht wurden, hätte hier die Chance bestanden, auf Basis von Erfahrungen und möglichem Feedback eine präzisere und verlässlichere Fassung zu erstellen.
Ein gewisser Ausgleich ergibt sich aktuell noch über die Fernsehsendung, deren Folgen in der Mediathek abrufbar sind. Sie können helfen, Abläufe besser zu verstehen oder Unsicherheiten zu klären. Allerdings ist dieser Zugang nicht dauerhaft gesichert, weil die Folgen nach Ablauf einer bestimmten Frist aus der Mediathek genommen werden und aus diesem Grund fehlt vermutlich auch eine direkte Verknüpfung im Buch – etwa über Verweise oder digitale Ergänzungen. Damit bleibt es den Leser*innen überlassen, sich entsprechende Inhalte eigenständig zu erschließen. Insgesamt zeigt sich hier ein Spannungsfeld: Die klare, reduzierte Sprache ist grundsätzlich eine Stärke des Buches, wird aber durch mangelnde Präzision und fehlende redaktionelle Sorgfalt teilweise konterkariert. Gerade bei einem Kochbuch, das in der Praxis zuverlässig funktionieren soll, ist das ein entscheidender Punkt.
8. Besonderheiten
Eine der auffälligsten Besonderheiten dieses Buches liegt in seiner Entstehung: Es handelt sich nicht um ein klassisch entwickeltes Kochbuch, sondern um eine Übertragung eines bestehenden TV-Formats in die Buchform. Sämtliche Rezepte stammen aus der Sendung „Einfach. Gut. Bachmeier“ und werden hier in einer Auswahl zusammengeführt. Damit bewegt sich das Buch an der Schnittstelle zwischen Fernsehformat und Kochbuch – ein Ansatz, der grundsätzlich viel Potenzial bietet. Eng damit verbunden ist die Idee einer multimedialen Erweiterung. Die Gerichte lassen sich parallel zur Sendung nachvollziehen, deren Folgen in der Mediathek abrufbar sind. In der Praxis bleibt diese Verbindung jedoch eher lose: Es fehlen direkte Verknüpfungen, etwa über QR-Codes oder konkrete Verweise im Buch. So wird ein eigentlich großer Mehrwert zwar angelegt, aber nicht konsequent ausgeschöpft.
Ein weiteres charakteristisches Element sind die eingeschobenen Porträts von Produzent*innen und Betrieben. Sie sollen die Themen Regionalität, Handwerk und Produktqualität unterstreichen und dem Buch eine zusätzliche erzählerische Ebene geben. Inhaltlich gelingt das stellenweise auch sehr gut, insbesondere dort, wo konkrete Einblicke in Arbeitsweisen und Produkte vermittelt werden. Gleichzeitig entsteht jedoch ein Bruch, da diese Texte nicht aus der Perspektive des Autors selbst stammen. Die angestrebte persönliche Nähe wird dadurch immer wieder relativiert. Überhaupt bewegt sich das Buch insgesamt in einem Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz. Visuell wird Hans Jörg Bachmeier immer wieder als Person sichtbar – in Begegnungen mit Produzent*innen, in Alltagssituationen, in der sehr persönlichen Danksagung am Ende. Textlich bleibt diese Nähe jedoch häufig zurückhaltend, sodass das Bild des nahbaren Fernsehkochs nicht vollständig auf das Buch übertragen wird.
Auch kulinarisch weist das Buch eine gewisse Eigenheit auf: Es folgt keinem strengen Konzept, sondern vereint unterschiedliche Einflüsse nebeneinander. Bayerische und österreichische Küche bilden die Grundlage, ergänzt durch französische Klassiker, italienische Gerichte, asiatische Anklänge und aktuelle Foodtrends. Diese Offenheit macht den Reiz aus, führt aber zugleich dazu, dass das Buch eher als vielseitige Sammlung denn als klar komponiertes Konzept erscheint. Nicht zuletzt prägt auch der Umgang mit den Rezepten selbst den Charakter des Buches. Sie wurden weitgehend unverändert aus dem bestehenden Fundus übernommen, ohne eine umfassende redaktionelle Überarbeitung. Dadurch entsteht der Eindruck eines direkten Transfers – mit allen Stärken, aber auch den Schwächen, die sich daraus ergeben. Insgesamt liegt die Besonderheit dieses Buches weniger in einzelnen spektakulären Ideen als vielmehr in der Kombination aus medialem Ursprung, regionaler Verankerung und kulinarischer Offenheit. Genau in diesem Zusammenspiel zeigt sich sowohl das Potenzial als auch die zentrale Herausforderung des Konzepts.
9. Preis-Leistungsverhältnis
Preis: 30 Euro
Mit einem Preis von rund 30 Euro bewegt sich „Essen für Leib und Seele“ im üblichen Rahmen hochwertiger Kochbücher. Dieser Preis wäre grundsätzlich auch gerechtfertigt – ein gebundenes Buch, eine solide Ausstattung und eine umfangreiche Rezeptsammlung sprechen zunächst dafür. In der Gesamtbetrachtung relativiert sich dieser Eindruck jedoch deutlich. Ein wesentlicher Teil des Inhalts ist bereits frei zugänglich online verfügbar, da sämtliche Rezepte aus der Fernsehsendung stammen und in der Mediathek beziehungsweise auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks abrufbar sind. Das Buch bietet hier keinen klar erkennbaren Mehrwert in Form von zusätzlicher inhaltlicher Tiefe, Weiterentwicklung oder exklusiven Inhalten.
Gerade an dieser Stelle zeigt sich ein verschenktes Potenzial: Ein Kochbuch könnte die Chance bieten, über die reine Rezeptvermittlung hinauszugehen – etwa durch persönlichere Einblicke, vertiefende Hintergründe oder eine stärkere redaktionelle Ausarbeitung. Genau dieser Mehrwert bleibt hier jedoch weitgehend aus. Die Rezepte wurden größtenteils unverändert übernommen, ohne erkennbar überarbeitet oder weiterentwickelt zu werden. Hinzu kommen die bereits angesprochenen Schwächen in der redaktionellen Sorgfalt sowie ein Layout, das nicht in jeder Hinsicht zeitgemäß wirkt. Diese Faktoren verstärken den Eindruck, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht vollständig ausgewogen ist. Für eingefleischte Bachmeier-Fans oder Zuschauer*innen der Sendung mag das Buch dennoch einen ideellen Wert haben – etwa als haptische Ergänzung zur TV-Erfahrung. Für alle anderen stellt sich jedoch die Frage, ob der Mehrwert gegenüber den frei verfügbaren Inhalten den Preis tatsächlich rechtfertigt. Unterm Strich ist der Preis daher eher ambitioniert angesetzt und steht nicht ganz im Verhältnis zu dem, was das Buch inhaltlich und konzeptionell leistet.
10. Gesamteindruck und Empfehlung
„Essen für Leib und Seele“ ist ein Kochbuch, das mit einer starken Persönlichkeit im Hintergrund arbeitet – und genau darin liegt zugleich seine größte Stärke und seine größte verpasste Chance. Hans Jörg Bachmeier tritt als Koch und Mensch ausgesprochen sympathisch, bodenständig und nahbar auf. Diese Haltung ist spürbar, insbesondere dort, wo das Buch persönliche Einblicke zulässt – etwa in der Danksagung oder in den fotografischen Momenten mit Produzentinnen und Wegbegleiterinnen. Für Leser*innen, die ihn bislang nicht kannten, kann das Buch sogar ein Einstieg sein: Es macht neugierig auf die Sendung und öffnet den Zugang zu einem Koch, der ohne Attitüde, dafür mit viel Handwerk und Herz kocht.
Auch kulinarisch überzeugt das Buch in vielen Punkten. Die Rezeptideen sind abwechslungsreich, oft kreativ gedacht und verbinden regionale Küche mit internationalen Einflüssen auf eine zugängliche Weise. Viele Gerichte machen sofort Lust aufs Nachkochen – und genau das ist ja letztlich die wichtigste Qualität eines Kochbuchs. Gleichzeitig bleibt jedoch ein deutlicher Eindruck von unausgeschöpftem Potenzial. Das Buch wirkt in weiten Teilen wie eine Übertragung bereits vorhandener Inhalte, ohne diese konsequent weiterzuentwickeln. Die fehlende redaktionelle Überarbeitung, die Unstimmigkeiten in den Rezepten, die teilweise distanzierte Erzählweise und ein gestalterischer Ansatz, der nicht ganz in die heutige Zeit passt, verhindern, dass sich das Buch wirklich entfalten kann. Gerade weil Hans Jörg Bachmeier als Persönlichkeit so überzeugend ist, hätte man sich gewünscht, ihm im Buch deutlich mehr Raum zu geben – in der Sprache, in der Struktur, im Gesamtkonzept. So bleibt eine gewisse Diskrepanz zwischen dem, was möglich gewesen wäre, und dem, was tatsächlich umgesetzt wurde. Unterm Strich ist „Essen für Leib und Seele“ ein Buch, das viele gute Ansätze mitbringt und durchaus Freude machen kann – vor allem beim Nachkochen einzelner Gerichte. Es ist jedoch kein Kochbuch, das in seiner Gesamtheit überzeugt oder neue Maßstäbe setzt.
Ich bleibe daher mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück: mit großer Sympathie für den Menschen und seine Küche – und mit dem Gefühl, dass dieses Buch mehr hätte sein können.
11. Bewertung
Gesamtbewertung:
Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept:
• Zielgruppe:
• Rezepte und Vielfalt:
• Schwierigkeitsgrad:
• Fotografie und Design:
• Sprache und Anleitungen:
• Besonderheiten:
• Preis-Leistungs-Verhältnis:
12. Nachgekocht

Linguine mit Parmesansauce und Salbei (S. 114)
Mehr Comfort Food geht nicht 🤩 ☺️ – immer wieder eine Sünde wert: Für die Sauce werden Schalotten und Knoblauch angeschwitzt, mit Weißwein, wenig Portwein (für die Süße) und Gemüsebrühe abgelöscht und mit Lorbeer und Thymian gewürzt. Das darf einkochen und dann kommen Sahne und ein Stück Parmesanrinde mit hinein und es darf erneut einkochen. Erst dann, wenn die Linguine fast fertig gekocht sind, werden alle Stücke aus der Sauce entfernt, dann kommt der geriebene Parmesan hinein und soviel Salbei wie gewünscht. Dann kommt die tropfnasse Pasta hinzu und darf in der Sauce gar ziehen. Vor dem Servieren frittierte Salbeiblätter darüber verteilen. Himmlisch!
Linsen-Graupen-Pflanzerl mit Limetten-Minz-Schmand (S. 110)
Eine vegane Alternative zum Fleischpflanzerl. Die roten Linsen werden nur über Nacht eingeweicht und dann mit etwas Kokosmilch püriert. Dazu kommen Graupen, die mit einer mit Nelken und Lorbeer gespickten Zwiebel gekocht werden und angebratene Champignons, Schalotten und Knoblauch. Gewürzt wird mit Tomatenmark, Paprika edelsüß und Cayennepfeffer sowie mit frischem Thymian. Hier ist Vorsicht geboten: Laut Rezept sollen 500g rote Linsen vier Pflanzerl ergeben. Ich bin auf locker zwölf richtig große mit der Menge gekommen. Hier stimmt etwas ganz und gar nicht bei den Mengenangaben. Sie sind nach dem Garen auch sehr kompakt. Der Schmand passt prima dazu, den Feldsalat fand ich nicht ganz so stimmig. Das Kürbiskernöl als einziges Dressing war etwas zu dominant und passte für mich nicht so gut zum Rest. Insgesamt eher enttäuschend – leider. Denn die Grundidee gefällt mir super! Ich werde mit dem Rezept weiter experimentieren.
Joghurt-Panna Cotta mit Papaya-Limetten-Salat (S. 170)
Ein tolles, relativ leichtes Dessert – die Sahne wird mit Tonka aromatisiert und der Joghurt verleiht der gekochten Sahne Leichtigkeit und Frische. Die Papaya und die Limette sind die perfekte Ergänzung und werden einfach mit Puderzucker glasiert. Einfach, aber effektvoll! ✨

Kabeljau mit geschmortem Spargel und Bärlauch-Hollandaise (S. 84)Ganz fein und ganz simpel. Kartoffeln und Spargel werden in Butter und Olivenöl geschmort und der Kabeljau auf Niedrigtemperatur im Backofen gegart. Die Öl-Butter-Mischung aus dem Schmortopf ist dann die Basis für die Hollandaise. Da das deutlich weniger Fett ist als bei der Sauce üblich, ist sie auch viel leichter – finde ich sehr angenehm. Mein Spargel und meine Kartoffeln sind deutlich dunkler als im Buch – und auch im Video benutzt er aus meiner Sicht deutlich mehr Butter und Öl als im Rezept angegeben. Mit meinem Ergebnis war ich aber auch durchaus zufrieden. Ein kleiner Fehler ist aber auf jeden Fall im Rezept: er verrät uns nicht, was er mit dem Balsamico bianco beim Spargel anstellt… und auch in der Fernsehsendung kommt er nicht vor. 🤷♀️
Weitere Rezensionen zu „Essen für Leib & Seele“ finden sich bei
Susanne auf magentrazerl.de und bei Dorothée auf bushcook.de .
