1. Eckdaten
Titel: „MEDesque – Everyday recipes with Mediterranean roots“
Autorin: Georgina Hayden
Verlag: engl. Ausgabe – Bloomsbury
Erscheinungsjahr: 2026
2. Inhalt und Konzept
„MEDesque“ ist weit mehr als eine Sammlung mediterran inspirierter Rezepte. Georgina Hayden erzählt erneut ein sehr persönliches kulinarisches Porträt – eines, das Familie, Herkunft, Erinnerungen und Alltagsküche miteinander verbindet. Schon in der liebevollen Widmung an ihre Mutter wird deutlich, wie emotional dieses Buch eigentlich gedacht ist: Essen erscheint hier als Ausdruck von Fürsorge, Nähe und Gemeinschaft.
Dabei versteht Hayden „mediterran“ nicht als klar abgegrenzte Regionalküche, sondern vielmehr als Lebensgefühl. In der Einleitung beschreibt sie den Mittelmeerraum als kulturelles Netzwerk aus Märkten, langen Mahlzeiten, spontaner Gastfreundschaft, saisonalem Kochen und einem offenen, oft temperamentvollen Familienleben. Immer wieder verbindet sie persönliche Erinnerungen mit kulinarischen Beobachtungen – etwa Reisen durch Italien, ihre griechisch-zypriotischen Wurzeln oder Begegnungen mit unterschiedlichen Küchen entlang der Mittelmeerküste. Besonders spannend ist dabei ihr Blick auf die Gemeinsamkeiten mediterraner Küchen. Hayden zeigt, wie Gerichte, Zutaten und Techniken über Ländergrenzen hinweg miteinander verwandt sind und sich über Handelswege, Migration und gemeinsame Esskultur entwickelt haben. Dadurch wirkt „MEDesque“ weniger wie ein klassisches Länderkochbuch und eher wie eine kulinarische Reise durch den gesamten Mittelmeerraum.
Trotz dieser erzählerischen Tiefe bleibt das Buch angenehm alltagsnah. Hayden macht mehrfach deutlich, dass sie keine idealisierte Mittelmeeridylle präsentieren möchte. Moderne Küchenrealität mit Arbeit, Familie, Zeitmangel und pragmatischen Lösungen gehört ausdrücklich dazu. Gerade das macht das Buch sympathisch: Neben langsam geschmorten Wochenendrezepten stehen unkomplizierte Feierabendgerichte, schnelle Salate, unkomplizierte Snacks und einfache Wohlfühlküche. Sehr schön gelingt ihr dabei der Spagat zwischen Genuss und Bodenständigkeit. Im ausführlichen Grundlagenkapitel spricht sie locker und undogmatisch über Zutaten, Vorräte und Küchenpraxis – von Olivenöl über Kräuter bis hin zu Brühe aus dem Glas oder eingelegtem Gemüse aus dem Vorratsschrank. Statt kulinarischem Perfektionismus vermittelt Hayden vor allem Freude am Kochen und den Wunsch, mediterrane Küche zugänglich und entspannt in den Alltag zu integrieren.
Auch die Struktur des Buches unterstützt genau diesen Ansatz. Die Kapitel orientieren sich weniger an Ländern oder klassischen Menüfolgen als vielmehr an Situationen und Stimmungen des Alltags:
„Starting Strong“, „Weeknight Wins“, „The Weekend“ oder „Sweet Spot“ wirken fast wie kleine Momentaufnahmen aus einem mediterran geprägten Leben. Dazwischen streut Hayden essayartige Einschübe mit poetischen Überschriften wie „Coffee, kapira and other stories“, „Pasta Party“ oder „Creams can come true“. Dadurch entsteht ein angenehmer Lesefluss, der das Buch über eine reine Rezeptsammlung hinaushebt. Man liest „MEDesque“ nicht nur, um etwas nachzukochen, sondern auch, um in diese warme, großzügige und lebensfrohe Welt einzutauchen. Besonders gelungen wirkt dabei die Mischung aus alltagstauglichen Gerichten, persönlichen Geschichten und kulinarischen Exkursen. Das Buch lädt nicht dazu ein, einzelne spektakuläre Rezepte herauszupicken, sondern vermittelt vielmehr eine Haltung zum Kochen: unkompliziert, gemeinschaftlich, genussorientiert und voller Geschmack. Zu den Kapiteln im Einzelnen:
Starting Strong – Stark in den Tag
Das erste Kapitel „Starting Strong“ – von mir frei übersetzt mit „Stark in den Tag“ – widmet sich dem Frühstück und allem, was rund um den Tagesbeginn Trost, Energie und ein kleines bisschen Genuss verspricht. Mit 16 Rezepten bewegt sich Georgina Hayden dabei zwar zunächst in einem Bereich, der in vielen modernen Kochbüchern inzwischen fast obligatorisch geworden ist, schafft es jedoch erfreulicherweise, das Thema deutlich vielseitiger und interessanter anzugehen als viele andere Autor*innen. Denn „Starting Strong“ bleibt nicht bei klassischen Frühstücksszenarien stehen. Zwar finden sich hier süße und herzhafte Ideen für langsame Wochenenden oder entspannte Brunchrunden, viele Gerichte funktionieren aber ebenso gut als leichter Lunch, schnelles Abendessen oder unkompliziertes Shared Food. Gerade dadurch gewinnt das Kapitel an Relevanz.
Besonders gelungen wirkt die Mischung aus mediterranen Frühstückstraditionen, unkomplizierter Alltagsküche und Gerichten, die deutlich über das hinausgehen, was man hierzulande oft mit Frühstück verbindet. Während in Deutschland häufig Brot, Belag und vielleicht am Wochenende einmal Ei oder Rührei dominieren, öffnet Hayden den Blick auf eine wesentlich vielfältigere Frühstückskultur.
Sehr schön zeigt sich das etwa bei den herzhaften Rezepten:
- den „Piperade-Rühreiern“,
- „Huevos rotos mit grüner Paprika“,
- oder der „Buchweizen-Galette-Auflauf mit Schinken, Senf und Gruyère“.
Das sind Gerichte, die man problemlos ebenso mittags oder abends servieren könnte und die den typischen mediterranen Ansatz widerspiegeln: unkompliziert, aromatisch und stark von guten Zutaten getragen.
Auch die Brotkategorie fällt angenehm kreativ aus. Zwischen „Tomaten auf Brot – eine Liebeserklärung“, Bohnen auf Toast in zwei Varianten oder Focaccia mit süßen Trauben und Rosmarin bewegt sich das Kapitel immer wieder zwischen Comfort Food, Snackküche und mediterranem Cafégefühl. Besonders charmant ist zudem, dass Hayden süße Frühstücke nicht einfach als Zuckerkapitel behandelt, sondern sie eng mit Erinnerungen, Familienritualen und kleinen Genussmomenten verknüpft. Rezepte wie das „Birnen-Joghurt-Olivenöl-Brot“ oder die „Labneh-Granola mit Honig, Nüssen und Tahini“ wirken dabei modern, aber nie künstlich trendy.
Der eingeschobene Essay „Coffee, kapira and other stories“ passt hervorragend zu diesem Kapitel. Auf nur wenigen Seiten spannt Hayden einen sehr persönlichen Bogen von ihrer Kindheit in einer griechisch-zypriotischen Familie bis zu ihrem heutigen Familienalltag in London. Sie erzählt von stark gewürztem Tee, in Tee getunktem Toast, improvisierten Mitternachtsfrühstücken nach langen Restaurantabenden ihres Vaters und davon, wie Frühstück sich mit jeder Lebensphase verändert. Gerade dieser Perspektivwechsel macht den Text so gelungen. Frühstück erscheint hier nicht bloß als Mahlzeit, sondern als kulturelles Ritual, als Familienmoment und als Ausdruck von Herkunft. Gleichzeitig beschreibt Hayden sehr ehrlich, wie sich diese Traditionen im modernen Alltag verändern: Heute gibt es unter der Woche schnelle Lösungen für ihre Töchter, am Wochenende dagegen Raum für Pancakes, Kaffee und gemeinsames Essen mit Freund*innen. Wie so oft in „MEDesque“ entsteht dadurch weit mehr als ein reines Rezeptkapitel. „Starting Strong“ erzählt vom Alltag mediterraner Esskultur, von Erinnerungen und davon, wie stark Essen mit Familie, Zeit und Gemeinschaft verbunden sein kann.
Soups, Snacks and Sarnies – Suppen, Snacks und allerlei herzhafte Brote
Das Kapitel „Soups, Snacks and Sarnies“ – also Suppen, Snacks und allerlei herzhafte Brote und Sandwiches – gehört zu den abwechslungsreichsten Abschnitten des Buches. Mit insgesamt 14 Rezepten zeigt Georgina Hayden hier besonders deutlich, wie weit sie den mediterranen Raum kulinarisch denkt. Die Rezepte bewegen sich mühelos zwischen Spanien, Frankreich, Italien, Griechenland, Nordafrika und dem östlichen Mittelmeer, ohne dabei konstruiert oder beliebig zu wirken. Gerade diese Offenheit macht das Kapitel so spannend. Statt sich streng an nationale Küchen zu halten, kombiniert Hayden unterschiedliche mediterrane Einflüsse zu unkomplizierten Gerichten, die oft gleichzeitig vertraut und überraschend wirken.Schon die Suppen zeigen diese Bandbreite sehr schön: von „Pappa al Ratatouille“ über eine geröstete Karotten-Kreuzkümmel-Linsensuppe bis hin zur Lamm-Koriander-Harira. Mal rustikal und sättigend, mal frisch und aromatisch, aber immer deutlich auf Alltagstauglichkeit ausgelegt.
Besonders stark wirkt allerdings der Snackteil des Kapitels. Hier zeigt sich Hayden erneut als Autorin, die nicht nur Rezepte sammelt, sondern ein bestimmtes Lebensgefühl transportieren möchte: kleine Teller auf dem Tisch, spontane Gäste, ein Glas Wein oder ein Aperitif, mehrere Schalen zum Teilen und Essen ohne große Förmlichkeit. Die Rezepte wirken dabei angenehm modern, ohne trendgetrieben zu sein. Die knusprigen Panisse mit frittierten Kräuterkapern beispielsweise bringen südfranzösische Bistroküche ins Buch, während die klassischen Jamón-Kroketten deutlich spanisch geprägt sind. Gleichzeitig stehen daneben gefüllte Zucchiniblüten mit drei Käsesorten, würzige Lamm-Aprikosen-Feta-Wurstbrötchen oder pikante Paprika-Käse-Honig-Scones – Gerichte, die oft bekannte Elemente aufgreifen, sie aber mediterran weiterdenken.
Auch die „Sarnies“, also die Sandwich- und Brotkategorie, fallen deutlich kreativer aus als der zunächst eher lockere Kapitelname vermuten lässt. Das Calamari-Sandwich mit Aioli und Rucola, die Thunfisch-Niçoise-Baguette oder das schnelle Lahmacun mit Kräuter-Zwiebel-Pickles wirken eher wie unkomplizierte Café- oder Bargerichte als klassische Pausenbrote. Besonders schön ist erneut der essayartige Einschub „Small plates: aka friends, snacks and drinks“. Hayden schreibt darin weniger über konkrete Rezepte als über die mediterrane Kultur des gemeinsamen Trinkens und Teilens. Sie erzählt von Tapasbars, Aperitivo, kleinen Häppchen zum Drink und der Selbstverständlichkeit, Essen als sozialen Mittelpunkt zu begreifen. Gerade dieser Text transportiert sehr schön, was „MEDesque“ insgesamt ausmacht: Essen dient hier nie nur der Sättigung. Es geht immer auch um Gemeinschaft, Atmosphäre und das Zusammensein mit anderen Menschen. Die anschließenden Vorschläge für kleine Teller, schnelle Knabbereien, eingelegte Oliven, Brote, Käse oder einfache Kombinationen wirken deshalb nicht wie bloße „Serviervorschläge“, sondern fast wie kleine Einladungen zu spontanen Abenden mit Freund*innen. Dadurch bekommt das Kapitel eine große Leichtigkeit. Vieles wirkt unkompliziert, improvisiert und alltagstauglich – und genau darin liegt sein Reiz.
Weeknight wins – Schnelle Feierabendküche mit Genuss
Das Kapitel „Weeknight Wins“ – vielleicht am treffendsten übersetzt mit „Feierabendküche mit Genuss“ – bildet gewissermaßen das Herzstück von „MEDesque“. Mit 23 Rezepten ist es eines der umfangreichsten Kapitel des Buches und genau dort angesiedelt, wo Georgina Hayden kulinarisch besonders stark wirkt: bei unkomplizierten Gerichten für den Alltag, die trotzdem Charakter, Wärme und Tiefe besitzen. Inhaltlich ist das Kapitel sehr klar gegliedert:
- Gemüse,
- Pasta,
- Fisch
- und Fleisch
bilden die vier großen Bereiche. Dadurch wirkt der Aufbau angenehm übersichtlich, gleichzeitig aber vielfältig genug, um unterschiedliche Alltagssituationen abzudecken – vom schnellen Gemüsegericht bis zum sättigenden Ofenessen nach langen Arbeitstagen. Besonders gelungen ist dabei erneut die enorme geografische und geschmackliche Bandbreite. Hayden springt mühelos zwischen verschiedenen mediterranen Einflüssen und verbindet sie zu Gerichten, die modern wirken, ohne modisch sein zu wollen. Griechische, italienische, spanische, nordafrikanische und levantinische Elemente stehen ganz selbstverständlich nebeneinander.
Schon die Gemüsegerichte zeigen das sehr schön:
die Spinat-Zucchini-Feta-Galette,
die tomatigen griechischen Bohnen,
oder der Eintopf aus Linsen, Kartoffeln und Knoblauch wirken wie typische Hayden-Rezepte – unkompliziert, aromatisch und stark über gute Zutaten definiert.
Besonders präsent ist im Kapitel allerdings die Pasta. Und genau hier liegt auch einer der schönsten essayartigen Einschübe des Buches: „Pasta Party“. Hayden schreibt darin nicht einfach über italienische Küche, sondern über Pasta als mediterranes Kulturgut insgesamt. Sie beschreibt, wie unterschiedlich Nudelgerichte rund um das Mittelmeer interpretiert werden – von italienischer Pasta über griechisches Kritharaki bis hin zu nordafrikanischen und levantinischen Varianten. Gerade dieser Blick über nationale Küchen hinaus prägt das gesamte Kapitel. Hayden interessiert sich weniger für kulinarische „Authentizität“ als für gemeinsame Esskulturen, Übergänge und Einflüsse. Das macht die Rezepte angenehm offen und lebendig. Die Pastagerichte selbst wirken dabei ausgesprochen alltagstauglich, ohne langweilig zu sein:
Rigatoni mit karamellisierten Schalotten, Sardellen und Oliven,
Antipasti-Pastasalat,
eine One-Pan-Lasagne mit ’Nduja und drei Käsesorten,
oder gebratene Gnocchi mit knuspriger Salsiccia und Brokkoli –
das sind Gerichte, die bewusst auf großen Geschmack und unkomplizierte Zubereitung setzen.
Auch der Fisch- und Fleischbereich bleibt klar auf Feierabendküche ausgerichtet. Viele Rezepte kombinieren mediterrane Aromatik mit pragmatischer Alltagslogik:
One-Pan-Moussaka,
würziges Zitronenhähnchen mit zerdrückten Kartoffeln,
oder das alltägliche Marmitako, ein baskisch inspirierter Fisch-Kartoffel-Eintopf, wirken sättigend, großzügig und familientauglich.
Generell entsteht in diesem Kapitel besonders stark das Gefühl, dass Hayden für echtes tägliches Kochen schreibt. Die Gerichte sollen nicht beeindrucken oder kompliziert wirken, sondern den Alltag schöner machen. Genau darin liegt die große Stärke von „Weeknight Wins“: Das Kapitel vermittelt die Idee, dass gutes Essen unter der Woche weder perfekt noch aufwendig sein muss, um glücklich zu machen.
The Weekend – Das Wochenende
Mit „The Weekend“ folgt in „MEDesque“ das Kapitel für die Momente, in denen etwas mehr Zeit zum Kochen bleibt – oder zumindest der Wunsch danach entsteht. Nach der eher pragmatischen Feierabendküche von „Weeknight Wins“ verschiebt sich hier die Stimmung spürbar: Die Gerichte wirken großzügiger, oft geselliger und teilweise auch etwas ambitionierter, ohne dabei jemals unnahbar zu werden. Mit 16 Rezepten bleibt das Kapitel angenehm kompakt, vermittelt aber sehr klar dieses typische Wochenendgefühl: langsamere Abläufe, Gäste am Tisch, ein Ofengericht, das vor sich hin schmort, oder Essen, das bewusst zelebriert wird. Dabei gelingt Georgina Hayden erneut eine sehr schöne Balance zwischen vertrauten Wohlfühlgerichten und moderner mediterraner Alltagsküche. Viele Rezepte greifen bekannte Klassiker oder derzeit besonders beliebte Ideen auf, interpretieren sie aber mit ihrer eigenen Handschrift weiter.
Gerade die Mischung aus rustikaler Komfortküche und etwas eleganteren Gerichten funktioniert hier besonders gut. Neben geschmortem Fleisch, großen Ofengerichten und Fischrezepten stehen auch kreative Gemüsegerichte, die durchaus das Potenzial für ein entspanntes Wochenendessen mit Freund*innen hätten. Die „Barbajuan“-Tarte mit Mangold, Lauch und Ricotta etwa verbindet südfranzösisch-monégassische Einflüsse mit herzhafter Gemüseküche, während der Blumenkohl-Gorgonzola-Chili-Pithivier deutlich zeigt, wie souverän Hayden klassische europäische Wohlfühlküche mediterran auflädt. Auch die Fischgerichte wirken bewusst etwas festlicher: ein gewürztes Lachsfilet mit Kapern, eine große mediterrane Fischsuppe, Sayadieh – ein libanesisches Fischgericht mit gewürztem Reis oder eine Paella, die schon im Titel („Jesús’s Paella“) wieder diese persönliche, erzählerische Ebene des Buches aufnimmt.
Besonders auffällig ist im Wochenendkapitel die Präsenz von langsam gegarten Fleischgerichten und kräftigen Schmorgerichten. Hier zeigt sich erneut, dass „MEDesque“ insgesamt deutlich fleischlastiger ausfällt als viele aktuelle mediterrane Kochbücher. Gleichzeitig passt das durchaus zur Grundidee des Kapitels: Essen als gemeinschaftliches Ereignis, als Mittelpunkt eines langen Wochenendes oder eines Essens mit Gästen. Gerichte wie langsam gegartes Schweinefleisch mit Pflaumen und karamellisierten Zwiebeln, geschmorte Lammschulter oder das Rioja-Brisket greifen aktuelle Food-Trends durchaus auf, wirken dabei aber nie rein modisch. Hayden integriert solche Gerichte sehr selbstverständlich in ihren mediterranen Kontext und verbindet sie mit vertrauten Aromen, Gewürzen und Beilagen. Auch die „One-Pan Mbakbaka“ – ein langsam geschmortes Rindfleischgericht mit Pasta und Kümmel – zeigt wieder sehr schön, wie stark Hayden mediterrane Küchen als fließenden kulturellen Raum versteht. Italienische, nordafrikanische, levantinische oder spanische Einflüsse gehen dabei ganz selbstverständlich ineinander über. Generell wirkt „The Weekend“ wie ein Kapitel für Menschen, die gerne Gäste bewirten, große Schalen auf den Tisch stellen und Essen als sozialen Mittelpunkt verstehen. Trotz einiger aufwendigerer Gerichte bleibt die Atmosphäre dabei angenehm entspannt. Nichts wirkt geschniegelt oder restaurantartig inszeniert – vielmehr vermittelt das Kapitel dieses warme Gefühl von langen Wochenenden, langsamem Kochen und gemeinsamem Essen mit vielen Tellern auf dem Tisch.
A Bit Extra: Sides and Salads – Das gewisse Etwas: Beilagen und Salate
Das Kapitel „A Bit Extra: Sides and Salads“ widmet sich den Gerichten, die in vielen Kochbüchern oft nur beiläufig behandelt werden, hier aber erstaunlich viel Aufmerksamkeit und Eigenständigkeit bekommen. Genau das passt sehr gut zu Georgina Haydens Verständnis mediterraner Küche: Beilagen sind nicht bloß Ergänzungen, sondern häufig ein zentraler Teil des Essens selbst. Mit insgesamt 16 Rezepten bewegt sich das Kapitel zwischen Salaten, Gemüsegerichten und stärkebasierten Beilagen – von Kartoffeln über Reis bis hin zu Polenta. Auffällig ist dabei erneut die große Vielfalt an Aromen und Einflüssen rund um den Mittelmeerraum.
Gerade die Salate wirken deutlich mehrdimensionaler als klassische „grüne Beilage“. Hayden kombiniert Texturen, Temperaturen und kräftige Aromen sehr bewusst miteinander:
geröstete Pfirsiche mit Burrata, zerdrückte Gurken mit Radieschen und Oliven, verkohlter Mais mit Chorizo und Avocado oder Fenchel mit Orange und Mandeln zeigen sehr schön, wie selbstverständlich süß, salzig, rauchig und frisch ineinander übergehen dürfen. Besonders passend wirkt hier auch der Einschub „An Array of Agrodolce“ (frei übersetzt „Ein kleines Spiel aus Süße und Säure“). Hayden erklärt darin ihre Liebe zum italienischen Spiel aus Süße und Säure – jener typischen Kombination, die vielen mediterranen Gerichten ihre besondere Tiefe verleiht. Statt langer Theorie folgen direkt drei kleine Rezeptideen: Gennaros Pilze, Kürbis-Caponata und gegrillter Chicorée mit karamellisierten Rosinen und Mandeln. Gerade dieser Abschnitt transportiert wunderbar, wie Hayden kocht. Es geht nicht um komplizierte Techniken, sondern darum, Zutaten mit wenigen Kniffen interessanter zu machen: Röstaromen, Essig, Honig, Säure, Bitterstoffe und Süße greifen ineinander und verleihen selbst einfachen Gemüsegerichten enorme Ausdruckskraft.
Überhaupt wirkt das gesamte Kapitel wie ein Plädoyer dafür, Gemüse und Beilagen ernst zu nehmen. Die Gerichte stehen keineswegs im Schatten der Hauptgerichte, sondern besitzen oft genug das Potenzial, selbst Mittelpunkt eines Essens zu sein. Das zeigt sich auch im Bereich der „Carbs“. Statt schlichter Sättigungsbeilagen finden sich hier Gerichte mit viel Persönlichkeit: ein Gratin aus Sardellen, Pecorino und Rosmarin, gewürzter Patata-Fil-Forno, Reis mit Kräutern und Vermicelli oder cremige Polenta mit Knoblauch-Basilikum-Butter. Auch die Gemüsegerichte im Abschnitt „Greens“ tragen deutlich Haydens Handschrift: geröstete Karotten mit Vadouvan und Joghurt, Zucchini mit Salzzitrone und Feta oder verkohlter Kohl mit Linsen und aufgeschlagenem Tahini verbinden moderne Gemüseküche mit mediterraner Aromatik, ohne jemals verkopft zu wirken.
Generell entsteht in diesem Kapitel besonders stark der Eindruck einer Küche, die auf Teilen und Kombinieren ausgelegt ist. Viele Gerichte wirken wie Elemente einer großen mediterranen Tafel, bei der mehrere Schalen gleichzeitig auf dem Tisch stehen und sich warme, kalte, cremige, knackige und säuerliche Komponenten ergänzen. Gerade dadurch bekommt „A Bit Extra“ eine besondere Stärke innerhalb des Buches: Das Kapitel liefert nicht nur Beilagen, sondern viele Ideen dafür, wie mediterranes Essen insgesamt funktioniert – nämlich als Zusammenspiel vieler kleiner Gerichte, Texturen und Aromen.
Sweet Spot – Zum süßen Schluss
Mit „Sweet Spot“ – vielleicht am schönsten übersetzt mit „Zum süßen Schluss“ – endet „MEDesque“ mit einem Kapitel, das noch einmal sehr deutlich zeigt, wie breit Georgina Hayden mediterrane Küche versteht. Denn auch die süße Seite des Mittelmeerraums beschränkt sich hier keineswegs auf klassische Desserts, sondern bewegt sich zwischen Kuchen, Gebäck, Eis, Puddings und Getränken. Mit insgesamt 21 Rezepten fällt das Kapitel ausgesprochen vielseitig aus. Hayden verbindet italienische, griechische, levantinische, spanische und französische Einflüsse zu einer Dessertwelt, die gleichzeitig vertraut und verspielt wirkt. Besonders schön ist dabei, dass die Rezepte selten streng traditionell bleiben, sondern häufig mit bestehenden Klassikern spielen und sie kreativ weiterdenken.
Ein gutes Beispiel dafür ist das „Cassatamisu“, eine augenzwinkernde Verbindung aus Cassata und Tiramisu. Hayden ersetzt dabei die klassische Schokoladennote des Tiramisus durch kandierte Früchte und greift damit typische Elemente sizilianischer Cassata auf, ohne den Charakter des Tiramisus ganz aufzugeben – der Kaffee bleibt selbstverständlich erhalten. Gerade solche Rezepte zeigen sehr gut, wie Hayden kocht: respektvoll gegenüber Traditionen, aber nie dogmatisch oder museal. Überhaupt wirkt das gesamte Kapitel angenehm großzügig und undiszipliniert im besten Sinne. Neben klassischen Kuchen und Tartes stehen Madeleines mit brauner Butter und gesalzenem Honig, Olivenölkuchen, Maamoul-Kekse mit Datteln, Walnüssen und dunkler Schokolade oder eine Sesam-Frangipane-Galette mit Äpfeln.
Besonders stark ist erneut die Mischung aus mediterranen Aromaten und moderner Wohlfühlküche:
Zitrusfrüchte, Olivenöl, Honig, Nüsse, Safran, Kardamom, Orangenblütenwasser oder Fenchel tauchen immer wieder auf und verleihen vielen Rezepten eine warme, sonnige Aromatik. Der essayartige Einschub „Creams can come true“ gehört dabei zu den charmantesten kleinen Texten des Buches. Hayden schreibt darin mit viel Humor und großer Begeisterung über ihre Liebe zu cremigen Desserts und Puddings. Ausgangspunkt sind Kindheitserinnerungen an zypriotische und levantinische Süßspeisen wie Mahalepi oder Muhallebi, später ergänzt durch Panna Cotta und Crème Caramel. Besonders schön beschreibt sie dabei, wie sich cremige Desserts entlang des Mittelmeerraums verändern: im Westen eher ei- und sahnebasiert, im östlichen Mittelmeer dagegen häufig mit Stärke oder Grieß gebunden und mit Rosen- oder Orangenblütenwasser aromatisiert.
Wie schon in den anderen Einschüben verbindet Hayden auch hier persönliche Erinnerungen mit kulinarischer Kulturgeschichte. Gerade dadurch bekommen selbst einfache Dessertrezepte plötzlich Tiefe und Kontext. Ergänzt wird das Kapitel schließlich durch Eisrezepte und Getränke – von griechischer Kirschlimonade über Horchata bis hin zu Cocktail-Floats und Sorbets. Dadurch wirkt „Sweet Spot“ weniger wie ein klassisches Dessertkapitel am Ende eines Kochbuchs, sondern eher wie eine kleine mediterrane Genusswelt für alles Süße, Kalte, Cremige und Feierliche.
Die Menüvorschläge am Ende des Buches greifen noch einmal sehr schön die Grundidee von „MEDesque“ auf: Georgina Hayden versteht ihre Rezepte nicht als Einzelstücke, sondern als Gerichte, die gemeinsam auf den Tisch kommen und miteinander funktionieren sollen. Die vorgeschlagenen Menüs reichen vom romantischen Dinner über entspannte Abende mit Freund*innen bis hin zu Familienessen, Brunchideen, One-Pan-Menüs oder gut vorbereitbaren vegetarischen und veganen Zusammenstellungen. Gerade diese Übersicht macht das Buch im Alltag besonders praktisch. Hayden liefert damit nicht nur Inspiration für einzelne Rezepte, sondern auch konkrete Ideen dafür, wie sich daraus vollständige Essen und gesellige Abende zusammensetzen lassen. Gleichzeitig zeigt sich hier noch einmal die große stilistische Bandbreite des Buches – von unkomplizierter Feierabendküche bis hin zu Menüs für Gäste.
Es folgt eine Übersicht mit Einkaufs- und Bezugsquellen, die naturgemäß auf Großbritannien ausgerichtet ist, aber gut zu Haydens sehr zutatenorientierter Küche passt. Besonders hilfreich fällt außerdem der ausführliche Index aus. Dieser ist sowohl nach Rezepttiteln als auch nach Zutaten sortiert und erleichtert die Orientierung im Buch enorm. Gerade bei einem Kochbuch, das so viele mediterrane Einflüsse, Gemüsesorten, Kräuter und unterschiedliche Küchen vereint, ist das im Küchenalltag tatsächlich ein großer Pluspunkt.
Den Abschluss bilden eine persönliche Danksagung sowie ein kurzes Autorenporträt. Auch hier bleibt der Ton angenehm warm und nahbar. Hayden bedankt sich nicht nur bei Familie und Freund*innen, sondern ausdrücklich auch bei Menschen, die ihre Rezepte getestet, sie unterstützt oder sie kulinarisch geprägt haben. Dadurch endet „MEDesque“ genauso, wie es begonnen hat: mit dem Gefühl, dass gutes Essen immer auch etwas mit Gemeinschaft, Erinnerungen und geteilten Momenten zu tun hat.
3. Zielgruppe
„MEDesque“ richtet sich vor allem an Menschen, die mediterrane Küche lieben, dabei aber mehr suchen als die immer gleichen Klassiker aus Italien oder Griechenland. Georgina Hayden verbindet vertraute Gerichte mit Einflüssen aus Zypern, Spanien, Frankreich, Nordafrika und dem Nahen Osten und spricht damit Leser*innen an, die gerne kulinarisch entdecken, ohne sich dabei in komplizierter Fine-Dining-Küche zu verlieren.
Besonders geeignet ist das Buch für Hobbyköch*innen, die gern für andere kochen und Freude an geselligen Essen haben. Viele Rezepte sind darauf ausgelegt, in die Mitte des Tisches gestellt und geteilt zu werden – von kleinen Snacks und Salaten bis hin zu großzügigen Ofengerichten oder langsam geschmorten Fleischgerichten. Wer gern Gäste einlädt oder mehrere Komponenten kombiniert, wird mit diesem Buch viel anfangen können.
Gleichzeitig spricht „MEDesque“ auch Menschen an, die Kochbücher nicht nur zum Nachkochen kaufen, sondern ebenso gern lesen. Die essayartigen Einschübe, persönlichen Erinnerungen und kulturellen Bezüge machen das Buch weit mehr als eine reine Rezeptsammlung. Hayden erzählt von Familienritualen, Reisen, Zutaten und Esskultur – und genau das verleiht dem Buch seine besondere Atmosphäre.
Für absolute Kochanfänger*innen ist „MEDesque“ nur bedingt gedacht. Viele Rezepte sind zwar alltagstauglich und gut erklärt, setzen aber eine gewisse Freude am Kochen, am Würzen und am Arbeiten mit unterschiedlichen Zutaten voraus. Wer gern mit Kräutern, Gewürzen, Hülsenfrüchten, Zitrusfrüchten oder verschiedenen Käsesorten arbeitet, wird hier jedoch schnell in einen sehr genussvollen Flow kommen.
Weniger geeignet ist das Buch dagegen für Menschen, die rein vegetarisch oder vegan kochen möchten. Zwar finden sich einige sehr gute vegetarische Gerichte und sogar einzelne vegane Menüideen, insgesamt fällt das Buch für Georgina Hayden-Verhältnisse aber durchaus fleisch- und fischlastig aus. Der Fokus liegt klar auf einer vielseitigen mediterranen Alltagsküche, in der Gemüse selbstverständlich wichtig ist, aber eben nicht ausschließlich im Mittelpunkt steht.
4. Rezepte und Vielfalt
Mit über 100 Rezepten bietet „MEDesque“ eine beeindruckende Bandbreite und zeigt sehr deutlich, wie weit Georgina Hayden den Begriff mediterrane Küche fasst. Das Buch bewegt sich nicht nur zwischen Griechenland und Italien, sondern ebenso selbstverständlich zwischen Spanien, Zypern, Frankreich, Nordafrika und dem Nahen Osten. Gerade diese Offenheit macht den besonderen Reiz der Rezeptauswahl aus.
Auffällig ist dabei vor allem, wie kreativ Hayden kombiniert, ohne jemals gekünstelt oder effekthascherisch zu wirken. Viele Gerichte wirken sofort zugänglich, haben aber dennoch einen kleinen Dreh, der sie spannend macht. Genau darin liegt eine der großen Stärken des Buches: Es erweitert den eigenen kulinarischen Horizont, ohne Leser*innen zu überfordern. Man entdeckt ständig neue Kombinationen, bei denen man sich gleichzeitig denkt: Natürlich passt das zusammen. So treffen etwa würzige mediterrane Klassiker auf levantinische Aromen, französische Techniken auf zypriotische Erinnerungen oder spanische Tapas-Kultur auf moderne Alltagsküche. Rezepte wie die Gnocchi Puttanesca, das Cassatamisu, die Panisse mit knusprigen Kapern oder das mit Gewürzen aromatisierte Brathähnchen zeigen exemplarisch, wie souverän Hayden mit Traditionen spielt und daraus etwas Eigenständiges entwickelt.
Besonders gelungen ist zudem die Balance zwischen alltagstauglichen Rezepten und Gerichten mit etwas mehr Wow-Effekt. Es gibt unkomplizierte Suppen, Pastagerichte und Ofenrezepte für den Feierabend ebenso wie größere Schmorgerichte, Menüs oder raffinierte Desserts für Gäste. Dadurch wirkt das Buch sehr lebendig und vielseitig nutzbar – vom schnellen Abendessen bis zur langen Tafel mit Freund*innen. Auch innerhalb der Kapitel bleibt die Vielfalt hoch. Selbst klassische Kategorien wie Salate, Beilagen oder Frühstück werden nie eindimensional behandelt. Statt bloßer Standards finden sich immer wieder ungewöhnliche Ideen, spannende Texturen und intensive Aromen. Hayden arbeitet viel mit Kräutern, Gewürzen, Säure, Röstaromen und cremigen Komponenten, wodurch die Gerichte oft eine große geschmackliche Tiefe entwickeln. Hilfreich ist außerdem die klare Kennzeichnung vegetarischer, veganer, glutenfreier oder milchproduktfreier Rezepte, die die Orientierung innerhalb der umfangreichen Rezeptauswahl erleichtert.
Weniger stark vertreten ist die rein vegetarische oder vegane Küche. Zwar gibt es durchaus vegetarische Highlights und einige vegane Gerichte, insgesamt fällt „MEDesque“ jedoch deutlich fleisch- und fischlastiger aus als manche früheren Bücher der Autorin. Das schmälert die Qualität der Rezeptauswahl nicht, ist aber ein wichtiger Hinweis für die Zielgruppe. Insgesamt gelingt Georgina Hayden hier eine Rezeptesammlung, die vertraut und neu zugleich wirkt: mediterran verwurzelt, kulturell offen, sehr genussorientiert – und voller Ideen, die Lust machen, sofort den nächsten Teller auf den Tisch zu bringen.
5. Schwierigkeitsgrad
Der Schwierigkeitsgrad von „MEDesque“ bewegt sich insgesamt im einfachen bis mittleren Bereich, mit einer klaren Tendenz zur soliden Alltagsküche für ambitionierte Hobbyköch*innen. Georgina Hayden schafft es sehr gut, Gerichte mit viel Aroma und Raffinesse zu entwickeln, ohne dabei unnötig kompliziert zu werden. Viele Rezepte basieren auf vertrauten Techniken wie Schmoren, Rösten, Backen oder unkomplizierten Pastagerichten. Gleichzeitig arbeitet Hayden jedoch mit einer Vielzahl an Kräutern, Gewürzen, unterschiedlichen Komponenten und mediterranen Aromen, sodass beim Kochen durchaus etwas Organisation und Freude am Zubereiten gefragt sind. Gerade deshalb wirkt das Buch eher wie eine Einladung zum genussvollen Kochen als zur schnellen Fünf-Minuten-Küche.
Besonders positiv fällt auf, dass die Anleitungen sehr klar und nachvollziehbar geschrieben sind. Die Rezepte sind gut strukturiert, logisch aufgebaut und angenehm präzise formuliert. Auch weniger erfahrene Kochanfänger*innen dürften sich dadurch sicher durch die meisten Gerichte arbeiten können. Selbst aufwendigere Rezepte wirken nie unnötig technisch oder einschüchternd.
Natürlich gibt es innerhalb des Buches Unterschiede. Einige Gerichte eignen sich hervorragend für den unkomplizierten Feierabend, andere – etwa langsam geschmorte Fleischgerichte, größere Menüs oder bestimmte Desserts – benötigen mehr Zeit und Aufmerksamkeit. Wirklich schwierig oder hochkompliziert wird „MEDesque“ jedoch an keiner Stelle. Hilfreich ist außerdem, dass Hayden viele Rezepte so anlegt, dass sie trotz ihrer geschmacklichen Tiefe sehr alltagstauglich bleiben. Oft entstehen besondere Aromen nicht durch komplizierte Profi-Techniken, sondern durch gutes Würzen, kluge Kombinationen und sorgfältig aufgebaute Geschmacksschichten. Insgesamt eignet sich das Buch daher sowohl für geübte Hobbyköchinnen, die neue mediterrane Inspiration suchen, als auch für motivierte Einsteigerinnen, die bereit sind, sich auf etwas mehr als reine Basisrezepte einzulassen.
6. Fotografie und Design
Bildqualität
„MEDesque“ ist ein ausgesprochen atmosphärisches Kochbuch, das visuell sehr geschlossen und hochwertig wirkt. Die Fotografie von Laura Edwards setzt die Gerichte dabei nicht künstlich in Szene, sondern schafft genau die warme, mediterrane Stimmung, die auch den Charakter des Buches ausmacht. Die Bilder wirken stilvoll und modern, gleichzeitig aber angenehm entspannt und ungekünstelt.
Fotografiert wird überwiegend aus der Vogelperspektive oder leicht seitlich, sodass das Essen klar im Mittelpunkt steht. Die Farbgebung ist warm, weich und leicht gedämpft, ohne dabei an Frische zu verlieren. Gerade diese zurückhaltende Bildsprache verhindert, dass das Buch grell oder überinszeniert wirkt. Stattdessen entsteht eine sehr stimmige, fast sommerlich-verhangene Atmosphäre, die hervorragend zum mediterranen Lebensgefühl des Buches passt. Besonders schön ist zudem die Mischung aus reinen Foodfotos und atmosphärischen Aufnahmen aus dem Umfeld der Autorin. Immer wieder finden sich Bilder von langen Tafeln, gemeinsamem Essen, Stränden, Märkten oder Alltagsszenen aus mediterranen Regionen. Auch Georgina Hayden selbst sowie ihre Familie und Kinder tauchen mehrfach auf. Dadurch bekommt das Buch eine persönliche und sehr menschliche Note, die perfekt zu den essayartigen Texten passt.
Die meisten Rezepte sind bebildert, wodurch das Buch auch beim bloßen Durchblättern sehr inspirierend wirkt. Einen didaktischen Ansatz verfolgen die Fotos allerdings nicht. Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder technische Detailbilder gibt es nicht. Das fällt hier jedoch kaum ins Gewicht, da die Rezepte insgesamt klar genug aufgebaut sind und keine komplizierten Arbeitstechniken voraussetzen.
Layout und Gestaltung
Das Design von Anna Green (Siulen Design) trägt entscheidend dazu bei, wie harmonisch und hochwertig „MEDesque“ insgesamt wirkt. Das Buch besitzt eine sehr klare, ruhige Struktur und bleibt trotz der großen Rezeptvielfalt jederzeit übersichtlich. Die Kapitel werden jeweils auf farbig gestalteten Seiten eröffnet, die mit stilisierten Illustrationen von Obst und Gemüse arbeiten. Besonders gelungen ist dabei die Farbgestaltung: gedeckte Pastelltöne wie Hellblau, Rosé oder warme Rottöne wechseln sich mit dunkleren Nuancen derselben Farbfamilie ab. Dadurch entsteht nicht nur eine schöne visuelle Einheit, sondern auch eine gute Orientierung beim schnellen Durchblättern. Auch typografisch ist das Buch sehr durchdacht gestaltet. Die Kombination aus Serifenschrift und serifenloser Schrift sorgt für eine klare Leserführung und erleichtert die Orientierung innerhalb der Rezepte. Die schwarze Schrift auf weißem Hintergrund bleibt jederzeit sehr gut lesbar und angenehm ruhig fürs Auge. Positiv fällt außerdem auf, dass die Rezepte meist kompakt auf einer Seite angeordnet sind, während sich das passende Foto häufig direkt auf der gegenüberliegenden Seite befindet. Zutatenliste und Zubereitung sind sauber voneinander getrennt, ergänzt durch kurze persönliche Einleitungen der Autorin. Dadurch wirken die Seiten niemals überladen, sondern angenehm strukturiert und alltagstauglich.
Nutzung der Bilder
Die Bilder erfüllen in „MEDesque“ vor allem eine atmosphärische und emotionale Funktion. Sie transportieren das Lebensgefühl des Buches – das gemeinsame Essen, mediterrane Leichtigkeit, Familienmomente und Reisen – deutlich stärker als reine technische Kochinformationen. Gerade dadurch wirkt das Buch aber sehr lebendig und persönlich. Die Fotografie unterstützt die Grundidee des Buches, dass Essen immer auch mit Erinnerung, Gemeinschaft und Kultur verbunden ist. Statt sterile Perfektion zeigt „MEDesque“ Wärme, Bewegung und Alltag – und genau das macht den visuellen Charakter des Buches so überzeugend.
7. Sprache und Anleitungen
Sprachlich gehört „MEDesque“ eindeutig zu den Kochbüchern, die weit über reine Rezeptvermittlung hinausgehen. Georgina Hayden schreibt warm, persönlich und sehr erzählerisch, ohne dabei jemals ins Überladene oder Selbstverliebte abzurutschen. Man spürt auf nahezu jeder Seite, dass Essen für sie eng mit Familie, Erinnerung, Herkunft und Gemeinschaft verbunden ist.
Besonders gelungen ist dabei die Mischung aus persönlicher Nähe und kulinarischer Kompetenz. Hayden erzählt von Reisen, Kindheitserinnerungen, ihren zypriotischen Wurzeln, vom Familienleben in London oder von bestimmten Zutaten und Ritualen rund ums Essen. Diese Einschübe wirken nie künstlich eingefügt, sondern ergeben sich sehr organisch aus den Rezepten heraus. Dadurch liest sich „MEDesque“ stellenweise fast wie eine kulinarische Essaysammlung und nicht nur wie ein klassisches Kochbuch. Auch die kurzen Einleitungen vor den Rezepten tragen viel zur Atmosphäre des Buches bei. Hayden erklärt oft, woher eine Idee stammt, wie ein Gericht entstanden ist oder warum bestimmte Kombinationen für sie funktionieren. Gerade dadurch bekommen viele Rezepte eine persönliche Handschrift und bleiben stärker im Gedächtnis.
Trotz dieser erzählerischen Ebene bleiben die eigentlichen Rezeptanleitungen erfreulich klar und alltagstauglich. Die Arbeitsschritte sind logisch aufgebaut, gut strukturiert und angenehm präzise formuliert. Hayden erklärt verständlich, ohne unnötig technisch zu werden, und vermittelt gleichzeitig genügend Sicherheit, damit auch weniger erfahrene Hobbyköch*innen gut folgen können. Hilfreich ist außerdem, dass die Rezepte nie überkompliziert wirken. Selbst wenn mehrere Komponenten zusammenkommen, bleibt die Sprache ruhig und übersichtlich. Viele Gerichte leben eher von guten Kombinationen, Aromatik und sorgfältigem Würzen als von schwierigen Techniken. Dadurch entsteht insgesamt ein sehr zugängliches Kochgefühl.
8. Besonderheiten
Eine der größten Besonderheiten von „MEDesque“ liegt darin, wie selbstverständlich Georgina Hayden kulinarische Kultur, persönliche Erinnerungen und alltagstaugliche Küche miteinander verbindet. Das Buch möchte nicht einfach Rezepte sammeln, sondern mediterrane Esskultur erzählen – und genau dadurch hebt es sich von vielen anderen mediterranen Kochbüchern ab. Immer wieder erklärt Hayden Zutaten, Traditionen oder geschmackliche Zusammenhänge und verbindet diese mit persönlichen Geschichten aus ihrer griechisch-zypriotischen Familie, Reisen oder ihrem heutigen Leben in London. Gerade die essayartigen Einschübe zwischen den Kapiteln verleihen dem Buch zusätzliche Tiefe. Sie wirken nie wie bloße Fülltexte, sondern erweitern die Rezepte um kulturelle, emotionale und manchmal auch historische Ebenen. Dadurch entsteht ein Kochbuch, das man nicht nur zum Nachkochen benutzt, sondern tatsächlich gern liest. Viele Seiten transportieren ein starkes Gefühl von Gemeinschaft, Gastfreundschaft und mediterranem Alltag. „MEDesque“ möchte nicht beeindrucken oder perfekte Restaurantküche inszenieren, sondern Lust darauf machen, gemeinsam zu essen, Gäste einzuladen und Essen als Teil des täglichen Lebens zu begreifen.
Besonders gelungen ist außerdem Haydens undogmatischer Zugang zur mediterranen Küche. Obwohl sie sich intensiv mit Traditionen und regionalen Einflüssen beschäftigt, wirkt das Buch nie streng oder belehrend. Hayden erlaubt sich kreative Kombinationen, interpretiert Klassiker neu und verbindet unterschiedliche Küchen des Mittelmeerraums miteinander, ohne dabei beliebig zu werden. Gerade diese Offenheit macht viele Rezepte überraschend und modern.
Eine weitere Stärke ist die große atmosphärische Geschlossenheit des Buches. Inhalt, Sprache, Fotografie und Gestaltung greifen sehr harmonisch ineinander. Die warmen Bilder, die persönlichen Texte, die mediterranen Alltagsszenen und die großzügige Rezeptauswahl erzeugen zusammen ein sehr stimmiges Gesamtgefühl.
Auffällig ist zudem, dass Hayden mediterrane Küche weniger als einzelne Nationalküchen versteht, sondern vielmehr als gemeinsamen kulturellen Raum. Italienische, griechische, spanische, levantinische oder nordafrikanische Einflüsse gehen ständig ineinander über. Gerade dadurch wirkt „MEDesque“ offen, lebendig und kulinarisch neugierig. Hinzu kommt die große Alltagstauglichkeit vieler Gerichte. Trotz der hochwertigen Gestaltung und der oft sehr atmosphärischen Präsentation bleibt das Buch angenehm praxisnah. Viele Rezepte sind bewusst so angelegt, dass sie auch an normalen Arbeitstagen funktionieren und trotzdem das Gefühl vermitteln, etwas Besonderes gekocht zu haben. Genau diese Mischung aus persönlichem Erzählen, kultureller Tiefe, moderner mediterraner Küche und echter Alltagstauglichkeit macht „MEDesque“ letztlich zu einem sehr eigenständigen Kochbuch innerhalb des inzwischen oft überfüllten Mediterran-Trends. Viele Bücher arbeiten inzwischen mit denselben Bildern, denselben Rezeptideen und derselben Sehnsuchtsästhetik. „MEDesque“ schafft es dagegen, wirklich Persönlichkeit zu entwickeln. Man merkt auf jeder Seite, dass Hayden eine eigene kulinarische Stimme hat.
9. Preis-Leistungsverhältnis
Preis: 26 GBP – im deutschen Buchhandel derzeit für ca. 32 Euro erhältlich
Mit einem Preis von etwa 26 Pfund beziehungsweise aktuell rund 32 Euro im deutschen Buchhandel bewegt sich „MEDesque“ im mittleren bis leicht gehobenen Preissegment moderner internationaler Kochbücher. Angesichts der Ausstattung, des Umfangs und der inhaltlichen Qualität wirkt dieser Preis jedoch absolut gerechtfertigt.
Das Buch ist hochwertig verarbeitet, liegt angenehm in der Hand und vermittelt insgesamt einen sehr sorgfältig produzierten Eindruck. Der stabile Einband, der hochwertige Schutzumschlag sowie das matte Papier unterstreichen den stilvollen Charakter des Buches zusätzlich. Auch die Bindung wirkt robust und alltagstauglich, was bei einem Kochbuch, das tatsächlich häufig benutzt werden möchte, ein nicht unwichtiger Punkt ist.
Besonders stark fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis aber inhaltlich aus. Mit über 100 Rezepten, zahlreichen essayartigen Einschüben, Menüvorschlägen und einer enormen kulinarischen Bandbreite bietet „MEDesque“ sehr viel Inspiration und Abwechslung. Gerade Leser*innen, die sich intensiver mit mediterraner Küche beschäftigen oder neue geschmackliche Kombinationen entdecken möchten, bekommen hier weit mehr als eine bloße Sammlung bekannter Klassiker. Hinzu kommt die große atmosphärische Qualität des Buches. Fotografie, Gestaltung, Sprache und Rezeptentwicklung greifen sehr harmonisch ineinander und machen „MEDesque“ nicht nur zu einem praktischen Kochbuch, sondern auch zu einem Buch, das man immer wieder gern zur Hand nimmt und liest. Insgesamt bietet „MEDesque“ daher ein ausgesprochen gutes Preis-Leistungs-Verhältnis – insbesondere für Leser*innen, die hochwertige, moderne und zugleich sehr persönliche Kochbücher schätzen.
10. Gesamteindruck und Empfehlung
„MEDesque“ ist eines dieser Kochbücher, bei denen sehr schnell klar wird, dass hier weit mehr entstanden ist als eine reine Rezeptsammlung. Georgina Hayden verbindet mediterrane Alltagsküche mit persönlichen Erinnerungen, kulturellen Geschichten und einer großen Liebe zum gemeinsamen Essen. Genau dadurch entwickelt das Buch eine Wärme und Atmosphäre, die weit über einzelne Rezepte hinausgeht.
Besonders beeindruckend ist dabei die enorme kulinarische Bandbreite. Hayden denkt mediterrane Küche nicht als starre Regionalküche, sondern als offenen kulturellen Raum, in dem griechische, italienische, spanische, levantinische oder nordafrikanische Einflüsse ganz selbstverständlich ineinanderfließen. Dadurch entstehen Gerichte, die vertraut wirken und gleichzeitig immer wieder überraschen. Gerade diese Mischung aus Alltagstauglichkeit und kreativer Eigenständigkeit macht „MEDesque“ so stark. Viele Rezepte wirken modern, ohne trendgetrieben zu sein. Hayden kombiniert Zutaten und Aromen oft auf neue Weise, bleibt dabei aber immer nahbar und kochbar. Das Buch möchte nicht beeindrucken oder komplizierte Restaurantküche inszenieren, sondern Lust darauf machen, für sich selbst, die Familie oder Freund*innen zu kochen.
Hinzu kommt die große atmosphärische Geschlossenheit des Buches. Sprache, Fotografie, Gestaltung und Rezeptentwicklung greifen außergewöhnlich harmonisch ineinander. Die essayartigen Einschübe verleihen dem Buch zusätzliche Tiefe und machen deutlich, dass Essen hier immer auch mit Erinnerung, Herkunft und Gemeinschaft verbunden ist. Besonders schön ist außerdem, dass Hayden trotz aller stilistischen Eleganz nie elitär wirkt. „MEDesque“ bleibt bodenständig, großzügig und lebensnah. Man spürt auf vielen Seiten dieses mediterrane Verständnis von Essen als etwas, das geteilt werden möchte – mit vielen kleinen Schalen auf dem Tisch, langen Gesprächen und Menschen, die zusammenkommen. Weniger geeignet ist das Buch allerdings für Menschen, die gezielt vegetarische oder vegane Küche suchen. Zwar finden sich durchaus starke Gemüsegerichte und einzelne vegane Ideen, insgesamt ist „MEDesque“ jedoch deutlich fleisch- und fischlastiger, als man es vielleicht von einem modernen mediterranen Kochbuch erwarten würde. Davon abgesehen ist Georgina Hayden hier erneut ein außergewöhnlich stimmiges Kochbuch gelungen: voller Geschmack, Persönlichkeit und Atmosphäre – ein Buch, das nicht nur inspiriert, sondern tatsächlich Lust macht, sofort den Tisch zu decken und Menschen einzuladen. Für mich ein Highlight und damit ein LeseLust&Löffel-Liebling des Jahres 2026.
11. Bewertung
Gesamtbewertung:
Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept:
• Zielgruppe:
• Rezepte und Vielfalt:
• Schwierigkeitsgrad:
• Fotografie und Design:
• Sprache und Anleitungen:
• Besonderheiten:
• Preis-Leistungs-Verhältnis:
12. Nachgekocht


Joghurteis mit Fenchel und Honig (S. 258)
Zugegeben: ich war skeptisch, ob ich das was taugt. Schmeckt das nicht zu sehr nach Fenchel oder Honig?! Aber Vertrauen in gute Kochbuch-Autor*innen zahlt sich immer aus.
Für dieses fantastische Eis werden Fenchelsamen fein gemörsert und in Sahne erhitzt. Kurz bevor es zu köcheln beginnt, kommt die Fenchelsahne vom Herd und wird nur mit Honig gesüßt. Wenn die Sahne ganz ausgekühlt ist, kommt griechischer Joghurt dazu – und dann kommt alles in die Eismaschine. Das Ergebnis ist ein herrlich erfrischendes, leichtes Joghurteis mit ganz feinem Fenchelaroma, das wunderbar stimmig harmoniert. Tolle Entdeckung!

Frühlings-Hackbällchen, Pasta und Erbsen (S. 118)

Gebackener Kabeljau mit Fenchel, Oliven und Couscous (S. 133)
Vorab: hier muss man gegenüber dem Kabeljau seine guten Küchenmanieren ein wenig vergessen und geradezu respektlos auftreten, denn er wird mehrfach mit Aromen erschlagen. Alles beginnt damit, dass er in einer Marinade aus reichlich Knoblauch, zerstoßenem Koriander und Fenchel und Safran marinieren darf – zusammen mit einer verhältnismäßig sehr großen Menge Oliven.
Der Fenchel wird mit Zwiebel bei hoher Hitze angebraten und dann mit Fischfond und etwas Apfelessig abgelöscht. Wenn das ein bisschen eingekocht ist, darf die Marinade dazu und schließlich werden die Filets aufgelegt und noch einmal mit Olivenöl beträufelt. Dann darf alles in den Ofen – hier ist die angegebene Garzeit deutlich zu lang. Nach einer Viertelstunde war das Essen servierfertig.
Zum Schluss kommt noch reichlich Koriander darüber. Was soll ich sagen?! Ich liebe Essen mit Wumms und kräftigen Aromen – das trifft hier sehr zu. Sehr stimmig und absolut köstlich.

Everyday marmitako: fisherman‘s tuna and potato stew
Marmitako für jeden Tag: Thunfisch-Kartoffel-Pfanne nach Fischers Art (S. 126)
Wenn man nicht fies vor Thunfisch aus der Dose ist, ist das hier ein schnelles und sehr leckeres Essen, das mit Kartoffeln, Tomaten, Paprika und frischer Petersilie punktet. Fischfond gibt dem Gericht etwas mehr Tiefe und geräuchertes Paprikapulver Pfiff und der Klecks Sauerrahm zusätzliche Frische. Sehr einfach und sehr gut.

Amalfi lemon, almond and elderflower wedding cake
Hochzeitskuchen mit Amalfi Zitronen, Mandeln und Holunderblüte (S. 226)
Das musste ich einfach probieren – es klang zu verlockend. Ein luftiger Biskuit nur mit Mandeln im Teig und dem Püree einer im Ganzen gekochten und anschließend mit Zucker und etwas Olivenöl fein pürierten Zitrone (andere Sorten gehen, so Hayden, auch – natürlich unbehandelt). Nach dem Backen wird er noch mit Holunderblütensirup getränkt. Sehr fluffig und fein. Allerdings mit einer leichten Bitternote, die vermutlich vom Albedo herrührt, das mit püriert wird. Das würde ich beim nächsten Mal zu „optimieren“ suchen.
Creamy lentil, potato and garlic stew
Sämiger Linsen-Kartoffel-Topf mit Knoblauch (S. 106)
Das war das erste Rezept im Buch, das einen Bäpper auf die Seite geklebt bekommen hat – das klang für eine Linsenliebhaberin wie mich einfach zu köstlich! Ich wurde nicht enttäuscht, auch wenn das Gericht optisch nicht so viel hermacht (und durchaus farblich ganz anders ist als in der Abbildung im Buch). Zunächst werden Weißbrotwürfel in Olivenöl in der Pfanne geröstet. Die dürfen dann erst einmal abkühlen. Währenddessen werden Lauch und Zwiebeln in Olivenöl angeschmort, dann wird mit Kreuzkümmel und geräuchertem Paprikapulver gewürzt, grüne Linsen und Kartoffelwürfel kommen dazu. Gemüsebrühe angießen, Tomatenmark und Lorbeerblatt dazu und Deckel auflegen. Jetzt simmert es vor sich hin, bis das Gemüse und die Linsen gar gekocht sind. Währenddessen wird Knoblauch mit Salz im Mörser cremig gestoßen, dazu kommt das zerzupfte geröstete Brot und wird ebenfalls zerstoßen und zum Schluss noch reichlich Petersilie und etwas Olivenöl. So lange stoßen bis eine cremige Sauce entsteht. Die wird zum Schluss in den Gemüsetopf eingerührt und gibt dem Ganzen eine wunderbare Sämigkeit und eine tolle Würze. Sehr, sehr gut!
