1. Eckdaten
Titel: „Von Insel zu Insel – Die Aromen Griechenlands“
Autor: Lazaros Kapageoroglou
Verlag: at Verlag
Erscheinungsjahr: 2026
Rezensionsexemplar – vielen Dank!
2. Inhalt und Konzept
Mit „Von Insel zu Insel“ widmet sich Lazaros Kapageoroglou nicht der bekannten griechischen Restaurantküche, wie man sie in Deutschland oft serviert bekommt, sondern der kulinarischen Identität der griechischen Inselwelt. Schon in der Widmung und im Vorwort wird deutlich, dass dieses Buch weit mehr sein möchte als eine reine Rezeptsammlung. Es versteht sich als Liebeserklärung an die Menschen der Inseln, an ihre Alltagsküche, ihre Traditionen und ihre Art zu leben. Dabei steht weniger spektakuläre Fine Dining-Küche im Mittelpunkt als vielmehr eine Küche der Einfachheit, der regionalen Zutaten und der Gemeinschaft. Lazaros beschreibt die griechische Inselküche als „bescheiden und doch so reich“ — geprägt von Entbehrung, Kreativität und dem Anspruch, aus wenigen Zutaten etwas Besonderes entstehen zu lassen. Dieser Gedanke zieht sich konsequent durch das gesamte Konzept des Buches.
Strukturiert ist „Von Insel zu Insel“ wie eine kulinarische Reise durch verschiedene Inselgruppen Griechenlands. Statt alphabetischer Ordnung oder klassischer Kategorien führt das Buch geografisch durch die Inselwelt:
- die Ionischen Inseln,
- Kreta,
- die Sporaden,
- die Kykladen,
- den Dodekanes
- sowie die nordostägäischen Inseln.
Jeder Abschnitt verbindet kulinarische Besonderheiten mit atmosphärischen Einführungen über Landschaft, Geschichte, Gewürze und Esskultur der jeweiligen Region. Auffällig ist dabei, dass Lazaros nicht nur Gerichte sammelt, sondern immer wieder versucht, die kulturelle Identität der Inseln mitzuerzählen. So wird etwa beschrieben, wie italienische Einflüsse die ionische Küche geprägt haben oder wie sich im Dodekanes orientalische Aromen mit griechischer Tradition verbinden.
Besonders stark ist der emotionale Zugang des Buches. Immer wieder geht es um Großmütter, Fischer, kleine Käsereien, Märkte, gemeinsames Essen und das Weitergeben von Rezepten über Generationen hinweg. Essen wird hier ausdrücklich nicht nur als Nahrungsaufnahme verstanden, sondern als Ritual, Gemeinschaft und Ausdruck von Zugehörigkeit. Genau darin liegt die eigentliche Idee des Buches: Griechenland soll nicht touristisch inszeniert, sondern über seine Alltagsküche und seine Menschen erfahrbar gemacht werden. Interessant ist außerdem, dass Lazaros bewusst mit Erwartungshaltungen spielt. Im Vorwort betont er ausdrücklich, dass man hier nicht die „üblichen Klassiker wie Gyros und Souvlaki“ finde, sondern Gerichte der echten Inselküche. Das weckt Neugier und deutet darauf hin, dass das Buch stärker regional und traditionsorientiert arbeitet als viele deutschsprachige Griechenland-Kochbücher.
Ein modernes Detail sind die integrierten QR-Codes zu eigens zusammengestellten Musik-Playlists mit Titeln wie „Armonia“, „Euphoria“ oder „Nostalgia“. Dadurch versucht das Buch, ein gesamtes Lebensgefühl zu transportieren und Kochen, Musik und Atmosphäre miteinander zu verbinden. Das wirkt persönlich und konsequent durchdacht, ohne zu aufdringlich modern erscheinen zu wollen. Insgesamt entsteht bereits in Einleitung und Inhaltsverzeichnis der Eindruck eines sehr atmosphärischen Kochbuchs, das stark von Erinnerungen, Begegnungen und kultureller Verbundenheit lebt. „Von Insel zu Insel“ scheint weniger ein schnelles Alltagskochbuch sein zu wollen als vielmehr eine kulinarische Reise durch die Vielfalt der griechischen Inselküchen — emotional, traditionsbewusst und mit großer persönlicher Nähe erzählt. Die Kapitel im Einzelnen:
Ionische Genüsse – Aromen der grünen Inseln
Schon der Einstieg in das erste Kapitel macht deutlich, dass Lazaros Kapageoroglou seine geografische Gliederung tatsächlich ernst meint. Die Ionischen Inseln werden hier nicht einfach als weitere Station einer Griechenlandreise behandelt, sondern als eigenständiger kulinarischer Kulturraum vorgestellt — geprägt von ihrer Lage westlich des Festlands und vor allem vom jahrhundertelangen venezianischen Einfluss. Besonders interessant ist dabei, dass Lazaros diesen historischen Hintergrund nicht abstrakt erklärt, sondern direkt mit den Rezepten verknüpft. Pasta, Tomatensaucen, Weißwein, Kräuter, langsam geschmorte Gerichte oder auch Polenta-artige Süßspeisen tauchen hier immer wieder auf und unterscheiden sich deutlich von dem Griechenlandbild, das viele Leser*innen vermutlich zunächst im Kopf haben.
Das Kapitel umfasst insgesamt zehn Rezepte und bewegt sich dabei bewusst zwischen herzhaften Alltagsgerichten, Fischküche, Schmorgerichten und traditionellen Süßspeisen. Dadurch entsteht ein sehr lebendiger Eindruck dieser Inselküche. Beispiele dafür sind etwa:
- „Sofrito“, geschmortes Rindfleisch in aromatischer Knoblauch-Weißwein-Sauce,
- „Pastitsada“, ein langsam geschmortes Hähnchengericht mit Tomate und Gewürzen,
- „Bianco“, ein Fischgericht mit Kartoffeln, Knoblauch und Zitrone,
- „Bourdeto“, ein scharf gewürzter Fischeintopf mit Paprika,
- „Strapatsada“, ein einfaches Tomaten-Feta-Rührei,
- oder „Ladopita“, ein traditioneller Olivenölkuchen von Lefkada.
Gerade an diesen Rezepten zeigt sich bereits recht gut, wie Lazaros arbeitet. Die kurzen Einleitungen liefern fast immer kleine kulturgeschichtliche Hinweise: Woher ein Gericht stammt, welche Einflüsse es geprägt haben, wie der Name entstanden ist oder welche Rolle das Gericht bis heute im Alltag spielt. Das wirkt nicht belehrend, sondern eher wie ein persönliches Weitererzählen von Geschichten und Küchenwissen.
Und tatsächlich beginnt hier das Buch auch, seinen zentralen Anspruch einzulösen: Die Unterschiede zwischen den Inselregionen werden nicht nur behauptet, sondern kulinarisch nachvollziehbar gemacht. Die ionische Küche erscheint deutlich stärker italienisch geprägt als viele andere griechische Regionalküchen — mit Schmorgerichten, Pasta, Tomatenbasis und aromatischen Saucen, die man eher im Adriaraum verorten würde als im typischen Bild der Ägäis. Gleichzeitig bleibt die Küche dabei bodenständig und unkompliziert. Viele Rezepte wirken wie echte Alltagsgerichte und nicht wie stilisierte Restaurantküche. Auch die Süßspeisen fügen sich organisch ein und vermitteln den Eindruck einer vollständigen regionalen Esskultur statt einer bloßen Sammlung besonders fotogener Hauptgerichte.
Auffällig ist außerdem, dass Lazaros immer wieder erklärt, wie eng Geschichte und Küche miteinander verbunden sind. Die venezianische Herrschaft wird nicht nur erwähnt, sondern konkret über Zutaten, Zubereitungsarten und Begriffe sichtbar gemacht. Dadurch bekommen die Rezepte mehr Tiefe und die Region ein eigenes kulinarisches Profil. Nach diesem ersten Kapitel entsteht jedenfalls erstmals der Eindruck, dass „Von Insel zu Insel“ tatsächlich mehr sein könnte als ein atmosphärisches Griechenland-Kochbuch. Die regionalen Unterschiede werden hier greifbar — und genau das macht neugierig auf die weiteren Inselgruppen.
Kreta – Wo Olivenöl und Wildkräuter Geschichten erzählen
Das Kreta-Kapitel fällt innerhalb des Buches sofort auf, weil Lazaros Kapageoroglou hier einen anderen Schwerpunkt setzt als zuvor bei den Ionischen Inseln. Während dort vergleichsweise viele Rezepte auf engem Raum vorgestellt werden, nimmt sich das Buch für Kreta ungewöhnlich viel Zeit für Atmosphäre, kulturellen Hintergrund und persönliche Erinnerungen — und kombiniert diese ausführliche Einführung anschließend lediglich mit drei Rezepten. Das wirkt zunächst fast überraschend, ergibt aber inhaltlich durchaus Sinn. Kreta erscheint hier weniger als bloße Rezeptregion, sondern eher als kulinarisches Fundament Griechenlands. Lazaros beschreibt die kretische Küche als ursprünglich, schlicht und eng mit Natur, Landwirtschaft und Gastfreundschaft verbunden. Immer wieder geht es um Wildkräuter, Olivenöl, langsam geschmorte Gerichte, Käsetraditionen und die Idee, aus wenigen Zutaten mit Geduld und handwerklichem Können etwas Besonderes entstehen zu lassen.
Interessant ist dabei, dass die Texte hier deutlich emotionaler und persönlicher werden als im ersten Kapitel. Besonders die Erinnerung an eine Großmutter in einem Bergdorf, den Duft von Thymian und frisch gebackenem Brot oder der Satz „Das Wichtigste ist die Liebe, mit der du kochst“ zeigen sehr klar, wie stark Lazaros Kreta mit emotionaler Erinnerung und kulinarischer Herkunft verbindet. Gleichzeitig wird Kreta fast schon als Gegenmodell zu moderner, komplizierter Küche inszeniert. Die Botschaft lautet immer wieder: Weniger Technik, weniger Inszenierung — dafür gute Zutaten, Zeit und Einfachheit. Kulinarisch konzentriert sich das Kapitel dann auf drei sehr klassische Gerichte:
- „Dakos“, der bekannte Gerstenzwieback mit Tomaten und Käse,
- „Gamopílafo“, der traditionelle „Hochzeitsreis“ mit langsam gegartem Fleisch,
- sowie ein süßes Myzithra-Gebäck für die Osterzeit.
Gerade „Gamopílafo“ zeigt dabei schön, wie Lazaros arbeitet. Die Rezepttexte liefern nicht nur Hintergrundwissen, sondern auch kleine kulturelle Einblicke — etwa die humorvolle Bemerkung, dass man nach einer Hochzeit auf Kreta angeblich nur zwei Dinge beurteile: die Braut und das Gamopílafo. Solche Details machen die Texte lebendig und geben den Gerichten kulturellen Kontext. Allerdings zeigt sich hier auch eine kleine Besonderheit des Buches: Die Balance zwischen Einleitung und Rezeptumfang wirkt auf Kreta etwas unausgeglichen. Die ausführliche atmosphärische Einführung weckt Erwartungen an eine größere kulinarische Vielfalt der Insel, die mit nur drei Rezepten anschließend nur begrenzt eingelöst werden kann — gerade weil Kreta als eine der prägendsten und eigenständigsten Regionalküchen Griechenlands gilt.
Trotzdem funktioniert das Kapitel atmosphärisch sehr gut. Es vermittelt ein klares Bild davon, wie Lazaros die kretische Küche versteht: nicht spektakulär oder luxuriös, sondern tief verwurzelt, naturverbunden und geprägt von Einfachheit, Gastfreundschaft und Erinnerungen. Mit Blick auf das gesamte Buch wird außerdem zunehmend deutlich, dass „Von Insel zu Insel“ weniger enzyklopädisch oder vollständig sein möchte, sondern eher exemplarisch arbeitet. Lazaros versucht offenbar nicht, jede Inselküche umfassend abzubilden, sondern einzelne Gerichte und Geschichten auszuwählen, die für ihn das Lebensgefühl der jeweiligen Region transportieren.
Die Sporaden – Inselküche mit Charakter
Nach dem emotional und fast schon grundlegend gedachten Kreta-Kapitel wirkt der Abschnitt über die Sporaden deutlich konzentrierter und konkreter. Lazaros Kapageoroglou skizziert die Inselgruppe mit wenigen Absätzen, schafft es dabei aber trotzdem, sofort ein klares Bild entstehen zu lassen: grüne Inseln, wilde Kräuter, Fischküche, Pflaumenbäume und eine eher ruhige, naturverbundene Atmosphäre.
Auffällig ist, dass hier erneut ein sehr spezifischer regionaler Schwerpunkt gesetzt wird. Während viele Griechenland-Kochbücher die Inselküchen eher allgemein zusammenfassen, konzentriert sich Lazaros auch bei den Sporaden auf Eigenheiten, die man außerhalb Griechenlands kaum kennt. Besonders die Verwendung von Pflaumen zieht sich durch das Kapitel wie ein kulinarischer roter Faden. Dass Fisch oder Fleisch hier mit süßen Früchten kombiniert werden, dürfte für viele Leser*innen zunächst überraschend sein und verleiht dem Kapitel sofort ein eigenes Profil. Das zeigt sich besonders beim Gericht „Psari Plaki“, einem Fischgericht mit Pflaumen. Allein diese Kombination macht neugierig, weil sie deutlich aus den gewohnten Bildern mediterraner Küche herausfällt. Gerade dadurch beginnt das Buch zunehmend, seinen eigenen Anspruch einzulösen: nicht bloß bekannte Griechenland-Klassiker zu sammeln, sondern regionale Besonderheiten sichtbar zu machen, die außerhalb der Inseln kaum bekannt sind. Insgesamt umfasst das Kapitel erneut nur drei Rezepte:
- „Tiropita“, eine spiralförmige Käseschnecke aus Skopelos,
- „Psari Plaki“, Fisch mit Pflaumen,
- sowie „Amygdalotá“, traditionelle Mandel-Cookies von Skiathos.
Trotz der geringen Anzahl entsteht diesmal allerdings ein etwas geschlossenerer Eindruck als im Kreta-Kapitel. Vielleicht gerade deshalb, weil die Rezepte stilistisch enger zusammenpassen und deutlicher auf typische Produkte und Geschmacksbilder der Region verweisen. Interessant ist außerdem, wie Lazaros weiterhin mit kleinen kulturgeschichtlichen Einschüben arbeitet. Die Texte erklären nicht nur Zutaten oder Herkunft, sondern erzählen nebenbei etwas über die Inseln selbst: über Pflaumenanbau, lokale Festtraditionen, Naturschutzgebiete oder typische Essgewohnheiten. Dadurch bekommen auch einfache Gerichte eine gewisse Tiefe.
Besonders gelungen wirkt dabei, dass die Rezepte nicht künstlich exotisiert werden. Die Kombinationen mögen ungewöhnlich erscheinen, bleiben aber immer bodenständig und alltagstauglich. Gerade die Verbindung von salzigen, herzhaften und fruchtigen Komponenten scheint typisch für die Region zu sein und hebt die Sporaden angenehm von den zuvor vorgestellten Inselgruppen ab. Nach diesem Kapitel wird jedenfalls immer deutlicher, dass Lazaros nicht Vollständigkeit anstrebt, sondern bewusst kulinarische Schlaglichter setzt. Manche Regionen bekommen mehr Raum für Atmosphäre und Erinnerungen, andere überzeugen eher über einzelne ungewöhnliche Gerichte oder Zutatenkombinationen. Genau dadurch beginnt das Buch zunehmend eine eigene Handschrift zu entwickeln.
Die Kykladen – das Herzstück des Buches
Mit dem Kapitel „Mit Kapern und Wind – die kulinarische Seele der Kykladen“ erreicht das Buch erstmals wirklich epische Breite. Schon beim Blättern wird klar: Hier liegt der eigentliche Schwerpunkt des gesamten Projekts. Während Kreta und die Sporaden eher wie atmosphärische Momentaufnahmen wirkten, entfaltet sich auf den Kykladen nun eine deutlich umfassendere kulinarische Reise. Mit 27 Rezepten ist dieses Kapitel mit großem Abstand das umfangreichste des Buches – und genau das fühlt sich auch inhaltlich vollkommen stimmig an. Denn Lazaros gelingt hier etwas Besonderes: Er verbindet touristisch vertraute Bilder der Kykladen – weiße Häuser, Windmühlen, blaues Meer, Vulkanlandschaften – mit einer erstaunlich differenzierten Darstellung regionaler Küchenidentitäten. Statt die Inselgruppe als homogene „griechische Urlaubsküche“ zu präsentieren, arbeitet er sehr klar heraus, dass jede Insel eigene Zutaten, Techniken und Spezialitäten besitzt.
Die zweitseitige Einführung gehört zu den stärksten des Buches. Sie verbindet Landschaft, Klima und Kulinarik auf sehr anschauliche Weise: Santorini mit seinen mineralischen Böden, Tinos als Insel der Artischocken, Sifnos als Heimat der Kichererbse und langsamer Schmorgerichte aus Tontöpfen. Besonders überzeugend ist dabei, dass diese Texte nicht bloß dekorativ wirken, sondern die Rezepte tatsächlich vorbereiten und erklären. Auch kulinarisch zeigt sich hier erstmals die ganze Spannweite des Buches. Einerseits tauchen Gerichte auf, die viele Leser*innen aus griechischen Restaurants kennen dürften: gefülltes Gemüse, Bauernsalat, Käsetaschen oder langsam geschmorte Eintöpfe. Andererseits erweitert Lazaros diese vertrauten Bilder konsequent um regionale Varianten und eher unbekannte Spezialitäten. Gerade das macht das Kapitel so spannend. Immer wieder finden sich Rezepte, die vertraute Geschmacksideen leicht verschieben oder völlig neue Kombinationen zeigen:
- Wassermelonenkuchen,
- Kürbis-Mandel-Desserts,
- Sesamriegel mit Rosenwasser,
- Kichererbseneintopf aus dem Holzofen,
- oder Kapariá Stifado, bei dem Kapern dem klassischen Schmorgericht eine völlig andere Richtung geben.
Dadurch entsteht nie der Eindruck eines „Standard-Griechenlandkochbuchs“. Stattdessen entwickelt das Kapitel eine enorme kulinarische Vielfalt zwischen rustikaler Inselküche, bäuerlicher Tradition, Süßspeisen, Streetfood-artigen Snacks und beinahe festlichen Gerichten. Auffällig ist außerdem, wie stark regionale Produkte ins Zentrum rücken. Artischocken auf Tinos, Kichererbsen auf Sifnos, weiße Auberginen und Tomaten auf Santorini oder die besondere Käsekultur einzelner Inseln werden nicht nur erwähnt, sondern fast wie kulturelle Identitätsmarker behandelt. Essen wird hier sichtbar als Ausdruck von Landschaft, Klima und Geschichte verstanden. Besonders gelungen wirkt dabei die Balance zwischen Bekanntem und Überraschendem. Das Kapitel bleibt zugänglich, weil viele Gerichte vertraute mediterrane Elemente besitzen, öffnet aber gleichzeitig immer wieder kleine Türen in weniger bekannte Bereiche der griechischen Inselküche. Genau dadurch entsteht beim Lesen und Blättern ständig Neugier.
Auch formal wirkt dieses Kapitel deutlich runder als die vorherigen. Die größere Rezeptanzahl erlaubt es Lazaros, Inseln ausführlicher zu charakterisieren und wiederkehrende Zutaten oder Techniken sichtbar werden zu lassen. Dadurch entsteht erstmals ein echter Spannungsbogen innerhalb eines Kapitels. Die Kykladen bilden damit nicht nur den geografischen Mittelpunkt des Buches, sondern auch seinen kulinarischen Kern. Hier zeigt sich am deutlichsten, was Lazaros eigentlich erzählen möchte: dass griechische Küche weit mehr ist als Gyros, Bauernsalat und Tzatziki – nämlich ein komplexes Geflecht regionaler Traditionen, Inselidentitäten und überraschender Geschmackskombinationen.
Der Dodekanes – Wo der Orient den Ägäischen Wind küsst
Mit diesem Kapitel verändert das Buch seinen Ton erneut spürbar. Nach den eher sonnig-mediterranen Kykladen rückt Lazaros nun näher an die türkische Küste und damit auch näher an jene kulturellen Übergänge, die die Küche des Dodekanes seit Jahrhunderten prägen. Schon der Titel macht deutlich, worum es hier geht: um Begegnungen zwischen Griechenland und Orient, zwischen Ägäis und Levante, zwischen mediterraner Einfachheit und aromatischer Würze. Die Einführung ist zwar deutlich kompakter als im Kykladen-Kapitel, vermittelt aber sofort ein klares Bild dieser Inselgruppe. Besonders gelungen ist dabei, wie historische Einflüsse direkt mit kulinarischen Entwicklungen verknüpft werden. Arabische, türkische, italienische und byzantinische Spuren werden nicht trocken erklärt, sondern über Aromen, Zutaten und Esskultur erfahrbar gemacht. Dadurch entsteht sofort ein anderes kulinarisches Klima als zuvor: würziger, kräftiger, teilweise orientalischer geprägt.
Auch innerhalb der Rezepte zeigt sich diese Verschiebung sehr deutlich. Einerseits greift Lazaros erneut bekannte Klassiker auf, etwa gefüllte Weinblätter oder Oktopusgerichte, die viele Leser*innen bereits mit Griechenland verbinden dürften. Gleichzeitig verändert er diese vertrauten Gerichte regional so deutlich, dass sie wieder neu wirken. Die Fýlla von Kalymnos etwa werden wesentlich herzhafter zubereitet als viele bekannte Dolmades-Varianten und erhalten durch Fleisch und Reis eine deutlich rustikalere Note. Besonders spannend ist erneut die Mischung aus Bekanntem und Unerwartetem. Gerade die hausgemachte Pasta der Insel Karpathos fällt aus dem typischen Bild griechischer Restaurantküche heraus. Die Makarounes mit karamellisierten Zwiebeln und Myzithra erzählen viel stärker von bäuerlicher Inselküche und familiären Traditionen als von touristischer Mittelmeerfolklore. Solche Rezepte wirken beinahe wie kleine ethnografische Fenster in regionale Alltagsküchen.
Dazu kommen überraschende süße Gerichte wie der Kormos mosaiko – eine einfache Kakao-Biskuitrolle ohne Backen, die laut Text fast jede*r Griechin oder Grieche aus der Kindheit kennt. Genau solche Rezepte sind enorm wertvoll, weil sie zeigen, dass griechische Küche eben nicht nur aus den international bekannten Restaurantklassikern besteht, sondern auch aus Alltagsdesserts, Familienrezepten und regionalen Erinnerungsgerichten. Auffällig ist außerdem, wie stark dieses Kapitel mit Atmosphäre arbeitet. Patmos etwa wird nicht nur als Insel beschrieben, sondern als spiritueller Ort voller Geschichte, Klöster und stiller Gassen. Diese Einschübe lockern das Kapitel angenehm auf und verleihen dem Buch erneut etwas Reiseerzählerisches.
Kulinarisch bewegt sich das Kapitel insgesamt stärker zwischen Herzhaftigkeit und Würze. Kräuter, Reisfüllungen, Weinblätter, handgemachte Pasta, Ouzo, getrocknete Früchte und orientalisch anmutende Aromenkombinationen prägen die Auswahl. Dadurch hebt sich der Dodekanes geschmacklich klar von den vorherigen Regionen ab. Gerade diese Unterschiede zwischen den Inselgruppen gehören zu den großen Stärken des Buches. Lazaros zeigt nicht „die eine griechische Küche“, sondern viele kleine Küchenwelten nebeneinander. Und genau im Dodekanes wird besonders sichtbar, wie sehr Griechenland historisch und kulinarisch immer auch ein Land kultureller Übergänge gewesen ist. Das Kapitel wirkt dadurch etwas konzentrierter und aromatisch dichter als die vorherigen Abschnitte – weniger breit angelegt als die Kykladen, aber vielleicht sogar charakterstärker.
Nordost-Ägäische Inseln – Aromen zwischen Ouzo und Mastix
Das Kapitel zu den nordostägäischen Inseln trägt den poetischen Untertitel „Aromen der nordostägäischen Inseln zwischen Ouzo und Mastix“ – und genau so fühlt sich dieser Abschnitt auch an: wie eine kulinarische Reise entlang einer Region, in der griechische Traditionen, kleinasiatische Einflüsse und ganz eigene Inselidentitäten miteinander verschmelzen. Bereits die zweiseitige Einleitung macht deutlich, dass hier nicht einfach nur regionale Klassiker gesammelt werden, sondern eine ganze Aromawelt vorgestellt wird. Die nordostägäischen Inseln erscheinen als kulinarische Brücke zwischen Orient und Okzident, geprägt von Einfachheit, Erfindungsreichtum und außergewöhnlichen Zutaten. Besonders Mastix, Ouzo, Muskatwein, Wildkräuter und Zitrusfrüchte ziehen sich wie ein roter Faden durch das Kapitel.
Mit insgesamt 16 Rezepten gehört dieser Abschnitt zu den umfangreicheren des Buches. Zusätzlich gibt es mehrere atmosphärische Einschübe – unter anderem zu Samos und besonders ausführlich zu Ikaria, der berühmten „Blue Zone“ der Langlebigkeit. Gerade der Ikaria-Teil geht weit über reine Kulinarik hinaus und verbindet Ernährung mit Lebensstil, Gemeinschaft, Bewegung und Entschleunigung. Das wirkt nie belehrend, sondern sehr stimmig und eingebettet in die Kultur der Insel.
Kulinarisch zeigt das Kapitel erneut eine beeindruckende Bandbreite. Manche Gerichte knüpfen an Bekanntes an – etwa würzig gefüllte Zwiebeln für die Mezé-Tafel, ein Ofenomelett mit Zucchini und Feta, Fleischbällchen in Tomatensauce oder ein sommerliches Soufiko, das an Ratatouille erinnert. Viel spannender sind aber die Kombinationen, die man in dieser Form selten oder vielleicht noch nie gesehen hat. Da wären etwa die Mandarinen-Nudeln mit Garnelen von Chios – hausgemachte Pasta mit Mandarinenaroma, die süß-fruchtige Zitrusnoten mit Meeresfrüchten verbindet. Oder gegrillter Mastelo-Käse mit Sauerkirschkonfitüre, der süße und salzige Aromen auf überraschend elegante Weise kombiniert. Auch die Desserts zeigen eine andere Seite der griechischen Küche: eine Traubencreme mit Walnüssen von Samos, ein Rosenblüten-Dessert von Ikaria oder knusprige Filoteig-Röllchen mit Mastix machen deutlich, wie stark hier mit Duft, Harzen, Blüten und natürlichen Süßungsmitteln gearbeitet wird. Gerade Mastix zieht sich faszinierend durch mehrere Rezepte und dürfte für viele Leser*innen eine echte Entdeckung sein. Das aromatische Harz von Chios verleiht Süßspeisen, Gebäck und Likören eine fast orientalische Note und sorgt dafür, dass dieses Kapitel insgesamt deutlich eigenständiger wirkt als viele klassische Griechenland-Kochbücher. Besonders gelungen ist dabei, dass die Rezepte nie exotisch um des Exotischen willen erscheinen. Alles bleibt tief in der regionalen Tradition verwurzelt und wird gleichzeitig sehr zugänglich erklärt. Genau dadurch entsteht dieses Gefühl, tatsächlich unterschiedliche Inselwelten kennenzulernen – jede mit ihrer eigenen Geschichte, ihren Zutaten und ihrer kulinarischen Handschrift.
Griechische Inselklassiker – Authentisch und zeitlos
Das abschließende Kapitel wirkt wie eine bewusste Rückkehr zu den Gerichten, die das Bild der griechischen Inselküche geprägt haben – allerdings ohne sich dabei auf touristische Restaurantklischees zu reduzieren. Bereits die Einleitung macht deutlich, worum es hier geht: um echte Alltagsgerichte der Inseln, um Speisen, die über Generationen weitergegeben, leicht verändert und regional angepasst wurden. Genau dadurch entsteht ein sehr stimmiger Abschluss des Buches.
Natürlich begegnet man hier einigen vertrauten Klassikern. Das Kapitel beginnt passend mit Tsatsiki, allerdings in einer Variante mit geraspelter Karotte, die dem bekannten Joghurt-Gurken-Dip eine leicht süßliche Frische verleiht. Dazu kommen Gerichte wie Spanakopita beziehungsweise Spanakotyropita, Zitronenkartoffeln, gegrillte Sardellen oder Fisch im Backpapier – Rezepte, die viele Leser*innen vermutlich mit Griechenland verbinden und die hier in einer sehr ursprünglichen, häuslichen Form präsentiert werden. Interessant ist aber, dass das Kapitel eben nicht bei den allseits bekannten Standards stehen bleibt. Gerade dadurch wirkt es deutlich vielseitiger und authentischer als viele klassische Griechenland-Kochbücher. Neben den vertrauten Rezepten finden sich auch Gerichte, die im deutschen Verständnis vermutlich kaum als „griechische Klassiker“ abgespeichert sind: etwa Reis mit Miesmuscheln, Sepia mit Spinat oder Kritharaki-Nudeln mit frischer Tomatensauce und gerösteten Zucchini. Genau solche Rezepte erweitern den Blick auf die griechische Alltagsküche enorm.
Besonders schön gelingt dabei die Balance zwischen Einfachheit und Aroma. Viele Gerichte arbeiten mit wenigen Zutaten, leben aber stark von gutem Olivenöl, Kräutern, Zitronen, Gemüse und Fisch. Selbst einfache Pommes nach griechischer Art bekommen durch das Frittieren in Olivenöl und die Kombination mit Oregano und Meersalz sofort eine eigene Handschrift. Überhaupt zeigt dieses Kapitel noch einmal sehr deutlich, dass die Inselküche nicht kompliziert sein muss, um charaktervoll zu wirken. Auch strukturell funktioniert dieser letzte Abschnitt sehr gut. Nach den vielen regionalen Besonderheiten und teilweise überraschenden Kombinationen der vorherigen Kapitel führt er die unterschiedlichen Einflüsse noch einmal zusammen und macht deutlich, wie sehr sich die griechischen Inselküchen gegenseitig geprägt haben. Die Gerichte lassen sich oft keiner einzelnen Insel mehr eindeutig zuordnen – und genau das beschreibt die Einleitung sehr treffend als jahrhundertelangen Austausch zwischen Menschen, Produkten und Traditionen. Damit schließt das Buch ausgesprochen rund ab: mit Rezepten, die vertraut wirken und zugleich zeigen, wie vielschichtig, regional und lebendig die griechische Inselküche tatsächlich ist.
Das Buch endet ebenso unaufgeregt, wie es insgesamt gestaltet ist: ohne lange Danksagungen, persönliche Abschiedsnoten oder zusätzliche Lifestyle-Kapitel. Stattdessen konzentriert sich alles noch einmal ganz auf die Rezepte und ihre Zugänglichkeit – und das passt erstaunlich gut zum Charakter des gesamten Buches. Besonders hilfreich sind die beiden Rezeptverzeichnisse am Ende. Zum einen gibt es eine Übersicht nach Kapiteln beziehungsweise Inselregionen, wodurch sich die kulinarische Reise durch die Ägäis noch einmal sehr schön nachvollziehen lässt. Praktisch ist dabei vor allem, dass die einzelnen Gerichte direkt den jeweiligen Inseln zugeordnet bleiben. Wer später gezielt noch einmal nach Rezepten aus Santorini, Naxos oder Lesbos sucht, findet sich dadurch schnell zurecht.
Zusätzlich gibt es ein alphabetisches Rezeptverzeichnis, das die Alltagstauglichkeit des Buches noch einmal deutlich erhöht. Gerade bei einem Buch mit vielen unbekannten oder griechischen Rezeptnamen ist das ausgesprochen sinnvoll gelöst. Wenn man überhaupt einen Kritikpunkt suchen möchte, dann vielleicht den fehlenden Zutatenindex. Wer gezielt nach Rezepten mit bestimmten Gemüsesorten, Fischarten oder Kräutern suchen möchte, bekommt hier keine zusätzliche Orientierungshilfe. Gleichzeitig fällt das in diesem Fall tatsächlich kaum ins Gewicht, weil die beiden vorhandenen Verzeichnisse sehr übersichtlich und gut strukturiert sind.
Abgeschlossen wird das Buch mit einer kurzen Vorstellung des Autors sowie einem kleinen Hinweis auf sein erstes Buch „Sonne und Meer auf dem Teller“, das sich der modernen griechischen Küche widmet (und das ich übrigens auch sehr mag). Auch das wirkt angenehm zurückhaltend und nicht werblich überladen. Insgesamt passt dieses schlichte Ende sehr gut zu einem Buch, das nie laut oder effekthascherisch sein möchte, sondern vor allem eines vermittelt: echte Begeisterung für die Vielfalt, Geschichte und Alltagsnähe der griechischen Inselküchen.
3. Zielgruppe
„Griechische Inselküche“ richtet sich zunächst natürlich an alle Menschen, die die griechische Küche lieben – und dabei mehr entdecken möchten als die bekannten Restaurantklassiker. Das Buch spricht Leser*innen an, die neugierig auf regionale Unterschiede, Inseltraditionen und weniger bekannte Gerichte sind und Lust haben, kulinarisch auch einmal „off the beaten track“ unterwegs zu sein.
Besonders spannend dürfte das Buch für Griechenland-Reisende sein. Viele Rezepte wirken wie direkte Erinnerungen an kleine Tavernen am Hafen, Familienküchen oder Gerichte, die man vielleicht irgendwo auf einer Insel gegessen hat und danach nie wiedergefunden hat. Genau diese Lücke schließt das Buch erstaunlich gut. Man merkt vielen Rezepten an, dass sie aus einer echten Alltagsküche stammen und nicht für ein touristisches Griechenlandbild entwickelt wurden. Gleichzeitig richtet sich das Buch ausdrücklich nicht nur an erfahrene Hobbyköch*innen oder Spezialist*innen für mediterrane Küche. Die Rezepte bleiben insgesamt sehr zugänglich. Die Zutatenlisten sind meist übersichtlich, viele Gerichte basieren auf einfachen Produkten, Kräutern, Gemüse, Fisch, Hülsenfrüchten oder Teigen, und die Anleitungen sind klar strukturiert. Auch Menschen mit eher wenig Kocherfahrung können hier problemlos vieles nachkochen. Etwas Küchenerfahrung ist an einzelnen Stellen natürlich hilfreich – etwa beim Arbeiten mit Filoteig, beim Frittieren oder beim Umgang mit Fisch und Meeresfrüchten. Das Buch bleibt dabei aber nie unnötig kompliziert oder technisch überfordernd. Vielmehr vermittelt es das Gefühl einer bodenständigen Küche, die vom guten Produkt und vom Verständnis für Aromen lebt, nicht von Perfektionismus.
Besonders interessant dürfte „Griechische Inselküche“ außerdem für Kochbuchliebhaber*innen sein, die bereits viele mediterrane oder griechische Bücher besitzen. Denn genau hier liegt eine große Stärke des Buches: Trotz des inzwischen durchaus gut gefüllten Marktes gelingt es dem Autor immer wieder, Gerichte, Kombinationen und regionale Spezialitäten zu zeigen, die man so bislang selten oder gar nicht in deutschen Kochbüchern findet. Mandarinen-Nudeln mit Garnelen, Rosenblüten-Desserts, Mastix-Gebäck oder ikarische Gemüsegerichte erweitern den kulinarischen Horizont spürbar. Dadurch entsteht ein Kochbuch, das sowohl Einsteiger*innen als auch fortgeschrittene Hobbyköch*innen abholt – und zugleich Menschen begeistert, die Griechenland nicht nur als Urlaubsziel, sondern als vielfältige Esskultur entdecken möchten.
4. Rezepte und Vielfalt
Anzahl der Rezepte
Mit rund 80 Rezepten bietet „Griechische Inselküche“ eine erfreulich große Bandbreite, ohne dabei beliebig zu wirken. Man merkt schnell, dass hier nicht einfach möglichst viele Gerichte gesammelt wurden, sondern dass das Buch einem klaren Konzept folgt: der möglichst authentischen Darstellung der unterschiedlichen Inselküchen Griechenlands. Dabei steht nicht die Anpassung an aktuelle Ernährungstrends im Mittelpunkt, sondern die regionale Küche selbst. Wer also Hinweise zu veganen, vegetarischen, glutenfreien oder besonders gesundheitsorientierten Varianten erwartet, wird hier kaum fündig. Das Buch erklärt nicht permanent, was ersetzt oder angepasst werden könnte, sondern zeigt die Gerichte so, wie sie traditionell gekocht und gegessen werden. Genau das macht einen großen Teil seiner Glaubwürdigkeit und seines Charmes aus.
Vielfalt der Gerichte
Die Rezeptauswahl ist ausgesprochen breit. Besonders stark vertreten sind Mezze, Gemüsegerichte, Fisch- und Meeresfrüchtespeisen, einfache Hauptgerichte, Teiggerichte sowie Süßspeisen und traditionelles Gebäck. Viele Rezepte wirken angenehm alltagstauglich und gleichzeitig tief in ihrer jeweiligen Region verwurzelt. Auffällig ist außerdem, wie stark die Inselküchen über Produkte und Aromen erzählt werden: Mastix, Muskatwein, Rosenblüten, Wildkräuter, Hülsenfrüchte, Zitrusfrüchte, Olivenöl oder Filoteig tauchen immer wieder auf und geben dem Buch ein sehr eigenes kulinarisches Profil.
Suppen hingegen spielen tatsächlich kaum eine Rolle. Eintöpfe und geschmorte Gemüsegerichte gibt es zwar durchaus, klassische Suppenrezepte sucht man aber vergeblich. Das dürfte weniger eine Schwäche des Buches sein als vielmehr Ausdruck der dargestellten regionalen Küchenrealität.
Besonders gelungen ist dabei, dass bekannte Gerichte neben vielen weniger vertrauten Rezepten stehen dürfen. Natürlich finden sich Klassiker wie Tzatziki, Zitronenkartoffeln, Spanakopita oder gegrillter Fisch. Gleichzeitig erweitert das Buch den Blick aber deutlich um Gerichte, die in Deutschland weit weniger bekannt sind: etwa Mandarinen-Nudeln mit Garnelen, Reis mit Miesmuscheln, Mastix-Gebäck, Rosenblüten-Desserts oder die ikarische Gemüseküche.
Originalität & Kreativität
Gerade diese Mischung macht die große Stärke des Buches aus. Der Autor versucht nicht, die griechische Küche modernisiert oder künstlich verfremdet neu zu erfinden. Die Kreativität entsteht vielmehr aus der regionalen Vielfalt selbst. Viele Rezepte wirken überraschend, obwohl sie offensichtlich tief traditionell verwurzelt sind. Dabei gelingt dem Buch etwas, das nicht selbstverständlich ist: Selbst Leser*innen, die bereits viele griechische Kochbücher besitzen, dürften hier noch neue Gerichte und Kombinationen entdecken. Besonders spannend sind die kleinen geschmacklichen Verschiebungen und regionalen Varianten bekannter Klassiker – etwa Tzatziki mit Karotte, Käse mit Sauerkirschkonfitüre oder Süßspeisen mit Mastix und Rosenblüten. Das Buch verlangt dabei durchaus eine gewisse Offenheit. Wer ausschließlich die bekannten, fleischlastigen Standardgerichte aus der Restaurantküche erwartet, wird überrascht werden. Genau darin liegt aber einer der größten Reize dieser Sammlung: Sie zeigt Griechenland nicht als touristisches Klischee, sondern als vielfältige, lebendige Inselküche mit vielen eigenen Traditionen und Aromen.
5. Schwierigkeitsgrad
Die gute Nachricht vorweg: „Von Insel zu Insel“ ist kein Kochbuch, das seine Leser*innen mit komplizierten Techniken oder schwer zugänglichen Rezepten einschüchtert. Die meisten Gerichte bewegen sich im Bereich „einfach bis mittel“ und lassen sich auch von weniger erfahrenen Hobbyköch*innen gut bewältigen. Viele Rezepte basieren auf dem, was die griechische Inselküche seit jeher auszeichnet: gute Zutaten, klare Aromen und unkomplizierte Zubereitungen. Gemüse wird geschmort, Fisch im Ofen gegart, Teige gefüllt oder einfache Süßspeisen mit wenigen Zutaten zubereitet. Die Gerichte wirken dadurch authentisch und alltagstauglich, ohne banal zu werden.
Natürlich gibt es innerhalb des Buches Unterschiede. Einige Rezepte verlangen etwas mehr Fingerspitzengefühl, etwa beim Umgang mit Filoteig, beim Frittieren oder bei der Verarbeitung von Fisch und Meeresfrüchten. Wer bereits regelmäßig kocht, wird diese Aufgaben jedoch problemlos meistern. Spezielle Küchengeräte oder außergewöhnliche Techniken sind nicht erforderlich. Positiv fällt außerdem auf, dass die Zutatenlisten meist überschaubar bleiben und die einzelnen Arbeitsschritte grundsätzlich gut nachvollziehbar sind. Dadurch eignet sich das Buch auch für Menschen, die ihre ersten Erfahrungen mit der griechischen Küche sammeln möchten.
Vereinzelt begegnet man auch Zutaten, die nicht überall erhältlich sind, etwa Mastix oder regionalen griechischen Käsesorten. Das bleibt jedoch die Ausnahme. Häufig nennt Lazaros Kapageoroglou zudem passende Alternativen, die sich problemlos im deutschen Supermarkt finden lassen. Die überwiegende Mehrheit der Rezepte kommt mit ganz alltäglichen Zutaten aus. Wo besondere Produkte verwendet werden, ist dies vor allem der Authentizität der vorgestellten Inselküchen geschuldet und daher gut nachvollziehbar.
Insgesamt richtet sich „Von Insel zu Insel“ daher nicht an Profiköch*innen, sondern an alle, die Freude am Kochen haben und die griechische Inselküche in ihrer Vielfalt entdecken möchten. Der Schwierigkeitsgrad bleibt über weite Strecken angenehm niedrig und macht das Buch auch für Kochanfänger*innen gut zugänglich.
6. Fotografie und Design
Bildqualität
Die Fotografie gehört zu den großen Stärken von „Von Insel zu Insel“. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass Lazaros Kapageoroglou sämtliche Food- und Reisefotografien selbst aufgenommen hat. Lediglich die Porträtfotos des Autors stammen von Liliana da Franchi. Dadurch entsteht eine sehr persönliche Bildsprache, die perfekt mit dem Charakter des Buches harmoniert.
Alle Rezepte sind bebildert, was bei einem Kochbuch dieser Größe keineswegs selbstverständlich ist. Die Aufnahmen wirken modern und hochwertig, gleichzeitig aber angenehm ungekünstelt. Statt stark bearbeiteter oder überfilterter Bilder setzt das Buch auf natürliche Farben und authentische Inszenierungen. Die Gerichte stehen stets im Mittelpunkt, häufig aus der Vogelperspektive fotografiert und in typisch griechischer Umgebung arrangiert: auf verwitterten Holztischen, zwischen Natursteinmauern, Leinentüchern und mediterranen Accessoires. Die Fotos machen unmittelbar Lust aufs Nachkochen und transportieren gleichzeitig die Atmosphäre der jeweiligen Inselregionen. Man hat oft das Gefühl, nicht in einem Fotostudio zu sitzen, sondern auf einer Terrasse irgendwo in Griechenland.
Layout und Gestaltung
Wer bereits Lazaros Kapageoroglous erstes Buch „Sonne und Meer auf dem Teller“ kennt, wird sich sofort zurechtfinden. Gestaltung, Bildsprache und Aufbau folgen derselben Linie und wirken wie aus einem Guss. Das verleiht beiden Büchern einen hohen Wiedererkennungswert. Das Layout ist ausgesprochen übersichtlich gestaltet. Die Farbgebung orientiert sich an den klassischen Griechenland-Farben Blau und Weiß. Dunkelblaue Schrift auf weißen Seiten sorgt für eine angenehme Lesbarkeit, während die serifenlose Darstellung der Zutatenlisten eine schnelle Orientierung ermöglicht. Zutaten und Rezepttext sind klar voneinander getrennt und optisch sauber gegliedert.
Besonders gelungen sind die Kapitelauftakte. Jede Inselregion wird zunächst über eine Landkarte eingeführt, auf der die jeweilige Insel oder Inselgruppe deutlich hervorgehoben ist. Gerade bei den zahlreichen Inseln Griechenlands erleichtert dies die geografische Orientierung enorm. Ergänzt werden die Karten durch großformatige Fotografien und atmosphärische Einleitungstexte.
Praktisch sind auch die auf grauem Hintergrund gedruckten Informationsseiten. Kleine grafische Elemente sorgen dafür, dass man diese Einschübe beim späteren Durchblättern schnell wiederfindet.
Nutzung der Bilder
Die Bilder erfüllen in erster Linie eine atmosphärische Funktion. Neben den Rezeptfotos finden sich immer wieder Aufnahmen von Landschaften, Häfen, Häusern, Straßen, Menschen und typischen Szenen des griechischen Alltags. Dadurch entsteht nicht nur ein Kochbuch, sondern gleichzeitig eine kleine visuelle Reise durch die Inselwelt Griechenlands.
Besonders angenehm ist dabei, dass die Bilder nie wie touristische Hochglanzwerbung wirken. Sie wecken Fernweh, zeigen Griechenland aber meist von seiner authentischen und entspannten Seite. Die Inseln werden dadurch sehr greifbar und lebendig. Einen didaktischen Mehrwert im Sinne von Schritt-für-Schritt-Fotografien bieten die Bilder allerdings nicht. Wer sich zusätzliche Hilfestellungen bei einzelnen Techniken oder Arbeitsschritten wünscht, wird diese hier nicht finden. Die Fotografien dienen vor allem der Atmosphäre, Inspiration und Orientierung – und erfüllen diese Aufgabe hervorragend.
7. Sprache und Anleitungen
Lazaros Kapageoroglou schreibt so, wie er auch kocht: direkt, herzlich und ohne unnötige Umwege. Besonders in den einleitenden Texten zu den Inseln, Regionen und einzelnen Gerichten spürt man seine persönliche Verbundenheit mit Griechenland. Die Texte wirken authentisch und vermitteln glaubhaft, dass hier jemand nicht nur Rezepte sammelt, sondern Erinnerungen, Geschichten und kulinarische Traditionen weitergeben möchte.
Auch die Rezepttexte selbst sind angenehm klar formuliert. Die Anleitungen konzentrieren sich auf das Wesentliche und verzichten auf überflüssige Ausschmückungen. Dadurch bleiben die Rezepte übersichtlich und lassen sich beim Kochen gut nutzen. Wer schon einmal mit einem Kochbuch gearbeitet hat, in dem sich die eigentliche Anleitung zwischen langen Textblöcken versteckt, wird diese Prägnanz schnell zu schätzen wissen.
Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch die größte Schwäche des Buches. An einigen Stellen sind die Anleitungen so knapp gehalten, dass wichtige Zwischenschritte oder Techniken nicht ausreichend erklärt werden. Besonders deutlich wurde dies beim Rezept für die traditionellen Makarounes. Zwar wird beschrieben, dass die Nudeln mit den Fingern eingedrückt werden sollen, um die typische Form zu erhalten, wie dieser Arbeitsschritt genau aussieht, bleibt jedoch unklar. Gerade Leser*innen, die diese Spezialität noch nie zubereitet haben, werden hier vermutlich zusätzliche Informationen suchen müssen. Solche Situationen treten nicht häufig auf, kommen aber vereinzelt vor. Dabei wäre die Lösung naheliegend gewesen: Eine kleine Bildfolge, eine Zeichnung oder ein QR-Code zu einem kurzen Demonstrationsvideo hätten viele Fragen unmittelbar beantwortet. Gerade bei regionalen Spezialitäten, die außerhalb Griechenlands kaum bekannt sind, hätte das den praktischen Nutzen des Buches deutlich erhöht.
Die meisten Rezepte funktionieren dennoch problemlos. Wer über etwas Küchenerfahrung verfügt, kann kleinere Unklarheiten meist problemlos auffangen. Kochanfänger*innen werden weithin ebenfalls gut zurechtkommen. Insgesamt überzeugt das Buch sprachlich durch seine warme, persönliche Tonalität und seine klaren Anleitungen. Die wenigen Schwächen liegen weniger in der Verständlichkeit als vielmehr darin, dass manche traditionelle Technik etwas ausführlicher hätte erläutert werden dürfen.
8. Besonderheiten
Die größte Besonderheit von „Von Insel zu Insel“ liegt zweifellos in seinem konsequenten Fokus auf die regionalen Inselküchen Griechenlands. Während viele Griechenland-Kochbücher die griechische Küche als eine Einheit betrachten, zeigt Lazaros Kapageoroglou die Vielfalt der einzelnen Inselwelten und macht deutlich, wie stark Geschichte, Geografie und kulturelle Einflüsse die jeweiligen Küchen geprägt haben. Besonders gelungen ist dabei, dass diese Unterschiede nicht nur in den Einleitungstexten beschrieben werden, sondern sich tatsächlich in den Rezepten widerspiegeln. Venezianische Einflüsse auf den Ionischen Inseln, orientalische Aromen im Dodekanes oder die besondere Rolle von Mastix, Wildkräutern und Zitrusfrüchten in der Nordostägäis werden kulinarisch nachvollziehbar und machen die Reise durch die Inselwelt zu mehr als einer bloßen Sammlung griechischer Rezepte. Ein weiteres Highlight sind die durchdachten Kapitelauftakte mit Landkarten und regionalen Einführungen. Gerade bei den zahlreichen Inseln Griechenlands erleichtert dies die Orientierung erheblich und schafft einen Mehrwert, der über das reine Nachkochen hinausgeht. Das Buch vermittelt nicht nur Rezepte, sondern auch ein Gefühl für die kulturellen und geografischen Zusammenhänge der jeweiligen Regionen.
Sehr gelungen ist außerdem die Einbindung der QR-Codes zu eigens zusammengestellten Musik-Playlists. Statt beliebiger mediterraner Hintergrundmusik führen diese zu griechischsprachigen Künstler*innen und aktuellen griechischen Liedern. Dadurch entsteht das angenehme Gefühl, von einem Einheimischen durch sein persönliches Griechenland begleitet zu werden. Die Verbindung von Kulinarik, Kultur und Musik wirkt authentisch und verleiht dem Buch eine zusätzliche Dimension. Bemerkenswert ist zudem, dass sämtliche Food- und Reisefotografien vom Autor selbst stammen. Dadurch wirken Bildsprache, Texte und Rezepte besonders geschlossen und persönlich. Man spürt auf nahezu jeder Seite, dass hier ein Autor seine eigene kulinarische Heimat vorstellt und nicht das Ergebnis einer anonymen Kochbuchproduktion präsentiert.
Nicht zuletzt überrascht das Buch mit einer Vielzahl von Gerichten, die selbst erfahrenen Sammler*innen griechischer Kochbücher noch unbekannt sein dürften. Mandarinen-Nudeln mit Garnelen, gegrillter Käse mit Sauerkirschkonfitüre, Mastix-Gebäck oder regionale Spezialitäten von Ikaria, Chios oder Karpathos erweitern den Blick auf die griechische Küche deutlich und zeigen, wie vielfältig die Inselwelt kulinarisch tatsächlich ist. Genau diese Mischung aus kulinarischer Entdeckungsreise, kulturellem Hintergrundwissen, persönlicher Handschrift und hoher Authentizität macht „Von Insel zu Insel“ zu einem besonderen Vertreter der inzwischen recht umfangreichen Kategorie griechischer Kochbücher.
9. Preis-Leistungsverhältnis
Preis: 35 Euro
Mit einem Verkaufspreis von 35 Euro bewegt sich „Von Insel zu Insel“ im oberen Bereich aktueller Kochbuch-Neuerscheinungen. Angesichts der gebotenen Ausstattung erscheint dieser Preis jedoch vollkommen angemessen. Das Buch ist hochwertig gebunden, verfügt über ein Lesebändchen, umfasst 232 Seiten und enthält 117 Farbfotografien. Die Verarbeitung ist hochwertig und vermittelt bereits beim ersten Durchblättern den Eindruck eines sorgfältig produzierten Kochbuchs.
Hinzu kommen die aufwendige fotografische Gestaltung, die zahlreichen Reise- und Stimmungsbilder, die Karten zu den einzelnen Inselregionen sowie die durchdachte grafische Umsetzung. Das Buch wirkt in Ausstattung und Gestaltung wie aus einem Guss und lädt nicht nur zum Kochen, sondern auch zum Schmökern und Reisen im Kopf ein. Besonders positiv fällt die Rezeptauswahl ins Gewicht. Mit 77 Rezepten bietet das Buch eine große Auswahl an Gerichten und eine bemerkenswerte Vielfalt an regionalen Spezialitäten. Nicht wenige der vorgestellten Rezepte dürften selbst erfahrenen Sammler*innen griechischer Kochbücher noch unbekannt sein. Gerade die Konzentration auf die unterschiedlichen Inselküchen verleiht dem Buch einen eigenständigen Charakter und hebt es von vielen anderen Griechenland-Kochbüchern ab.
Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Vergleich mit Lazaros Kapageoroglous erstem Buch „Sonne und Meer auf dem Teller“. Gelegentlich wird die Frage gestellt, ob sich die Anschaffung des neuen Buches für Besitzer*innen des Vorgängers lohnt. Nach einem Vergleich der Rezeptverzeichnisse scheint es zwar so, dass einige Rezepte, vor allem griechische Grundklassiker, in beiden Büchern vertreten sind. Vergleicht man jedoch die Rezepte aus beiden Bücher so wird schnell deutlich, dass viele Gerichte regional angepasst, anders interpretiert oder in neuen Varianten aufgenommen wurden. Darüber hinaus enthält „Von Insel zu Insel“ zahlreiche Rezepte, die im Vorgänger nicht zu finden sind. Die mitunter geäußerte Vermutung einer weitgehenden Wiederholung des Erstlingswerks lässt sich daher nicht bestätigen.
Unter dem Strich erhält man ein hochwertig ausgestattetes Kochbuch mit persönlicher Handschrift, starker fotografischer Gestaltung, fundiertem kulturellem Hintergrund und einer Vielzahl von Rezepten, die über die bekannten Klassiker hinausgehen. Das Preis-Leistungsverhältnis fällt deshalb insgesamt sehr überzeugend aus.
10. Gesamteindruck und Empfehlung
Mit „Von Insel zu Insel“ legt Lazaros Kapageoroglou weit mehr vor als ein weiteres Kochbuch über die griechische Küche. Sein Blick richtet sich nicht auf die bekannten Restaurantklassiker, sondern auf die enorme Vielfalt der Inselküchen Griechenlands. Genau darin liegt die große Stärke des Buches. Besonders gelungen ist die Verbindung aus Kulinarik, Kultur und Reiselust. Die einzelnen Inselregionen werden nicht nur über Rezepte vorgestellt, sondern über Geschichten, Landschaften, Traditionen und persönliche Erinnerungen. Dadurch entsteht das Gefühl, Griechenland nicht als Urlaubskulisse, sondern als lebendige Esskultur kennenzulernen.
Kulinarisch überzeugt das Buch vor allem durch seine Mischung aus Vertrautem und Überraschendem. Neben bekannten Gerichten wie Tsatsiki, Zitronenkartoffeln oder Spanakopita finden sich zahlreiche regionale Spezialitäten, die selbst vielen Griechenland-Fans bislang unbekannt sein dürften. Gerade diese Entdeckungen machen einen großen Teil des Reizes aus und sorgen dafür, dass das Buch auch für erfahrene Kochbuchsammler*innen interessant bleibt. Die hochwertige Ausstattung, die stimmungsvolle Fotografie und die durchdachte Gestaltung unterstreichen diesen positiven Gesamteindruck zusätzlich. Man merkt auf nahezu jeder Seite, wie viel persönliche Leidenschaft und Verbundenheit mit Griechenland in diesem Projekt steckt.
Mein einziger wirklicher Kritikpunkt betrifft die Rezeptanleitungen. Die meisten funktionieren sehr gut und sind angenehm prägnant formuliert. An einzelnen Stellen hätte ich mir jedoch etwas mehr Unterstützung gewünscht – sei es durch zusätzliche Fotos, kleine Schritt-für-Schritt-Erklärungen oder einen QR-Code zu kurzen Demonstrationsvideos. Gerade bei traditionellen Techniken oder weniger bekannten Spezialitäten wäre das ein echter Mehrwert gewesen. Für geübte Hobbyköchinnen ist das meist kein Problem, für Einsteigerinnen könnte es gelegentlich hilfreich sein. Umso bedauerlicher ist es, weil diese kleine Schwäche so leicht vermeidbar gewesen wäre.
Was für das Buch spricht: Es hat mir schlicht großen Spaß gemacht. Während der Arbeit an dieser Rezension musste ich mich eher bremsen, als dass mir die Ideen ausgegangen wären. Immer wieder habe ich beim Durchblättern neue Rezepte entdeckt, die ich ebenfalls ausprobieren wollte. Tatsächlich habe ich nur deshalb aufgehört weiter daraus zu kochen, weil bereits die nächsten Kochbücher auf meinem Rezensionstisch auf mich gewartet haben. Das passiert nicht bei jedem Kochbuch. Wer Griechenland liebt, gerne mediterran kocht oder die regionalen Unterschiede der griechischen Inselküchen entdecken möchte, findet hier ein ebenso informatives wie genussvolles Kochbuch. Und selbst Leser*innen, die bereits mehrere Griechenland-Kochbücher besitzen, werden in diesem Band noch zahlreiche neue Gerichte, Zutaten und Geschichten entdecken.
„Von Insel zu Insel“ ist für mich eine der gelungensten kulinarischen Griechenlandreisen der letzten Jahre: atmosphärisch, authentisch, hervorragend gestaltet und voller Rezepte, die Lust machen, immer weiter durch die Inselwelt zu kochen.
11. Bewertung
Gesamtbewertung: (6 von 6 Löffeln)
Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept:
• Zielgruppe:
• Rezepte und Vielfalt:
• Schwierigkeitsgrad:
• Fotografie und Design:
• Sprache und Anleitungen:
• Besonderheiten:
• Preis-Leistungs-Verhältnis:
12. Nachgekocht

Psári stin ladokóla – Fisch im Backpapier (S. 217)
Die Dorade wird mit Knoblauch, gehackter Petersilie sowie Zitrone gefüllt und mit Zwiebelringen, Tomatenscheiben, Zitrone, Knoblauch belegt, dann wird Olivenöl und etwas Weißwein angegossen und alles noch mit Oregano und frisch gehackter Petersilie gewürzt. Verschließen und den Rest macht der Ofen. Unglaublich gut!

Patates lemonates – Zitronenkartoffeln (S. 218)
Zitronenkartoffeln sind ein echter griechischer Klassiker. Hier kommen noch Senf, Oregano und frischer Rosmarin, fein gehackt, in die Marinade. Superb! ![]()

Kritharaki kokkinisto – Kritaharaki-Nudeln mit frischer Tomatensauce und gerösteten Zucchini (S. 221)
Auch das war superlecker und sehr schnell auf dem Tisch. Die Zucchini werden einfach mit Olivenöl bestrichen in den Backofen geschoben, die Tomatensauce ganz einfach nur mit Zwiebel, Knoblauch, etwas Oregano und frischem Basilikum zubereitet und zum Schluss wird noch etwa Feta darüber gestreut.

Ein lauer Sommerabend, da wünscht man sich doch, dass es ewig so weitergeht und man das noch lange genießen kann, wie die Menschen auf der Insel Ikaria, die als besonders gesund und langlebig gelten.



