Janine Kromminga und Carina Sandmann – Pink Onion

1. Eckdaten

Titel: „Pink Onion. Easy. Veggie. Unexpected.“

Autorinnen: Janine Kromminga und Carina Sandmann

Verlag: GU Verlag

Erscheinungsjahr: 2026

Rezensionsexemplar – vielen Dank!

2. Inhalt und Konzept

„Pink Onion“ ist weit mehr als eine Sammlung vegetarischer Rezepte – es ist ein Kochbuch, das ein Lebensgefühl transportieren möchte. Im Mittelpunkt stehen unkomplizierte Gerichte mit überraschenden Aromen, spannenden Texturen und kreativen Kombinationen, die zeigen, wie sich mit wenigen, gut gewählten Zutaten etwas Besonderes auf den Teller bringen lässt. Der Name des Buches ist dabei Programm: So wie eingelegte Pink Onions mit wenig Aufwand einem Gericht das gewisse Etwas verleihen, ziehen sich kleine geschmackliche Überraschungen durch das gesamte Buch. Die sieben Kapitel orientieren sich nicht an klassischen Kategorien wie Vorspeisen oder Hauptgerichten, sondern an Situationen und Stimmungen: Fingerfood, Comfort Food, Partygerichte, schnelle Alltagsküche oder süße Rezepte. Ergänzt werden sie durch zahlreiche Grundrezepte für Dips, Mayonnaisen, Dressings, Toppings und Vorräte, die immer wieder in den Gerichten aufgegriffen werden und zum Experimentieren einladen.

Dabei verfolgen Janine Kromminga und Carina Sandmann einen angenehm entspannten Ansatz. Rezepte verstehen sie ausdrücklich als Inspiration statt als starre Vorgaben. Alternative Zutaten, pragmatische Abkürzungen und ab und an der bewusste Einsatz von Convenience-Produkten gehören ebenso selbstverständlich zum Konzept wie die Ermutigung, eigene Ideen einzubringen. Das macht „Pink Onion“ zu einem modernen Kochbuch, das Kreativität fördern möchte, ohne dabei kompliziert zu werden. Verantwortlich hierfür sind Janine Kromminga und Carina Sandmann, die ihre unterschiedlichen Stärken in das Buch einbringen. Während Kromminga als Foodfotografin und Grafikdesignerin die unverwechselbare Bildsprache entwickelt, zeichnet Sandmann als gelernte Köchin, Foodstylistin und Rezeptentwicklerin für die Rezepte verantwortlich. Diese Verbindung aus kulinarischem Know-how und visueller Gestaltung prägt „Pink Onion“ auf jeder Seite.

Ebenso konsequent wie das kulinarische Konzept ist die Inszenierung des Buches. Die Rezepte sind eingebettet in eine junge, urbane Streetfood-Ästhetik, die sich durch das gesamte Werk zieht und die Zielgruppe klar erkennen lässt. Dadurch wirkt „Pink Onion“ weniger wie ein klassisches Kochbuch als vielmehr wie ein modernes Lifestyle-Magazin, in dem Kochen, gemeinsames Essen und Kreativität eng miteinander verbunden sind.

Struktur des Buches
Auf den ersten Blick wirkt „Pink Onion“ genauso wild und unkonventionell wie seine Gestaltung. Tatsächlich ist das Buch jedoch überraschend klar aufgebaut. Statt klassischer Kapitel wie Vorspeisen, Hauptgerichte oder Desserts führen die Autorinnen ihre Leser*innen durch unterschiedliche Genussmomente und Alltagssituationen. So finden sich beispielsweise Kapitel zu Fingerfood, Comfort Food, frittierten Lieblingsgerichten, Potluck-Partys oder unkomplizierten Alltagsrezepten, bevor das Buch mit einem Dessertkapitel abschließt. Bemerkenswert ist außerdem, dass die Struktur weniger einer klassischen Menüfolge folgt als dem heutigen Koch- und Essverhalten vieler Menschen. Snacks, Sandwiches, Bowls, Bao Buns, Crostini oder Dips stehen gleichberechtigt neben vollwertigen Hauptgerichten. Das macht „Pink Onion“ zu einem Kochbuch für Menschen, die gerne spontan kochen, gemeinsam essen und Gerichte miteinander teilen, anstatt sich an traditionellen Kategorien zu orientieren.

Besonders gelungen finde ich zudem, dass sich die Grundrezepte nicht verstecken, sondern bewusst einen festen Platz im Buch erhalten. Mayonnaisen, Dressings, Toppings, Gemüsebrühe, fermentierte Gurken oder die titelgebenden Pink Onions bilden einen kleinen Baukasten, auf den die Rezepte immer wieder zurückgreifen. Dadurch entsteht ein roter Faden, der die einzelnen Gerichte sinnvoll miteinander verbindet und gleichzeitig Lust macht, die Grundlagen auch für eigene Kreationen zu nutzen. Die Kapitel wirken dabei abwechslungsreich, ohne beliebig zu sein. Internationale Einflüsse – von Korea über Mexiko bis in den Mittelmeerraum – sorgen für Vielfalt, dennoch bleibt das Buch seinem Grundgedanken treu: unkomplizierte vegetarische Gerichte mit überraschenden Geschmackskombinationen und einer modernen Streetfood- und Sharing-Kultur. Zu den Kapiteln im Einzelnen:

Auf die Faust – Finger Lickin‘ Good
Bereits das erste Kapitel macht deutlich, wofür „Pink Onion“ steht: unkompliziertes Essen, das Spaß macht und sich hervorragend zum Teilen eignet. In insgesamt 18 Rezepten versammeln Janine Kromminga und Carina Sandmann alles, was sich ohne großen Aufwand aus der Hand essen oder unkompliziert auf den Tisch stellen lässt – von Bao Buns und Sandwiches über Empanadas und Crostini bis hin zu kreativen Gemüseideen. Dabei setzen die Autorinnen erfreulich pragmatisch auf Alltagstauglichkeit. Wo es sinnvoll ist, kommen Convenience-Produkte wie fertiger Blätterteig, Bao-Buns oder Baked Beans zum Einsatz. Gleichzeitig wird an anderer Stelle auch selbst gekocht und gebacken, etwa bei den Algen-Blinis. Dieser entspannte Umgang mit Fertigprodukten wirkt angenehm undogmatisch und passt hervorragend zum Konzept des Buches: Genuss soll unkompliziert sein und nicht an Perfektion scheitern.
Besonders überzeugt hat mich die Kreativität der Rezepte. Statt bekannte Kombinationen einfach vegetarisch abzuwandeln, entstehen immer wieder neue Geschmackserlebnisse. Die „Keine Auster, bitte“ interpretiert den Klassiker überraschend mit Wakame-Salat und Champignons in Chicoréeblättern, während die Cantaloupe-Melone mit Frühlingszwiebeln, Pistazien und Kreuzkümmel eindrucksvoll zeigt, wie harmonisch vermeintlich ungewöhnliche Zutaten zusammenfinden können. Gerade solche Rezepte verleihen dem Buch seinen eigenen Charakter und machen Lust, auch Kombinationen auszuprobieren, zu denen man sonst vielleicht nicht gegriffen hätte.

Comfort Food – Take a Break and Enjoy Soul-Warming Food
Das zweite Kapitel widmet sich den Gerichten, zu denen man an stressigen Tagen oder an kühlen Abenden besonders gerne greift. Mit zehn Rezepten interpretieren Janine Kromminga und Carina Sandmann den Begriff Comfort Food modern und vegetarisch. Pasta, Gnocchi, Currys, Ofengerichte und eine Linsenmoussaka sorgen für vertraute Wohlfühlküche, ohne dabei in Beliebigkeit zu verfallen. Auffällig ist, dass die Gerichte trotz ihres Wohlfühlcharakters leicht und alltagstauglich bleiben. Zwar benötigen einige Ofengerichte naturgemäß etwas mehr Zeit, insgesamt bewegen sich die Zubereitungszeiten jedoch überwiegend zwischen 20 und 45 Minuten. Damit eignet sich das Kapitel hervorragend für die Feierabendküche, wenn es schnell gehen soll, man aber trotzdem etwas Frisches und Selbstgekochtes auf dem Teller haben möchte. Auch hier zeigen die Autorinnen wieder ihre Freude an ungewöhnlichen Kombinationen. Stampfkartoffeln treffen auf Brunnenkresse, Tomatenpesto und frittierte Kapern, Blumenkohl wird mit Curry und selbstgebackenem Naan kombiniert und selbst klassische Reibekuchen erhalten durch Zucchini und Tomaten eine neue Richtung. Nicht jede Idee entspricht dabei den Erwartungen – die Ofenreibekuchen erinnern eher an einen herzhaften Gemüseauflauf als an klassische Reibekuchen –, geschmacklich überzeugen die Gerichte jedoch und zeigen einmal mehr, dass „Pink Onion“ bekannte Wohlfühlgerichte mit kreativen Akzenten neu interpretiert.

Fried Friday – Cause Every Day Can Be Friesday
Mit gerade einmal sechs Rezepten gehört „Fried Friday“ zwar zu den kleineren Kapiteln des Buches, inhaltlich zählt es für mich jedoch zu den spannendsten. Hier zeigen Janine Kromminga und Carina Sandmann besonders eindrucksvoll, wie kreativ ihre vegetarische Küche sein kann. Statt klassischer Frittierrezepte erwarten die Leser*innen ungewöhnliche Kombinationen und moderne Interpretationen, die aktuelle Food-Trends aufgreifen, ohne beliebig zu wirken. So treffen beispielsweise Trüffel Pommes auf ein alltagstaugliches Rezept, frittierte Enoki-Pilze werden in einer selbst gekochten Brühe mit Seidentofu und Pak Choi serviert, Papadums erhalten mit Rote-Bete-Linsen-Creme ein farbenfrohes Topping und Tempura-Pilze werden überraschend mit leicht süßen Waffeln kombiniert. Ergänzt wird das Kapitel durch knusprige Onion Rings und Arancini mit einem fruchtig-süßsauren Paprikasugo.
Auch hier bleibt das Buch seiner Linie treu: Wo es sinnvoll ist, dürfen Convenience-Produkte wie Papadums, vorgekochte Rote Bete oder gegarte Linsen den Kochalltag erleichtern. Gleichzeitig wird an anderer Stelle bewusst selbst gekocht – etwa bei der aromatischen Brühe für die Enoki-Pilze. Gerade dieser entspannte Wechsel zwischen selbstgemachten Komponenten und praktischen Abkürzungen macht den Reiz des Buches aus. Obwohl das Kapitel nur wenige Rezepte umfasst, vermittelt es exemplarisch, was „Pink Onion“ besonders gut kann: vertraute Zutaten und aktuelle Food-Trends aufzugreifen und daraus Gerichte zu entwickeln, die überraschend, modern und dennoch gut nachkochbar bleiben.

Potluck Party – Jeder bringt etwas mit
Das Kapitel „Potluck Party“ widmet sich der unkomplizierten Art des gemeinsamen Essens, bei der jede*r etwas zum Buffet beiträgt. Mit elf Rezepten liefert „Pink Onion“ zahlreiche Ideen für Dips, Brotbeläge, Chutneys, kleine Beilagen und Gemüsegerichte, die sich gut vorbereiten lassen und sich hervorragend zum Teilen eignen. Damit greift das Buch einen Trend auf, der besonders in jüngeren Freundeskreisen längst selbstverständlich geworden ist: Statt eines klassischen Menüs entsteht ein abwechslungsreicher Tisch, an dem sich alle bedienen können.
Auch hier setzen die Autorinnen auf eine gelungene Mischung aus kreativen Ideen und pragmatischer Alltagstauglichkeit. Tiefkühlerbsen, gekochte Rote Bete oder fertiges Fladenbrot dürfen selbstverständlich verwendet werden, wenn sie Zeit sparen. Gleichzeitig entstehen daraus Gerichte mit eigenständigem Charakter, etwa eine Erbsen-Guacamole, ein Fladenbrot mit Purple Curry, Wildkräutersalat und Granatapfel oder geschmorte Rote Bete auf luftiger Ricottacreme. Selbst vermeintlich Bekanntes erhält eine überraschende Wendung – beispielsweise die Essiggurken-Cookies, bei denen Cornichons und Dill den süßen Teig aromatisch ergänzen.
Die Zubereitung bleibt erfreulich unkompliziert. Die meisten Rezepte sind in weniger als 30 Minuten fertig, lediglich einzelne Ofen- oder Schmorgerichte benötigen etwas mehr Zeit. Dadurch eignet sich das Kapitel nicht nur für Einladungen, sondern ebenso für einen spontanen Abend mit Freund*innen oder als Inspiration für kleine Gerichte, die sich gut vorbereiten lassen.

Add It Up – Die Kunst des Kombinierens
Mit seinen 21 Rezepten bildet „Add It Up“ das Herzstück des Buches. Hier sammeln Janine Kromminga und Carina Sandmann all jene Grundlagen, die sich wie ein roter Faden durch die übrigen Kapitel ziehen und den Gerichten ihren charakteristischen Geschmack verleihen. Statt diese Basisrezepte immer wieder zu wiederholen, bündeln sie sie an einer zentralen Stelle – eine durchdachte Entscheidung, die das Buch übersichtlich hält und gleichzeitig zum eigenständigen Weiterkochen anregt.
Das Kapitel umfasst eine breite Auswahl an aromatischen Bausteinen: eine vegetarische Bratensoße, Gemüsebrühe, eine vielseitige Tomatengrundsoße, verschiedene Dressings, fermentierte Gurken sowie eingelegte Salzzitronen und natürlich die titelgebenden Pink Onions. Besonders gelungen ist das Kapitel rund um die Mayonnaise. Aus einem Grundrezept entwickeln die Autorinnen gleich mehrere Varianten – unter anderem mit Szechuanpfeffer, Parmesan oder Chili –, die sich später in zahlreichen Gerichten wiederfinden und sich ebenso gut für eigene Kreationen eignen.
Gerade diese Grundrezepte verleihen „Pink Onion“ zusätzliche Tiefe. Das Buch erschöpft sich nicht darin, einzelne Rezepte aneinanderzureihen, sondern vermittelt gleichzeitig ein kleines Repertoire an Saucen, Toppings, Dressings und Vorräten, die sich flexibel kombinieren lassen. Dadurch entsteht ein Baukastensystem, das weit über die eigentlichen Rezepte hinaus zum Experimentieren einlädt und den Leser*innen Werkzeuge an die Hand gibt, mit denen sich auch alltägliche Gerichte unkompliziert verfeinern lassen. Solche Grundlagenkapitel schätze ich in Kochbüchern besonders. Sie sorgen dafür, dass ein Buch auch langfristig seinen Platz in der Küche behält, weil man nicht nur einzelne Rezepte nachschlägt, sondern immer wieder auf bewährte Saucen, Dressings oder Toppings zurückgreift.

 What Is a Chapter? – Todays Mood is Sponsored by Good Food
Spätestens im sechsten Kapitel verabschiedet sich „Pink Onion“ endgültig von klassischen Kochbuchstrukturen. Unter dem augenzwinkernden Titel „What is a Chapter?“ versammeln die Autorinnen 13 Rezepte, die sich keiner festen Kategorie zuordnen lassen – und genau das macht ihren Reiz aus. Statt nach Gattungen oder Zutaten zu sortieren, folgt dieses Kapitel unterschiedlichen Stimmungen und Alltagssituationen.
So finden sich hier ebenso praktische Ideen für Meal Prep und die Lunchbox wie ein selbstgemachter Ingwer-Shot, Couscous to go oder ein Green Salad mit Sesam-Dressing. Daneben stehen Gerichte, die einfach Lust auf gutes Essen machen: Rice Cakes mit Bohnenmus und Szechuan-Champignons, gebratener Spargel auf Safran-Frischkäse oder Spitzkohl in Zitronenrahm mit Pasta. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass das Kapitel abwechslungsreich bleibt und immer wieder zum Blättern einlädt. Besonders gelungen finde ich, dass auch hier vertraute Gerichte eine überraschende Wendung erhalten. Die Lasagne Millefoglie beispielsweise verzichtet komplett auf das Überbacken im Ofen. Stattdessen werden die gekochten Lasagneplatten mit der Füllung geschichtet – eine ebenso ungewöhnliche wie alltagstaugliche Idee. Auch der indonesisch inspirierte Kartoffelsalat oder der Tom-Kha-Style-to-go zeigen, wie selbstverständlich internationale Einflüsse in die moderne Gemüseküche der Autorinnen einfließen.
Dieses Kapitel wirkt wie eine Sammlung persönlicher Lieblingsgerichte und kleiner Alltagshelfer. Gerade dadurch fügt es sich stimmig in das Gesamtkonzept ein: Es geht weniger darum, festen Regeln zu folgen, sondern vielmehr darum, für jede Stimmung und jede Gelegenheit eine passende Idee bereitzuhalten.

Sweets for My Sweet – Sugar for My Honey
Den Abschluss von „Pink Onion“ bildet ein Kapitel mit elf süßen Rezepten, das den lockeren Charakter des Buches noch einmal wunderbar aufgreift. Neben Desserts und Kuchen finden sich hier auch zwei Getränke, sodass das Kapitel weit mehr bietet als klassische Nachspeisen. Vielmehr geht es um kleine Genussmomente, die sich unkompliziert in den Alltag integrieren lassen oder einen gemeinsamen Abend abrunden. Auch hier setzen Janine Kromminga und Carina Sandmann auf eine gelungene Mischung aus Trendthemen und Klassikern. Ein Pfirsich-Lassi oder Rosé-Sekt mit Zitronensorbet treffen auf Bananenbrot mit Mascarpone und Brombeeren, selbstgemachtes Granola oder eine schnelle Karamellsauce. Daneben stehen aufwendiger wirkende Rezepte wie eine Erdbeer-Pavlova oder Mohn-Profiteroles mit weißer Schokolade, die komplett selbst hergestellt werden und zeigen, dass das Buch auch ambitionierteren Hobbyköch*innen etwas zu bieten hat.
Typisch für „Pink Onion“ bleibt der pragmatische Ansatz: Manche Rezepte greifen bekannte Trends auf und interpretieren sie alltagstauglich, andere überraschen mit kleinen Kniffen. Besonders schön gelungen sind die Zimtpflaumen, die durch eine kreative Idee ergänzt werden: Aus den übrig gebliebenen Pflaumenkernen entsteht mit Kandis und klarem Schnaps ein aromatischer Likör mit feinem Bittermandelgeschmack. Solche Hinweise zeigen, dass die Autorinnen nicht nur geschmacklich kreativ denken, sondern auch Zutaten möglichst vollständig nutzen möchten. Der No-Waste-Gedanke wird dabei angenehm beiläufig vermittelt, ohne erhobenen Zeigefinger.

Damit schließt das Kapitel den Kreis zum gesamten Buch: Es verbindet Genuss, Kreativität und Alltagstauglichkeit auf eine entspannte Weise und lädt dazu ein, Neues auszuprobieren, ohne dass Kochen oder Backen kompliziert werden muss.

3. Zielgruppe

„Pink Onion“ richtet sich an Menschen, die Spaß daran haben, kreativ und unkompliziert zu kochen. Das Buch spricht vor allem Leser*innen an, die sich von einer modernen Streetfood- und Sharing-Kultur angesprochen fühlen, gerne internationale Aromen ausprobieren und Kochen als gemeinsames Erlebnis verstehen. Das Lebensgefühl, das die Autorinnen vermitteln, ist urban, offen und experimentierfreudig – Alter spielt dabei letztlich eine geringere Rolle als die Lust auf diese Art zu kochen und zu genießen.

Besonders geeignet ist das Buch für Kochanfänger*innen und Hobbyköch*innen, die ihren kulinarischen Horizont erweitern möchten, ohne sich an aufwendigen Techniken oder langen Zutatenlisten abarbeiten zu müssen. Viele Gerichte sind schnell zubereitet, die Anleitungen klar verständlich und durch zahlreiche Grundrezepte, Alternativen und pragmatische Abkürzungen gelingt der Einstieg in die moderne Gemüseküche ausgesprochen leicht. Wer dagegen klassische Hausmannskost, traditionelle Menüfolgen oder eine ruhige, zeitlose Gestaltung bevorzugt, wird sich mit „Pink Onion“ möglicherweise schwertun. Das Buch lebt von seiner bewusst lauten, farbenfrohen Inszenierung und seinem spielerischen Umgang mit Rezepten. Genau darin liegt aber auch seine größte Stärke.

„Pink Onion“ möchte kein Kochbuch für alle sein – und genau das macht es so überzeugend. Die Autorinnen verfolgen eine klare Idee und richten ihr Buch konsequent auf eine Zielgruppe aus, die Freude an kreativer, international inspirierter Gemüseküche, gemeinsamen Essen und einem modernen Lebensgefühl hat. Wer sich darin wiederfindet, erhält ein außergewöhnlich stimmiges Kochbuch, das seine eigene Idee konsequent verfolgt und diese mit großer Authentizität umsetzt.

4. Rezepte und Vielfalt

Mit insgesamt 90 Rezepten bietet „Pink Onion“ eine beeindruckende Vielfalt, ohne dabei beliebig zu wirken. Die Gerichte reichen von kleinen Snacks und Streetfood über Comfort Food, Dips und Grundlagen bis hin zu Meal-Prep-Ideen und Desserts. Trotz dieser Bandbreite bleibt das Buch seiner kulinarischen Linie stets treu: Im Mittelpunkt stehen kreative vegetarische Gerichte mit internationalen Einflüssen, überraschenden Geschmackskombinationen und einer modernen, unkomplizierten Küche.
Kulinarisch schöpfen Janine Kromminga und Carina Sandmann dabei aus einem breiten Repertoire. Asiatische Aromen finden sich ebenso selbstverständlich wie indische Gewürze, mexikanisch inspirierte Gerichte oder mediterrane Einflüsse. Gleichzeitig verlieren die Autorinnen traditionelle europäische Küche nicht aus dem Blick. Vertraute Gerichte wie Stampfkartoffeln, Reibekuchen oder Pasta erhalten durch raffinierte Toppings, ungewöhnliche Gewürze oder neue Kombinationen einen zeitgemäßen Dreh. Gerade diese Verbindung aus Bekanntem und Neuem macht den besonderen Reiz des Buches aus.

Besonders gelungen finde ich, dass sich die Rezepte nicht auf bekannte vegetarische Klassiker beschränken. Stattdessen überraschen die Autorinnen immer wieder mit ungewöhnlichen Kombinationen und neuen Ideen. Ob Cantaloupe-Melone mit Frühlingszwiebeln, Pistazien und Kreuzkümmel, „Keine Auster, bitte“ mit Wakame und Champignons, Tempura-Pilze zu Waffeln oder Spitzkohl in Zitronenrahm mit Pasta – viele Gerichte laden dazu ein, Zutaten neu zu entdecken und vertraute Aromen in einem anderen Zusammenhang kennenzulernen. Genau hier löst das Buch sein Versprechen „Unexpected“ besonders überzeugend ein. Ebenso überzeugend ist die Balance zwischen Selbstgemachtem und praktischen Abkürzungen. Wo es sinnvoll ist, greifen die Autorinnen ganz selbstverständlich zu Tiefkühlgemüse, gegarten Hülsenfrüchten, fertigem Blätterteig oder Fladenbrot. Gleichzeitig werden Brühen, Dressings, Toppings oder Gebäck an anderer Stelle komplett selbst hergestellt. Dieser undogmatische Ansatz macht die Rezepte ausgesprochen alltagstauglich, ohne dass dabei der Anspruch an Geschmack und Kreativität verloren geht.

Bemerkenswert ist außerdem, dass sich die Kreativität des Buches nicht in möglichst exotischen Zutaten erschöpft. Viele überraschende Effekte entstehen vielmehr durch neue Kombinationen vertrauter Lebensmittel. Dadurch wirken die Rezepte originell, bleiben aber gleichzeitig gut zugänglich und problemlos nachkochbar. Dass sämtliche von mir nachgekochten Gerichte zuverlässig gelungen sind und geschmacklich überzeugt haben, bestätigt diesen Eindruck zusätzlich. Die Rezepte sind sorgfältig entwickelt, ausgewogen abgeschmeckt und machen vor allem Lust, sich weiter durch das Buch zu kochen. „Pink Onion“ beweist eindrucksvoll, dass moderne vegetarische Küche weder kompliziert noch belehrend sein muss – sondern vor allem kreativ, genussvoll und voller neuer Ideen sein kann.

5. Schwierigkeitsgrad

Die Rezepte in „Pink Onion“ sind überwiegend unkompliziert und auch für weniger erfahrene Hobbyköch*innen gut zu bewältigen. Die Arbeitsschritte sind klar strukturiert, verständlich formuliert und bauen logisch aufeinander auf. Besondere Küchentechniken oder aufwendige Vorbereitungen sind nur selten erforderlich, sodass auch Kochanfängerinnen schnell Erfolgserlebnisse erzielen können. Hinzu kommt der angenehm pragmatische Ansatz der Autorinnen. Wo es sinnvoll ist, kommen bereits vorbereitete Zutaten wie gegarte Hülsenfrüchte, Tiefkühlgemüse, fertige Teige oder Brot zum Einsatz. Dadurch verkürzen sich die Zubereitungszeiten deutlich, ohne dass Geschmack oder Qualität darunter leiden. Gleichzeitig zeigen andere Rezepte, wie sich einzelne Komponenten – etwa Dressings, Brühen oder Gebäck – problemlos selbst herstellen lassen. So können sich die Leser*innen Schritt für Schritt weiterentwickeln und selbst entscheiden, wie viel sie selbst machen möchten.

Die meisten Gerichte sind innerhalb von 20 bis 40 Minuten zubereitet und eignen sich damit hervorragend für den Alltag. Trotz der internationalen Einflüsse bleiben die Zutaten überwiegend gut erhältlich und die Rezepte nachvollziehbar aufgebaut. Das macht „Pink Onion“ zu einem Kochbuch, das Hemmschwellen abbaut und Lust darauf macht, neue Aromen und Kombinationen einfach auszuprobieren. Gerade darin liegt für mich eine besondere Stärke: „Pink Onion“ möchte seine Leser*innen nicht beeindrucken, sondern sie zum Mitkochen ermutigen. Die Rezepte wirken modern und kreativ, ohne kompliziert zu sein – und genau diese Mischung macht das Buch sowohl für Einsteiger*innen als auch für erfahrene Hobbyköch*innen so attraktiv.

6. Fotografie und Design

Bildqualität
Die Foodfotografie von Janine Kromminga bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau. Sämtliche Gerichte werden hochwertig, appetitlich und authentisch in Szene gesetzt. Licht, Perspektiven und Foodstyling harmonieren hervorragend miteinander und unterstreichen den modernen, urbanen Charakter des Buches. Die Bilder wirken lebendig und nahbar, ohne überinszeniert zu sein, und machen durchweg Lust darauf, die Gerichte selbst auszuprobieren. Besonders positiv fällt auf, dass jedes Rezept durch mindestens ein eigenes Foto begleitet wird. Gerade bei einem Kochbuch mit vielen ungewöhnlichen Kombinationen ist das eine große Hilfe und gleichzeitig ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Nutzung der Bilder
Die Fotografien dienen in erster Linie der Inspiration und der Atmosphäre. Sie zeigen die fertigen Gerichte hochwertig und stimmungsvoll, verzichten jedoch vollständig auf didaktische Funktionen. Schritt-für-Schritt-Aufnahmen oder bebilderte Arbeitstechniken sucht man in „Pink Onion“ bewusst vergeblich. Das entspricht allerdings auch dem Gesamtkonzept des Buches, das weniger erklären als vielmehr Lust aufs Kochen machen möchte. Durch die konsequente Bebilderung sämtlicher Rezepte erfüllen die Fotos ihre Aufgabe dennoch hervorragend. Sie vermitteln einen realistischen Eindruck vom fertigen Gericht und unterstützen die Leser*innen dabei, sich auch auf ungewöhnliche Rezeptideen einzulassen.

Layout und Gestaltung
Ebenso prägend wie die Fotografie ist das von Janine Kromminga gestaltete Layout. „Pink Onion“ setzt konsequent auf kräftige Farben, wechselnde Typografien und eine bewusst lebendige Gestaltung. Nahezu jede Doppelseite entwickelt ihre eigene Farbwelt und ihren eigenen Charakter. Ein klassisches Gestaltungskonzept mit festen Farben, wiederkehrenden Designelementen oder einem ruhigen Seitenraster verfolgt das Buch dabei ganz bewusst nicht. Stattdessen lebt es von Abwechslung, Überraschung und einer gestalterischen Dynamik, die hervorragend zum urbanen Streetfood-Charakter passt.

Trotz dieser bewusst lauten Inszenierung bleibt die eigentliche Rezeptdarstellung erfreulich übersichtlich. Zutatenlisten, Zubereitungsschritte, Alternativen und Zusatzinformationen sind auf jeder Seite einheitlich aufgebaut und typografisch klar gegliedert. Diese wiederkehrende Struktur bringt spürbar Ruhe in die Gestaltung und sorgt dafür, dass sich die Rezepte trotz der auffälligen Optik angenehm lesen und problemlos nachkochen lassen.

Besonders gelungen ist das Zusammenspiel von Fotografie und Layout. Farben aus den Gerichten werden immer wieder in Hintergründen, Überschriften oder grafischen Elementen aufgegriffen, sodass jede Doppelseite in sich stimmig wirkt. Die Gestaltung erscheint dadurch nicht zufällig, sondern sorgfältig komponiert und handwerklich äußerst professionell umgesetzt.

Die Gestaltung von „Pink Onion“ dürfte dennoch polarisieren. Wer ruhige, klassische Kochbücher mit viel Weißraum und einem reduzierten Design bevorzugt, wird die hohe visuelle Reizdichte möglicherweise als anstrengend empfinden. Wer sich dagegen von modernen Food-Magazinen, Streetfood-Kultur und einer jungen, urbanen Bildsprache angesprochen fühlt, wird sich in diesem Buch sofort wiederfinden. Genau darin liegt letztlich die große Stärke des Designs: Es möchte nicht jedem gefallen, sondern unterstützt konsequent das Lebensgefühl und die Zielgruppe, für die dieses Kochbuch entstanden ist.

7. Sprache und Anleitungen

Die Sprache von „Pink Onion“ ist ebenso modern und unkompliziert wie die Rezepte selbst. Die Autorinnen verzichten auf lange Geschichten oder ausführliche persönliche Anekdoten und konzentrieren sich stattdessen auf das Wesentliche. Viele Rezepte werden durch kurze Einleitungen ergänzt, die entweder Lust auf das Gericht machen oder einen kleinen persönlichen Bezug herstellen. So erfährt man beispielsweise, dass ein gutes Curry für Carina Sandmann regelmäßig Suchtpotenzial besitzt oder dass Convenience-Produkte ausdrücklich willkommen sind, wenn sie den Kochalltag erleichtern. Mehr braucht es oft gar nicht, um den Rezepten eine persönliche Note zu verleihen.

Die eigentliche Atmosphäre des Buches entsteht jedoch weniger durch längere Texte als vielmehr durch das Zusammenspiel aus Bildsprache, Typografie und wenigen, prägnanten Aussagen. Englische Kapitelüberschriften, kleine Wortspiele wie „Eat spaghetti to forgetti your regretti“ oder „Fries, my second favorite F word. Food is my first, obviously.“ sowie das einleitende Zitat von Charles Spence – „Der Tisch ist das eigentliche soziale Netzwerk.“ – vermitteln mit wenigen Worten ein klares Lebensgefühl. In dieser Hinsicht ist „Pink Onion“ ein Beispiel für visuelle Kommunikation at its best: Das Buch erzählt seine Geschichte nicht in langen Texten, sondern über Bilder, Gestaltung, Sprache und Atmosphäre. Die einzelnen Elemente greifen nahtlos ineinander und sprechen genau die Zielgruppe an, für die dieses Kochbuch entwickelt wurde.

Ebenso überzeugend präsentieren sich die Rezeptanleitungen. Sie sind klar strukturiert, knapp formuliert und gut nachvollziehbar. Jeder Arbeitsschritt baut logisch auf dem vorherigen auf, sodass die Gerichte problemlos gelingen. Die Autorinnen verzichten dabei bewusst auf unnötige Ausführlichkeit oder komplizierte Erklärungen. Stattdessen konzentrieren sie sich auf präzise Anweisungen, die auch weniger erfahrenen Hobbyköch*innen Sicherheit geben und den unkomplizierten Charakter des Buches konsequent fortführen.

8. Besonderheiten

„Pink Onion“ ist kein Kochbuch, das einfach 90 vegetarische Rezepte aneinanderreiht. Es verfolgt einen ungewöhnlich konsequenten Gesamtansatz, bei dem Inhalt, Gestaltung und Sprache dieselbe Geschichte erzählen. Das Buch orientiert sich nicht an klassischen Menüfolgen oder Kochtechniken, sondern an heutigen Ess- und Lebensgewohnheiten. Gemeinsam essen, Gerichte teilen, spontan kochen, Meal Prep, Streetfood oder kleine Snacks für zwischendurch stehen im Mittelpunkt. Damit fühlt sich „Pink Onion“ eher wie ein Begleiter für einen modernen Alltag an als wie ein klassisches Kochbuch.

Besonders gelungen finde ich den Umgang mit aktuellen kulinarischen Trends. Die Autorinnen greifen Einflüsse aus der asiatischen, indischen, mexikanischen oder mediterranen Küche ebenso selbstverständlich auf wie moderne Themen rund um Fermentation, Toppings, Meal Prep oder kreative Gemüsegerichte. Dabei werden Trends jedoch nicht einfach kopiert. Vielmehr filtern Janine Kromminga und Carina Sandmann das Beste daraus, übersetzen es in alltagstaugliche Rezepte und verleihen ihnen ihre ganz eigene Handschrift. Genau dadurch wirkt das Buch modern, ohne beliebig oder kurzlebig zu sein. Eine weitere Besonderheit ist die konsequente visuelle Kommunikation. Bilder, Typografie, Farben, Sprache und Layout greifen so eng ineinander, dass das Buch weit mehr transportiert als einzelne Rezepte. Es vermittelt ein Lebensgefühl und entwickelt eine starke gestalterische Identität, die sich durch das gesamte Werk zieht. Gestaltung ist hier nicht bloße Dekoration, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts.

Gerade diese Konsequenz macht „Pink Onion“ zu einem außergewöhnlichen Kochbuch. Es möchte nicht möglichst viele Menschen ansprechen, sondern verfolgt eine klare Idee und setzt diese ohne Kompromisse um. Dadurch entsteht ein Werk mit einem unverwechselbaren Charakter, das sich deutlich von vielen anderen vegetarischen Kochbüchern abhebt.

9. Preis-Leistungsverhältnis

Preis: 26 Euro

Mit einem Verkaufspreis von 26 Euro bewegt sich „Pink Onion“ im mittleren bis unteren Preissegment hochwertiger Hardcover-Kochbücher. Angesichts der Ausstattung, der sorgfältigen Verarbeitung und der gestalterischen Qualität empfinde ich diesen Preis als ausgesprochen fair. Das Buch überzeugt mit einer hochwertigen Bindung, stabilem Hardcover und einem laminierten Einband, der angenehm unempfindlich ist und sich bei Bedarf problemlos abwischen lässt – eine praktische Eigenschaft für ein Kochbuch, das ausdrücklich zum kreativen Gebrauch in der Küche einlädt. Hochwertiges Papier, exzellente Foodfotografie und die aufwendig gestalteten Doppelseiten unterstreichen zusätzlich den wertigen Gesamteindruck.

Vor allem aber bezahlt man bei „Pink Onion“ nicht nur Material und Ausstattung, sondern auch die enorme konzeptionelle Arbeit, die in diesem Buch steckt. Man spürt auf jeder Seite, mit wie viel Herzblut Janine Kromminga und Carina Sandmann ihr gemeinsames Konzept entwickelt haben. Fotografie, Gestaltung, Sprache und Rezepte greifen so selbstverständlich ineinander, dass ein außergewöhnlich stimmiges Gesamtwerk entstanden ist. Gemessen an der Qualität der Rezepte, der kreativen Eigenständigkeit und der hochwertigen Umsetzung bietet „Pink Onion“ deshalb ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 26 Euro erhält man nicht nur ein Kochbuch mit 90 gelungenen Rezepten, sondern ein durchdachtes Gesamtkonzept, das auch gestalterisch neue Wege geht und lange Freude bereiten dürfte.

10. Gesamteindruck und Empfehlung

„Pink Onion“ gehört zu den Kochbüchern, die weit mehr sind als eine Sammlung gelungener Rezepte. Es ist ein kulinarisches Lifestyle-Konzept in Buchform, das von der ersten bis zur letzten Seite eine klare Haltung vermittelt. Fotografie, Gestaltung, Sprache und Rezepte greifen so selbstverständlich ineinander, dass ein außergewöhnlich stimmiges Gesamtwerk entsteht. Hier ist nichts zufällig – jede gestalterische und inhaltliche Entscheidung folgt derselben Idee.

Dabei richtet sich das Buch ganz bewusst nicht an alle. Es spricht Menschen an, die neugierig sind, gerne gemeinsam essen, offen für internationale Einflüsse sind und Freude daran haben, bekannte Zutaten immer wieder neu zu entdecken. Kleine gestalterische Details, augenzwinkernde englische Sprüche und sogar versteckte politische Botschaften in den Fotografien unterstreichen diese Haltung. Sie wirken nie aufgesetzt, sondern machen deutlich, dass hier ein weltoffenes, modernes Lebensgefühl vermittelt wird, das weit über das eigentliche Kochen hinausgeht.

Kulinarisch überzeugt „Pink Onion“ mit kreativen, überraschenden und zugleich erstaunlich alltagstauglichen Rezepten. Aktuelle Food-Trends werden nicht einfach übernommen, sondern gefiltert, sinnvoll weiterentwickelt und in Gerichte übersetzt, die sich ohne großen Aufwand nachkochen lassen. Gerade diese Verbindung aus Kreativität, Alltagstauglichkeit und einer klar erkennbaren eigenen Handschrift macht das Buch so besonders.

Wer ein klassisches vegetarisches Kochbuch mit traditioneller Kapitelstruktur und ausführlichen Hintergrundgeschichten sucht, das den Zeitgeist überlebt, wird hier möglicherweise nicht glücklich. Wer sich jedoch auf das Konzept einlässt, erhält eines der konsequentesten und eigenständigsten Kochbücher der letzten Zeit. Es zeigt eindrucksvoll, dass ein Kochbuch nicht möglichst viele Menschen ansprechen muss, sondern vor allem seiner eigenen Idee treu bleiben sollte. Genau darin liegt die größte Stärke: „Pink Onion“ will nicht jedem gefallen. Es will genau die Menschen begeistern, für die es gemacht wurde – und das gelingt ihm auf beeindruckende Weise. Wer sich auf diese Handschrift einlässt, erhält weit mehr als eine Rezeptsammlung – nämlich ein Kochbuch mit unverwechselbarem Charakter.

11. Bewertung

Gesamtbewertung: 🥄🥄🥄🥄🥄 🥄

Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Zielgruppe: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Rezepte und Vielfalt: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Schwierigkeitsgrad: 🥄
• Fotografie und Design: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Sprache und Anleitungen: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Besonderheiten: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Preis-Leistungs-Verhältnis: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄

12. Nachgekocht


Ofenreibekuchen mit Zucchini und Tomaten (S. 75)
Kein Reibekuchen, eher ein Gemüseauflauf, der durch die geraspelten Kartoffeln und Zucchini an den Rändern schön knusprig wird. Für die Grundmasse werden Kartoffeln und Zucchini grob geraspelt. Die Zucchini werden gesalzen und müssen zunächst etwas Wasser ziehen, bevor man sie gut ausdrückt. Anschließend werden beide Gemüsesorten mit Speisestärke und eingelegten Tomaten vermischt. Ich hatte keine eingelegten Tomaten mehr und habe stattdessen eingelegte Paprika verwendet, was sehr gut funktioniert hat und im Rezept unter „Alternativ“ auch benannt wird. Die Masse kommt dann in eine geölte Auflaufform und wird ungefähr eine Stunde im Ofen gebacken. In dieser Zeit hat man mit dem Gericht praktisch keine Arbeit mehr. Die Oberfläche und vor allem die Ränder werden schön gebräunt, während das Innere saftig und gemüsig bleibt. Kurz vor dem Servieren kommen noch frische Tomaten, Basilikum und Mozzarella darauf. Der Mozzarella soll dabei nur leicht anschmelzen und nicht vollständig zerfließen. Dadurch bleibt das Ganze frisch und erinnert ein wenig an Tomate-Mozzarella – nur deutlich sättigender. Gerade für warme Tage fand ich das sehr passend. Natürlich muss der Backofen eine Weile laufen, aber die eigentliche Zubereitung ist unkompliziert, und das Gericht ist trotz Kartoffeln und Käse nicht schwer oder mächtig. Mit einem Salat dazu hat man ein schönes vegetarisches Abendessen.

Cantaloupe-Melone mit Topping aus Frühlingszwiebeln, Pistazien und Cumin (S. 52)
Ich habe eine Galiamelone genommen, die gerade noch da war. Und die anderen Zutaten (Frühlingszwiebeln, geröstete und gesalzene Pistazien, Cumin, Zitronensaft und Olivenöl) hat man in der Regel auch oft zuhause. So ergab sich aus dem Vorrat ein schöner Salat (nicht nur) für heiße Sommertag. Sehr erfrischend lecker – süß, salzig, kernig und würzig. Harmonierte alles prima.

Spitzkohl in Zitronenrahm mit Pasta (S. 158)
Spitzkohl und Pasta sind nicht gerade eine Kombination, die einem täglich begegnet. Umso neugieriger war ich – und wurde sehr belohnt! Der Kohl wird nicht klein geschnitten, sondern bleibt in Spalten. Diese werden zunächst kräftig angebraten, sodass schöne Röstaromen entstehen. Anschließend kommt etwas Gemüsebrühe dazu und der Spitzkohl darf langsam weich garen. Dadurch behält er zunächst seine Form, wird aber so zart, dass man später beim Essen kein Messer braucht. Dazu wird ein Zitronenrahm aus Zwiebeln, Sahne, Zitronensaft und Zitronenschale gekocht. Besonders wichtig ist reichlich Dill – der passt erstaunlich gut zum Spitzkohl und bringt gemeinsam mit der Zitrone viel Frische in die cremige Sauce. Im Rezept werden zerbrochene Lasagneplatten verwendet. Als Alternative werden Pappardelle vorgeschlagen, und für die habe ich mich entschieden. Die breiten Nudeln nehmen den Zitronenrahm wunderbar auf und lassen sich gut mit dem weichen Kohl verbinden. Zum Schluss noch etwas Parmesan darüber – und fertig ist ein Pastagericht, das wirklich einmal anders schmeckt, ohne gewollt ausgefallen zu wirken.

Kimchi-Shiitake-Sandwich (S. 49)
Ganz easy und schnell gemacht – angebraten werden müssen nur die Shiitake in Scheiben geschnitten, mit Ahornsirup leicht karamellisieren lassen. Der Vollkornsandwichtoast wird mit Mayo bestrichen, darauf kommt Radicchio, dann reichlich Kimchi, die Shiitake darauf und dann Cheddar (hier geriebener) on top. Das Ergebnis ist ein ganz würzig-harmonischer Geschmack, der wunderbar zusammenspielt. Schöne Abwechslung und wirklich ein ungewöhnlich belegtes Sandwich, das trotzdem alle Geschmäcker gut bedient.

Schnelle Empanadas (S. 36)
Es darf auch mal Fertigteig und Dose sein, schreibt Carina Sandmann – „vor allem, wenn dabei so viel Geschmack rausspringt“. Stimmt! Die Füllung dieses gekauften Mürbeteigs besteht aus Baked Beans aus der Dose (oder dem Glas), geriebenem Cheddar und Chili. Dazu muss unbedingt der Dip aus Saurer Sahne, Knoblauch, Himbeeressig, gemischten Kräutern und Chiliöl gereicht werden – der macht es richtig rund. Schönes, schnelles Fingerfood.  

„Keine Austern, bitte!“ (S. 34)
Das musste ich unbedingt probieren, weil es witzig ist und gut aussieht und spannend klang. Ich wurde auch nicht enttäuscht. Das Ergebnis dieser veganen Auster-Variante schmeckt natürlich (erfreulicherweise) überhaupt nicht nach Auster, erhält aber durch den Algensalat eine meerige Note und durch fermentierte Pilzsauce (im Asialaden als vegane Austernsauce erhältlich) und die frischen Champignons einiges an Tiefe und Würze. Auch toll als Gruß der Küche, wenn man Gäste hat. 

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