Yotam Ottolenghi und Verena Lochmuller – Simple too

1. Eckdaten

Titel: „Simple too – Das Kochbuch“

Autoren: Yotam Ottolenghi und Verena Lochmuller

Verlag: DK Verlag, engl. Ausgabe Ebury Press

Erscheinungsjahr: 2026

Grundlage dieser Rezension ist die englische Ausgabe. 

2. Inhalt und Konzept

Acht Jahre nach dem außerordentlich erfolgreichen „Simple“ knüpfen Yotam Ottolenghi und Verena Lochmuller an dessen Grundidee an: Rezepte sollen unverkennbar nach Ottolenghi schmecken und dennoch auf mindestens eine Weise unkompliziert sein. „Simple Too“ versammelt 135 Rezepte für Frühstück und Brunch, Snacks, Aufstriche und Suppen, Fleisch, Fisch, vegetarische Hauptgerichte, Pasta, Beilagen, Salate und Desserts. Hinzu kommen ein Kapitel mit 15 „Fundamentals“ (Saucen und Toppings) sowie einige Menüvorschläge. Trotzdem ist „Simple Too“ nicht einfach nur ein zweiter Band mit neuen Rezepten. Seit dem Erscheinen des Vorgängers hat sich auch die Vorstellung davon verändert, welche Art von Unterstützung Menschen beim Kochen benötigen. „Simple“ ging noch ausführlich von den unterschiedlichen Kochtypen aus: Für die einen bedeutet einfach, in weniger als 30 Minuten fertig zu sein, für andere, mit höchstens zehn Zutaten auszukommen, alles vorbereiten zu können oder ein Gericht nach kurzer Vorbereitung weitgehend sich selbst zu überlassen. Sechs farbige Symbole machten sichtbar, auf welche Weise ein Rezept „simple“ war.

„Simple Too“ setzt an einer anderen Stelle an. Die Welt sei laut geworden, heißt es gleich zu Beginn, und einfaches Kochen die Antwort darauf. Nicht nur fehlende Zeit steht dem Kochen im Weg, sondern auch Erschöpfung, mangelndes Zutrauen, Entscheidungsmüdigkeit und die vielen Ablenkungen des Alltags. Die Rezepte sollen deshalb entweder in höchstens 30 Minuten fertig sein, in einem Topf beziehungsweise einer Form entstehen oder sich vorbereiten lassen. Das Versprechen lautet: Auch unter diesen Bedingungen sollen Geschmack, Intensität und Freude nicht verloren gehen.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die „Fundamentals“ (in der deutschen Ausgabe mit „Saucen und Toppings“ übersetzt: 15 Würzöle, Salsas und andere Grundrezepte, die einmal zubereitet mehrere Wochen im Kühlschrank auf ihren Einsatz warten. Sie sollen im entscheidenden Moment den nötigen Geschmack liefern, ohne dass jedes Gericht von Grund auf neu aufgebaut werden muss. Vollkommen voraussetzungslos ist diese Form der einfachen Küche allerdings nicht. Das Buch richtet sich erkennbar auch an Menschen, die sich bereits einen gewissen Vorrat und ein Grundwissen über die Ottolenghi-Küche angeeignet haben. Zutaten wie Tahin, Za’atar, Harissa, Miso, Dattelsirup oder verschiedene Chilipasten dürften bei ihnen ohnehin im Schrank stehen. Wer zum ersten Mal nach Ottolenghi kocht, wird dagegen zunächst einkaufen und sich mit einigen weniger alltäglichen Zutaten vertraut machen müssen. Auch „einfach“ bleibt hier ein relativer Begriff. Die eigentliche Kochzeit mag überschaubar sein, doch das Besorgen und Vorbereiten der Zutaten braucht mitunter Zeit, und manche Abläufe verlangen durchaus Erfahrung. „Simple Too“ ist daher keine klassische Anfänger*innenküche und auch kein Buch nach dem Prinzip „fünf Zutaten und fertig“. Es ist vielmehr der Versuch, den charakteristischen Ottolenghi-Geschmack mit alltagstauglicheren Abläufen zu verbinden.

Beim ersten Durchblättern hat mich dieser deutlich reduzierte Ansatz zunächst eher enttäuscht. Im direkten Vergleich erscheint mir „Simple“ bis heute etwas innovativer und überraschender. Zudem begegnen in „Simple Too“ immer wieder Ideen, Zutatenkombinationen und Zubereitungsweisen, die an den Vorgänger, an die Bücher der Ottolenghi Test Kitchen oder an „Comfort“ erinnern. Ottolenghi selbst spricht allerdings ausdrücklich von „2.0“-Versionen früherer Lieblingsrezepte. Diese Selbstzitate sind also zumindest teilweise als bewusste Weiterentwicklung gedacht – und nicht jede gute Idee muss nach einmaliger Verwendung verschwinden. Je intensiver ich mich mit dem Buch beschäftigt und je mehr ich daraus gekocht habe, desto stärker hat sich mein erster Eindruck relativiert. Neben vertrauten Motiven finden sich sehr wohl neue Kombinationen und wunderbare Ideen, die zeigen, wie viel Geschmack auch in vergleichsweise überschaubaren Gerichten stecken kann. Vermutlich muss man sich zunächst von der Erwartung lösen, mit jedem neuen Ottolenghi-Buch müsse auch seine Küche noch einmal vollkommen neu erfunden werden. Die Messlatte liegt nach so vielen prägenden Büchern enorm hoch. Wer akzeptiert, dass „Simple Too“ stärker weiterentwickelt als revolutioniert, kann darin dennoch eine große Zahl reizvoller und ausgesprochen gelungener Rezepte entdecken.

Dass dabei Verena Lochmuller einen erheblichen kreativen Anteil haben dürfte, sollte nicht übersehen werden. Anders als beim ersten „Simple“, bei dem Esme Howarth für die Rezepttests und Tara Wigley für Texte und Orientierungssystem verantwortlich waren, ist sie hier ausdrücklich Mitautorin. Manche Gerichte erinnern in ihrer zugänglichen, wohltuenden Art durchaus an „Comfort“, an dem sie ebenfalls maßgeblich beteiligt war. „Simple Too“ ist deshalb nicht nur ein weiteres Buch unter dem Namen Ottolenghi, sondern erkennbar das Ergebnis einer gemeinsamen Weiterentwicklung seiner Küche. An dieser waren noch weitere Mitglieder des Ottolenghi-Teams beteiligt: Milli Taylor brachte von Beginn an eigene Rezepte und Ideen ein; Tara Wigley und Kate Carruthers halfen dabei, diese sprachlich und konzeptionell zu schärfen. Auch das übrige Team der Ottolenghi Test Kitchen unterstützte die Entwicklung und Erprobung des Buches.

Struktur des Buches

Auf die Einleitung folgen zehn Kapitel: „Frühstück und Brunch“, „Snacks, Dips und Suppen“, „Fleisch“, „Fisch“, „Vegetarische Hauptgerichte“, „Pasta“, „Beilagen“, „Salate“, „Desserts“ sowie „Saucen und Toppings“. Im Schlussteil finden sich einige Menüvorschläge, Hinweise zu den verwendeten Zutaten, die Danksagung und ein ausführliches Register. Dieses ist, wie bei Ottolenghi gewohnt, sehr sorgfältig aufgebaut: Gesucht werden kann sowohl nach Rezepttiteln als auch nach einzelnen Zutaten, sodass sich die Rezepte schnell und zuverlässig auffinden lassen.

Frühstück und Brunch
Schon das erste Kapitel zeigt recht gut, wie „Simple Too“ funktioniert. Die zehn Rezepte sind nachvollziehbar erklärt und in der Zubereitung überwiegend unkompliziert. Vertraute Frühstücksgerichte treffen dabei auf die für Ottolenghi typischen Gewürze und Einflüsse aus unterschiedlichen Länderküchen. Das türkische Menemen wird beispielsweise mit frischem Koriander und Aleppo-Chili präsentiert. Ein Kräuter-Sodabrot erhält durch Za’atar eine levantinische Note, ebenso wie die gebackenen Za’atar-Tomaten mit Mascarpone. Das Granola für jeden Tag verbindet Bananen mit Tahin und setzt damit ebenfalls einen kleinen, aber wirkungsvollen Akzent jenseits der klassischen Mischung aus Haferflocken, Nüssen und Süße.

Andere Rezepte bewegen sich stärker in Richtung vertrauter Wohlfühlküche: Die Frühstückskartoffeln mit roter Paprika, Schalotten, geräuchertem Paprikapulver und Eiern erinnern beinahe an ein amerikanisches Diner-Frühstück. Dazu kommen Butterbohnen mit Urfa-Chili-Butter, eine Frittata mit Spinat, Feta und Dill, ein Polenta-Auflauf mit Käse und Ei sowie Wochenend-Pfannkuchen mit Dattel-Buttersirup. Etwas weiter hinaus in die globale Aromenwelt führen der Kokos-Spinat mit Scotch Bonnet und Eiern: Kokosmilch, Chili und Spinat ergeben ein kräftiges, wärmendes Gericht, das sowohl an südasiatische als auch an karibische Geschmackskombinationen denken lässt. Insgesamt wird das Frühstück hier nicht vollkommen neu erfunden. Vielmehr nimmt das Kapitel bekannte Gerichte und Grundideen auf und verschiebt sie mit Tahin, Za’atar, Datteln und verschiedenen Chilis in die Ottolenghi-Welt. Gerade für Leser*innen, die abwechslungsreich frühstücken oder Gäste zu einem herzhaften Brunch einladen möchten, bietet es einen zugänglichen und vielseitigen Einstieg in das Buch.

Snacks, Dips und Suppen
Im zweiten Kapitel nimmt „Simple Too“ deutlich Fahrt auf. Die 17 Rezepte sind ausgesprochen international aufgestellt und zeigen wieder stärker jene Lust an Aromen und ungewöhnlichen Verbindungen, die man mit Ottolenghi verbindet. Dabei reichen die Einflüsse von Indien und der Levante über Mexiko und Spanien bis nach Italien. Die Röstkartoffeln mit Chaat Masala werden mit frischen Curryblättern und der indischen Gewürzmischung aromatisiert. Gebackener Camembert trifft auf ’Nduja-Honig – verbunden mit dem hilfreichen Hinweis, dass inzwischen auch vegane ’Nduja-Pasten erhältlich sind. Dafür werde ich den Autor*innen vermutlich noch lange dankbar sein: Die  vegane Variante, die schon in anderen Büchern Ottolenghis erwähnt wurde, schmeckt mir sogar besser als das Original aus Wurst.
Beim Käse-Mais-Dip sorgen eine Salsa aus Pimientos de Padrón und frische Jalapeño für mexikanisch inspirierte Schärfe. Auch gebratene Chorizo mit Kohlrabi entfernt sich weit von der naheliegenden deutschen Kombination aus Bratwurst und Kohlrabi. Das Vorbild ist vielmehr „Papas con Chorizo“, ein mexikanisches Frühstücksgericht; die Mischung eignet sich laut Buch auch als Füllung für Tacos. Typisch Ottolenghi ist außerdem die Art, vertraute Grundzutaten durch mehrere Aromenschichten neu auszurichten. Cannellini-Bohnen werden mit Salzzitrone, frischem und schwarzem Knoblauch sowie Dukkah kombiniert. Gerösteter Blumenkohl kommt mit schwarzem und weißem Hummus auf den Tisch. Das Omelett mit Kartoffelchips – eine Idee, die auf Ferran Adrià zurückgeht und zuletzt auch bei Gurdeep Loyal auftauchte – erhält hier durch festen Mozzarella eine eigene Variation und darf ganz unbefangen mit Ketchup serviert werden. Neben Eiersalat mit einer scharfen Chilisauce finden sich auch unkomplizierte Suppen und Eintöpfe. Der persische Erbsen-Kartoffel-Eintopf ist besonders spannend und dabei tatsächlich sehr einfach. Eine Lauch-Sellerie-Suppe mit Kräutern wird durch weißes Miso, Parmesan, Kefir oder Buttermilch und Za’atar geschmacklich vertieft. Die Linsen-Fenchel-Parmesan-„Stoup“ liegt, wie der in der Ottolenghi Test Kitchen verwendete Kunstbegriff verrät, irgendwo zwischen „soup“ und „stew“, also Suppe und Eintopf. Fenchel kommt darin sowohl als Gemüse als auch als Gewürz zum Einsatz, begleitet von getrockneter Chili. Daneben stehen eine spanische Brotsuppe und eine Pasta e Fagioli, die durch türkische Paprikapaste, Biber Salçası, und Schwarzaugenbohnen eine neue Richtung erhält.
Gerade dieses Kapitel zeigt allerdings auch, was „simple“ bei Ottolenghi bedeutet – und was nicht. Die Zubereitungen sind gut nachvollziehbar und häufig unkompliziert, die Zutatenlisten setzen aber teilweise einen sehr gut ausgestatteten Vorrat voraus.

Fleisch
Im Fleischkapitel begegnen einem einige alte Bekannte und vertraute Ottolenghi-Motive. Langsam geschmortes Lamm mit Trauben, Hähnchenhackbällchen aus dem Backofen mit Granatapfelsirup, Lammköfte in Joghurtsauce oder gebackene Hähnchenschenkel mit Joghurt und Za’atar bewegen sich in einer Aromenwelt, die Leser*innen seiner früheren Bücher wiedererkennen dürften. Auch das Hähnchenschnitzel mit Currytomaten, der Reisauflauf mit Lamm und Auberginen sowie gebratene Hähnchenhackbällchen mit Pistazien und Spinat greifen vertraute Zutaten auf und kombinieren sie neu. Besonders konsequent wird das Versprechen der Einfachheit bei den gebackenen Hähnchenschenkeln mit Joghurt und Za’atar eingelöst. Ottolenghi selbst bezeichnet sie als wahrscheinlich einfachstes Rezept des gesamten Buches: Das Fleisch wird mit Joghurt und Za’atar mariniert und anschließend im Ofen gebacken. Auch süß-würzige Wurst mit Kichererbsen bleibt überschaubar, erhält durch Biber Salçası aber dennoch eine markante geschmackliche Richtung. Etwas raffinierter wirken die mit Kichererbsen konfierten Hähnchenschenkel.

Daneben finden sich Kombinationen, die wieder ausgesprochen charakteristisch und neugierig machend klingen. Mit Datteln, Kokos und Bohnen geschmortes Lamm verbindet Süße, Würze und herzhafte Tiefe, während Schweinebauch mit Orange und Harissa auf das Zusammenspiel von Fett, Frucht, Schärfe und Säure setzt. Gerade bei solchen Rezepten zeigt sich, dass das Buch neben vertrauten Motiven durchaus neue und spannungsreiche Ideen bereithält. Gut funktioniert in diesem Kapitel vor allem die organisatorische Vereinfachung. Häufig genügen für viele der 16 Rezepte eine Pfanne, ein Backblech oder eine Auflaufform, und vieles wird ohne ständige Betreuung im Ofen gegart. Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Rezepte beinahe von allein entstehen. Einige verlangen durchaus mehr Vorbereitung und aktiven Einsatz. Dafür versprechen gerade diese Gerichte komplexere und ungewöhnlichere Aromen. „Simple“ bedeutet hier also erneut nicht zwingend schnell oder elementar, sondern häufig: ein gut strukturierter Ablauf, möglichst wenig Kochgeschirr und ein überschaubarer Anteil aktiver Küchenarbeit.

Fisch
Das Fischkapitel fällt mit nur acht Rezepten vergleichsweise klein aus, gehört aber zu den interessantesten Abschnitten des Buches. Die Bandbreite der Aromen und Zubereitungsarten ist beeindruckend, und gleich das erste Rezept beginnt mit einem Tusch: Der Lachs mit schwarzer Limette ist Ottolenghi at its best. Für das Würzöl werden getrocknete schwarze Limetten pulverisiert und mit Kreuzkümmel, Paprikapulver, etwas Zucker und Salz kombiniert. Damit wird eine ganze Lachsseite eingestrichen, die beim Garen eine beinahe schwarze Oberfläche erhält. Dazu kommen Sauerrahm und eine roh gerührte Tomatensauce. Der Effekt ist spektakulär, der aktive Aufwand überschaubar und der Fisch braucht lediglich rund zehn Minuten im Ofen. Hier gehen Ideenreichtum, intensive Aromen und Einfachheit tatsächlich eine ausgesprochen überzeugende Verbindung ein.

Auch der in Safranjoghurt gebackene Seehecht – alternativ kann Kabeljau verwendet werden – lebt von einer aromatischen, aber unkomplizierten Zubereitung. Thymian, Kreuzkümmel und reichlich mitgegarte Zitronenscheiben geben dem Fisch seinen Geschmack. Bei den Seehecht-Garnelen-Patties mit Old Bay kommt dagegen eine amerikanische Gewürzmischung aus Baltimore zum Einsatz, die unter anderem durch ihren hohen Anteil an Selleriesalz geprägt ist. Ottolenghi schwärmt nicht nur vom Geschmack, sondern auch von der hübschen Dose, die allein schon die Anschaffung lohnend mache. Wer Old Bay nicht findet, kann laut Rezept auf eine Cajun-Gewürzmischung ausweichen. Limette, Frühlingszwiebeln, Koriander und grüne Chili sorgen zusätzlich für Frische und Schärfe.

Garnelen erscheinen außerdem in weiteren Kombinationen, unter anderem mit Feta sowie mit Harissa und Frühlingszwiebeln. Experimenteller wird es beim gebratenen Wolfsbarsch mit Bkeila, einer intensiv aromatischen tunesischen Zubereitung aus lange gegartem Spinat, der hierfür aber nur kurz und dafür mit mehr Kräutern und Knoblauch angerichtet wird.
Lachs mit Aprikosen und Korianderpesto verbindet wiederum die Süße der Früchte mit einer frischen, kräuterbetonten Sauce. Für einen ganz anderen Auftritt sorgen schließlich „Jake’s Sandwiches mit gebratener Makrele“. Geräucherte Makrelenfilets werden mit Rosen-Harissa, Kraut und einer säuerlich abgeschmeckten grünen Salsa aus Chili, Koriander, Oregano und Kreuzkümmel in Brötchen serviert. Auch dieses Rezept lässt sich vergleichsweise leicht nachbauen, wirkt aber keineswegs alltäglich.

Insgesamt bietet das kleine Kapitel eine bemerkenswert hohe Ideendichte. Unterschiedliche Fischarten und Garnelen werden gebacken, gebraten, zu Patties verarbeitet oder als Sandwich serviert; die Aromen reichen von schwarzen Limetten und Safran über Old Bay und Harissa bis zu Aprikosen und Bkeila. Gerade hier zeigt „Simple Too“, wie das ursprüngliche Versprechen des Buches im besten Fall funktioniert: überschaubare Abläufe, verbunden mit starken Bildern, überraschenden Kombinationen und einem geschmacklichen Ergebnis, das weit weniger schlicht wirkt als seine Zubereitung.

Vegetarische Hauptgerichte
Mit zwölf Rezepten gehört das Kapitel über vegetarische Hauptgerichte erwartungsgemäß zu den umfangreicheren des Buches. Gemüse und Hülsenfrüchte werden mit Käse, Gewürzen und fruchtigen Komponenten kombiniert; dabei finden sich sowohl vertraute Ottolenghi-Motive als auch einige überraschende Verbindungen. Den Auftakt macht eine Butternut-Parmigiana, die das italienische Vorbild gleich in mehrere Richtungen verändert: Za’atar sorgt für eine levantinische Note, während Taleggio anstelle von Parmesan zum Überbacken verwendet wird. Besonders farbenfroh erscheinen die schwarzen Kichererbsen mit Baharat und Orange. Grüne Oliven und Estragon ergänzen die Kombination aus erdigen Hülsenfrüchten, warmen Gewürzen, Frucht und Kräutern. Wer keine schwarzen Kichererbsen bekommt, kann auch auf die vertraute helle Variante zurückgreifen. Geschmorter Halloumi mit Tomaten und Bohnen verspricht kräftige, mediterrane Wohlfühlküche. Bei den Gnocchi mit Erbsen und Käse dürfen ausdrücklich fertige Gnocchi aus dem Kühlregal verwendet werden. Urfa-Chiliflocken verleihen ihnen eine rauchige Wärme, Stracciatella sorgt für cremige Üppigkeit. Hier zeigt sich eine erfreulich unverkrampfte Form der Vereinfachung: Nicht jede Komponente muss selbst hergestellt werden, damit am Ende ein besonderes Gericht entsteht. Ungewöhnlich klingt auch der Blumenkohl-Soufflé-Auflauf, bei dem Ras el-Hanout auf frisches Basilikum trifft. Daneben stehen Mungobohnen mit Zucchini und Kartoffeln, gefüllte Spitzpaprika und ein grünes Ofenrisotto mit Mangold und Mozzarella. Butterlinsen mit Curry führen das Kapitel stärker in die indische Aromenwelt. Beim süßsauren Tofu werden Limetten und Berberitzen eingesetzt. Letztere gehören inzwischen beinahe zum klassischen Ottolenghi-Vorrat; alternativ können laut Rezept auch Johannisbeeren verwendet werden. Geröstete Blumenkohlscheiben mit Romesco verbinden kräftige Röstaromen mit der spanischen Paprika-Nuss-Sauce. Den Abschluss bildet eine Fenchel-Tarte-Tatin mit Trauben und Oliven, die Süße, Säure, Salz und die Anisnote des Fenchels zusammenführt.

Das Kapitel zeigt besonders schön die Spannweite der vegetarischen Ottolenghi-Küche. Italienische Vorbilder, levantinische Gewürze, indische Hülsenfruchtgerichte und spanische Saucen stehen selbstverständlich nebeneinander. Nicht jede Grundidee ist neu, doch viele werden durch einzelne Zutaten oder unerwartete Kombinationen wirkungsvoll verschoben. Zugleich senken mehrere ausdrücklich angebotene Alternativen die Hürden: Helle Kichererbsen dürfen die schwarzen ersetzen, Johannisbeeren die Berberitzen und fertige Gnocchi sind nicht nur erlaubt, sondern Teil des Rezepts. So gelingt die Vereinfachung hier teilweise auch bei den Zutaten – ohne dass die Gerichte ihre Eigenständigkeit verlieren.

Pasta
Das Pasta-Kapitel war beim ersten Durchblättern einer der Abschnitte, bei denen mich Zweifel beschlichen: Wird es nun doch ein wenig banal? Viele der neun Rezepte wirkten auf den ersten Blick entweder bereits bekannt oder nicht besonders einfallsreich. Bei genauerem Hinsehen verändert sich dieser Eindruck allerdings deutlich. Häufig genügt eine einzelne Zutat oder ein überraschender letzter Handgriff, um aus einer einfachen Pasta doch etwas Besonderes zu machen. Ein gutes Beispiel ist die Zucchini-Pasta mit knusprigen Kapern. Dünne Zucchinischeiben werden mit Kapern und Knoblauch angebraten und anschließend mit der Pasta verbunden. Basilikum und Pistazien bilden den Abschluss. Das klingt zunächst vollkommen unspektakulär, erhält durch die salzigen, knusprigen Kapern aber erstaunlich viel Charakter. Bei den Orecchiette mit Zucchini und Kichererbsen kommen Tomaten und Rosen-Harissa hinzu; getrocknete Minze und frischer Dill setzen weitere Akzente. Die Diavolo-Pasta-Pie mit Fenchel kombiniert ebenfalls Rosen-Harissa mit gerösteten Paprikaschoten aus dem Glas und Oliven. Eine vegetarische Butternut-Carbonara kommt dagegen ganz ohne Speck aus und setzt auf reichlich Knoblauch, Kürbis, Parmesan und Eier.
Mein erstes Testgericht aus dem Buch waren die Trofie mit Miso und Pilzen. Eigentlich schien diese inzwischen bewährte Umami-Kombination ein sicherer Gewinner zu sein. Mich überzeugte das Ergebnis dennoch nicht vollständig: Die einzelnen Bestandteile werden zunächst getrennt voneinander zubereitet und erst später zusammengeführt. Gemessen am Aufwand kamen die verschiedenen Aromen für meinen Geschmack nicht deutlich genug zur Geltung. Auch in einem insgesamt gelungenen Buch muss schließlich nicht jedes Rezept zum persönlichen Favoriten werden. Vollkommen anders erging es mir mit den Lauch-Zitronen-Paccheri. Lauch, Oregano, Zitrone und Knoblauch bilden eine ausgesprochen einfache Grundlage; erst Tahin und Za’atar, die zum Schluss darübergegeben werden, verschieben das Gericht in eine andere Geschmackswelt. Die Pasta ist schnell gemacht, besitzt aber dennoch einen klaren eigenen Charakter – genau eine jener unkomplizierten Ideen, die im Gedächtnis bleiben und die man gerne in das eigene Küchenrepertoire übernimmt.
Eine besondere Rolle im Buch spielt „DIE Sauce“, die gleich zweimal im Buch abgedruckt ist und hier auch als Begleitung zu Pasta erscheint. Die Tomatensauce gart fast ohne aktive Arbeit im Ofen. Ihren besonderen Geschmack erhält sie durch die Kombination zweier Kräutergruppen: Zunächst kommen die robusteren, leicht verholzten Kräuter Oregano, Thymian und Rosmarin hinzu; am Ende werden die weicheren Kräuter Basilikum, Minze und Estragon untergehoben. Gerade der Estragon gibt der vertrauten Tomatensauce gemeinsam mit Minze und Basilikum eine überraschende Richtung.

Auch die Casarecce mit Kichererbsen und Muscheln werden durch Estragon und Pistazien deutlich aus dem Gewohnten herausgehoben. Den Abschluss bildet ausgerechnet eine Thunfischpasta mit Fisch aus der Dose – ein Rezept, das in einem Ottolenghi-Buch zunächst beinahe irritierend alltäglich wirkt. Sardellen, Kirschtomaten, Fenchelsamen und Basilikum sollen aus dem vermeintlichen Vorratsschrank-Klassiker dennoch mehr machen als die hinlänglich bekannte schnelle Thunfischpasta. Kaum ein Kapitel bildet meinen Weg durch „Simple Too“ so gut ab wie dieses. Was zunächst wenig innovativ wirkte, erweist sich bei näherer Betrachtung vielfach als klug zugespitzte Alltagsküche. Nicht jedes Gericht ist vollkommen neu und nicht jede Kombination überzeugt mich gleichermaßen. Doch Kapern, Tahin, Za’atar, Estragon, Rosen-Harissa oder Fenchelsamen sorgen häufig mit vergleichsweise kleinen Mitteln für genau jenen Dreh, der aus einer vertrauten Pasta doch wieder eine Ottolenghi-Pasta macht.

Beilagen
Das Beilagenkapitel umfasst 16 Rezepte, von denen einige so eigenständig und gehaltvoll sind, dass sie für mich ohne Weiteres als vegetarisches Hauptgericht oder zumindest als Mittelpunkt einer Mahlzeit durchgehen könnten. Neben Reis und Kartoffeln spielen die unterschiedlichsten Gemüse die Hauptrolle – häufig geröstet, geschmort oder im Ofen gegart und mit kräftigen Würzmischungen, aromatischen Ölen oder ungewöhnlichen Toppings versehen. Zu den klassischeren Beilagen gehören mehrere Reisgerichte. Eine Variante verbindet Reis mit brauner Butter, Pasta und Zitrone. Beim Tomaten-Butter-Reis mit schwarzer Limette kommen zusätzlich Kardamom, Kreuzkümmel und Zimt ins Spiel. Der gebackene Knoblauchreis mit Nelken, Kardamom und Lorbeer geht auf ein Lieblingsrezept von Yotam Ottolenghis Mutter zurück. Sehr viel Knoblauch wird dabei im Ganzen mitgegart, bis er weich und beinahe süß wird.

Besonders abwechslungsreich fallen die Gemüsegerichte aus. Grüne Bohnen werden mit Miso, Grapefruit und Ingwer kombiniert und zum Schluss mit Sesam bestreut – eine ungewöhnliche, aber ausgesprochen stimmige Verbindung. Spargel trifft auf Pinienkerne, Oliven, weißes Miso und Zitronensaft. Zum Erscheinungstermin des Buches liegt dieses Rezept außerhalb der Spargelsaison, lässt sich aber schon einmal für den nächsten Frühling oder die kommende Grillsaison vormerken. Auch die konfierten Zucchini klingen nach einer Beilage, die leicht zum eigentlichen Mittelpunkt des Essens werden könnte. Spektakulär sieht der tiefdunkle Rosenkohl mit schwarzer Limette aus. Die pulverisierten Limetten werden mit Senf, weißem Balsamico, Limettensaft, Knoblauch, Zucker, Schnittlauch und Öl zu einer Glasur verarbeitet. Dazu kommen geröstete Haselnüsse. Die schwarze Limette dient hier also nicht nur als Gewürz, sondern prägt auch das ungewöhnliche Erscheinungsbild des Gerichts. Geröstete Zwiebeln werden mit Karobsirup – ersatzweise Dattelsirup – aromatisiert und ebenfalls im Ofen gegart. Geschmorte Karotten mit Orange erhalten durch eine Old-Bay-Gremolata eine neue Richtung. Hier wird zugleich die Vorratslogik des Buches sichtbar: Wer Old Bay für die Seehecht-Garnelen-Patties und schwarze Limetten für den Lachs angeschafft hat, findet in den folgenden Kapiteln weitere Verwendungsmöglichkeiten dafür. Ungewöhnlichere Zutaten werden also nicht nur für ein einziges Rezept verlangt. Auch die übrigen Gemüseideen zeigen wieder mehr von jener Raffinesse, die ich beim ersten Durchblättern teilweise vermisst hatte. Gerösteter Kohl wird mit Chili und knusprigen Knoblauchscheiben serviert. Für den Brokkoli werden getrocknete Pilze geröstet, mit ebenfalls geröstetem Reis fein pulverisiert und anschließend als würziges Pilztopping über das Gemüse gestäubt – eine ebenso einfache wie originelle Idee. Babymais erhält eine Glasur aus Harissa und Honig. Der im Ganzen geröstete Kohlrabi kommt mit wenigen Begleitern aus: Olivenöl, Tahin und Frühlingszwiebelöl, einem der „Fundamentals“ aus dem letzten Kapitel, genügen für ein Gericht, das ausgesprochen verlockend aussieht und für mich durchaus als eigenständige Mahlzeit funktionieren könnte. Ergänzt wird die Auswahl durch geröstete Kartoffeln, unter anderem mit Tahin und Sojasauce oder mit Joghurt. Den Abschluss bildet ein Chicorée-Gratin mit Urfa-Chili, Rosmarin, Knoblauch und Dijon-Senf, das mit gereiftem Cheddar überbacken wird. Auch dieses kräftige, hocharomatische Gericht braucht aus meiner Sicht kaum mehr als etwas Brot oder einen kleinen Salat, um als Hauptgericht durchzugehen.

Damit ist die Bezeichnung „Beilagen“ beinahe zu bescheiden gewählt. Das Kapitel zeigt Gemüse nicht als pflichtbewusste Begleitung von Fleisch oder Fisch, sondern als eigenständigen Geschmacksträger. Gleichzeitig wird das Konzept der vorbereiteten Grundzutaten besonders schlüssig: Würzöle und ungewöhnlichere Gewürze kehren wieder, verbinden verschiedene Kapitel miteinander und machen aus vergleichsweise schlichten Ausgangsprodukten charaktervolle Gerichte.

Salate
Mit 19 Rezepten ist das Salatkapitel eines der umfangreichsten des Buches – und zugleich eines der stärksten. Interessanterweise wurde mir das auch von mehreren Menschen bestätigt, die „Simple Too“ nach dem ersten Durchblättern in der Buchhandlung zunächst liegen gelassen hatten: Selbst ihnen gefiel das Salatkapitel auf Anhieb. Hier erkennt man sofort wieder die Handschrift Ottolenghis und jene ungewöhnlichen Verbindungen von Gemüse, Obst, Kräutern, Säure, Schärfe und unterschiedlichen Texturen, die man von ihm kennt und erwartet. Ein Kohl-Karotten-Slaw verbindet Tahin, Erdnüsse, Sojasauce und Sprossen. Der Brokkoli-Mallung greift eine schnelle Zubereitungsart aus Sri Lanka auf: Der Brokkoli wird in Kokosöl angeröstet und mit roter Zwiebel, scharfer Chili, Knoblauch, frischen Curryblättern und Koriander aromatisiert. Ebenso ungewöhnlich klingt der Salat aus Aubergine, Birne und Ingwer. Der in feine Streifen geschnittene Ingwer bringt dabei nicht nur Schärfe, sondern sorgt auch für ein besonderes Mundgefühl.

Beim gehackten grünen Salat werden Staudensellerie, Gurke, Frühlingszwiebeln, Minze, Petersilie und Dill sehr fein geschnitten. Dadurch erinnert die Mischung in ihrer kleinteiligen, kräuterreichen Art ein wenig an Taboulé. Ein weiterer gehackter Salat wird mit knusprigen Kataifi-Fäden, Za’atar und Avocado ergänzt – eine Verbindung, die schon durch den Kontrast der Texturen neugierig macht. Besonders gehaltvoll ist der Salat aus gerösteten grünen Bohnen. Bulgur, Couscous oder Quinoa können nach Geschmack verwendet werden; hinzu kommen Haselnüsse, Kümmel, Orange, Datteln, Minze, Tahin und etwas Dattelsirup. Auch der Blumenkohl-Pasta-Salat mit Halloumi, Mandeln, Johannisbeeren und Urfa-Chili geht deutlich über eine kleine Begleitung hinaus. Daneben finden sich ein gerösteter Maissalat und zerschlagene Gurken mit Mandeln und Dattelsirup. Bei dieser inzwischen bekannteren Technik wird die Gurke nicht sauber geschnitten oder gehobelt, sondern kräftig aufgebrochen. Durch die unregelmäßigen Flächen nimmt sie das Dressing besonders gut auf und bekommt zugleich eine andere Textur. Ein Kopfsalat wird mit einer Pinienkernvinaigrette aus Grapefruitsaft, Honig und Senf serviert. Kleiner Romanasalat trifft auf Orange, Pekannüsse und Parmesan, während Pastinaken mit Salzzitrone und Brunnenkresse kombiniert werden. Geröstete Zucchini mit Pistazien-Salsa und Feta sowie grüne Bohnen mit Kefir und Za’atar-Öl gehören ebenfalls zu den Gerichten, die sich leicht als kleine eigenständige Mahlzeit vorstellen lassen.

Besonders reizvoll klingt der Rote-Bete-Fenchel-Salat mit getrockneten Sauerkirschen und Chili, der unbedingt noch ausprobiert werden muss. Tomaten werden einmal mit einer Tamarinden-Gazpacho und ein anderes Mal gemeinsam mit Gurken und einem süß-salzigen Tahin-Dressing serviert. Gut und wichtig ist der Hinweis zur Tamarinde: Im Buch wird ausdrücklich erklärt, dass indische und thailändische Tamarindenprodukte geschmacklich nicht einfach austauschbar sind. Eine solche Erläuterung fehlt in vielen Kochbüchern, obwohl die Unterschiede das Ergebnis eines Gerichts erheblich beeinflussen können. Den Abschluss bilden zwei weitere Auberginenvarianten: einmal mit Kapern und Dill, einmal mit karamellisierten Datteln und Senfsaat. Auch hier werden wenige Elemente so miteinander verbunden, dass Süße, Säure, Schärfe und unterschiedliche Konsistenzen zusammenspielen.

Dieses Kapitel gehört für mich zu den überzeugendsten des Buches. Die Rezepte sind in der Zubereitung tatsächlich überwiegend einfach und bringen trotzdem neue, aufregende Geschmäcker in die Salatschüssel. Ottolenghi und sein Team zeigen hier ihre besondere Stärke: Aus vertrautem Gemüse entstehen durch überraschende Früchte, Kräuter, Gewürze und knusprige Komponenten Salate, die weder beliebig noch lediglich begleitend wirken. Wer beim ersten Durchblättern noch Zweifel am Ideenreichtum von „Simple Too“ hatte, dürfte sie spätestens in diesem Kapitel verlieren.

Desserts
Desserts kann Ottolenghi einfach – sie gehören seit jeher zu seinen Aushängeschildern. Auch die 14 Rezepte in „Simple Too“ zeigen seine besondere Begabung, vertraute Kuchen, Cremes, Kekse und Obstdesserts durch Gewürze, ungewöhnliche Aromen oder überraschende Texturen neu auszurichten. Neben abgewandelten Klassikern wie Clafoutis und gebackenem Milchreis finden sich wieder einige Ideen, die sofort neugierig machen. Unbedingt ausprobieren möchte ich die Limetten-Yuzu-Creme mit Sesamkrokant. Säure, Cremigkeit und gerösteter Sesam versprechen eine ebenso klare wie raffinierte Kombination. Spielerisch wird es beim Semifreddo mit „Cranko“: Dafür werden Croissants grob oder fein zerkleinert und mit Butter und Salz im Ofen goldbraun und knusprig gebacken. Die salzigen Croissantbrösel bilden anschließend den Kontrast zum kalten, cremigen Semifreddo. Zum Kapitel gehören außerdem gedeckte Aprikosen mit Orangen-Marmelade und Mandeln, ein mehlfreier Orangen-Ricotta-Polenta-Kuchen und ein sehr reichhaltiger Schokoladenkuchen. Beim Panettone-Pudding aus dem Ofen wird übrig gebliebenes Festtagsgebäck zu einem neuen Dessert verarbeitet. Die „Bananas in Pyjamas“ kombinieren Bananen mit Tahin, Schokolade und Vanilleeis – ein zugängliches Rezept, das durch das nussig-herbe Tahin dennoch unverkennbar in die Ottolenghi-Welt gerückt wird.

Auch der gebackene Milchreis mit Brombeeren und Zitrone verbindet Vertrautes mit frischer Frucht und Säure. Schokoladenshortbread kann nach Geschmack mit Chili zubereitet werden, funktioniert aber auch ohne Schärfe. Beim Clafoutis treffen Heidelbeeren auf Orange. Die Ingwer-Pfirsich-Blätterteigtaschen bekommen ein würzige Note durch Spekulatiuskrümmel. Aus dem arabischen Gebäck Ma’amoul entstehen wiederum Ma’amoul-Schnitten: eine Art gefülltes Shortbread, das die Aromen des traditionellen Gebäcks in eine neue Form übersetzt. Gerade hier zeigt sich erneut der erkennbare Einfluss der Levante auf das Dessertkapitel. Besonders spannend klingt schließlich der Kuchen mit dunklem braunem Zucker. Hier sollte tatsächlich „dark brown soft sugar“ oder Muscovadozucker verwendet werden, weil dessen malzig-karamelliges Aroma den Geschmack des Kuchens wesentlich bestimmt. Serviert wird er mit gerösteten Erdbeeren, die durch Sumach, Vanille und Minze eine fruchtige, säuerliche und zugleich kräuterfrische Begleitung erhalten.

Das Dessertkapitel gehört damit erneut zu den ideenreicheren Teilen des Buches. Die Rezepte reichen von unkomplizierten Obstdesserts und Keksen bis zu Cremes, Kuchen und einem Semifreddo. Viele Grundformen sind vertraut, werden aber durch Yuzu, Tahin, Sesam, Sumach, Chili, Spekulatius oder die Aromen von Ma’amoul überraschend verändert. Hier gelingt besonders häufig, was „Simple Too“ verspricht: überschaubare Rezepte, die dennoch eigenständig wirken und geschmacklich weit über das Alltägliche hinausgehen.

Saucen und Toppings
Das letzte Kapitel versammelt 14 Saucen, Würzöle, Dressings und Toppings. Der englische Titel „Fundamentals“ beschreibt ihre Funktion allerdings treffender als die deutsche Überschrift: Diese Rezepte bilden geschmackliche Grundlagen, die teilweise in mehreren Gerichten des Buches verwendet werden und dort mit wenig zusätzlichem Aufwand für Tiefe, Schärfe, Säure oder eine besondere Textur sorgen. Einige der „Fundamentals“ wurden deshalb bereits an anderer Stelle vollständig abgedruckt. Das mag beim Durchblättern zunächst wie eine Wiederholung wirken, ist in der Praxis aber ausgesprochen hilfreich. Man findet die Zubereitung unmittelbar beim jeweiligen Gericht und zusätzlich noch einmal gesammelt in diesem Kapitel, wenn man gezielt Saucen und Toppings für den Vorrat herstellen möchte.

Zur Auswahl gehören eine süßsaure Berberitzensauce und ein Shatta in roter oder grüner Variante. Sauerrahm wird mit Sumach aromatisiert, während eine Orangenmarmeladen-Vinaigrette mit bitterer Orangenmarmelade und englischem Senf ausdrücklich als „sehr englisches Dressing“ daherkommt. Hinzu kommen Frühlingszwiebelöl, Za’atar-Öl und eine Pinienkernvinaigrette. Auch „DIE Sauce“ ist hier noch einmal zu finden. Eine grüne Mayonnaise, eine Pistazien-Za’atar-Dukkah und ein Chili-Crisp aus dem Nahen Osten erweitern den Vorrat um cremige, knusprige und scharfe Komponenten. Mit Bkeila wird außerdem die intensiv eingekochte tunesische Spinatzubereitung aus dem Fischkapitel erneut aufgegriffen. Gleiches gilt für den Pilz-Sprinkle.

Nicht alle Grundlagen sind gleich lange haltbar. Manche können über einen längeren Zeitraum im Kühlschrank auf ihren Einsatz warten, andere müssen schneller verbraucht werden. Dennoch ist das Kapitel ein nützlicher Service und zugleich ein Schlüssel zum Konzept des Buches: Ein Teil der Arbeit wird vorgezogen, damit später aus einfachen Zutaten und überschaubaren Abläufen schnell ein charakteristisches Gericht entstehen kann. Die „Fundamentals“ erklären damit auch, warum „Simple Too“ zwar häufig unkompliziert, aber nicht geschmacklich reduziert ist. Wer Frühlingszwiebelöl, Dukkah, Chili-Crisp oder eine der Saucen vorbereitet hat, kann sie in unterschiedlichen Zusammenhängen einsetzen. Das Kapitel liefert nicht nur Ergänzungen zu einzelnen Rezepten, sondern einen kleinen Baukasten, aus dem sich auch über das Buch hinaus für die eigene Alltagsküche schöpfen lässt.

Menüvorschläge und Zutatenhinweise
Den Abschluss des Buches bilden verschiedene Menüvorschläge, die nach Anlässen und Alltagssituationen geordnet sind. Dazu gehören eine einfache, aber eindrucksvolle Dinnerparty, das Abendessen unter der Woche, gut vorzubereitende Mahlzeiten, ein Wochenendlunch, ein winterliches Festessen und schnelle Familienfavoriten. Besonders gelungen ist, dass bei der Zusammenstellung der Menüs auch die Jahreszeiten berücksichtigt werden. Die vorgeschlagenen Gerichte passen mit ihren Zutaten zur jeweiligen Saison und ergeben dadurch nicht nur geschmacklich, sondern auch praktisch sinnvolle Kombinationen. Zudem werden regelmäßig vegetarische und vegane Alternativen angeboten. So lassen sich die Menüs ohne größere eigene Planungsarbeit an unterschiedliche Ernährungsweisen anpassen.

Ganz am Ende folgen noch allgemeine Hinweise zu den verwendeten Zutaten und zur Zubereitung. Solche Seiten werden leicht überblättert, sind für ein zuverlässiges Gelingen der Rezepte aber ausgesprochen wichtig. Hier wird beispielsweise erklärt, dass mit Eiern die Größe L und mit Milch grundsätzlich Vollmilch gemeint ist. Bevor man mit dem Kochen beginnt, lohnt sich deshalb unbedingt ein Blick in diesen Abschnitt. Die Angaben schaffen Klarheit über Voraussetzungen, die in den einzelnen Rezepten nicht jedes Mal erneut ausgeführt werden, und tragen dazu bei, Missverständnisse oder abweichende Ergebnisse zu vermeiden. Zusammen mit den Menüvorschlägen und dem sorgfältig aufgebauten Register bildet dieser Serviceteil einen durchdachten und alltagstauglichen Abschluss des Buches.

3. Zielgruppe

Der Titel „Simple Too“ kann Erwartungen wecken, die das Buch nur bedingt erfüllt. „Einfach“ bedeutet hier immer: einfach im Ottolenghi-Stil. Die Rezepte sind häufig gut strukturiert, benötigen wenig Kochgeschirr oder lassen sich vorbereiten. Sie setzen aber weiterhin die Bereitschaft voraus, sich auf ungewohnte Zutaten, neue Aromenkombinationen und mitunter besondere Zubereitungstechniken einzulassen. Wer unter einfacher Küche vor allem wenige vertraute Zutaten, einen Einkauf im nächstgelegenen Supermarkt und möglichst konventionelle Abläufe versteht, wird vermutlich mit den „5 Zutaten“-Büchern von Jamie Oliver oder vergleichbaren Alltagskochbüchern glücklicher. „Simple Too“ möchte den Ottolenghi-Geschmack nicht bis zur Beliebigkeit reduzieren. Die Gerichte sind teilweise ausgesprochen einfach – banal werden sie jedoch nie. Salzzitronen, schwarzer Knoblauch, Dukkah, Chaat Masala, frische Curryblätter, Za’atar, Miso oder Biber Salçası bekommt man nicht unbedingt im nächsten Supermarkt. Wer noch keinen Ottolenghi-Grundstock besitzt, dürfte für manche Rezepte zunächst einen arabischen und einen asiatischen Lebensmittelladen aufsuchen oder bei einem gut sortierten Onlinehändler bestellen müssen. Einfach sind hier vor allem die Abläufe – nicht zwangsläufig der Einkauf.
Nicht alle dieser Zutaten lassen sich beliebig ersetzen, ohne dass sich der Charakter eines Gerichts deutlich verändert. Zwar bieten die Autor*innen an vielen Stellen sinnvolle Alternativen an, doch gerade Gewürzmischungen, Würzpasten, schwarze Limetten oder Salzzitronen sind häufig mehr als ein verzichtbares Extra. Sie bilden die geschmackliche Grundlage der jeweiligen Idee. Wer erstmals nach Ottolenghi kocht, sollte deshalb bereit sein, sich nach und nach einen entsprechenden Vorrat anzulegen.

Auch bei den Zubereitungen muss man gelegentlich vertraute Pfade verlassen. Einzelne Komponenten werden unterschiedlich behandelt, bevor sie auf dem Teller zusammenkommen; Röstaromen, cremige Elemente und knusprige Toppings spielen ebenso eine Rolle wie das genaue Verhältnis von Süße, Säure, Salz und Schärfe. Gerade diese Aufmerksamkeit für Texturen und für die getrennte Zubereitung einzelner Bestandteile macht aus vermeintlich einfachen Rezepten besondere Gerichte. Sie kann aber auch bedeuten, dass ein Rezept mehr Zeit und Konzentration verlangt, als sein Titel zunächst vermuten lässt.

Paradoxerweise dürfte das Buch auch eingefleischte Ottolenghi-Fans nicht unbedingt auf den ersten Blick überzeugen. Im Vergleich mit „Simple“, „Comfort“ oder einigen früheren Büchern erschließen sich die besonderen Ideen beim bloßen Durchblättern nicht immer sofort. Manches wirkt zunächst ausgesprochen vertraut, anderes erinnert an frühere Rezepte aus der Ottolenghi Test Kitchen. „Simple Too“ ist für diese Leser*innen deshalb möglicherweise eine Entdeckung auf den zweiten Blick: Man muss genauer hinsehen – und vor allem anfangen zu kochen. Erst auf dem Teller zeigen viele der vermeintlich schlichten Gerichte ihren eigentlichen Pfiff.

Geeignet ist „Simple Too“ damit vor allem für neugierige Köch*innen, die intensive und internationale Aromen mögen, sich auf neue Zutaten einlassen und auch vertraute Gerichte gerne einmal anders zubereiten. Ottolenghi-Neulinge erhalten einen vergleichsweise zugänglichen Einstieg in seine Küche, sofern sie bereit sind, ihren Vorrat und ihr geschmackliches Repertoire zu erweitern. Langjährige Fans wiederum sollten dem Buch etwas Zeit geben und es nicht allein am ersten Eindruck oder an der Innovationskraft seiner berühmtesten Vorgänger messen.
Wer diese Offenheit mitbringt, findet hier zahlreiche alltagstaugliche Rezepte, die trotz ihrer Vereinfachung charaktervoll und eigenständig bleiben. „Simple Too“ ist kein Buch für Menschen, die möglichst wenig Neues kennenlernen möchten. Es ist ein Buch für alle, die sich das Ungewohnte auf möglichst zugängliche Weise in ihre Alltagsküche holen wollen.

4. Rezepte und Vielfalt

Mit insgesamt 135 Rezepten bietet „Simple Too“ eine beachtliche Auswahl für nahezu alle Mahlzeiten und Anlässe: vom Frühstück über Snacks, Suppen, Pasta und Hauptgerichte bis zu Beilagen, Salaten und Desserts. Hinzu kommen die 14 „Fundamentals“, die als Saucen, Würzöle und Toppings auch über die konkreten Rezepte hinaus eingesetzt werden können. Obwohl „Simple Too“ kein vegetarisches Kochbuch ist, nimmt Gemüse erneut besonders viel Raum ein. Zwölf vegetarische Hauptgerichte, 16 Beilagen und 19 Salate bilden einen deutlichen Schwerpunkt. Viele davon sind so gehaltvoll und eigenständig, dass die Grenzen zwischen Beilage, Salat und Hauptgericht ohnehin fließend werden. Dem stehen 16 Fleischgerichte und ein mit acht Rezepten eher kleines, dafür besonders ideenreiches Fischkapitel gegenüber.

Auch die kulinarischen Einflüsse sind breit gefächert. Die Levante bildet mit Tahin, Za’atar, Sumach, Dattelsirup, Salzzitronen und Harissa weiterhin eine wichtige Grundlage. Daneben finden sich Anklänge an die indische, sri-lankische, türkische, tunesische, mexikanische, italienische, spanische, britische und amerikanische Küche. Diese Einflüsse werden selten streng traditionell umgesetzt, sondern frei miteinander verbunden und in die unverkennbare Ottolenghi-Aromenwelt übersetzt.

Abwechslung entsteht außerdem durch die unterschiedlichen Zubereitungsarten. Gemüse wird geröstet, konfiert, geschmort, zerschlagen oder mit knusprigen Pulvern bestäubt; Fleisch und Fisch werden gebacken, gebraten, langsam gegart oder zu Patties verarbeitet. Cremige Bestandteile treffen auf knusprige Toppings, Süße auf Säure, Früchte auf herzhafte Zutaten und warme Gewürze auf frische Kräuter. Gerade die Aufmerksamkeit für solche Kontraste sorgt dafür, dass auch sehr einfache Grundideen selten eindimensional wirken. Beim ersten Durchblättern erschließt sich diese Vielfalt allerdings nicht überall sofort. Manche Rezepte erscheinen zunächst vertraut oder erinnern an frühere Bücher von Ottolenghi und der Ottolenghi Test Kitchen. Bestimmte Zutaten und bewährte Motive kehren regelmäßig wieder. Das kann man als Selbstzitat wahrnehmen, aber auch als konsequente Weiterentwicklung einer über viele Jahre gewachsenen kulinarischen Handschrift. Ottolenghi selbst spricht von „2.0“-Versionen früherer Lieblingsideen.

Nicht jedes Kapitel ist dabei gleich stark. Besonders das umfangreiche Salatkapitel und das kleine Fischkapitel zeigen den bekannten Ideenreichtum auf Anhieb. Im Pasta-Kapitel offenbart sich der besondere Dreh dagegen häufig erst auf den zweiten Blick oder beim tatsächlichen Kochen. Dort machen knusprige Kapern, Tahin und Za’atar, Estragon oder Fenchelsamen aus zunächst vertrauten Gerichten doch etwas Eigenständiges. Insgesamt liegt die Stärke des Buches weniger darin, jede Zutat und jede Grundidee vollkommen neu zu erfinden. Vielmehr werden vertraute Gerichte durch einzelne Gewürze, ungewöhnliche Früchte, überraschende Kräuterkombinationen oder besondere Texturen verschoben. Dadurch bleibt die Sammlung trotz ihrer großen internationalen Bandbreite erstaunlich geschlossen: Die Rezepte sind vielfältig, sprechen aber unverkennbar dieselbe kulinarische Sprache.

5. Schwierigkeitsgrad

Handwerklich sind die Rezepte in „Simple Too“ nicht besonders schwierig. Die Arbeitsschritte werden nachvollziehbar erklärt, außergewöhnliche Küchentechniken sind selten erforderlich und grundsätzlich lässt sich alles auch von weniger geübten Köch*innen bewältigen. Dennoch sollte man ein Rezept vor dem Beginn vollständig lesen und die Zutaten sorgfältig vorbereiten. Gelegentlich wirken die Abläufe etwas kleinteiliger, als der Buchtitel vermuten lässt. Einzelne Komponenten werden separat angebraten, geröstet oder gewürzt und erst später miteinander verbunden. Dabei entsteht mitunter das Gefühl, dass auch ein Arbeitsschritt weniger genügt hätte. Die Versuchung, an solchen Stellen eine Abkürzung zu nehmen, ist durchaus vorhanden. Empfehlen würde ich das allerdings nicht. Die getrennte Behandlung der Komponenten ist häufig dafür verantwortlich, dass unterschiedliche Röstaromen und Texturen entstehen und das fertige Gericht mehr Tiefe bekommt. Was zunächst wie ein überflüssiger Handgriff wirkt, kann für das Ergebnis entscheidend sein.

Für Ottolenghi-Verhältnisse sind solche Abläufe in diesem Buch bereits deutlich reduziert und kommen seltener vor als in vielen seiner früheren Werke. Wer regelmäßig nach Ottolenghi kocht, wird sie vermutlich kaum noch als besonderen Aufwand wahrnehmen. Für Einsteiger*innen bleibt dennoch ein mittlerer Schwierigkeitsgrad: nicht kompliziert, aber mitunter arbeitsintensiver und präziser aufgebaut als andere Bücher über schnelle Alltagsküche. „Simple Too“ bedeutet deshalb nicht mühelos oder vollkommen voraussetzungslos. Es bleibt Ottolenghi – und Ottolenghi ist komplex: in den Aromen, in den Texturen und gelegentlich auch im Weg dorthin. Die Kunst dieses Buches liegt darin, diese Komplexität so weit zu reduzieren, dass sie gut machbar bleibt, ohne dass das Ergebnis beliebig wird.

6. Fotografie und Design

Bildqualität
Auch die Foodfotografie in „Simple Too“ stammt überwiegend von Jonathan Lovekin, der seit vielen Jahren mit Ottolenghi zusammenarbeitet und dessen visuelle Handschrift maßgeblich geprägt hat. Einzelne Aufnahmen steuerte Verena Lochmuller bei. Die puristische, klare Bildsprache des ersten „Simple“ wird nahezu unverändert fortgesetzt. Die Gerichte wirken natürlich, unmittelbar und appetitanregend; Farben werden klar und ohne auffällige Filter oder künstliche Inszenierung wiedergegeben. Fast alle Rezepte sind bebildert. Auffällig ist diesmal, dass die Speisen häufig direkt in den Gefäßen gezeigt werden, in denen sie zubereitet wurden: in Pfannen, Schmortöpfen und Auflaufformen oder auf mit Backpapier ausgelegten Blechen. Damit greifen die Fotos das Konzept des Buches visuell auf. Sie zeigen, dass viele Gerichte tatsächlich in einem einzigen Gefäß oder mit vergleichsweise wenig Küchenausstattung entstehen können. Anders als beim ersten „Simple“ spielen gedeckte Tafeln, gemeinschaftliche Essenssituationen und Menschen kaum noch eine Rolle. Auch Yotam Ottolenghi und Verena Lochmuller selbst sind nur auf wenigen Bildern zu sehen: Zu Beginn gibt es eine kleine Serie aus vier Aufnahmen, am Ende tauchen noch einmal drei Bilder auf. Ansonsten gehört die Bühne vollständig dem Essen. Dadurch wirkt das Buch konzentrierter und reduzierter, allerdings auch etwas weniger lebendig und gesellig als sein Vorgänger.

Nutzung der Bilder
Die Fotografien dienen in erster Linie dazu, Appetit zu machen und eine Vorstellung vom fertigen Gericht zu vermitteln. Einen didaktischen Mehrwert im engeren Sinne besitzen die meisten Bilder nicht. Sie erklären keine einzelnen Handgriffe und dokumentieren den Kochprozess normalerweise nicht Schritt für Schritt. Einige wenige Bildserien bilden jedoch eine Ausnahme. Dort wird beispielsweise gezeigt, wie die einzelnen Schichten eines Auflaufs zusammengesetzt werden oder wie beim Arbeiten mit Filoteig vorzugehen ist. An diesen Stellen unterstützen die Fotos tatsächlich die Zubereitung und helfen dabei, ein möglicherweise ungewohntes Vorgehen besser nachzuvollziehen. Der Schwerpunkt liegt dennoch eindeutig auf der Präsentation des fertigen Essens.

Layout und Gestaltung
Schriftart, Seitenaufbau und grundsätzliche Rezeptgestaltung entsprechen nahezu vollständig dem ersten „Simple“. Das Design wird diesmal Caz Hildebrand zugeschrieben. Die schwarze, gut lesbare Schrift auf weißem Hintergrund und die serifenlose Typografie sorgen weiterhin für eine ruhige und übersichtliche Gestaltung. Kurze Einleitungen, Zutatenlisten und Zubereitungsschritte sind klar voneinander getrennt, und die meisten Rezepte lassen sich erfassen, ohne während des Kochens ständig umblättern zu müssen. Verzichtet wurde allerdings auf das auffällige Symbolsystem des Vorgängers. Die farbigen Icons, mit denen dort auf einen Blick erkennbar war, auf welche Weise ein Rezept „simple“ ist, sind in „Simple Too“ nicht mehr vorhanden. Dadurch wirkt das Layout noch reduzierter, bietet aber etwas weniger schnelle Orientierung.

Inzwischen besitzt diese Gestaltung selbst einen hohen Wiedererkennungswert. Die klare Typografie, die großzügigen weißen Flächen und Lovekins puristische Foodfotografie sind längst Teil des visuellen Ottolenghi-Stils geworden. Das Design wirkt deshalb vertraut und beinahe wie eine eigene Marke – eine bewährte Gestaltung, die nicht grundlegend verändert, sondern konsequent fortgeführt wurde.
Auch die Ausstattung ist wieder hochwertig. Zwei Lesebändchen ermöglichen es, mehrere Rezepte gleichzeitig zu markieren, und erleichtern die praktische Nutzung in der Küche. Insgesamt ist „Simple Too“ sorgfältig produziert, klar gestaltet und sehr benutzerfreundlich. Seine Fotografien erzählen dabei das Konzept des Buches mit: Nicht Menschen oder aufwendig inszenierte Tafeln stehen im Mittelpunkt, sondern das Gericht und der möglichst direkte Weg, auf dem es in Pfanne, Topf, Form oder Backblech entstanden ist.

7. Sprache und Anleitungen

Auch sprachlich folgt „Simple Too“ konsequent seinem Konzept. Die Rezepte sind klar, direkt und angenehm reduziert formuliert. Ottolenghi und das Autor*innen-Team verzichten auf unnötige Ausschmückungen und konzentrieren sich auf die Informationen, die beim Kochen tatsächlich benötigt werden. Die Sprache wirkt sachlich und freundlich, aber weder belehrend noch künstlich vereinfacht. Die Zubereitungsschritte sind nachvollziehbar gegliedert und trotz ihrer Kürze präzise genug, um sicher durch die Rezepte zu führen. Auch dort, wo mehrere Komponenten getrennt vorbereitet und später zusammengeführt werden, bleibt der Ablauf übersichtlich. Auffällige Lücken, missverständliche Anweisungen oder irritierende Sprünge sind mir nicht begegnet. Die Rezepte vermitteln damit jene Ruhe und Verlässlichkeit, die gerade bei ungewohnten Zutaten und Aromenkombinationen besonders wichtig ist.

Noch stärker als beim ersten „Simple“ haben mich diesmal die kurzen Einleitungen zu den Rezepten überzeugt. Auf engem Raum enthalten sie erstaunlich viele zusätzliche Informationen: Sie erläutern die Herkunft eines Gerichts oder einer Zubereitungstechnik, erklären besondere Zutaten, stellen Bezüge zu kulinarischen Vorbildern her oder verraten, wie eine bestimmte Idee entstanden ist. Diese kleinen Hintergründe sind nicht nur informativ, sondern machen das Buch auch abseits des unmittelbaren Kochens lesenswert. Gleichzeitig bleiben die Einleitungen ausgesprochen pragmatisch. Häufig wird gleich zu Beginn erklärt, was sich zu einem Gericht servieren lässt, welche Sauce oder Beilage aus einem anderen Kapitel dazu passt oder an welches verwandte Gericht die Zubereitung erinnert. Hinweise zur Aufbewahrung von Resten und zur Eignung für das Einfrieren erleichtern zusätzlich die Planung im Alltag. Damit gelingt sprachlich genau das, was auch die Rezepte erreichen wollen: viel Inhalt ohne unnötigen Ballast. „Simple Too“ ist knapp, aber nicht wortkarg; informativ, ohne sich in langen Erklärungen zu verlieren; zugänglich, ohne seine Leser*innen zu unterschätzen. Sprache und Anleitung gehören deshalb erneut zu den großen Stärken des Buches – vielleicht sogar noch etwas deutlicher als beim Vorgänger.

8. Besonderheiten

Die wichtigste Besonderheit von „Simple Too“ liegt in seinem erweiterten Verständnis von Einfachheit. Es geht nicht nur darum, Zeit oder Arbeitsschritte zu sparen. Das Buch reagiert auch auf Erschöpfung, Entscheidungsmüdigkeit und die allgemeine Unruhe des Alltags. Jedes Rezept soll deshalb auf mindestens eine Weise entlasten: durch eine kurze Zubereitungszeit, die Verwendung nur eines Kochgefäßes oder die Möglichkeit, wesentliche Teile im Voraus vorzubereiten. Besonders schlüssig ist das Kapitel „Fundamentals“ („Saucen und Toppings“). Die dort versammelten Saucen, Würzöle und Toppings sind keine bloßen Ergänzungen, sondern wiederverwendbare Geschmacksbausteine. Frühlingszwiebelöl, Za’atar-Öl, Dukkah, Chili-Crisp oder „DIE Sauce“ tauchen in unterschiedlichen Zusammenhängen auf und können darüber hinaus frei in der eigenen Küche eingesetzt werden. Dadurch funktioniert „Simple Too“ nicht nur als Rezeptsammlung, sondern teilweise wie ein kleines Baukastensystem: Einmal vorbereitete Grundlagen erleichtern später mehrere Mahlzeiten. Überhaupt sind die Kapitel ungewöhnlich stark miteinander verzahnt. In den kurzen Einleitungen werden passende Beilagen, Saucen und Ergänzungen aus anderen Teilen des Buches empfohlen. Ungewöhnlichere Zutaten wie schwarze Limetten oder Old Bay werden mehrfach eingesetzt, und die Menüvorschläge führen verschiedene Rezepte passend zu Jahreszeit und Anlass zusammen. Das Buch hilft damit nicht nur beim Kochen einzelner Gerichte, sondern auch beim Weiterverwenden von Vorräten und beim Zusammenstellen vollständiger Mahlzeiten.

Bemerkenswert ist außerdem auch hier wieder der ausgeprägte Gemeinschaftscharakter. Verena Lochmuller steht ausdrücklich als Mitautorin neben Yotam Ottolenghi. Milli Taylor brachte von Beginn an Rezepte und Ideen ein, während Tara Wigley und Kate Caruthers an der sprachlichen und konzeptionellen Zuspitzung beteiligt waren. Unterstützt wurde das Projekt vom gesamten Team der Ottolenghi Test Kitchen. „Simple Too“ trägt zwar den berühmten Namen auf dem Cover, ist aber erkennbar das Ergebnis einer gemeinsamen kreativen Arbeit.

Als Fortsetzung geht das Buch zudem einen ungewöhnlich offenen Umgang mit dem eigenen Erfolg ein. Frühere Ideen werden nicht verleugnet, sondern teilweise bewusst als „2.0“-Versionen weiterentwickelt. Das führt gelegentlich zu dem Eindruck, Ottolenghi zitiere sich selbst. Zugleich zeigt es, dass „Simple Too“ seine Besonderheit weniger in einer vollständigen Neuerfindung sucht als in der Frage, wie sich die gewachsene Ottolenghi-Küche noch besser in den heutigen Alltag übersetzen lässt.

9. Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis: 40 Euro

Mit einem Preis von 40 Euro bewegt sich „Simple Too“ im unteren Bereich des gehobenen Kochbuchsegments. Damit kostet es gut fünf Euro mehr als der erste Band, der für 34,95 Euro erschienen ist. Seitdem sind allerdings einige Jahre vergangen, und auch die Herstellungspreise für Bücher sind deutlich gestiegen. Im Vergleich mit aktuellen, ähnlich umfangreich und hochwertig ausgestatteten Kochbüchern erscheint der Preis deshalb keineswegs ungewöhnlich.

Auch die Ausstattung rechtfertigt die 40 Euro: Das Buch ist sorgfältig produziert, bietet ein klares, hochwertiges Layout und eine fast durchgängige Foodfotografie von Jonathan Lovekin. Zwei Lesebändchen erleichtern die praktische Nutzung und ermöglichen es, mehrere Rezepte gleichzeitig zu markieren. Das stabile, großformatige Buch ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch auf den regelmäßigen Gebrauch in der Küche ausgelegt.

Inhaltlich erhält man 135 Rezepte aus nahezu allen Bereichen der Alltagsküche sowie einen zusätzlichen Nutzwert durch die „Fundamentals“, Menüvorschläge, Zutatenhinweise und das ausführliche Register. Die große Bandbreite reicht von Frühstück und kleinen Gerichten über Pasta, Gemüse, Fisch und Fleisch bis zu Salaten und Desserts. Neben vertrauten Motiven finden sich zahlreiche neue Kombinationen und Ideen, die sich tatsächlich in den Alltag übernehmen lassen. Hinzu kommt ein Konzept, das gut in die Zeit passt: „Simple Too“ reagiert auf Zeitmangel, Erschöpfung und Entscheidungsmüdigkeit, ohne die Ottolenghi-Küche auf beliebige schnelle Gerichte zu reduzieren. Das Buch ist deshalb weder ein reiner Inspirationsband noch ein repräsentatives Coffee-Table-Book, sondern ein Kochbuch, aus dem regelmäßig gekocht werden kann.

Insgesamt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis aus meiner Sicht sehr überzeugend. 40 Euro sind nicht wenig, dafür bekommt man aber ein umfangreiches, hochwertig gestaltetes und praktisch nutzbares Kochbuch mit vielen abwechslungsreichen Rezepten und einem durchdachten Konzept. „Simple Too“ ist seinen Preis wert.

10. Gesamteindruck und Empfehlung

Mein Verhältnis zu „Simple Too“ begann mit einer Irritation. Beim ersten Durchblättern wirkten manche Rezepte erstaunlich vertraut, einige beinahe zu schlicht und andere wie Variationen von Ideen, die aus „Simple“, „Comfort“ oder den Büchern der Ottolenghi Test Kitchen bereits bekannt waren. Gemessen an der hohen Erwartung, die inzwischen mit jedem neuen Ottolenghi-Buch verbunden ist, stellte sich deshalb zunächst eine gewisse Enttäuschung ein. Dieser Eindruck hat sich beim genaueren Lesen und vor allem beim Kochen deutlich verändert. Viele Rezepte offenbaren ihren eigentlichen Reiz nicht bereits in der Zutatenliste oder auf dem Foto. Erst auf dem Teller zeigt sich, was knusprige Kapern, schwarze Limetten, Tahin, Za’atar, Estragon oder ein ungewöhnliches Kräutertopping mit einem vermeintlich einfachen Gericht machen können. Nicht alles ist völlig neu und nicht jedes ausprobierte Rezept hat mich gleichermaßen überzeugt. Insgesamt enthält das Buch aber sehr viel mehr Ideenreichtum, als der erste Blick vermuten ließ.

„Simple Too“ erfindet die Ottolenghi-Küche nicht neu. Es ordnet, reduziert und entwickelt sie weiter. Dass dabei Zutaten, Techniken und Grundideen aus früheren Büchern wiederkehren, lässt sich durchaus als Selbstzitat wahrnehmen. Zugleich entsteht daraus ein geschlossenes System: Einmal angeschaffte Gewürze und vorbereitete „Fundamentals“ werden mehrfach genutzt, vertraute Kombinationen bekommen neue Partner und bewährte Ideen werden in eine alltagstauglichere Form gebracht.

Einfach bedeutet dabei weiterhin einfach nach Ottolenghi-Maßstäben. Die Rezepte sind überwiegend gut machbar, klar beschrieben und häufig auf eine Pfanne, einen Topf, eine Auflaufform oder ein Backblech reduziert. Dennoch verlangen sie Neugier, einen gewissen Grundstock besonderer Zutaten und gelegentlich die Bereitschaft, einzelne Komponenten getrennt zuzubereiten. Wer ein Kochbuch mit fünf alltäglichen Zutaten und möglichst wenigen Handgriffen erwartet, dürfte hier nicht immer das finden, was der Titel zunächst verspricht. Wer dagegen Ottolenghi-Aromen mit überschaubareren Abläufen verbinden möchte, wird gut bedient.

Besonders stark sind für mich das umfangreiche Salatkapitel und das kleine, aber ausgesprochen ideenreiche Fischkapitel. Auch bei den Beilagen finden sich zahlreiche Gemüsegerichte, die ohne Weiteres als eigenständige Mahlzeit funktionieren könnten. Die Desserts bestätigen erneut, wie sicher Ottolenghi und sein Team klassische Formen mit neuen Aromen und Texturen verbinden. Selbst das zunächst eher unspektakulär wirkende Pasta-Kapitel hält einige Gerichte bereit, die durch einen kleinen, gezielten Dreh im Gedächtnis bleiben. Im direkten Vergleich erscheint mir das erste „Simple“ insgesamt noch etwas innovativer. Wer keines der beiden Bücher besitzt und sich für eines entscheiden müsste, dem würde ich vermutlich weiterhin zuerst zum Vorgänger raten. Glücklicherweise muss man sich im eigenen Kochbuchregal nicht zwingend entscheiden: „Simple Too“ ersetzt den ersten Band nicht, sondern ergänzt ihn um eine stärker auf den heutigen, oft überladenen Alltag ausgerichtete Perspektive.

Empfehlen kann ich das Buch neugierigen Köch*innen, die internationale Aromen lieben und bereit sind, sich auf die Ottolenghi-Welt einzulassen. Langjährige Fans sollten sich von einem möglicherweise verhaltenen ersten Eindruck nicht abschrecken lassen. Dieses Buch möchte nicht nur durchgeblättert, sondern benutzt werden. Wer einfach einmal anfängt, daraus zu kochen, dürfte darin nach und nach sehr viel mehr entdecken, als sich auf den ersten Blick zeigt. „Simple Too“ ist deshalb für mich keine neue Revolution der Ottolenghi-Küche, aber eine durchdachte, zeitgemäße und vielfach sehr gelungene Weiterentwicklung. Es ist einfacher geworden, ohne banal zu sein – und gerade darin liegt am Ende seine eigentliche Stärke.

11. Bewertung

Gesamtbewertung: 🥄🥄🥄🥄🥄

Bewertung nach Kategorien:
• Inhalt und Konzept: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Zielgruppe: 🥄🥄🥄🥄
• Rezepte und Vielfalt: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Schwierigkeitsgrad: 🥄 🥄🥄
• Fotografie und Design: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Sprache und Anleitungen: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄
• Besonderheiten: 🥄🥄🥄🥄🥄
• Preis-Leistungs-Verhältnis: 🥄🥄🥄🥄🥄🥄

12. Nachgekocht

Miso-Pilz-Trofie (S. 162)
Pilze, Miso und Pasta – inzwischen vielleicht nicht mehr die ganz große Überraschung. Interessanter wird es aber bei der Zubereitung. Zwiebeln werden langsam mit Zitronenschale und Thymian karamellisiert, anschließend kommen Knoblauch und Miso dazu. Und dann wandern die trockenen Trofie direkt mit in den Topf. Aufgegossen wird mit Wasser und etwas Milch bzw. Hafermilch – und darin gart die Pasta, bis sie die Flüssigkeit weitgehend aufgenommen hat. Im Grunde also eine ziemlich unkomplizierte One-Pot-Pasta. Die Pilze werden währenddessen mit Miso, Ahornsirup und Olivenöl im Ofen geröstet und kommen am Ende zusammen mit reichlich Petersilie zur Pasta. Das Ergebnis? Cremig, herzhaft, ordentlich Umami und absolut unkompliziert. Ein gutes Gericht, auch wenn es mich anfangs etwas enttäuscht hat, weil mir die Überraschung gefehlt hat.

Grüne Bohnen mit Miso und Grapefruit (S. 182)
Grüne Bohnen mit Koriander, Sesam und Zitrus kenne und mag ich schon lange. Hier wird die Kombination aber noch einmal etwas anders gedreht. Die Bohnen werden nicht gekocht, sondern kräftig gebraten, Frühlingszwiebeln kommen dazu und anschließend reichlich frischer Koriander. Das Dressing bringt dann die eigentliche Würze: Grapefruitsaft, Miso, Ahornsirup und ordentlich Ingwer. Besonders schön fand ich den Sesam: Der wird geröstet, zerstoßen und anschließend mit etwas Puderzucker und Salz vermischt. Das gibt noch einmal eine leicht süß-salzige, nussige Note.

Eine unkomplizierte, asiatisch angehauchte Beilage mit ordentlich Frische und Würze – und zu gegrilltem Fisch hat sie ganz hervorragend gepasst.

 

DIE Sauce (mit Pasta) (S. 168 / 290)

Tomaten in Scheiben, sehr viel gutes Olivenöl, halbierte Knoblauchknollen, Oregano, Thymian und Rosmarin, Salz, Pfeffer und etwas Puderzucker. Ab damit in den Ofen und erst einmal machen lassen.
Nach etwa 45 Minuten kommen Sherry-Essig und der weich geröstete Knoblauch dazu. Und dann passiert das, was aus einer guten Ofentomatensauce doch noch etwas Besonderes macht: Basilikum, Minze und Estragon. Gerade Minze und Estragon geben den süßlich konzentrierten Tomaten eine Frische und eine ganz andere Richtung als bei der üblichen Tomatensauce. Mit Pasta: sehr, sehr gut.

Und deshalb taucht „DIE Sauce“ im Buch wohl auch gleich zweimal auf: einmal bei den Pastagerichten und noch einmal bei den Grundlagen. Denn Pasta ist nur eine Möglichkeit. Ottolenghi und Lochmuller empfehlen sie auch zu Hackbällchen, Garnelen, weißen Bohnen, geröstetem Gemüse oder gegrilltem Fisch. Außerdem hält sie sich bis zu einer Woche im Kühlschrank und lässt sich einfrieren.Kurz gesagt: „DIE Sauce“ wird es hier ziemlich sicher nicht zum letzten Mal gegeben haben.

 

Fenchel-Tarte-Tatin mit Trauben und Oliven (S. 148)

Fenchel, süße Trauben, salzige Oliven, Fenchelsaat und Ahornsirup ergeben zusammen eine überraschend feine Mischung. Blätterteig darüber, backen, stürzen – fertig. Und deutlich effektvoller, als der Arbeitsaufwand vermuten lässt. Allerdings hatte ich etwas viel Flüssigkeit dabei – das mag an den Produkten gelegen haben, der Fenchel war extrem frisch und knackig und das Ahornsirup vielleicht auch zu dünnflüssig. Auf die Flüssigkeiten würde ich also ein wenig achten und den Fenchel entweder in dünnere Spalten schneiden oder in Scheiben schichten. Geschmacklich war es aber sehr gut!

 

Hähnchenschnitzel mit Curry-Tomaten (S. 84f.)

Wirklich richtig köstlich – für die Tomaten werden zunächst Curryblätter in Öl angebraten, dann kommen Tomaten, Chiliringe, Ingwer und Knoblauch dazu. Nach einigem Schmoren wird mit Ahornsirup, Sojasoße, Currypulver und Rotweinessig abgeschmeckt und alles darf noch ein wenig einkochen. Das ergibt eine wunderbar würzige, süß-säuerliche Tomatenmischung.
Das flach geklopfte Hähnchenschnitzel wird nicht durch Ei gezogen, sondern dünn mit Mayonnaise bestrichen und anschließend in Panko gewälzt, das ebenfalls mit Currypulver gewürzt ist. Dann einfach knusprig ausbraten und zusammen mit den Curry-Tomaten servieren.
Ich hatte hierfür eine eher milde Chilischote erwischt – und für mich war die Schärfe so genau richtig. Das Ganze ist tatsächlich simple im wahrsten Sinne des Wortes, aber keineswegs langweilig: unkompliziert, würzig, schön knusprig und richtig lecker. Prima Feierabendküche. Der Deutsche an und für sich kann sich diese Tomaten auch super zu einer Bratwurst vorstellen. Mit Pommes und Mayo. Das wäre eine prima Currywurst à la Ottolenghi. 😁
Auberginensalat mit Birne und Ingwer (S. 216)
Der Auberginensalat ist ein bisschen asiatisch, ein bisschen Levante – gute Mischung! 😄
Hinein kommen im Ofen gebackene Auberginen, Granatapfelmelasse, geröstete Cashewkerne, in Streifen geschnittener Ingwer, Chili, Koriander und Birne. Einfach und auch sehr gut. Es wird gewarnt, das er nicht gut aufzubewahren ist und schnell seine Optik verliert – stimmt! 😁 Sollte man also erst kurz vor dem Servieren mischen. Sehr, sehr lecker!
Lachs mit schwarzer Limette (S. 106)
Der Lachs macht quasi null Arbeit und steht ratzfatz auf dem Tisch. Er wird mit einem Öl bestrichen, in das gemahlene Loomi (getrocknete schwarze Limetten, in jedem arabischen Supermarkt zu bekommen), Zucker, Kreuzkümmel und Paprikapulver kommen und darf dann im sehr heißen Ofen 10 Minuten garen. Danach kommt noch etwas Sour Cream und eine kalte Tomatensauce aus geriebenen Tomaten mit Knoblauch, Paprikapulver und Öl dazu. Und das ist richtig, richtig gut: Die schwarze Limette bringt eine herbe, säuerliche Zitrusnote, die Tomate Frische und die Sour Cream etwas Kühles, Cremiges dazu. Ungewöhnlich, aber überhaupt nicht kompliziert.
Schokoladenkuchen (S. 272 f. )
In diesen Kuchen wandern tatsächlich 300 g Schokolade plus Kakaopulver. Die ersten 150 g werden mit heißem Kaffee übergossen und darin geschmolzen, dann kommt Butter dazu und daraus entsteht die Basis für den Teig. Und weil das offenbar noch nicht reicht, werden am Ende noch einmal 150 g Schokolade gehackt untergehoben.
Das Ergebnis ist entsprechend: sehr intensiv und wirklich richtig gut. „Death by Chocolate“ at its best.  Was den Kuchen für mich aber besonders macht, ist die Rum-Zimt-Sahne, die dazu serviert wird. Die würde ich auf keinen Fall weglassen. Zimt und Rum passen großartig zur dunklen Schokolade und nehmen dem Ganzen sogar ein bisschen von seiner Wucht.😄
Also: 300 g Schokolade, Butter, Sahne und Rum. Über Kalorien müssen wir an dieser Stelle wirklich nicht mehr sprechen. 😂
Paccheri mit Lauch und Zitrone (S. 165)
Ganz ehrlich: Wenn mir jemand dieses Rezept nur kurz beschrieben hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht sofort losgelaufen, um die Zutaten einzukaufen. Pasta mit Lauch und Zitrone klingt erst einmal eher schlicht – und genau deshalb ist dieses Gericht ein ziemlich gutes Beispiel dafür, warum man ein Kochbuch manchmal nicht nur durchblättern, sondern tatsächlich daraus kochen muss. Die Lauchstangen werden in etwa vier Zentimeter lange Stücke geschnitten, halbiert und dann mit Knoblauch, frischem Oregano und Streifen von Zitronenschale langsam in der Pfanne gegart. Dabei sollen sie gar nicht kräftig bräunen, sondern ganz weich werden und nach und nach ein wenig auseinanderfallen. Währenddessen werden die Paccheri gekocht, allerdings nur so weit, dass sie noch deutlich al dente sind. Anschließend kommen sie zusammen mit etwas Pastawasser zum Lauch und werden bei kleiner Hitze unter ständigem Rühren fertig gegart. Dadurch verbinden sich Lauch, Olivenöl und Pastawasser zu einer wunderbar cremigen Sauce. Zum Schluss kommen noch Zitronensaft, frischer Oregano und reichlich schwarzer Pfeffer dazu. Bis hierhin ist das eine sehr gute, aber immer noch recht schlichte Lauchpasta. Den besonderen Dreh bekommt sie erst auf dem Teller: Darüber werden Tahin, Za’atar und noch etwas Zitronensaft gegeben. Und plötzlich ist da sehr viel mehr – Frische, Cremigkeit, Würze und dieser wunderbar süßliche Geschmack des weich gegarten Lauchs. Mich hat dieses unscheinbare Gericht wirklich überrascht. Und es steht für meine Erfahrung mit dem gesamten Buch: Viele Rezepte zeigen ihren eigentlichen Pfiff erst auf dem Teller.

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